Energie

Höhere Strompreise sind kein Naturgesetz

Der Atomausstieg in Deutschland ist beschlossen. Mit der Zustimmung des Bundesrates hat die sogenannte Energiewende die letzte parlamentarische Hürde genommen. Weiter steigende Strompreise werden die Folge sein.

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In den letzten zehn Jahren kannten diese nur eine Richtung  – nach oben. Um  fast 85 Prozent stieg der Strompreis von 2000 bis 2011 für Endverbraucher. Verantwortlich dafür waren steigende Steuern und Abgaben an den Staat, die Förderung der Erneuerbaren Energien, der fehlende Wettbewerb auf den Erzeugermärkten sowie die hohen Brennstoffkosten für Kohle und Gas. Mit der Energiewende entstehen neue Kosten, die auf die  Stromverbraucher umgelegt werden.

Im Fokus steht das „Nadelöhr“ der Energiewende - das Stromnetz. Die Dena, eine Forschungseinrichtung, die von der Bundesrepublik und verschiedenen Banken getragen wird, rechnet  bis 2020 mit einem Neubaubedarf von Übertragungsnetzen von 1.500 bis zu 3.600 km. Hiervon wurden bislang lediglich 100 km realisiert. Die Kosten, die den Netzbetreibern für Ausbau, Wartung und Erneuerung entstehen, werden über die Netzentgelte auf die Endverbraucher umgelegt. Schätzungen zufolge könnten  bis 2020 Zusatzbelastungen in Höhe von rund 30-60 Milliarden Euro entstehen. Demnach müssten die Netznutzungsentgelte in den kommenden Jahren um mindestens 50 Prozent steigen. Die größten Belastungen, nämlich rund 25 Milliarden Euro, entstehen dabei allein durch die Netzanbindung der Offshore-Windparks. Seit der Novellierung des Netzausbaubeschleunigungsgesetzes im vergangenen Juli können diese Kosten auf alle Endverbraucher umgelegt werden.
Angesichts dieser Größenordnungen muss hinterfragt werden, ob der Stromtransport von der Nordsee in den Süden Deutschlands tatsächlich das beste Konzept ist. Um eine ernsthafte Diskussion zu ermöglichen, muss die Bundesregierung ihre eigenen Prognosen zur künftigen Entwicklung von Netzentgelten und EEG-Umlage veröffentlichen. Denn es ist keineswegs ein Naturgesetz, dass die Energiekosten ewig weiter klettern. Bei Solar und Windkraft betragen die Kosten für eine zusätzlich produzierte Kilowattstunde Null. Aber nur bei einem intelligenten Gesamtkonzept, das auf Wettbewerb statt Monopolstrukturen setzt, kommt dieser Vorteil auch zum Tragen.
Die Energiekommission des BVMW hat dazu ein Diskussionspapier unter der Überschrift "so dezentral wie möglich, so zentral wie nötig" veröffentlicht. Eine dezentralere Stromerzeugung verringert aufgrund der räumlichen Nähe zwischen den Erzeugungs- und Verbrauchszentren den Leitungsbedarf und somit auch die Kosten für die Endabnehmer. Denn dieser Punkt darf bei keinem Energiekonzept aus den Augen verloren werden: Nur bei bezahlbaren Energiekosten kann der Mittelstand seine internationale Wettbewerbsfähigkeit bewahren.

Sindy Vollmert
Diplom-Volkswirtin


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