Baden−Württemberg

BVMW-Unternehmer im Landtag
Allianz für Fachkräfte Baden-Württemberg gegründet - BVMW ist Allianzpartner
DB-Chef Dr. Rüdiger Grube beim Landeswirtschaftssenat
Einige BVMW-Senatoren sowie Wirtschaftsförderin Ines Aufrecht (Bildmitte) und Minister Dr. Nils Schmid (4.v.r.) beim Jahresauftakt Stuttgart mit 220 Unternehmern.
Parteichef Cem Özdemir (4.v.l.) beim Landeswirtschaftssenat

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Megatrends im Business von morgen; Interview mit Klaus Burmeister - Experte für Corporate Foresight

Megatrends waren das beherrschende Thema beim Ulmer Zukunftssalon (v.l.): Karlheinz Raguse (BVMW), Anne Ammann (Forum Unternehmerinnen) und Klaus Burmeister.

Ulm - Historiker raten davon ab, den Teppich der Geschichte, der unsere Zukunft verdeckt, hoch zu heben. Es könnte uns entmutigen, aber es ist auch gar nicht möglich. Produzenten und Dienstleister würden es gerne ein wenig tun, um zielgerichteter ihr Business zu planen. Und man doch für die eigene Zukunft etwas machen.

Organisiert hatten im jetzigen Juli das Unternehmerinnen-Forum, der BVMW und die Ulmer Volksbank einen Zukunftssalon. Der Mittelstand sprach mit dem Referenten Klaus Burmeister über das Phänomen der Megatrends. Burmeister ist Geschäftsführer von Z_punkt in Köln, die Firmen und Regierungen beraten.

Mittelstand: Was bedeuten Megatrends für mittelständische Unternehmen?

Burmeister: Megatrends sind langfristige Entwicklungen, die die Gesellschaft prägen und neue Handlungsfelder erschließen. Einige können wir bereits jetzt deutlich artikulieren. Wir werden z.B. eine starke Entwicklung von Massenmarkt und Mikromarkt erleben. Die Produkte und Dienstleistungen werden immer individualisierter. Der Austausch von Informationen, Dienstleistungen und Produkten wird immer stärker digitalisiert werden. Mittelständler haben die eigentlich eine exzellente Position, da sie in der Regel sehr nahe am Kunden dran sind. Sie müssen das nur nutzen.

Mittelstand: Ist uns auch hier Asien voraus?

Burmeister: Zumindest ist Asien teilweise sehr weit vorne. In China gibt es z. B. strenge Verordnungen für Green Buildings und chemische Stoffe, die mit denen in Europa messen lassen können. Es gibt dort Modellstädte mit völlig neuen Energie- und Verkehrskonzeptionen. Die Regierung weiß, es zu nachhaltigen Zukunftsmärkten keine vernünftige Alternative. Deshalb ist sie bemüht, z. B. gleich den Sprung von der Kutschenzeit in die Elektromobilität zu machen. Wir müssen uns da sputen.

Mittelstand: Auf was können sich die hiesigen Unternehmen u.a. noch einstellen?

Burmeister: Auf die immer größer werdende Seniorengruppe. Hier braucht man viel stärker auf ihre Bedürfnisse abgestimmte Produkte und Dienstleistungen. Handwerker haben eine große Chance, zum Beispiel im gesamten Sanitärbereich oder beim Umbau von Wohnungen. Und es wird einen stärkere Entwicklung altersgerechter Infrastrukturen geben, die es älteren Menschen ermöglichst lange selbständig allein Zuhause zu leben, von IT bis Hol- und Bringservices.

Mittelstand: Was bedeutet das für die unternehmerischen Strategien?

Burmeister: Wir müssen unsere Innovationsbereitschaft noch weiter voran treiben. Megatrends zeigen neue Märkte und Innovationsfelder auf. Der Blick über den Tellerrand ist gefragt eben wie neue Ideen und der Mut Neues zu erproben. Hier gilt des beliebte Motto "no risk no fun“ bzw. “no risk no business”.

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Innovation und Fleiß im Reich der Mitte: Chinesische Vorbildregion stellte sich in Stuttgart und Düsseldorf vor

Chinesisch-deutscher Schulterschluss in Stuttgart (v.r.): Liu Feng, Bürgermeister von Jinhu County, und Dr. Ulrich Köppen, BVMW-Landesbeauftragter Baden-Württemberg.

Unternehmerische Ausflüge in das Reich der Mitte sind für viele Unternehmer ein Abenteuer mit offenem Ausgang. Es sei denn, der BVMW hilft. Nahezu „deutscher Fleiß und Innovationskraft“ herrschen in der chinesischen Provinz Jiangsu, die Partnerland von Baden-Württemberg ist. Eine besonders glänzende Perle der ostchinesischen Provinz ist Jinhu County

Die BVMW-Landesgeschäftsstelle Baden-Württemberg und der China-Dienstleister ECS   Europe-China-Solutions präsentierten jetzt  im Stuttgarter Haus der Wirtschaft ein Seminar zur Kontaktpflege. Bürgermeister Liu Feng und Unternehmer Roger Wu erläuterten viele Parallelen zum südwestdeutschen Musterländle. Liu: "Unsere Region ist in jeder Beziehung modern. Sie wurde von der UNO als diejenige ausgezeichnet, die am harmonischsten mit der Umwelt umgeht. Außerdem wird sie als die Region mit dem  größten Entwicklungspotenzial bewertet.  Wu, Amerika-erfahrener Chairman des größten Gewerbegebietes, dem Peak International Industrial Park: "Wir haben eine hochmoderne  Infrastruktur, die für ausländische Investoren einzigartige Bedingungen liefert. Innerhalb von drei Monaten können wir jedes Betriebsgebäude erstellen, das der Benutzer für die ersten sechs Monate mietfrei nutzen kann. Außerdem gibt es über zehn Jahre lang rund 40 Prozent Steuerermäßigung bei Einkommensteuer und Mehrwertsteuer ."

