Die Bonpflicht – durchdacht oder eher mit der heißen Nadel gestrickt?

Zum Jahreswechsel 2020 trat die Beleg-Ausgabepflicht – selbst für kleinste Beträge - in Kraft. Ein Aufreger!

Kassenbonpflicht - ein Irrsinn?

Seit Januar bewegt, natürlich neben Corona, ein Thema die Gemüter: Die Kassenbonpflicht.

Gut gemeint ist nicht gut gemacht

Bereits 2016 wurde das Gesetz, damals noch unter Finanzminister Wolfgang Schäuble, verabschiedet. Ziel sollte es sein, Steuerhinterziehungen zu vermeiden. Denn jährlich sollen dem Fiskus Millionenbeträge „durch die Lappen“ gehen, weil beispielsweise Kleinstbeträge nicht oder nicht vollständig eingebongt werden. Soweit die graue Theorie.

In Italien ist es seit Anfang des Jahres übrigens Pflicht für alle umsatzsteuerpflichtigen Unternehmen, ein Kassensystem zu benutzen, das die Umsätze direkt an das Finanzamt übermittelt. Nun kann man Italien aber nicht direkt mit Deutschland vergleichen, was das Thema Steuerhinterziehung betrifft.

Zudem scheint die Kassenbonpflicht nicht ganz durchdacht. Zum einen wäre da die immense Umweltbelastung. Denn die Bons werden auf nicht recyclebarem Thermopapier gedruckt, das unter gewissen Umständen sogar hochgiftig sein kann. Zum anderen besteht die Befürchtung, das die Kassenbonpflicht die Digitalisierung gnadenlos ausbremst. 

Gerade kleinere und mittlere Betriebe sind besonders hoch belastet

Ein weiterer Faktor, warum die Kassenbonpflicht eher so wirkt, als ob sie „mit der heißen Nadel gestrickt“ ist: Der unverhältnismäßig hohe Zusatzaufwand, von dem insbesondere die KMU betroffen sind.

Von daher begrüßen wir beispielsweise den Vorschlag von Bundewirtschaftsminister Altmaier, Geschäfte des täglichen Lebens, bei denen der Wert 10,00 €uro nicht übersteigt, von der Bonpflicht zu befreien. Zudem kämpft der BVMW ja schon seit langem darum, unnötiges Dokumentieren von Geschäftsvorfällen zumindest abzubauen.

Außerdem wird es naher Zukunft mit Sicherheit Abrechnungssysteme geben, die Dank der Digitalisierung ein physisches Abrechnen quasi hinfällig machen. Was eine enorme Erleichterung für alle wäre: für Umwelt, Kunden und nicht zuletzt auch für die Unternehmen.

 

Erfahrungsbericht zur Bonpflicht aus der Praxis

Hier Erfahrungen von Stephan Papenbreer, Inhaber Lotto im Karstadt in Magdeburg:

"Zusammen mit meiner Frau betreibe ich einen Kiosk mit Lottoannahmestelle im Karstadt Kaufhaus in Magdeburg. Geöffnet hat der Kiosk Montag bis Samstag jeweils zehn Stunden. Zu Spitzenzeiten werden pro Stunde bis zu 70 Kunden bedient. Das preiswerteste Produkt, eine Zeitschrift, kostet 69 Cent. Für jeden einzelnen Kunden sind wir verpflichtet, einen Kassenbon auszugeben. So die Gesetzeslage. Hochgerechnet müssten in der Verkaufsstelle im Monat 12.000 Belege gedruckt werden. Doch nur drei Prozent der Kunden wollen einen Bon. Für uns kommen noch weitere Aspekte hinzu: Die Kasse registriert jede Einnahme und jede Ausgabe, zudem entstehen Kosten für das Spezialpapier der Bonrollen und schlussendlich die Entsorgung als Sondermüll. Wozu also, frage ich mich, muss dieser zweite Nachweis sein? Es ist alles bereits registriert, kann jederzeit ausgelesen werden und ist vor allem für die Lottoannahme fälschungssicher. Mein Vorschlag: Erst ab einem Mindestumsatz von zehn Euro sollte es eine Bonpflicht geben."

 

Autor des Artikels: Miriam Weitz
Quelle: DER MItTELSTAND 2|2020