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Schuldner lebten über ihre Verhältnisse

Prof. Dr. Karl-Heinz Paqué

Magdeburg - Rund um Euro-Stabilität und Griechenlandkrise drehte sich alles bei einem Unternehmertreffen in Magdeburg. Prof. Dr. Karl-Heinz Paqué, Leiter des Lehrstuhls für Volkswirtschaftslehre und Internationale Wirtschaft an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, sprach vor den BVMW-Mitgliedern.

Paqué, eine Legislaturperiode Finanzminister von Sachsen-Anhalt, begründetet die konkreten Ursachen nationaler Schuldenkrisen. Für ihn sind sie Folge von gesamtwirtschaftlichen Schieflagen, deren Geschichte lange zurückreicht. Dies gilt auch für die aktuellen Probleme in der Eurozone. "Griechenland, Irland, Portugal und Spanien lebten seit den späten 1990er Jahren über ihre Verhältnisse", sagte er. Es sei die Zeit der „Great Moderation“, mit weltweit niedrigen Zinsen sowie reichlich vorhandener Liquidität, gewesen. Für den Wissenschaftler war das Muster überall ähnlich trotz Unterschieden im Detail. Es habe einen Boom im jeweiligen nationalen Binnenmarkt gegeben, die lokalen Dienstleistungen und Immobilien verteuerten sich und die Löhne stiegen rasant an, weit schneller als die Arbeitsproduktivität. Gegenüber Deutschland nahmen beispielsweise die Lohnstückkosten zwischen 1999 und 2008 in Griechenland um 32,7 Prozent massiv zu. Ähnlich sah es in Irland, Spanien und Portugal aus. Paquét sagte dazu: "Das Ergebnis war eine drastisch verschlechterte Wettbewerbsfähigkeit gegenüber dem Zentrum Europas. Dies ging lange gut, bis die Binnenmarktblase schließlich im Zuge der Weltfinanzkrise platzte. Danach wurde die gesamtwirtschaftliche Schieflage mit riesigen Defiziten im Staatshaushalt, gefährdeten Bankensysteme, massivem Vertrauensverlust an den Kapitalmärkten und schließlich die Schuldenkrise schonungslos aufgedeckt."

Der Wissenschaftler nannte die Verletzung der Maastricht-Kriterien eine "Ursünde". Es dürfe auf keinen Fall sein, dass letztlich ein Staat für die Schulden des anderen aufkommt. Eine geordnete Insolvenz für Griechenland ist seiner Ansicht nach eine Frage der Zeit. Irgendwann werde sie nötig sein. Allerdings müssten zuerst die Reformbemühungen gelingen. Dieser harte Weg sei unverzichtbar, sollen die Anstrengungen zur Beruhigung des Euro-Marktes gelingen. Eine Rückkehr zur Drachme hält Paquét für keine Option.

Dem Mittelstand in Deutschland rät der Wissenschaftler, nicht in Panik zu verfallen. Das Kreditsystem in der Bundesrepublik sei stabil und Unternehmen bedienten nach wie vor ihre Märkte weltweit.


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