Jahresempfang des BVMW 2010 in Berlin
Deutscher Mittelstand hat seinen Optimismus bewahrt
Zum traditionellen Jahresempfang im Berliner Maritim-Hotel konnte BVMW-Präsident Mario Ohoven mehr als 2.500 Gäste begrüßen, darunter die Botschafter von Frankreich und Großbritannien sowie 18 Mitglieder des Deutschen Bundestages und der Landtage. Redner des Abends waren neben den BVMW-Geschäftsführern Bodo Schwarz und Dr. Sven Halldorn der Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle und der Vorsitzende der Partei Bündnis90 / Die Grünen, Cem Özdemir. Höhepunkt der Veranstaltung war der Auftritt von Paul Potts. Mit seiner Karriere vom Supermarktverköufer zum international berühmten Star-Tenor habe Potts sich als „echter Mittelständler“ erwiesen, so Mario Ohoven.
Klare Worte richtete Ohoven an die Politik. Die Krise, so mahnte er, sei lange nicht vorbei. Trotzdem habe der deutsche Mittelstand seinen Grundoptimismus bewahrt. 70 Prozent der Unternehmen wollen in diesem Jahr ihren Mitarbeiterbestand halten. Zehn Prozent planen sogar eine Aufstockung des Personals. Ein großes Problem sei jedoch die von vielen kleinen und mittleren Unternehmen wahrgenommene „Kreditrationierung“.
„Der Liquiditätsmangel ist das dringende Problem des Mittelstandes in Deutschland“, betonte Ohoven Für Förderkredite müsse das Hausbankprinzip ausgesetzt werden. Auch eine „Neujustierung von Basel II“ sei notwendig. Außerdem erwarte der Mittelstand von der Politik eine spürbare steuerliche Entlastung. An Wirtschaftsminister Brüderle appellierte der BVMW-Präsident, sich für eine Steuerfreistellung im Betrieb verbleibender Gewinne und für einen vollständigen Verzicht auf die Erbschaftssteuer einzusetzen. Bei entsprechenden Rahmenbedingungen sei 2010 ein Wirtschaftswachstum von 1,7 bis zwei Prozent realistisch.
Eindringlich warnte Ohoven davor, dass sich der Staat zum Hehler von Datendieben macht. „Der BVMW ist gegen jede Steuerhinterziehung. Aber der Steuerhinterzieher macht sich genauso strafbar, wie der Datendieb. Beide sind zu verurteilen“, so Ohoven unter dem Beifall der Gäste. Der Staat dürfe bei der Verfolgung von Straftaten nicht selbst zum Täter werden. „Hehlerei als Beruf erschüttert die Grundfesten der rechtsstaatlichen Ordnung. Wenn Denunziantentum staatlich gefördert wird, ist vom Rechtsstaat nicht mehr zu reden.“ Deshalb dürfe es keinen Ankauf der gestohlenen Daten geben, bevor nicht das Bundesverfassungsgericht dazu sein Urteil gesprochen hat.
Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle sieht die Politik in der Pflicht, Lehren aus der Finanzkrise zu ziehen. „Es muss sich etwas ändern, damit das Casino nicht wieder eröffnet wird.“ Die neue Regierung habe eine Steuerentlastung von 24 Milliarden Euro auf den Weg gebracht. „Aber der Staat macht damit keine Steuergeschenke, vielmehr schenken die Bürger ihrem Staat Steuern, damit er seine Aufgaben erfüllen kann.“ Bei der Erbschaftssteuer kündigte Brüderle eine „vernünftige Regelung“ an, „um die Übergabe von Unternehmen nicht zu behindern“. Von einer flächendeckenden Kreditklemme mochte der frühere politische Berater des BVMW nicht sprechen. Nur „punktuell“ gäbe es Probleme bei größeren Mittelständlern. Sorge bereite ihm, dass Deutschland bei Existenzgründungen den vorletzten Platz in Europa einnehme. „Wir müssen mehr Menschen für die Selbständigkeit gewinnen.“
Als humorvollster Redner des Abends erwies sich der Chef der Bündnis-Grünen, Cem Özdemir. Ihm sei klar, dass er beim BVMW ein „Auswärtsspiel“ habe, obwohl Bündnis 90 / Die Grünen sich deutlich zur Marktwirtschaft bekennen. Özdemir polemisierte gegen Steuersenkungen, die nicht zur Konsolidierung der Wirtschaft beitrügen. Der Regierung bescheinigte der Oppositionspolitiker einen „mutlosen Koalitionsvertrag“. Zudem kritisierte er die Kürzung der Förderung für Solarenergie. „Wir werden Made in China bekommen, wo wir lieber Made in Germany gehabt hätten.“ Angesichts von 20 Prozent funktionalen Analphabeten unter den Schulabgängern müsse dringend in Bildung und Ausbildung der kommenden Generation investiert werden. Auch für Mindestlöhne nach regionalen und branchenspezifischen Kriterien bei gleichzeitiger Absenkung der Lohnnebenkosten warb Özdemir.