Die entscheidende Attraktivität für ausländische Investoren betrifft auch die Lage. Millionen-Metropolen wie Nanjing sind verkehrsgünstig angeschlossen, ebenso Binnenhäfen, Flughäfen und Hochgeschwindigkeitszüge. Jinhu ist andererseits weit genug weg, um sich nicht von der Hektik der Megastädte anstecken zu lassen. Ein großer Vorteil liegt in der Mentalität der Bevölkerung. Liu: "Die Menschen sind sehr bodenständig und zuverlässig. Die Arbeitsmoral ist sehr hoch, da wir fast keine Wanderarbeiter beschäftigen. Im Areal sind bereits moderne Unternehmen in den Bereichen Maschinenbau, Benzinpumpen, Kabelfertigung und elektronische Instrumente ansässig.“ Interessiert ist man vor allem an nordamerikanischen und europäischen Unternehmen.  Schulen, Hotels, Sportstätten und Kulturzentren haben internationales Niveau. Liu: „Zudem ist unsere Landschaft durch große Grünflächen und riesige Seengebieten als Heimat des Lotus charakterisiert.  Mit 370.000 Einwohnern sind wir für Mittelständler ein ideales Umfeld ohne bürokratische Hemmnisse.“

W eitere Informationen bei de r Landesgeschäftsstelle BVMW Baden - Württemberg oder beim  BWMV-Mitglied ECS in Aachen . Ukö

Mitstreiter für Jugendcoaching gesucht - Neckarsulmer Firma Xeptum fördert benachteiligte Jugendliche

Die Gruppe und ihre Mentoren

Neckarsulm - Nicht nur soziale Einrichtungen sollten sich um benachteiligte Jugendliche kümmern, sondern auch Unternehmen, da sie ein verantwortlicher Teil unserer Gesellschaft sind. Unter diesem Motto haben die beiden Vorstände Peter Eisele und Hans Tscherwitschke von der Neckarsulmer Firma  Xeptum Consulting AG ein Modellprojekt gestartet, für das sie weitere Mitstreiter suchen.

 

In Zusammenarbeit mit der Stiftung Starke Familien und JuLe (Jugendhilfe im Lebensfeld) wollen sie einen Beitrag zur charakterlichen Stärkung und sozialen Integration leisten. Ein besonderes Augenmerk gilt jungen Menschen in der kritischen Lebensphase zwischen dem 14. und 17.  Lebensjahr, die in ihrer Entwicklung durch Arbeitslosigkeit, Armut oder Migrationshintergrund gefährdet sind. Wesentliches Element dieses neuen Projektes ist nicht die Spende von Geldmitteln, sondern das persönliche Engagement. Peter Eisele: „Wir betrachten es als unsere Aufgabe, vor allem Zeit zu spenden.“ Gemeinsam mit den Erwachsenen werden von den Jugendlichen vier verschiedene Module realisiert, von denen bereits zwei stattgefunden haben. Eröffnet wurde das Projekt mit einem erlebnisreichen Besuch eines Basketballbundesligaspiels in der Ludwigsburger Arena mit den beiden Mannschaften aus Frankfurt und Ludwigsburg. In einem weiteren Schritt haben die Jugendlichen mit einem kleinen Workshop das Arbeitsfeld IT kennen gelernt und hautnah erfahren, was die Informationstechnologie für die Menschen und die Berufsausübung bedeutet. Das dritte Modul beschäftigt sich mit dem Thema Eintritt in die Arbeitswelt. Dazu zählen Schulungen im Bereich der Selbstdarstellung, Bewerbungen und ein Besuch im Berufsinformationszentrum. Den Abschluss bildet eine Rückschau, bereichert durch  Spiele und gutes Essen.

Zusätzlich zu der Informationsvermittlung sollen die Jugendliche vor allem auch Erwachsene als positive Vorbilder kennen lernen, die ihnen Wertschätzung entgegenbringen und ihnen stärker das Gefühl vermitteln, zu dieser Gesellschaft mit ihren fabelhaften Möglichkeiten dazuzugehören. Hans Tscherwitschke: „Wir sind davon überzeugt, dass wir als Firma hier einen positiven Effekt mit vergleichsweise geringem Aufwand erzielen. Wir suchen noch andere Firmen als Mitstreiter, die ihre Verantwortung für die Gesellschaft durch menschliches Engagement gerecht werden wollen.“

Nähere Auskünfte und Kontakt unter www.xeptum.com

Blick hinter die Kulissen regionaler Forschungsstätten: Zu Besuch im neuen ZKM-Studio: Expanded 3 Digital-CinemaLab

Hohe Informationsdichte beim faszinierenden Besuch des ZKM in Karlsruhe

Karlsruhe -  Dem Mittelstand den Zugang zur exzellenten Forschung zu schaffen, ist eines der Hauptanliegen von Alois Fleig, Leiter der Geschäftsstelle Technologie-region Karlsruhe. An erster Stelle dabei steht die Information, zu wissen was hinter den Mauern der Institute überhaupt, geforscht wird und zugleich auch zu erfahren, wo es Ansatzpunkte für Unternehmen gibt.

