News Brasilien Mai 2021

Alle wichtigen News für Sie zusammengefasst

Geografie Brasiliens 

Die Erde hat rund 150 Mio. km² Landfläche, Brasilien hat 5,7% davon, nämlich 8.515.770 km² und ist damit das fünftgrößte Land der Welt. Die EU hat nur 4.272.000 km², ist also halb so groß wie Brasilien - trotzdem suchen viele Exporteure einen (!) Vertreter für Brasilien, der das ganze Land bedienen und dafür nur eine umsatzabhängige Provision erhalten soll. 2010 waren 60,1% Brasiliens bewaldet, 1990 waren es noch 66,9%. Deutschland hat zum Vergleich 357.022 km² und kommt damit auf den 62. Platz mit nur 0,24% der Landfläche unseres Planeten. Das zeigt, dass es nicht immer auf die Größe ankommt.

2010 war die Waldfläche Brasiliens 14,5 mal größer als Deutschland. Trotzdem beklagt sich die Welt über Brandrodungen und regt sich über die Zahl der Brandherde aus, die man per Satellit zählt, ohne zwischen illegaler Brandrodung des Regenwaldes und legaler Verbrennung von Unterholz und Stoppelfeldern zur Düngung und Saatvorbereitung zu unterscheiden. Dass die durch Brände pro Jahr verlorene Regenwaldfläche schon viel größer war als heute unter Bolsonaro, wird ebenfalls verschwiegen.

Brasilien nutzt 2% bzw. 1 134.981 km² seiner Fläche für Stadtgebiete, 34% bzw. 2.879.182 km² für die Landwirtschaft, 59% bzw. 5.028.562 km² sind bewaldet, 6% oder 473.045 km² sind sonstige Flächen.

Brasilien hat 13,8% bzw. 1.173.776 km² seiner Landfläche für die ausschließliche Nutzung seiner Indios reserviert, die in 724 Reservaten leben. Den Indios steht also eine Fläche, die 3,3 mal größer als Deutschland ist, zur Verfügung. Bei der letzten Volkszählung wurden 817.963 Indios erfasst. Danach hat im Mittel jeder Indio 1,4 km² Lebensraum. In Deutschland leben 83.703.925 Menschen, d.h. jedem Einwohner stehen im Mittel 0,004 km² bzw. 4.000 Quadratmeter zur Verfügung. Ein brasilianischer Indio hat also 350 mal mehr Lebensraum als ein Einwohner Deutschlands.

Politik

2022 wird im Oktober der neue Präsident gewählt. Da Lula sehr wahrscheinlich Gegenkandidat von Bolsonaro sein wird, kann man sich auf eine noch stärkere Polarisierung gefasst machen. Ein starker Kandidat der Mitte ist nämlich nicht in Sicht. Es wird also wahrscheinlich zu einem Duell wie in „High Noon²“ kommen; die Frage ist, wer auf der Strecke bleibt, Bolsonaro, Lula oder die Demokratie in Brasilien. 

Viele Regierungsentscheidungen müssen sich einer juristischen Würdigung stellen; die Opposition bemüht immer stärker die Justiz, weil man im Parlament keine ausreichende Mehrheit hat, um die Regierung ausbremsen zu können. Neuester Erfolg der linksradikalen Splitterparteien ist ein Beschluss des STF zur Schaffung eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses über die Maßnahmen der Zentralregierung zur Pandemiebekämpfung. Mit Mühe hat die Regierung erreicht, dass die Verwendung der Gelder, die die Zentralregierung den Bundesstaaten für Bekämpfung des Coronavirus überwiesen hat, ebenfalls untersucht wird. Ob sie Erfolg hat, ist zweifelhaft, ist doch der Berichterstatter des Senatsausschusses Renan Calheiros, der Kritiker Bolsonaros und Unterstützer Lulas ist und gegen den Strafverfahren wegen Korruption laufen. 

Bolsonaro hat dem US-Präsidenten in einem Brief zugesichert, dass Brasilien bis 2030 die illegalen Abholzungen im Amazonasgebiet komplett unterbinden wird. Auf dem bevorstehenden Klimagipfel wird der brasilianische Präsident sicher klarmachen, dass Brasilien im Gegenzug finanzielle Zuwendungen der internationalen Völkergemeinschaft erwartet; diese wurden im Prinzip auch schon von Biden zugesagt - wenn Brasilien konkrete Maßnahmen ergreift und Ergebnisse vorzeigen kann.

