BVMW-Unternehmerforum in Schleiz
Es war zunächst die Sache von Helmut Schmidt, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Saale-Orla, den Optimismus hochzuhalten. Sparkassen und Genossenschaftsbanken stellte der Sparkassenchef ein besseres Zeugnis in der Finanzkrise aus als den privaten Großbanken. "75 Prozent aller Kreditwünsche werden so bewilligt wie gewünscht", sagt Schmidt, nur sehr wenige ganz abgelehnt. Er erwarte keine "Kreditklemme" bei den regionalen Instituten, allerdings höhere Zinsen für höhere Risiken. Er machte auch sein Unverständnis darüber deutlich, dass man plötzlich die Staatsverschuldung zum Hauptproblem mache, die es nicht erst seit drei Jahren gibt. Finanzwirtschaft sei eine Frage des Vertrauens, meinte Schmidt, und rügte den angeblichen Bank-Rechenfehler der Staatsverschuldung von 55,5 Milliarden Euro. "So etwas schafft kein Vertrauen."
Der BVMW hatte den durch zahlreiche Medienauftritte bekannten Prof. Dr. Hans-Peter Burghof, Inhaber des Lehrstuhls für Bankwirtschaft und Finanzdienstleistungen an der Universität Hohenheim, zum Forum eingeladen, und wurde nicht enttäuscht. Burghof machte mit seinen aufmerksam lauschenden Zuhörern einen geistigen Spaziergang durch das Labyrinth des europäischen Finanzwesens und die aktuelle Krise. Allerdings räumte Burghof selbst ein, dass ihm nach den jüngsten Entwicklungen seine rheinische Frohnatur fast verlassen habe. Das Problem seien die Regierungen, die nicht so handeln, wie es seinerzeit in den Verträgen zur Eurostabilität vereinbart wurde und sich die Europäische Zentralbank (EZB) mit den Ankauf von griechischen Staatsanleihen von allen Grundsätzen verabschiedet habe und aus dem Euro "eine Weichwährung" mache. "Was nützen alle aufgestellten Regeln, wenn sie gerade in der Krise nicht mehr gelten", fragte Burghof rhetorisch.
Er machte darauf aufmerksam, dass Europa kein Bundesstaat sondern ein Staatenbund sei. Insofern habe man keinen Einfluss darauf, was Regierungen letztlich entscheiden. Nach seiner Meinung trage das Rettungskonzept nicht und die EZB versuche den Markt zu manipulieren. Sie habe gerade jetzt keine klare Zielfunktion mehr. Er sprach sich vehement dagegen aus, dass sich die EZB der Politik dienstbar mache, statt ihre ureigenste Aufgabe zu erfüllen. Burghof sieht durchaus eine Staatspleite in Form einer "Inflation auf Raten" auf europäische Länder zukommen. Er warnte aber davor, dass die Politik gegen die Märkte arbeite. Man dürfe den Euro politisch nicht kaputt machen. Als Leitwährung tauge der weiche Euro nun aber nicht mehr.
Für die deutschen Mittelständler hatte Burghof viele lobende Worte in ihrer Funktion als Garanten einer hohen Produktionsqualität in Deutschland, führte das vor allem auf ein stabiles Verhältnis von Arbeitgebern und Arbeitnehmern zurück. Eine Inflation würde die Menschen um ihr Geld betrügen und nachhaltig auch die Qualität der Produkte zerstören, warnte der Finanzexperte.
In der von OTZ moderierten Diskussion ging es vor allem um die Sicherheit der Währung und "Was-wäre-wenn"-Fragen. Prof. Burghof wollte sich allerdings nicht an Spekulationen beteiligen, ob denn das alles mit der D-Mark nicht passiert wäre. Kerstin Kramer, Kreisgeschäftsführerin des BVMW-Kreisverbandes Greiz und Saale-Orla machte den Mittelständlern Mut, trotz der Finanzprobleme den Kopf oben zu behalten und sich auf die unternehmerischen Stärken zu konzentrieren.
Quelle: OTZ Schleiz 03.11.2011/Fotos: Jürgen Müller





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