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Mittelstandsbarometer: Brandenburg befindet sich im Bundesvergleich auf gutem Weg

Frankfurt (Oder). Der Mittelstand in Brandenburg hat sich in den vergangenen Jahren trotz der Finanz- und Wirtschaftskrise gut entwickelt. In vielen Bereichen bestätigt das Deutsche Mittelstandsbarometer (dmb) dem Land durchschnittliche bis gute Positionen. Das erklärte Professor Dr. Michael Lingenfelder von der Forschungsstelle Mittelständische Wirtschaft an der Marburger Universität bei der Präsentation der aktuellen Studie in Frankfurt (Oder).

Professor Dr. Michael Lingenfelder in Frankfurt (Oder). Foto: BVMW / KLemt

„In Brandenburg herrscht ein exzellentes Gründungsklima“, so Lingenfelder. „Hier hat Brandenburg inzwischen sogar Bayern hinter sich gelassen.“ Als eines der ersten Länder habe Brandenburg mit seiner Zukunftsagentur eine One Stop Agency geschaffen, die als zentraler Ansprechpartner für Existenzgründer bereit steht. Verbunden mit einer „Förderung aus einem Guss“, dem Gründungsnetz Brandenburg, der Förderung durch die Landesinvestitionsbank und die KFW sei ein „schöner Förderstrauß“ entstanden. Überdurchschnittlich ausgeprägt sei auch das Bemühen der mittelständischen Unternehmen, bestehende Jobs zu erhalten und neue Arbeitsplätze zu schaffen. „Der Mittelstand ist ein wichtiger, wenn nicht der zentrale Wachstumsmotor in Brandenburg“, unterstrich Professor Lingenfelder. Auch die Geschäftslage hat sich gut entwickelt,so dass Brandenburg inzwischen vom letzten Platz ins Mittelfeld gerückt ist.

Das dmb wird jährlich mit Unterstützung des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft und der BDO Deutsche Warentreuhand AG erstellt. Die aktuelle Studie gründet sich auf 2318 ausgewertete Fragebögen, von denen 180 aus dem Land Brandenburg kamen. Die Studie bildet die Struktur des Mittelstandes realistisch ab und lässt repräsentative Rückschlüsse auf die Entwicklung der mittelständischen Wirtschaft, insbesondere unter dem Aspekt der psychologischen Faktoren, in den vergangenen zwölf Monaten zu.

Der Landesgeschäftsführer des BVMW in Berlin-Brandenburg, Dr. Dieter Kapell, weist darauf hin, dass die Finanz- und Wirtschaftskrise auf Brandenburg einen weniger starken Einfluss genommen habe, als in anderen Bundesländern. Betroffen seien vor allem Zulieferer der Autoindustrie und der Sektor hochwertiger Konsumgüter-Produzenten. Als Grund für die relative Stabilität am Arbeitsmarkt sieht Dr. Kapell eine geringere Abhängigkeit von der Exportwirtschaft. Trotzdem warnte er vor einer Abkopplung der berlinfernen Regionen von der wirtschaftlichen Entwicklung.

Dass die Krise trotzdem nicht ohne Folgen für den Mittelstand bleibt, macht Professor Lingenfelder anhand der psychologischen Faktoren deutlich, die zu zwei Dritteln die Einschätzung der eigenen Geschäftslage bei Unternehmern bestimme. „Es ist alarmierend, dass mehr als 80 Prozent der Befragten sich heute nicht wieder dafür entscheiden würden, Unternehmer zu werden. Mehr als 58 Prozent wären bereit, ihr Unternehmen zu verkaufen und nur 35 Prozent würden eine Übernahme innerhalb der Familie empfehlen.“ Damit habe sich der positive Trend der vergangenen Jahre praktisch umgekehrt. „Die Frage ist, wo Brandenburg angesichts der bevorstehenden Übergabewelle aufgrund des Generationswechsels in Zukunft seine Unternehmer herbekommt.“

Gravierende Probleme sehen die Mittelständler nach wie vor in der Bürokratie, obwohl Brandenburg hier seine Position deutlich verbessern konnte. „120 Regulierungen wurden abgeschafft oder verändert“, erläuterte Lingenfelder. Auch Steuern und Abgaben schmälern die Lust am Unternehmertum. Die schwierige konjunkturelle Lage, das Ausbildungsniveau des Fachkräftenachwuchses und das Arbeitsrecht rangieren ebenfalls noch vor möglichen Finanzierungsproblemen.

Die Forschungsstelle Mittelständische Wirtschaft empfiehlt deshalb, die Steuern und Abgaben wie im Koalitionsvertrag vorgesehen zu senken und mit dem Wachstumsbeschleunigungsgesetz deutlich mittelstandsorientierte Lösungen zu schaffen. Für die Kurzarbeiterregelungen sei eine Anschlussvereinbarung notwendig. „Die Konjunktur wird auch 2010 nicht über Nacht anspringen.“ Zugleich müsste ein Missbrauch der Kurzarbeiterregelung allerdings „hart sanktioniert“ werden. Die Unterstützung von Unternehmensgründungen müsse sich vor allem auf Hochtechnologien und den innovativen Servicebereich fokussieren. Dabei sei eine Bündelung und Forcierung von lokalen, regionalen, landes- und bundesweiten Fördermaßnahmen nötig.

 


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