Rechtssicherheit 

Lulas Weste ist vorläufig weißgewaschen, d.h. er darf 2022 für die Präsidentschaft Brasiliens kandidieren. Damit hat sich das Oberste Bundesgericht STF in den Augen vieler Brasilianer als parteiisch und befangen gezeigt; genau das, was einige seiner Richter dem Richter Moro, seinen Kollegen und den Staatsanwälten des „lava jato“ - Verfahrens vorwerfen. Ein mögliches Szenario ist jetzt, dass Lula, der nicht freigesprochen wurde - seine Verurteilungen wurden nur aufgehoben - wieder angeklagt wird, aber so spät, dass seine unzweifelhaft vorhandenen Straftaten rechtzeitig vor einer neuen Verurteilung verjähren. Das wäre der ultimative Beweis, dass sich Verbrechen in Brasilien lohnen, vor allem dann, wenn Lula noch eine Haftentschädigung bekäme. Dilma wurde übrigens vor einigen Tagen in dem Verfahren um die Raffinerie Pasadena freigesprochen, deren Kauf und Verkauf der Petrobrás einen Milliardenverlust und der damaligen Regierungspartei PT eine üppige „Beteiligung“ bescherte.

Corona

Impfsituation am 17.4.2021:

 

  • Gesamtzahl der Personen, die mindestens eine Dosis erhalten haben: 26.024.553 (12,29 % der Bevölkerung)
  • Personen, die insgesamt zwei Dosen erhielten: 9.479.785 (4,48 % der Bevölkerung)
  • Insgesamt verabreichte Dosen: 35.504.338

 

Bei den Impfungen gegen das Coronavirus liegt Brasilien absolut gesehen auf dem 5. Platz, Deutschland folgt auf dem 6. Indien hat zwar absolut mehr als Brasilien geimpft, aber relativ weniger, nur 1,2% der Bevölkerung ist zwei mal geimpft worden gegen 3,8% in Brasilien.

Wirtschaft

Brasilien hat entgegen der Berichterstattung internationaler Medien durchaus strenge lock down - Bedingungen praktiziert, die aber von vielen Menschen - wie auch z.B. in Deutschland zu beobachten - nicht immer respektiert und eingehalten werden. So musste die Polizei wiederholt einschreiten, um illegale Feste in geschlossenen Räumen, in denen vor allem Jugendliche tanzten, tranken und rauchten, zu beenden. Vertreter der Wirtschaft handeln verantwortungsvoller und publizieren ganzseitige Anzeigen in überregionalen Tageszeitungen, in denen auf die Notlage z.B. des Einzelhandels hingewiesen wird. Etliche Autofirmen haben vorübergehend ihre Tore geschlossen, um ihre Belegschaft zu schützen. In Brasilien ist das Impfen im Gegensatz zu Deutschland, wo Pilotfirmen wie VW ihre Belegschaft impfen dürfen, Privileg des Staates.

Trotzdem hat Brasilien Glück im Unglück, die commodities, die Brasiliens Stärke ausmachen, verkaufen sich glänzend und ihre Preise steigen täglich, im letzten Jahr in US$ um 50% und in R$ um 66%. Deshalb wird nach 14 Jahren wieder eine positive Außenzahlungsbilanz erwartet, siehe diese Graphik aus dem O ESTADO DE SÃO PAULO vom 18.4.2021 in Mrd. US$.

Vorausschauende Industrieunternehmen investieren nach wie vor. WEG kündigte z.B. an, in Betim in der Nähe Belo Horizontes eine weitere Fabrik bauen zu wollen, Arezzo machte der Heringgruppe ein Übernahmeangebot und Lojas Renner wollen mehr als 4 Mrd.$ am Kapitalmarkt aufnehmen, um Akquisitionen durchzuführen. Die Umwandlung von Sonnenstrahlung in Elektroenergie mit Photovoltaikanlagen durch den Verbraucher ist so stark auf dem Vormarsch, dass das Parlament über eine Besteuerung beschließen will. Der Fleischkonzern JBS wird 1,7 Mrd.$ in sieben seiner Fabriken in Rio Grande do Sul investieren.

 

Literaturempfehlung

Globale Bedrohung der Wälder: https://www.wwf.de/themen-projekte/waelder/waldvernichtung/illegaler-holzeinschlag  

Brasilien: Wichtigster Wirtschaftspartner in Südamerika: https://bdi.eu/artikel/news/brasilienwichtigster-wirtschaftspartner-in-lateinamerika 

 

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