Podiumsdiskussion
Was willst du ändern? - BVMW lud zur Kandidaten-Diskussion ein
„Ich bin gespannt auf das Wahlergebnis“, meinte ein Unternehmer am fortgeschrittenen Abend zu einem anderen am Tresen. „Noch gespannter“, erwiderte der: „bin ich auf das Ergebnis des Ergebnisses.“ Dem vorausgegangen war eine mehr als zweistündige, lebhafte Diskussion, die der BVMW organisiert hatte. Bis auf den letzten Platz war der Konferenzsaal des Frankfurter City-Park-Hotels gefüllt, als BVMW-Geschäftsführer Dr. Dieter Kapell gemeinsam mit Katja Wolle, Stefan Ludwig und Dr. Martin Wilke im Podium Platz nahmen. „Oberbürgermeister-Kandidat – was willst du ändern?“ war die wichtigste Frage des Abends. Die drei Anwärter auf das Amt des Stadtoberhauptes hatten Gelegenheit, sich den bohrenden Publikumsfragen zu stellen und ihre Vision von einer prosperierenden Oderstadt zu entwerfen. In ihren Grundpositionen gab es Berührungspunkte. Doch während die Bürgermeisterin und freie Kandidatin Katja Wolle vor allem von einem jungen, fröhlichen und grünen Frankfurt träumt, konzentrierten sich die Pläne des Juristen Stefan Ludwig (Die Linke) auf eine effizientere Verwaltung, während der Geschäftsführer des Investorcenters Ostbrandenburg, Dr. Martin Wilke, dessen Kandidatur von fünf Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung getragen wird, neue Ansiedlungen im Blick hat. „Wirtschaftsentwicklung soll sich in Lebensqualität verwandeln.“ Die Entscheidung, wer mit seinem Profil in den nächsten acht Jahren auch das Profil von Frankfurt (Oder) schärfen wird, treffen die Wähler im März.
Wirtschaftssenatoren besuchten Bundesrat
Zwischen Neuzeit und Historie
Einen Besuch im Gebäude des Bundesrates verbanden Wirtschaftssenatoren des BVMW-Landesverbandes Berlin-Brandenburg mit einer lebhaften Diskussion im Mossepalais. Dort stand als Gesprächspartner das Mitglied des politischen Beirats des BVMW, Dr. Hans Kremendahl, zur Verfügung. Mit seiner jahrzehntelangen parlamentarischen Erfahrung beantwortete der frühere Oberbürgermeister von Wuppertal die Fragen der Senatoren zum aktuellen politischen Geschehen in der Bundesrepublik und den tatsächlichen Möglichkeiten parlamentarischer Einflussnahme.
„Politik ist immer eine Veranstaltung von aktiven Minderheiten“, so das Credo Kremendahls angesichts der Tatsache,dass nur etwas drei Prozent der Bevölkerung politischen Parteien angehören. Änderungsbedarf sieht der frühere Staatssekretär dennoch. Beispielsweise,wenn es um ein einheitliches Bildungssystem in Deutschland geht: „Ich weiß nicht, ob die Bundesrepublik so groß ist, dass sie sich solch einen Bildungsföderalismus, wie wir ihn jetzt haben, leisten kann.“ Pointiert ging Kremendahl auf eine ganze Palette von Themen ein, die von der Herdprämie bis zum Afghanistankrieg, von Elementen plebiszitärer Demokratie bis zur Parteienverdrossenheit reichte. Dabei ließ er keinen Zweifel daran, dass er auf Veränderungen innerhalb der Parteien setzt. Unorthodox sein Vorschlag zur Arbeit des Parlaments: „Es wäre für das Land vielleicht besser, der Bundestag würde einmal in einer Legislaturperiode so viele Gesetze außer Kraft setzen, wie er in der vorausgehenden In Kraft gesetzt hat.“ Einmal mehr, so Landesgeschäftsführer Dr. Dieter Kapell resümierend, habe sich in diesem Gespräch gezeigt, was für ein faszinierender Gegenstand Politik sein kann.
