Rückblick 2021 - Ausblick 2022

Wie die meisten anderen Ländern war auch Brasilien im vergangenen Jahr von COVID-19 und den direkten sowie indirekten Auswirkungen der Pandemie betroffen. Trotz aller Herausforderungen gibt es für Brasilien auch viele hoffnungsvolle Aussichten

Wie die meisten anderen Ländern war auch Brasilien im vergangenen Jahr 2021 maßgeblich von COVID-19 und den direkten und indirekten Auswirkungen der Pandemie betroffen. Nach einem Anstieg der Infektionszahlen bis Ende Juni 2021 auf einen Wert von über 70.000 Neuinfektionen pro Tag kam zum Ende der ersten Jahreshälfte der Wendepunkt. Aufgrund gut strukturierter und umgesetzter Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung und Impfkampagnen in den Ländern und Kommunen sowie der Disziplin und Impffreudigkeit der Brasilianer konnten die täglichen Neuinfektionen bis zum Jahresende 2021 um 90% auf etwa 7.000 gedrückt werden. Das brasilianische „Impf-Wunder“ – in São Paulo liegt die Quote der verabreichten Erstimpfungen sogar bei über 95% - bringt nicht nur dem Dienstleistungssektor wieder seine Handlungsfreiheit zurück, sondern verschafft dem gesamten, mit über 600.000 Corona-Toten stark gebeutelten Land für das Jahr 2022 eine gute Ausgangsposition in der Pandemie.

Das brasilianische Wirtschaftswachstum lag 2021 immerhin noch bei etwa 5%, wobei das Vorjahr 2020 mit einem Einbruch des Bruttoinlandproduktes von 4,1% abgeschlossen hatte. Für 2022 ist Konsolidierung angesagt, bei voraussichtlich nur minimalem Wachstum von bestenfalls 1% bis 1,5%.

Die Inflation betrug im Jahr 2021 etwa 10% und wird für 2022 mit 5% prognostiziert. Die brasilianische Zentralbank erhöhte den Leitzins (Selic) zuletzt im Dezember 2021 auf 9,25%. Nach einem Stand des Leitzinses von 2% im Januar 2021 war das die siebte Erhöhung in Folge.

Der Wechselkurs der brasilianischen Landeswährung Real zum Euro schloss per Jahresende 2021 mit 6,32, etwa identisch mit dem Wert ein Jahr zuvor.

Große Schwierigkeiten für die gesamte Weltwirtschaft ergeben sich derzeit aus massiven Störungen der globalen Lieferketten. Solche Störungen treffen führende Industrienationen wie Deutschland und Brasilien empfindlich und schlagen sich dort insbesondere im Automobilsektor sowie in der Produktion von Elektro- und Elektronikprodukten nieder.

Das wichtigste Ereignis in Brasilien wird 2022 die richtungsweisende Präsidentschaftswahl sein. Es geht um die zweite Amtszeit bzw. Ablösung des heftig umstrittenen und in zahlreiche Skandale und Verfahren verwickelten Präsidenten Jair Bolsonaro. Eine Voraussage des Ergebnisses lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht seriös treffen. Es kann aber prognostiziert werden, dass der bereits begonnene Wahlkampf wichtige Energien binden, Projekte verzögern und zu Volatilität im brasilianischen Finanzmarkt führen kann.

Trotz aller genannten und weiteren Herausforderungen gibt es für Brasilien auch viele hoffnungsvolle Aussichten und interessante Chancen. Investitionen auf dem brasilianischen Finanzmarkt (festverzinsliche Werte, Aktien, Fonds etc.) bieten wegen der hohen und erwartbar noch weiter steigenden Zinsen sowie der langfristig positiv erwarteten Entwicklung der Aktienkurse große Chancen.

Ungebrochen attraktiv ist auch der brasilianische Immobilienmarkt, der seit langem in- und ausländische Investoren anzieht. Für letztere schlägt sich zusätzlich der günstige Wechselkurs positiv nieder. Auch der Bausektor bietet Unternehmen der daran angegliederten Branchen trotz der gestiegenen Materialpreise gute Aussichten.

Unternehmen des Öl- und Gassektors können kurz-, mittel- und langfristig optimistisch in die brasilianische Zukunft schauen. Laut seines Strategieplans für 2022 bis 2026 wird der brasilianische Ölkonzern Petrobras im genannten Zeitraum 68 Milliarden USD investieren, fast 25% mehr als im vorangegangenen Planungszeitraum.

Auch auf dem brasilianischen Sektor der Energietechnik bestehen gute Aussichten für ausländische Investoren. Gerade die im Bereich der erneuerbaren Energien besonders gut aufgestellten Unternehmen des deutschen Mittelstandes können hier punkten. Deutsche Technologien können breitgefächert auch dort helfen, wo Klimakatastrophen Brasilien im Jahr 2021 durch Dürreperioden und niedrige Wasserstände auf der einen, und Überschwemmungen auf der anderen Seite vor weit reichende Probleme gestellt haben. Trotz der genannten klimabedingten Risiken sorgt der traditionell starke Agrarsektor Brasiliens weiter für Stabilität und bietet gute Investitions- und Wachstumschancen für alle mit diesem Sektor verbundenen Branchen.

Grund zum Optimismus und Investitionschancen bietet weiterhin auch der solide Bergbausektor des rohstoffreichen Landes sowie eine Vielzahl weiterer, hier nicht ausdrücklich erwähnter Bereiche.

Nicht zuletzt bilden auch die Altersstruktur der 210 Mio. Einwohner Brasiliens – über 90% sind jünger als 65 Jahre – sowie die Flexibilität und Begeisterungsfähigkeit der konsumfreudigen Bevölkerung nicht zu unterschätzende langfristige Potenziale für den beliebten Standort.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass Brasilien auch in weltweit schwierigen Zeiten ein interessanter Investitionsstandort für den deutschen Mittelstand bleibt.