Der Diplom-Ingenieur
Ein Appell für den Schutz der Qualitätsmarke „Made in Germany”
Jeder Mittelständler weiß, dass Vertrauen in die hohe Qualität seiner Produkte ein entscheidender Faktor für den Erfolg am Markt ist. Profilierung und Unterscheidbarkeit sind das Gebot der Zeit. Bei TU9- Universitäten ist das nicht anders: Seit 11.10.1899 dürfen diese den akademischen Grad „Diplom-Ingenieur“ verleihen. Später kamen weitere Hochschulen hinzu, die diesen Grad seither auch vergeben dürfen. Gemeinsam mit der Wirtschaft wurde der „Dipl.-Ing.“ zu einem echten Markenzeichen „Made in Germany” gemacht. Nun soll er abgeschafft werden.
Deutsche Wirtschaftsverbände kämpfen seit längerem für das Label „Made in Germany“ und gegen Brüsseler Ideen, die zu „Made in EU“ führen können. Das ist zwar ein anderes Thema und doch gibt es Parallelen. Denn genau das passiert jetzt beim „Diplom-Ingenieur“: Aus der international geschätzten Qualitätsmarke „Dipl.-Ing.“ soll der Abschluss „Master of Science“ werden. Um eines klarzustellen: Es geht hier nicht um die Qualität der Ausbildung, sondern um die Marke „Dipl.-Ing.“. Die Studiengänge an den TU9-Universitäten sind Bologna- kompatibel. Für Masterabsolventen garantieren wir die gleiche Qualifikation, wie sie mit dem Diplomstudium erreicht worden ist. Es ist aber nicht nachvollziehbar, warum sich Deutschland von seiner internationalen Spitzenmarke verabschieden will. Unsere europäischen Nachbarn, ebenfalls Bologna-Unterzeichner, tun es ja auch nicht:
- In Österreich ist gesetzlich geregelt, dass die Abschlussgrade „Master“ oder „Diplom-Ingenieur“ lauten.
- Auch in Finnland schließen Studierende ihr Masterstudium weiterhin mit dem Grad „diplomi-insinööri“ – also Diplom- Ingenieur – ab. Dieser entspricht dem Master of Science.
- In Frankreich wird an den Grandes Écoles, das sind die besten Ausbildungsstätten des Landes,
ein Ingenieur-Diplom verliehen. Diese Absolventen tragen den Titel „ingénieur diplômé”.
Viele wichtige Nachbarländer in Europa verleihen also weiterhin den „Dipl.-Ing.“, nur Deutschland, wo dieser Grad vor 112 Jahren erfunden worden ist, schafft ihn ab. Führende Wirtschaftsmanager wie Dr.-Ing. Dieter Zetsche, Vorsitzender des Vorstands der Daimler AG und Leiter Mercedes-Benz Cars, oder Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Reitzle, Vorsitzender des Vorstands der Linde AG, und mit ihnen zahlreiche andere haben erkannt, welchen Markenwert der „Dipl.- Ing.“ besitzt, und setzen sich für diesen ein.
Noch ist es nicht zu spät. Aber schon ab diesem Herbstsemester wird die Zahl der Absolventen steigen, denen wir den akademischen Abschlussgrad „Diplom- Ingenieur“ aus rechtlichen Gründen nicht mehr anbieten können. Obwohl ihn sich viele Absolventen wünschen. Denn unsere Studierenden wissen genau, dass ihnen dieses Label Profil und Unterscheidbarkeit im internationalen Arbeitsmarkt sichert: Der „Dipl.-Ing.“ ist eine Qualitätsmarke „Made in Germany“ und muss geschützt werden.
Ernst Schmachtenberg, Präsident der TU9 und Rektor der RWTH Aachen
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