Der Besuch in ZKM war Auftakt einer neuen BVMW-Reihe, unter dem Arbeitstitel „Werkstattbesuch Forschung“ bei der ein Blick hinter die Kulissen neuester Forschungen geworfen werden und wie der fruchtbare Dialog zwischen Wissenschaft und Forschung befördert werden kann. Dazu hatte Fleig Institutsleiter Ludger Pfanz für eine Exklusivführung gewonnen; Bei diesem Besuch abseits des üblichen Führungsprogramms brachte Pfanz die Unternehmer zum Staunen, wie nicht nur bei der Kunst-Gestaltung und -Vermittlung neue Wege beschritten werden, sondern sich auch die einzelnen Abteilungen eigenverantwortlich um Finanzierungen und Projektdurchführung kümmern müssen. Pfanz: „Wir wagen nicht nur völlig Neues, sondern lehren gleichzeitig die Lizenz zum Querdenken. Dabei sind wir uns bewusst, dass der Ausgang auch mal völlig offen ist. Nicht nur bei  der Kunst, sondern auch bei der Unternehmensführung ist das die einzige Methode, einen Vorsprung auf seine Mitbewerber herauszuarbeiten.“

Staunen konnten die Unternehmer als Steuerzahler nicht schlecht wie sie vernahmen, wie man es in Zeiten leerer Kassen schaffen kann, vom Land und EU Geldmittel locker machen kann!

Krönender Abschluss war der Besuch in der brandneuen „Black-Box“. Hier wird  zukünftig in Kooperation mit der Hochschule für Gestaltung im Bereich Film mit der Technik des „Expanded 3 Digital-CinemaLab“ gearbeitet, die auch für Unternehmen ungeahnte Möglichkeiten bietet. Im Rahmen der abschließenden Diskussionsrunde stellte Fleig auch BVMW-Mitglieder vor, mit  Markus Kambeck (Geschäftsführer des AV-Institut Heine) gleichzeitig den Kopf von MEKA , Medieninitiative Karlsruhe. Mit dieser Gruppe von mehr als 20 Medien – Unternehmen, vom Textbuchschreiber bis zum Filmproduzenten steht der BVMW in einer sehr fruchtbaren Kooperations-verbindung. Für den Juni steht der nächste Werkstattbesuch an; der Vorrat an Instituten ist in der Region mit der höchsten Forschungsdichte noch für Jahre, wie Fleig abschließend anmerkte! fl/ukö

„Den Mittelstand im Stich gelassen“

„Wenn der Mittelstand sich nicht wehrt, wird er weggekehrt“, ist Mario Ohoven, Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft, überzeugt. Er fordert: Gewinne, die in Betrieben erwirtschaftet werden, sollen nicht versteuert werden. Statt dessen sollen sie Arbeitsplätzen und Investitionen zugute kommen. Das erklärte er den Redakteuren der Pforzheimer Zeitung (PZ) Magnus Schlecht und Yvonne Dast-Kunadt im Gespräch.

 

PZ: Herr Ohoven, Sie sind vor gut einer Stunde am Stuttgarter Flughafen gelandet. Der Luftraum ist wieder offen. Die Luftfahrtunternehmen rufen jetzt nach Staatshilfe. Was halten Sie davon?
Mario Ohoven: Ich sage immer: ‚Spare in der guten Zeit, dann hast Du in der Not’. Und der Staat darf nicht in jeder Situation – auch nicht bei höherer Gewalt – als Retter in der Not auftreten. Das führt nicht zum Erfolg. Stellen Sie sich einmal vor, es gäbe einen harten Winter und die Bauunternehmen könnten nicht mehr arbeiten. Dann könnten auch diese Unternehmer staatliche Hilfe beanspruchen. Das ist unvorstellbar! Wir als Mittelständler sind gegen solche Art von Subventionen.

PZ: Sie lehnen Staatshilfen grundsätzlich ab?
Ohoven: Nein, man muss hier differenzieren. Wenn es in der Finanz- und Wirtschaftskrise keine Hilfen gegeben hätte, dann wäre unser ganzes Finanzsystem zusammengebrochen. Bei Opel Geld reinzupumpen ist hingegen eine Sache, die ich äußerst negativ finde. Denn: Die Leute haben in Folge der Abwrackprämie im Jahr 2009 immens viele Autos gekauft. Jetzt, im Jahr 2010, verzeichnet man einen Umsatzrückgang. Die ganze Aktion „Abwrackprämie“ war ein Vorzieheffekt. Gleichzeitig verzeichneten andere Branchen, wie etwa Küchenbauer oder Möbelhersteller, massive Probleme. Für solche Anschaffungen wurde zum Teil kein Geld investiert. Hier wird es deutlich: Wenn der Mittelstand sich nicht wehrt, wird er weggekehrt.

PZ: Fühlen Sie sich im Stich gelassen von der Politik?
Ohoven: Ja. Der Mittelstand fühlt sich partiell von der Regierung im Stich gelassen. Im vergangenen Jahr hatten wir 33 000 Insolvenzen. In diesem Jahr werden 40 000 befürchtet. Einige dieser Insolvenzen wären zu verhindern. Mit Hilfe von besseren Kredit- und Finanzierungsmöglichkeiten wären sie zum Teil vermeidbar. Aber nach einer aktuellen Umfrage der EZB haben 45 Prozent der Mittelständler größte Schwierigkeiten, einen Kredit zu erhalten. Alleine bei 19 Prozent der Unternehmer wurden Kredite im ersten Quartal 2010 abgelehnt und bei 36 Prozent sind sie teurer geworden. Wie soll das ein Mittelständler schaffen? Das Damoklesschwert des Deutschen Mittelstandes heißt Liquidität.

