Mittelstand sieht in der Arbeitnehmer-Freizügigkeit eine Chance
Frankfurt. Der Mittelstand in Berlin-Brandenburg sieht in der am 1. Mai in Kraft tretenden Arbeitnehmer-Freizügigkeit vor allem eine Chance, im globalen Wettbewerb Schritt zu halten. Das erklärte der Landesgeschäftsführer des BVMW in Berlin-Brandenburg, Dr. Dieter Kapell, am Dienstag in Frankfurt.
Dr. Kapell hatte gemeinsam mit mittelständischen Unternehmern und Vertretern der polnischen Kommunalpolitik das Überbetriebliche Ausbildungszentrum (ÜAZ) Frankfurt (Oder) / Wriezen besucht, das seit vielen Jahren partnerschaftliche Beziehungen zu Bildungsträgern in zahlreichen europäischen Ländern unterhält. Dazu gehört auch der regelmäßige Austausch von Auszubildenden. Dr. Kapell überzeugte sich vor Ort von der hohen Qualität, in der die Lehrlinge in diesem BVMW-Mitgliedsunternehmen weitergebildet werden, und dankte dem Geschäftsführer des Berufsförderungswerkes e.V., Frank Buckram, sowie Walter Jahn als Leiter des Auslandsdienstes, für ihr Engagement.
In einem Podiumsgespräch wies Dr. Kapell darauf hin, dass die Konjunktur in Berlin-Brandenburg an Fahrt gewinnt. Weit mehr als die Hälfte der mittelständischen Unternehmen beurteilten ihre Lage als gut und sehr gut. „Es ist ein guter Moment, die europäische Integration weiter zu führen“, so Dr. Kapell. „Die Konjunktur darf nicht durch einen Mangel an Fachkräften gebremst werden.“ Qualifizierte Arbeitnehmer würden in Berlin-Brandenburg dringend gesucht. „Das betrifft nicht nur Techniker und Ingenieure, sondern die gesamte Breite der Berufsfelder von Dienstleistungen bis zum Handwerk.“
In der Arbeitnehmer-Freizügigkeit sieht Dr. Kapell zwar nicht die Lösung des Fachkräfteproblems, aber doch einen gewichtigen Beitrag dazu. „Es wird keine Überschwemmung des Arbeitsmarktes in Deutschland mit Fachkräften und Auszubildeden aus anderen europäischen Ländern geben. Außerdem ist die Arbeitnehmer-Freizügigkeit, wie auch unsere polnischen Kollegen betonen, keine Einbahnstraße. Wir stehen in einem europäischen Wettbewerb, den wir als Herausforderung annehmen.“
Das sehen auch Mitgliedsunternehmen des BVMW so. Peter Heinl, Geschäftsführer der Brandenburger Komplettbau GmbH Neuzelle, hat bereits gute Erfahrungen mit Arbeitskräften aus dem Nachbarland gesammelt. "Wir hatten in unserem Unternehmen polnische Studenten als Praktikanten. Es war eine hervorragende Zusammenarbeit vom ersten Tag an“, berichtet er. Auch die Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung in Gubin gestalte sich sehr gut. „Der Bürgermeister hat an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt studiert.“ Um unbürokratisch Auszubildende und Arbeitskräfte aus anderen europäischen Ländern einstellen zu können, wünscht Heinl sich eine entsprechende Vermittlung der Ausbildungs- und Arbeitssuchenden. „Ich könnte mir vorstellen, dass sie genauso über die Agenturen für Arbeit vermittelt werden, wie jeder andere Bewerber.“
„Unsere Firma steht für Praktikanten und Fachkräfte offen“, erklärt auch Barbara Hädrich von der Scanbau GmbH Eisenhüttenstadt. Der Einbruch der Geburtenzahl nach der Wende, aber auch Leistungsdefizite der Schulabgänger bereiten der Unternehmerin zunehmend Sorge. „Die fremde Sprache ist kein unlösbares Problem, wenn die Motivation stimmt.“
Jacek Jeremicz, in der Gorzower Stadtverwaltung zuständig für die Europäische Integration, hält die Sprachbarriere ebenfalls für kein unüberwindliches Hindernis. „Aber wenn ich drei Stunden für die Fahrt von Gorzow nach Frankfurt brauche, stelle ich fest, dass Freizügigkeit auch eine Infrastruktur benötigt, die dazu ermutigt, diese Freizügigkeit zu nutzen.“
„Wir haben hier an einem hervorragenden Standort eine hervorragende Bildungseinrichtung, die zukunftsorientiert und mit großer Erfahrung dazu beiträgt, dass aus dem Recht auf Freizügigkeit eine echte Chance für die jungen Europäerinnen und Europäer wird“, sagte Dr. Kapell zum Abschluss des Besuches.








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