Lieferkette auch in schweren Zeiten halten

BVMW: Kontakte und Offenheit wichtig – Das Beispiel Mehler

Kreis Göppingen. Wenn bei Unternehmen Lieferketten zusammenbrechen, kann schnell die Produktion ins Stocken geraten oder gar stillstehen. „Gerade jetzt in der Corona-Krise können solche Störungen schnell fatale Folgen haben“, wie Lothar Lehner, der Kreisvorsitzende des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW) erklärt. Die Firmenchefs sollten sich dessen bewusst sein und engen Kontakt zu ihren Lieferanten suchen und offen kommunizieren, rät Lehner. Dass eine funktionierende Lieferkette Unternehmen retten kann, wird für Lehner am Beispiel des Süßener Blechspezialisten Mehler deutlich.

 

Kai Steffen Meier schaut in die Auftragsbücher. „Bei Mehler läuft es gut“, stellt der Geschäftsführer fest und ist zufrieden. Zufrieden, wie sich das Unternehmen nach der Insolvenz vergangenen Jahres entwickelt hat. Seit August 2019 gehört die Firma, die sich auf Blechverarbeitung spezialisiert hat, zur Degginger Wiedmann-Group. Seither gehören die stürmischen Monate zuvor der Vergangenheit an.

 

Aus der zeitlichen Distanz heraus kann Kai Steffen Meier die schwierigen Monate bei Mehler nüchtern analysieren. Es war der größte Kunde des Unternehmens, der Probleme bereitete. Mit ihm machte Mehler zuletzt gut ein Drittel des Umsatzes, ein Drittel der Belegschaft arbeitete für diesen Auftraggeber. Dass es mit diesem Kunden Schwierigkeiten geben würde, war Kai Steffen Meier bewusst, als er 2018 als Geschäftsführer ins Unternehmen kam. Um sich unabhängiger zu machen, wurden neue Kunden akquiriert, wurde die Produktion grundlegend restrukturiert. Mit Erfolg. Doch am Ende kam Mehler an der Insolvenz nicht vorbei.

 

„Dieser Schritt war alternativlos“ erinnert sich Insolvenzverwalter Rainer Tillmann in Stuttgart, dem die Sommerwochen 2019 sehr gut im Gedächtnis haften geblieben sind. Mit den neuen Kunden sei das Unternehmen leistungswirtschaftlich gut aufgestellt gewesen und hätte nach wie vor das Vertrauen der Lieferanten genossen. Auch die Mitarbeiter hätten, wohlwissend wie es um das Unternehmen bestellt ist, kräftig zugepackt und alle Aufträge pünktlich erfüllt, so Tillmann. Meier sieht das Mitarbeiter-Engagement als Grund, weshalb die Kunden nicht abgesprungen seien. „Wir haben damals alles termintreu abgeliefert“.  Laut Tillmann konnte das Unternehmen nur durch den Insolvenzantrag erhalten werden. Die erforderliche Stilllegung eines Betriebsteils und die Abfindung der betroffenen Arbeitnehmer wären ohne das Insolvenzverfahren nicht finanzierbar gewesen.“ Auch Kai Steffen Meier bedauert, dass man sich von einem Teil der Belegschaft trennen musste, hatten doch zuvor alle kräftig mit angepackt, um Mehler zu retten. Aber ohne diesen schmerzlichen Schnitt würde es den Süßener Blechspezialisten heute nicht mehr geben.

 

Auf Kai Steffen Maier hält Rainer Tillmann große Stücke. Er sei zum richtigen Zeitpunkt an der richtigen Stelle gewesen, lobt der Insolvenzverwalter das Können des Geschäftsführers, vor allem auch die Transparenz zu Kunden, Mitarbeitern und den Lieferanten. Meier wiederum zieht den Hut vor dem Stuttgarter Anwalt, ohne den die Krisen-Wochen für Mehler lange nicht so gut verlaufen wären. „Herr Tillmann hat die Chancen des Unternehmens gesehen und wusste, dass wir gut aufgestellt waren“.

 

Dass schließlich die Wiedmann Group aus Deggingen Mehler übernommen hat, bezeichnet Tillmann als Glücksfall. Zu dem Unternehmen, dem noch ein weiterer Betrieb in Chemnitz gehört, passe Mehler ausgezeichnet. Das kann Meier, der zwischenzeitlich Geschäftsführer der Wiedmann Group ist, nur bestätigen. „Die Betriebe der Gruppe ergänzen sich bestens. Im vergangenen Jahr konnten wir Aufträge nach Chemnitz geben. In diesem Jahr, das etwas verhaltener angelaufen ist, waren Kapazitäten frei, um Chemnitzer Aufträge in Süßen zu erledigen“, berichtet Meier.

 

Bislang ist Meier mit der Auftragslage bei Mehler noch zufrieden. „Wir sind uns aber bewusst, dass sich die Corona-Krise mit zunehmendem Verlauf auch auf unsere Unternehmensgruppe auswirken wird. Einzelne Kunden haben bereits die Produktion gedrosselt oder sogar ausgesetzt. Und auch die Blech- und Stahllieferanten weisen auf drohende Lieferengpässe hin.“

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