PZ: Das heißt: Der Mittelstand macht alles richtig und nur die Rahmenbedingungen stimmen nicht, oder kann der Mittelstand von sich aus etwas anders machen?
Ohoven: Der Mittelstand geht mit robustem Optimismus in das Jahr 2010. 70 Prozent der mittelständischen Unternehmer wollen ihre Mitarbeiter halten. Zehn Prozent wollen sogar neue Mitarbeiter einstellen. Diese Unternehmen haben sich sehr gut auf die Globalisierung eingestellt. Die Mittelständler haben im Krisenjahr 2009 sogar ihre Investitionen in Forschung und Entwicklung um neun Prozent gesteigert. Und ich glaube, dass wir in Deutschland durch gute Unternehmensstrategien aber auch durch die Zurückhaltung der Gewerkschaften den anderen Ländern eine Nasenlänge voraus sind. Aber jetzt nehmen die Liquiditätsprobleme im Mittelstand zu. Daher ist nun der Staat gefragt. Ich plädiere dafür, dass alle im Betrieb verbleibenden Gewinne steuerfrei bleiben – das wirkt schnell, schafft Liquidität, ermöglicht Investitionen und sichert Arbeitsplätze. Das war ursprünglich Ludwig Erhards Idee. Damit gelang unter anderem das Wirtschaftswunder. Und es handelt sich dabei nicht um Steuergeschenke, sondern um eine Steuerstundung. Bei der Gewerbesteuer müssen die gewinnunabhängigen Elemente gestrichen werden, es ist doch absurd, wenn somit heute Unternehmen Steuern bezahlen müssen, die keine Gewinne erzielt haben.

PZ: Umfragen belegen, dass im deutschen Mittelstand wieder die Zuversicht wächst. Was muss Schwarz-Gelb tun, um die Lage zu stabilisieren?
Ohoven: Wir kommen nur aus dieser schlechten Lage heraus durch Wachstum. Und das geht nur durch Entlastung.

PZ: Sie sind ein großer Befürworter des von der FDP vorgeschlagenen Fünf-Stufen-Steuer. Warum?
Ohoven: Das Konzept ist ein Dreiklang aus Steuerentlastung, Steuervereinfachung und Steuergerechtigkeit. Trotz knapper Kassen steckt in den Haushalten von Bund und Ländern ein Einsparvolumen von mindestens 20 Milliarden Euro. Im übrigen – das Finanzsystem drohte zusammenzubrechen und über Nacht waren viele Milliarden verfügbar. Nun droht Griechenland zusammenzubrechen… nur für die Entlastung des Mittelstandes, der Wirbelsäule der Wirtschaft, ist nicht genug Geld da.

PZ: Aber wie kann es sein, dass die meisten Experten davon abraten, die Steuerreform durchzuführen?
Ohoven: Das ist schlicht falsch.

PZ: Verstehen diese Experten nichts von ihrem Handwerk?
Ohoven: Viele schauen nur auf die Verschuldung. Fakt ist: Ein niedrigerer Steuersatz bringt höhere Staatseinnahmen. Das hat sich bislang bewährt. Man muss beachten: Die Schweiz hat eine Steuer- und Abgabenquote von 30 Prozent, Schweden von 48 Prozent – entsprechend schlank ist die Schweiz abgesichert, entsprechend viel kann sich Schweden im Sozialnetz leisten. Deutschland liegt mit 36 Prozent dazwischen und muss sich jetzt entscheiden: Wir können nicht bei „Einnahmen Schweiz“ und bei „Leistungen Schweden“ sein.

PZ: Sie sagen also, wir müssen unsere sozialen Netze reduzieren?
Ohoven: Die sozialen Systeme können jedenfalls nicht so weiterlaufen, wie sie innerhalb der vergangenen 25 Jahre gelaufen sind. Schwarz-Gelb muss die Kraft zu unpopulären, weil schmerzhaften, Einschnitten bei sozialen Sicherungssystemen aufbringen. Nur wenn die Politik neue Wege in Steuer- und Sozialpolitik geht, können wir bei Wachstum und Beschäftigung zulegen.

PZ: Die FDP hat ja ursprünglich mit einem ganz anderen Programm Wahlkampf gemacht. Sind Sie enttäuscht von Merkel und Westerwelle?
Ohoven: Wachstum setzt Entlastung voraus. Die FDP hat das klar formuliert. Aus diesem Grunde hatten sie ein nie da gewesenes Wahlergebnis. Die Unternehmer haben sich darauf verlassen. Ich habe Westerwelle und Merkel öffentlich als Traumpaar des Mittelstands bezeichnet – und die Unternehmer sind nun enttäuscht. Die Koalition hat einiges bewirkt, aber es schlecht verkauft. Daher dürfen sie nun bei den 16 Milliarden Euro auch nicht einknicken. Das wäre für die FDP eine absolute Katastrophe und würde von der anfänglichen Sympathie in Unmut umschlagen. Die aktuellen Umfragen zur NRW-Wahl sprechen Bände…

