Arbeit 4.0 und wie Mitarbeiter reagieren

"Mitnehmen" ist die Devise bei der Umstellung auf neue Arbeitswelten und neue Führung. Aber was bedeutet das für Führungskräfte und Mitarbeiter?

New Work – ein Raumkonzept allein reicht nicht

Wer es mit Arbeit 4.0 wirklich ernst meint, muss die Mitarbeiter mitnehmen.

Quer durch alle Branchen entdecken Unternehmen zunehmend die Vorteile von New Work. Auch im Mittelstand werden neue Arbeitskonzepte immer populärer. Dies verblüfft auch kaum, wurde doch durch Corona unser traditioneller Ansatz zur Zusammenarbeit gehörig in Frage gestellt. Homeoffice bzw. Remote-/Hybrid-Working wird zum neuen Normal, sodass Büroflächen reduziert werden können. Warum dann nicht gleich New Work mit einer Open-Desk-Kultur einführen? Und so kommt es, dass immer mehr Betriebe die moderne Version des Großraumbüros umsetzen. Trennwände werden entfernt, Abteilungsgrenzen aufgelöst, Stammarbeitsplätze abgeschafft und Kickertische aufgestellt.

Viele Unternehmer denken, dass sie mit der architektonischen Umgestaltung ihrer Büros New Work realisiert hätten. Weit gefehlt! Nicht selten bleiben nämlich die erhofften (positiven) Wirkungen aus. Meistens liegt es daran, dass versäumt wurde, die MitarbeiterInnen mitzunehmen. Ihnen wurden die Hintergründe nicht erläutert, man hat sich nicht mit ihren Befürchtungen beschäftigt und man hat sich keine Zeit genommen, ihnen die Idee zu erläutern. Logische Folge: Die Belegschaft leistet (offen wie subtil) Widerstand.

Die Lektion aus gescheiterten New-Work-Einführungen lautet daher, die Betroffenen frühzeitig einzubinden und Gelegenheiten zum Dialog zu schaffen. Mindestens so wichtig bei der Realisierung neuer Arbeitskonzepte ist, dass nicht nur physische Mauern, sondern auch gedankliche eingerissen werden. Denn: Arbeit 4.0 heißt in erster Linie, eigenständiger, unternehmerischer und kreativer zu arbeiten. Dafür sind völlig andere Kompetenzen erforderlich, als sie bislang gefragt waren. Wer als Unternehmer nicht bereit ist, diese Kompetenzen bei seinen MitarbeiterInnen zu fördern und vor allem eine autonomere, vertrauensbasierte Arbeitsweise zuzulassen, der braucht gar nicht erst anzufangen, über New Work nachzudenken.

Autor: Martin-Niels Däfler 2022-02-18

Prof. Dr. Martin-Niels Däfler lehrt an der FOM Hochschule in Frankfurt/Main und ist Autor des Buches „Fit für die digitale Arbeitswelt“ (Springer Verlag), das im April 2022 erscheint. In Aschaffenburg bietet er verschiedene Teambuilding-Events an. Mehr Infos unter: www.making-teams.work

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