Fachkräfte – es ist bereits Zwölf
BVMW Mitglied bei Allianz für Fachkräfte-Sicherung in Baden-Württemberg
Im Unterschied zu Großunternehmen verfügt der Mittelstand über ungleich geringere Kapazitäten zur Rekrutierung von Fachkräften. Nach der Prognose des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg geht die Zahl der Personen im erwerbsfähigen Alter in Baden-Württemberg zwischen 2010 und 2020 um rund 250.000 zurück, zwischen 2020 und 2030 um weitere 620.000. Der Rückgang setzt sich auch danach fort. Besonders betroffen sind die besonders im Fokus stehenden Mint-Berufe. Dazu Dr. Ulrich Köppen, BVMW-Landesgeschäftsführer Baden-Württemberg: „Es ist nicht fünf vor zwölf, sondern bereits zwölf, denn laut einer Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young in Kooperation mit der ESCP Europe Wirtschaftshochschule Berlin kostet der Fach- und Führungskräftemangel den deutschen Mittelstand jährlich rund 33 Milliarden Euro an Umsatzeinbußen bzw. nicht realisierten Umsätzen.“
Vereinbart wurde die „konzertierte Aktion“ bei der Esslinger Firma Eberspächer, unser Foto zeigt von links: Dr. Ulrich Köppen (BVMW), Dr. Peter Kulitz (IHK), Prof. Dr. Dieter Hundt, Eva Strobel (Bundesagentur für Arbeit), Dr. Nils Schmid (Wirtschaftsminister), Nikolaus Landgraf (DGB), H. Vogel (Handwerkstag).
Mit der jetzt gegründeten Allianz für Fachkräfte Baden-Württemberg schließen sich die verantwortlichen Wirtschafts-Akteure in Baden-Württemberg zu einer Sicherung des Fachkräfteangebots in der mittelständischen Wirtschaft zusammen: Partner sind der BVMW als eine der Wirtschaftsorganisationen, die Gewerkschaften, die Bundesagentur für Arbeit, die Kommunalen Spitzenverbände, die regionalen Wirtschaftsfördergesellschaften, der Landesfrauenrat und das Land.
Die Koordinierung der Fachkräfteallianz erfolgt durch das Ministerium für Finanzen und Wirtschaft Baden-Württemberg. Es wird regelmäßig zu Gesprächen über Maßnahmen, die Evaluierung der Zielerreichung u. a. einladen. Die Fachkräfteallianz wird sich in ihrer ersten Sitzung nach Gründung mit zusätzlichen Maßnahmen im Sinne eines gemeinsamen Aktionsprogramms befassen. Dazu Dr. Ulrich Köppen: „Die Flexibilisierung des Renteneintrittalters gehört dabei zu den Vorstellungen des BVMW, gerade um das Knowhow der Älteren zu nutzen – wenn diese es wollen.“
Die Allianzpartner verfolgen zur Sicherung des Fachkräfteangebots in der mittelständischen Wirtschaft des Landes gemeinsam zehn Ziele:
Gezielte Zuwanderung
Zur Sicherung des Fachkräfteangebots muss vorrangig das Beschäftigungspotenzial in Baden-Württemberg ausgeschöpft werden. Angesichts der demografischen Entwicklung ist auch die Zuwanderung von Fachkräften aus dem In- und Ausland notwendig. Unter den geltenden rechtlichen Rahmenbedingungen gibt es ein Potenzial für Zuwanderung aus dem Ausland. Zum einen betrifft dies Fachkräfte aus der EU aufgrund der Arbeitnehmerfreizügigkeit. Zum anderen gibt es ein Fachkräftepotenzial aus Nicht-EU-Staaten bei ausländischen Absolventen baden-württembergischer Hochschulen sowie bei Maschinenbau-, Fahrzeugbau- und Elektroingenieuren, für die die Vorrangprüfung ausgesetzt wurde.
Die Zusammenarbeit der Akteure vor Ort ist maßgeblich für die Breitenwirkung des Fachkräftethemas. Kooperationen vor Ort können vom Erfahrungsaustausch zwischen Betrieben bis zu konkreten gemeinsamen Projekten reichen. Eine Basis für die Gründung regionaler Fachkräfteallianzen ist der Arbeitsmarktmonitor der Bundesagentur für Arbeit, der als Analyseinstrument für die demografische, wirtschaftliche und soziale Entwicklung in den Regionen zur Verfügung steht. Es gibt bereits zahlreiche erfolgreich arbeitende regionale Netzwerkpartnerschaften, die für weitere regionale Allianzen beispielgebend sein können.
Weitere Ziele: berufliche Ausbildung verstärken, Weiterbildung ausbauen, Beschäftigung von Frauen steigern, Beschäftigung älterer Personen erhöhen, Personen mit Migrationshintergrund stärker in den Arbeitsmarkt integrieren (Baden-Württemberg hat unter allen Flächenländern in Deutschland mit 26 Prozent den höchsten Anteil an Personen mit Migrationshintergrund, Arbeitslosigkeit, insbesondere Langzeitarbeitslosigkeit, abbauen, Vollzeitbeschäftigungsniveau erhöhen, Beschäftigtenzahl im Mangelberuf Ingenieurwesen steigern (die Abbrecherquote in den Ingenieurwissenschaften lag im Absolventenjahr 2008 in den Maschinenbaustudiengängen an Universitäten bei 34 Prozent!).











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