Glückwünsche für den neuen EU-Kommissar

Stuttgart - Baden-Württembergs ehemaliger Ministerpräsident Günther Oettinger ist seit kurzem neuer EU-Kommissar für Energie. Bei einem Treffen überbrachte Dr. Helmut Baur, Vorstandsmitglied des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft, die herzlichsten Glückwünsche: „Wir sind davon überzeugt, dass Günther Oettinger ebenso fleißig, kompetent und engagiert die wichtigen Energiefragen für Europa bewältigen wird, wie er es als Ministerpräsident von Baden-Württemberg bewiesen hat. Die Frage der Energiepreise und zukunftsträchtiger Energiekonzepte ist eine zentrale Aufgabe der für den europäischen Mittelstand.“

Mutige Wege zu Neuland: Elfter BVMW-Unternehmertag mit wegweisenden Akzenten

Eine echte Überraschung für Mario Ohoven: Karl-Heinz Raguse überreichte ihm für seine großen Verdienste um den deutschen Mittelstand die Skulptur des Löwenmenschen.

Ulm – Es ist für die Wirtschaftsunternehmen stets ein Stelldichein von besonderer Attraktivität, wenn der BVMW zum Ulmer Unternehmertag ruft. Organisator und Regionalgeschäftsführer Karl-Heinz Raguse hatte im Zeichen des vorsichtig beginnenden Wirtschaftaufschwungs die Veranstaltung unter das Motto „Wo bitte ist Neuland?“ gestellt. Über 120 Firmen und 1000 Besucher präsentierten und informierten sich in der bis auf den letzten Quadratmeter genutzten Donauhalle.

Nach der Begrüßung durch den Organisator gab es aufschlussreiche Einblicke in die unterschiedlichsten Standpunkte der Kommunalpolitik, die Regierungspolitik, der Europapolitik und die Situation des deutschen Mittelstandes. Ulms OB Ivo Gönner umriss die Perspektiven für die Weiterentwicklung der Stadt an der West-Ost-Magistrale. Der SPD Europa-Abgeordnete Peter Simon plädierte dafür, dass auch Unternehmen die Begrenzungen nationaler Standpunkte aufgeben sollten und umriss die großen Wachstumschancen gesamteuropäischer Konzepte und die Unterstützungsmöglichkeiten seitens der EU. Birgit Homburger, Chefin der FDP-Bundestagsfraktion, stellte die bisher erreichten Erfolge der schwarz-gelben Regierungskoalition ins rechte Licht, musste aber zugestehen, dass die strittigen Punkte mehr im Rampenlicht stehen als die bisher erreichten Erfolge, die vor allem in der Reduzierung der Abgabenbelastungen liegen. Mittelstandspräsident Mario Ohoven berichtete von der vorsichtig optimistischen Stimmung, die sich trotz aller bekannten Probleme in den  kleinen und mittelständischen Betrieben breit macht: „Rund 60 Prozent aller Firmen wollen ihren Personalbestand halten. Neuland bedeutet für etliche, dass sie ihren Personalbestand sogar ausbauen wollen. Das ist nicht nur für die Wirtschaft sondern für die gesamte Gesellschaft von eminenter Bedeutung.“ Er mahnte die Regierungskoalition, jetzt die Entwicklung der Rahmenbedingungen weiter voranzutreiben, um das Pflänzchen des Aufschwunges nicht zu gefährden.

Nach seiner mit viel Beifall bedachten Rede gab es für Mario Ohoven eine echte Überraschung. Karl-Heinz Raguse überreichte ihm für seine großen Verdienste um den deutschen Mittelstand die Skulptur des Löwenmenschen. Es handelt sich um eine wertvolle Replik einer prähistorischen Figur, deren Original im Ulmer Museum steht. Sie wurde vor über 30.000 Jahren auf der schwäbischen Alb gefunden und gilt als das älteste Kunstwerk. Raguse zu Ohoven: „Dieses ist eine Wertschätzung für Ihren nimmermüden Einsatz für den Mittelstand. Kämpfen Sie weiter wie ein Löwe für die Interessen der wichtigsten Unternehmensgruppe in Deutschland.“

Zu den besonderen Attraktionen des Unternehmertages zählten neben den Firmenpräsentationen vor allem die 45 Workshops, in denen sich die Interessenten über neueste Entwicklungen und Unternehmensstrategien informieren konnten. Dem Thema Neuland respektive der Aussicht darauf vom jetzigen Standpunkt aus widmete sich die abschließende Podiumsdiskussion. Thomas Brackvogel (Südwestpresse Ulm), sein Kollege Joachim Umbach (Medienhaus Schwäbischer Verlag),Marco Bühler (Beurer), Gunter Czisch (Stadt Ulm), Jörg Herkommer (inGenics) und Andreas Schwegler (cellent) interpretierten unter der Moderation von David Rohde (Donau 3 FM) persönlich ihre jeweilige Situation und den Ausblick auf dem kommenden Aufschwung. Sie betonten vor allem die optimale Nutzung ihrer wichtigsten Ressource, das Mitarbeiterpotenzial. rag/ukö

Bei einigen klemmt es - bei anderen nicht

BVMW-Beirat Otto Bernhardt bei seinem Vortrag im Olympiastützpunkt Tauberbischofsheim

Großes Forum mit den Fränkischen Nachrichten im Olympiastützpunkt

Tauberbischofsheim - Wo sonst mit Temperament, Kraft und Eleganz Klingen gekreuzt werden, veranstalteten die Fränkischen Nachrichten und unser Verband ein mit 150 Teilnehmern exzellent besuchtes Forum: die Halle des Olympiastützpunktes der deutschen Fechter. Referiert und diskutiert wurde die Frage der so genannten Kreditklemme.

