Deutschland das Land der Angestellten? Wie Solopreneure vergessen werd

Soloselbständigen, also Menschen, die sich ganz bewusst gegen eine Festanstellung entschieden haben, wird häufig mit Misstrauen begegnet und sie bekommen bürokratische Knüppel in den Weg gelegt.

Deutschland das Land der Angestellten?

Wie Solopreneure vergessen werden

Gründertum soll in Deutschland wieder großgeschrieben werden. Sind wir doch das Land der Dichter und Denker. Doch Gründer sollen gefälligst Arbeitsplätze schaffen und Unternehmer werden. Soloselbständigen, also Menschen, die sich ganz bewusst gegen eine Festanstellung entschieden haben, wird dagegen häufig mit Misstrauen begegnet. Und Sie bekommen natürlich auch noch bürokratische Knüppel in den Weg gelegt.

Coronahilfen mit Haken

Dazu kommt manchmal auch noch Verächtlichkeit, gerade dann, wenn man im künstlerischen oder geistigen Bereich als Selbständiger unterwegs ist. „Das ist ja gar keine richtige Arbeit.“ Na, wer kennt‘s?
Dabei sind es gerade die Soloselbständigen, die das Fundament des Unternehmertums bilden - und doch immer wieder vergessen werden. Erinnern wir uns an den Beginn der Pandemie. Während Konzernen wie Lufthansa oder VW die Hilfen geradezu zuflossen, mussten die Soloselbständigen um jeden Euro kämpfen. Dazu kamen die unglaublich komplizierten Antragsformalitäten. Dann kam hinzu, dass Anträge teilweise nur von Steuerberatern eingereicht werden konnten. Also nochmals extra Kosten!

Jetzt sollen viele Selbständige diese „Hilfen“ wieder zurückzahlen. Zum erdenklich ungünstigsten Zeitpunkt und - wie Sascha Lobo in der SPIEGEL Netzwelt es so schön in seinem Kommentar formuliert hat - sehr oft mit betrugsunterstellendem Unterton. Denn oft werden Selbständige als egoistische „Halbseidene“ angesehen, die sich ihr Schicksal ja selbst ausgesucht haben.

Ach ja, viele Konzerne haben übrigens gerne die Hilfen kassiert und ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt - und gleichzeitig horrende Gewinne eingefahren. Finden Sie hier bitte den Fehler.

Dazu kommt, dass viele Soloselbständige überhaupt keine Hilfen erhalten haben, weil sie eben durchs Raster gefallen sind und zusehen mussten, wie sie klarkommen. Die Autorin schreibt hier aus Erfahrung. Wir wollen es mal nicht hoffen, aber sollte ein erneuter Lockdown kommen, dann wird das vielen Soloselbständigen endgültig das Genick brechen.

Wer es nicht glaubt, kann es übrigens bei der IFO nachlesen. Der Geschäftsklimaindex für Soloselbständige und Kleinstunternehmen hat im November mehr als deutlich nachgegeben, nämlich -6,2%.

Deutschland das Angestelltenland?

Auch unser vielgelobtes Sozialsystem tut sehr wenig für die Soloselbständigen. Ist es doch auf Festanstellung ausgelegt. Vermutlich würde es implodieren, wenn sehr viele Menschen auf einmal auf die Idee kommen würden, sich selbständig zu machen und das allein, ohne Angestellte. Betrachten wir einmal das Thema Krankenkasse. Rutscht man als Soloselbständiger in eine gewisse Einkommensklasse, dann werden die Beiträge zur gesetzlichen Krankenkasse plötzlich horrend, bei sinkenden Leistungen. Also entscheidet man sich für eine private Krankenversicherung. Denn 100 Euro im Monat weniger können für manchen Soloselbständigen entscheidend sein.

Ist man aber älter als 55 und möchte zurück in die gesetzliche Krankenkasse wechseln, ist das unmöglich. Außer man verdient unter 450 Euro im Monat. Das lasse ich an dieser Stelle mal einfach so im Raum stehen.

Zwangseinzahlung in die Rentenkasse?

Im Koalitionsvertrag (und in dem davor auch) findet sich ein Punkt, dass Selbständige zukünftig in die Rentenkasse einzahlen sollen. Davon kann man sich nur befreien, wenn man anderweitig in ausreichender Höhe vorsorgt. So weit so nebulös.
Natürlich ist es wichtig, für später vorzusorgen. Niemand, aber wirklich niemand der selbständig ist, möchte später zum Hartz-IV-Empfänger werden. Aber vielleicht sollte die Politik Selbständigen auch ein paar Anreize geben, selbst etwas für die Rente zu tun, wie beispielsweise Steuererleichterungen etc.pp und sie nicht in das Rentensystem zwingen. Gewisse Konzerne werden ja auch nicht gezwungen, plötzlich Steuern zu bezahlen…

Familienplanung will gut überlegt sein

Die Ampelkoalition, beziehungsweise die neue Familienministerin möchte gerne etwas für Familien tun. Das ist super, und es wurde auch dringend Zeit. Zwei Wochen Urlaub nach der Geburt sollen drin sein - bei vollem Gehalt.

Halt Stopp! Gehalt? Kriegen das nicht nur Angestellte? Richtig aufgemerkt. Denn die Selbständigen wurden - wie bei so vielem- vergessen.

Allerdings möchte ich an dieser Stelle doch versöhnlich schließen. Im neuen Koalitionsvertrag finden sich einige positive Vorhaben für Selbständige. Hoffen wir, dass es nicht nur bei vollmundigen Versprechungen bleibt und die Soloselbständigen endlich sinnvoll eingebunden werden.

Autorin: Miriam Weitz, freie Journalistin