Zuvor jedoch hatten sich die Senatoren unter Führung der sympathischen Politologin Cornelia Hoechst mit der Geschichte des Bundesratsgebäudes und der Arbeit von Bundesrat und Vermittlungsausschuss vertraut gemacht. Das ehemalige Preußische Herrenhaus war Sitz des preußischen Staatsrates unter der Präsidentschaft Konrad Adenauers, Dienstsitz Hermann Görings als preußischer Ministerpräsident, Sitz der Akademie der Wissenschaften der DDR und des Akademie Verlages. Nicht nur architektonisch ist es ein bemerkenswertes Gebäude, sondern auch durch die künstlerische Gestaltung beispielsweise durch Rebecca Horn und ihre „Drei Grazien“ – mit Berliner Herz und Schnauze auch „Beamtenmikado“ genannt. Historie und Neuzeit verband der Architekt Johann David Friedrich Otto Schulze-Kolbitz zu einer sinnfälligen Symbiose.
Begeisterndes Forum Führung mit Erfolgstrainer Jörg Löhr
Rund 150 Unternehmerinnen und Unternehmer erlebten beim Forum Führung in Berlin ein eindrucksvolles Seminar mit dem Erfolgstrainer Jörg Löhr. In der britischen Botschaft referierte der frühere Spitzensportler, Autor und Unternehmenscoach über Faktoren des unternehmerischen und persönlichen Erfolgs. Dabei ging es immer wieder um die Fragen, wie sich die eigenen Ansprüche entwickeln lassen, hemmende Überzeugungen über wunden und erfolgversprechende Strategien entwickelt und umgesetzt werden können. Löhr selbst ist dabei ein überzeugendes Beispiel dafür, dass Erfolg auch Lust bereitet. Er entfaltete bei seinem Vortrag mehr als einmal Entertainer-Qualitäten und verstand es, nicht nur anschaulich, sondern auch humorvoll Beispiele für praktisches Handeln zu entwickeln.
Jörg Löhr gehört seit Jahren zu den angesehensten Management-und Persönlichkeitstrainern im deutschsprachigen Raum und wird von Experten sogar als die "Nummer Eins" in Europa gehandelt. Zu seinen Klienten gehören Hochleistungssportler und Nationalmannschaften ebenso, wie renommierte Unternehmen von der Allianz über SAP und Porsche bis zur Telekom. 2006 wurde er für sein Lebenswerk in die German Speakers Hall of Fame aufgenommen. Darüber hinaus ist der dreifache Familienvater auch Lehrbeauftragter der Universität Augsburg und Autor mehrerer Bestseller. Sein Büchertisch war auch in der britischen Botschaft dicht umlagert.
Das Forum Führung ist ein Veranstaltungsformat des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft, das unter Federführung von Bernd Adamaschek entwickelt wurde und inzwischen deutschlandweit Mitglieder und Freunde des BVMW begeistert. Unterstützt wurde die Veranstaltung in Berlin von der Deutschen Post, SAP und der Telekom,deren Vertreter der Landesgeschäftsführer des BVMW Berlin-Brandenburg, Dr. Dieter Kapell, herzlich willkommen hieß.
Impressionen vom Forum Führung in Berlin
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Dr. Dieter Kapell
Leipziger Platz 15
10117 Berlin
Tel: 030 / 53320627
Fax: 030 / 53320650
Funk: 0172 / 3936122
E-Mail: dieter.kapell@bvmw.de
Veranstaltungskalender
Die nächsten Termine:
- Donnerstag, 11.03.10 UnternehmerTAG 2010 · Ulm
- Dienstag, 16.03.10 - 18:30Betriebliches Gesundheitsmanagement im Mittelstand ·
- Mittwoch, 17.03.10 - 18:30Kochevent - Flying Buffet · Berlin










































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