Die Organisation lag in den Händen von Dr. Ulrich Spitaler (BVMW) und Michael Wünsch (FN). Nach der Begrüßung durch FN-Geschäftsführer Michael Grethe (Mitglied im BVMW) gab Otto Bernhardt eine ebenso messerscharfe wie problemlos nachzuvollziehende Analyse der derzeitigen Finanzsituation und der wirtschaftlichen Aussichten. Bernhardt ist Mitglied des politischen BVMW-Beirats und ehemaliger finanzpolitischer Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag. Mit vorsichtigem Optimismus prognostizierte er ein Wirtschaftswachstum von knapp 2 Prozent und wies vor allem darauf hin, dass in den asiatischen Staaten dieses Wachstum bereits wieder an die 10 Prozent heranreichen könnte. Davon könnten insbesondere in Deutschland jene Firmen profitieren, die exportorientiert sind und derzeit nur vorsichtig optimistisch sind. Gerade dann könnte ein erhöhter Kreditbedarf auf der Tagesordnung stehen, der Mut und Verantwortung erfordere. Andreas Beitzen von der KfW-Bankengruppe stellte die großzügigen Unterstützungsmaßnahmen seines Hauses vor, die bekanntlich jedoch über die Hausbank abgewickelt werden müssten, die einzig in der Lage sei, die Bonität eines Kreditnehmers richtig einzustufen.

Die anschließende, von Martin Hermann moderierte Diskussion warf jedoch ein Schlaglicht auf die höchst unterschiedliche Situations-Interpretation durch Geldinstitute und Unternehmen. Außer Otto Bernhardt und Andreas  Beitzen nahmen daran teil Thomas Menke von der Sparkasse Tauberfranken,  Alois Sans von der Volksbank Main-Tauber, Wirtschaftsjournalist Michael Roth (Dr. Haas- Mediengruppe) und Michael Hagedorn von der gleichnamigen Heilbronner Steuerkanzlei. spit/ukö

Mittelstand gratuliert Stefan Mappus

Stuttgart - Erwartungsgemäß wurde der gebürtige Pforzheimer Stefan Mappus zum neuen Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg gewählt.  Zu den ersten Gratulanten im Stuttgarter Landtag gehörten Dr. Helmut Baur, Vorstandsmitglied unseres BVMW (auf dem Foto links), und Dr. Ulrich Köppen, Landesgeschäftsführer des BVMW (auf dem Foto rechts). Beide wünschten den jüngsten Ministerpräsidenten Deutschlands eine glückliche Hand - vor allem bei der Pflege des Mittelstandes. Mappus: „Politik ist die Kunst des Möglichen. In diesem Sinne möchte ich mithelfen, unser Land für die Zukunft fit zu machen. Nur so werden wir weiterhin ganz oben in der Bundesliga der einzelnen Länder platziert sein.“

Mappus: „Mein Lebenslauf spiegelt beide Facetten des Bundeslandes Baden-Württemberg wider. Geboren wurde ich im badischen Pforzheim, zur Schule ging ich von 1972 bis 1976 in die Grundschule in württembergischen Enzberg. Das Gymnasium absolvierte ich bis 1985 Mühlacker, die Ausbildung zum Industriekaufmann bei der Standard Elektrik Lorenz in Pforzheim.“

Von 1988 bis 1993 studierte Mappus Wirtschafts- und Sozialwissenschaften an der Uni in Hohenheim. Von 1993 bis 1995 war er Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Politische Wissenschaften an der Universität Hohenheim. Von 1995 bis 1998 arbeitete er im Bereich Vertrieb von Telekommunikationsanlagen bei Siemens. Foto: H.B. Ulrich

Arbeitsplätze amTropf des Staates?

Stuttgart -  Die baden-württembergische Landesregierung verkündet, dass die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum vergangenen Monat von 5,1 auf 5,0 Prozent gesunken ist. Dazu Dr. Helmut Baur, Vorstandsmitglied des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW): „ Zwei wesentliche Grundlagen dafür sind in der Industrie Baden-Württembergs staatliche Hilfsmaßnahmen für die Automobilbranche - die Abwrackprämie und die Kurzarbeit. Beide werden durch die Abgaben der steuerzahlenden Bevölkerung -  zumindest teilweise - mitfinanziert. Das kann nur für eine Übergangszeit ein geeignetes Rezept sein. Je stärker und je länger die Industrie am Tropf des Staates hängt, desto erpressbarer wird dieser.“ Die Verlagerung der Arbeitsplätze der Mercedes C-Klasse zeige, so Baur, dass staatliche Hilfen keine Arbeitsplatzgarantie bedeuten.

