Stiftungen sind Seismografen gesellschaftlicher Entwicklungen
Daniela Kobelt Neuhaus, Vorstand der Karl Kübel Stiftung für Familie und Kind in Bensheim, gibt beim 20. Heidelberger „Unternehmer-Frühstück“ Einblicke in Denken und Wirken des Unternehmers Karl Kübel.
Heidelberg, 25. Januar 2012 – „Womit kann ich dienen?“ Die Begrüßungsformel aus dem elterlichen Möbelladen, war das Lebensmotto des 1909 geborenen Unternehmers und Stifters Karl Kübel. „Dieser Leitsatz bildet auch heute noch das gedankliche Fundament der Karl Kübel Stiftung für Familie und Kind“, erklärte Daniela Kobelt Neuhaus in ihrem Vortrag „Unternehmertum und gesellschaftliche Verantwortung: 40 Jahre Karl Kübel Stiftung (KKS)“. Die Pädagogin und Psychologin sprach im Rahmen der Reihe „Unternehmer-Frühstück“, zu dem der BVMW Metropolregion Rhein-Neckar gemeinsam mit seinem regionalen Partner, der Heidelberger Volksbank, ins Arthotel geladen hatte.
Mitwirken, mitverdienen, mitbesitzen
Karl Kübel, Gründer der bekannten 3K-Möbelwerke, war einer der ersten Social Entrepreneurs in den Wirtschaftswunderjahren. Geprägt von der Haltung des Dienens und der katholischen Sozialethik, pflegte er ein sozialpartnerschaftliches Verhältnis zu seinen Mitarbeitern und beteiligte die Belegschaft bereits Anfang der 1950er Jahre am Unternehmensgewinn. Darüber hinaus schuf er nach dem Prinzip Hilfe zur Selbsthilfe die gemeinnützige Siedlungsbaugesellschaft dfh „das familiengerechte heim“. Kübels Anliegen war es: „Ihr (Mitarbeiter) sollt es so schön haben wie ich.“
Nach 40 Jahren erfolgreicher Unternehmertätigkeit, der finanziellen Grundlage für das heutige Wirken der Karl Kübel Stiftung, verkaufte er die Firma und gründete die Stiftung.
Jeder Mensch ist exzellent
Karl Kübel war nicht nur auf dem Gebiet der Möbelproduktion ein Pionier. Schon in den 1970er Jahren wusst er um die Bedeutung der frühen Kindheit im Kontext der Familie und stellte das Kleinkind und sein familiäres Umfeld in den Mittelpunkt der Stiftung. „Ziel und Zweck der Karl Kübel Stiftung ist es, Eltern in die Lage zu versetzen, ihren Kindern ein chancengerechtes und ganzheitliches Aufwachsen zu ermöglichen und zu sichern“, heißt es im Leitbild der KKS.
Der Begriff Familie hat sich seit der Gründung der Stiftung stark verändert. Vielfältige Familienmodelle existieren alternativ zur klassischen Dreiecksbeziehung Vater-Mutter-Kind. „Im Hinblick auf diese Entwicklung arbeitet die Karl Kübel Stiftung heute nach dem britischen Early Excellence-Konzept“, betonte Daniela Kobelt Neuhaus, die diesen Ansatz für sehr gut geeignet hält, um die Stiftungsziele in konkreten Projekten zu verwirklichen. Im Mittelpunkt des Early Excellence-Prinzips steht das Motto „every child matters“ und es gilt: „Jedes Kind, jeder Mensch ist von Anfang an exzellent.“
Stiftungen sind Seismografen für ihr Thema und ihre Vision
Die Karl Kübel Stiftung bleibt ihrer Vision treu: Eltern sollen überall auf der Welt in der Lage sein, ihre Kinder zu stärken und sie angemessen zu begleiten. Wie ein Seismograf nimmt die Stiftung Veränderungen im Bereich Kind und Familie wahr und fragt mit dem Leitsatz des Stifters „Womit kann ich dienen?“ nach den Bedürfnissen von Familien. Und diese sind je nach Projektort verschieden: Für Frauen in einer besonderen Belastungssituation am Standort Deutschland kann dies der einfache Wunsch nach einem Frühstück in einer positiven Umgebung sein, bei der sie ihre Kinder gut betreut wissen. Für Frauen in Indien kann es der Kleinkredit für den Kauf einer Ziege sein, die zur besseren Ernährung der Familie beiträgt.
Eins zu neun: effizienter Einsatz von Ressourcen durch Kooperationspartner
Die Aktivitäten der Karl Kübel Stiftung konzentrieren sich auf drei Bereiche: Inlandsarbeit, Entwicklungszusammenarbeit – derzeit in Indien, Philippinen und im Kosovo – und Bildung. Die drei deutschen Institute Felsenweg-Institut in Sachsen, Osterberg-Institut in Schleswig-Holstein und Odenwald-Institut in Hessen unterstützen jährlich mehr als 10.000 Menschen in Persönlichkeitsentwicklung, beruflicher Weiterbildung und Stärkung des Familienlebens. Bei allen Aktivitäten achten die Verantwortlichen auf einen effizienten Einsatz der Ressourcen. Orientierungsrahmen für die Projektfinanzierung gibt die bewährte Devise des Stifters: „Jeder Euro aus der Stiftung soll durch neun Euro aus anderen Quellen bzw. von Partnern aufgestockt werden.“
Das unternehmerische Handeln sei in den kommenden Jahren die größte Herausforderung für die Karl Kübel Stiftung, antwortete Vorstandsmitglied Kobelt Neuhaus auf Nachfrage von Josef Stumpf, Leiter der BVMW-Wirtschaftsregion Metropolregion Rhein-Neckar. Auch gelte es in der Stiftungslandschaft neue Wege zu gehen, und Kräfte und Ressourcen im Sinne der Begünstigten zu bündeln, erklärte die gebürtige Schweizerin, die ihre tägliche Arbeit nach dem Motto gestaltet: „Ich glaube immer, es geht noch besser!“
Informationen zur Karl Kübel Stiftung und Spendenprojekten finden Sie unter: www.kkstiftung.de
Cornelia Luther
metropolregion.rhein-neckar@bvmw.de




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