Um Arbeitsplätze langfristig zu sichern, so Baur, sei es wichtiger, die Wachstumskräfte zu stärken. Dazu bedarf es einer Entlastung der Klein- und Mittelbetriebe, die 70 Prozent der Arbeitsplätze sichern, aber die Hauptlast der Steuern und Abgaben tragen. Die Verlagerung der C-Klasse-Arbeitsplätze sei zwar tragisch, werde aber die dramatischen  Überkapazitäten in der Automobilindustrie nicht vermindern. Baur: „Wichtiger ist es, die Erbschaftssteuer ersatzlos zu streichen, das erhält zigtausende Arbeitsplätze. Würde man zudem  Gewinne, die im Unternehmen bleiben, nicht versteuern, so wäre genügend Kapital vorhanden, um in moderne Technologien wie erneuerbare Energie zu investieren, was nach Berechnungen der EU bis zu einer Million Arbeitsplätze in Deutschland gerieren würde.“

Baur plädiert dafür, dass sich alle Akteure an den Grundlagen der sozialen Marktwirtschaft orientieren, die über fünf Jahrzehnte nicht nur für Wohlstand gesorgt hat, sondern auch krisenfest gewesen ist und neue Herausforderungen gemeistert hat. Deutsche Mittelständler haben zwar auch Produktionen ins Ausland verlegt, teilweise aber nur, um als Zulieferer für große Produzenten logistisch konkurrenzfähig zu sein. Der große Teil der kleinen und mittelständischen Betriebe beweist Standorttreue und lebt die Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft. Viele Betriebe, die sich im Ausland größeren wirtschaftlichen Erfolg versprochen hatten, haben leise und reumütig den Rückzug nach Deutschland angetreten. Köppen: „Made in Germany wird in Zukunft sicher immer stärker auf Forschung und Entwicklung konzentriert sein, aber ohne industrielle Produktion auf höchstem Niveau wird sich dieses kostbare und geldwerte Image nicht halten lassen.“

Kultur ist das Trainingslager für unsere Kreativität

Dr. Helmut Baur, BVMW-Vorstandsmitglied, engagierter Unternehmer und Kultur-Förderer

Vor einem unüberlegten Streichkonzert bei den Ausgaben für Kultur warnt Dr. Helmut Baur, Vorstandsmitglied des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW). Baur: „Kulturelle Betätigung ist ein wesentlicher Faktor zur Aktivierung von Kreativität und Fantasie. Ohne Kreativität und Fantasie können unsere Bürgerinnen und Bürger keine Spitzenleistungen im Bereich von Forschung und Entwicklung erbringen.“

Zwar sei es unumstritten, so Baur, dass man auch in den öffentlichen Haushalten zum Sparen gezwungen sei, aber bei den Kulturausgaben müsse Vorsicht geboten sein. Die Ausgaben für Kultur machen rund 1 Prozent der Landeshaushalts in Baden-Württemberg aus. Baur: „Der wichtigste Rohstoff liegt in Deutschland nicht im Boden, sondern zwischen den Ohren der Menschen. Darüber müssen sich die Gestalter in Politik und Wirtschaft mehr im Klaren sein als je zuvor.“

Außerdem dürfe man nicht vergessen, dass die Kulturwirtschaft deutschlandweit einen Anteil von 2,6 Prozent am Bruttoinlandsprodukt hat; damit rangiert sie noch vor der chemischen Industrie mit 2,1 und nur knapp hinter der Automobilindustrie mit 3,1 Prozent.

Baur: „Die Inhabergeführten und mittelständischen Unternehmen leisten durch ihr Sponsoring und ihre Unterstützung einen erheblichen Beitrag zum kulturellen Leben in Deutschland, sowohl in der Breite als auch in der Spitze. Deswegen kommt es darauf an, dass in Zukunft auch die öffentliche Hand ihren Beitrag stabil halten wird. Bei dem relativ geringen Volumen der Kulturausgaben eignen sie sich ohnehin nicht dazu, einen Haushalt maßgeblich zu sanieren.“ Sponsoring durch Unternehmen bedeute aber immer nur Ergänzung und nicht für Grundversorgung.  Kulturelle Betätigung, vor allem die aktive, ist das Trainingslager unserer Nation. Und die Anforderungen an unsere kreative Fitness werden in Zukunft immer größer werden, so Baur.

Austausch mit dem Wirtschaftsminister Baden-Württemberg

Mitglieder des BVMW-Landeswirtschaftssenates Baden-Württemberg bei Minister Ernst Pfister (v.l.): Wirtschaftsminister Pfister, Dr. Oliver Schmidt (Menold Bezler), Petra Hetzel (BVMW), Hubertus Müller (Haushahn), Dr. Werner Hagen (KBA-MetallPrint), Cornelia Hölzl (Murrplastik), Klaus Rehder (Euler Hermes) und Michael Fischer (LOBA). Foto: Ulrich Köppen

Stuttgart - Auf offene Ohren stießen die Mitglieder BVMW-Landes-Wirtschaftssenates bei ihrem informativen Besuch bei Baden-Württembergs Wirtschaftsminister Ernst Pfister (FDP)

Gemeinsam mit Petra Hetzel, der Sprecherin des Landes-Wirtschaftssenats, erörterten sie im regen Austausch Themen, die die Unternehmer des Mittelstandes als wichtigste Stütze des Wirtschaftslebens bewegen. Der liberale Minister zeigte sich als Mittelstandförderer par excellence und wies darauf hin, dass der Mittelstand nicht nur 70 Prozent der Arbeitsplätze stelle, sondern dass überhaupt 70 Prozent der Menschen zu Mittelschicht gehörten. In einer wirtschaftspolitischen Tour d’Horizon ging es u.a. um die Themen Zwangsmitgliedschaft bei den IHKs, die die Unternehmer  ablehnten, da sie nicht leistungsfördernd sei.  Zum Dauerthema Erbschaftssteuer Pfister versprach, dass man das Ziel verfolgen werde, die Erbschaftssteuer in die Verantwortung des Bundes zu legen und sie dann in Baden-Württemberg sofort abzuschaffen, da ihr Ertrag von rund 600 Millionen Euro  keinem Verhältnis stehe zum betriebenen Aufwand. Neben den großen Übereinstimmungen wie die Reduzierung des Bürokratieaufwandes gab es aber auch befruchtende Unterschiede. So appellierte  Pfister,  dass die Mittelständler sich selber und vor allem  rechtzeitiger um Nachfolgeregelungen in Unternehmen kümmern müssten. Im Landeswirtschaftssenat vertrat man die These, dass die in Wahlzeiten willig ausgegeben Staatshilfen Krisensituationen nur verlängern, statt sie zu lösen und so der Wirtschaft nicht wirklich helfen. Kritisch wies Petra Hetzel darauf hin, dass sich für manche Unternehmen trotz guter Perspektiven die Kreditzinsen verdreifacht hätten. Hier bot Pfister direkte Hilfe an und warb dafür, das sich die Unternehmer stärker um die  Unterstützungsprogramme des Wirtschaftsministeriums, der L-Bank und der mittelständischen Beteiligungsgesellschaft. Das nächste Treffen soll folgen. he/ukö

Kurzarbeit und dann arbeitslos

Stuttgart -  „Als nicht nachvollziehbar“  kritisiert der Bundesverband mittelständische Wirtschaft die Überlegungen großer Industriebetriebe, Arbeitsplätze unter Umständen ins Ausland zu verlagern. Die Arbeitsagenturen des Landes Baden-Württemberg haben seit Beginn dieses Jahres die heimische Wirtschaft mit 517 Millionen Euro zur Finanzierung der Kurzarbeit unterstützt.  Die Übernahme der Sozialkosten bei Fortbildungsmaßnahmen beläuft sich auf 225 Millionen. Dr. Helmut Baur, Vorstandsmitglied des BVMW  und Vorstandsvorsitzender von Binder Optik: „Es gehören keine hellseherischen Fähigkeiten dazu, um vorauszusagen, dass diese Zahl bis Ende des Jahres noch erheblich steigen wird. Wir begrüßen es, dass auch mittelständische Betriebe von dieser Maßnahme profitieren“. Es ist unbestritten, so Baur weiter, dass viele Firmen unverschuldet in Not geraten sind und die Arbeitsplätze solange wie möglich erhalten werden müssen.

Dass aber manche große Firmen gleichzeitig verlauten lassen, dass sie unter Umständen einen Teil dieser subventionierten Arbeitsplätze ins  Ausland verlagern wollen, dürfte bei vielen Mittelständlern auf Unverständnis stoßen. Mittelständische Unternehmer trennen sich nur schweren Herzens von ihren 10 oder 20 Mitarbeitern und haften häufig persönlich für das Wohl und Wehe ihrer Firma und ihrer Mitarbeiter.

Baur: „Wenn man dann noch bedenkt, dass der durchschnittliche Jahresverdienst  der Entscheider in den mittelständischen Betrieben circa 80.000 Euro beträgt, kann man den Unmut vieler Unternehmer verstehen.“ Der Mittelstand ist das Rückgrat der deutschen Wirtschaft und es kann sein, dass nicht wenige von ihnen in die Insolvenz rutschen. Der BVMW fordert, dass der Staat lieber in ein Unternehmens-freundliches Klima investiert, statt immer neue Subventionsprogramme aufzulegen.

„Notenbankfähig“ - Exclusiv in Baden-Württemberg

Stuttgarts Bundesbank-Präsident Bernhard Sibold

Kostenlose Bonitätsprüfung - Pluspunkt für Kredit-suchende Unternehmen
Die Frage einer Kreditklemme wird höchst unterschiedlich beurteilt. Viele Unternehmer fühlen sich durch eine sogenannte Kreditklemme behindert. Bernhard Sibold, Präsident der Stuttgarter Hauptverwaltung der Deutschen Bundesbank, verneint sie allerdings. Nach wie vor spielt die Bonität von Unternehmen dabei eine entscheidende Rolle. An drei Tagen hatten die BVMW-Unternehmer und Gäste in Baden-Württemberg in den Filialen der Deutschen Bundesbank die Möglichkeit, sich über deren Bonitätsanalyseverfahren zu informieren. Diese Infoabende wurden exklusiv mit dem Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) veranstaltet.

Im Rahmen ihrer geldpolitischen Aufgaben im Eurosystem gewährt die Deutsche Bundesbank Kredite an inländische Banken, die allerdings mit Sicherheiten unterlegt werden müssen. Hierfür können die Kreditinstitute unter anderem auf Kreditforderungen gegenüber Unternehmen zurückgreifen, sofern diese „notenbankfähig“ sind. Die Notenbankfähigkeit eines Unternehmens wird anhand einer Bonitätsanalyse beurteilt, die in den Hauptverwaltungen der Bundesbank vor Ort erstellt wird.

Die Notenbankfähigkeit ist ein Prädikatsurteil. Kreditforderungen gegenüber notenbankfähigen Unternehmen können von Banken als Sicherheit für die Refinanzierung bei der Bundesbank verwendet werden. Gerade in der aktuellen Situation ist die Bewertung „notenbankfähig“ deshalb sicher ein Pluspunkt für Kredit suchende Unternehmen.                                                                   ukö

Die kostenlosen Informationsveranstaltungen zur Bonitätsanalyse des BVMW in Kooperation mit der Deutschen Bundesbank fanden statt:
16. September 2009: Filiale Stuttgart
7. Oktober 2009: Filiale Ulm
21. Oktober 2009: Filiale Karlsruhe

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