Mit dem Auto vor die Leinwand

Der Corona-Krise zum Trotz: „Gloria“-Chef bastelt an Kino-Alternative

Geislingen.  Alexander Kern darf die Türen zu seinem „Gloria“-Kino zurzeit nicht öffnen. Wegen der Corona-Pandemie hat das Land den Spielbetrieb der Filmtheater untersagt. Seit Mitte März laufen deshalb im „Gloria“ keine Filme mehr – und das voraussichtlich noch bis Mitte Juni. „Schwere Zeiten für den jungen Unternehmer,“ so Lothar Lehner vom Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) im Kreis Göppingen und hat für den Geislinger viel Lob übrig. „Er steckt nicht den Kopf in den Sand, sondern ergreift in der Krise die Initiative für ein Autokino in der Fünf-Täler-Stadt.“

 

Die Corona-Krise hat auch das „Gloria“ in der Steingrubestraße in Geislingen hart getroffen. So wie alle anderen Kinos auch, musste Alexander Kern sein Haus schließen und damit auch seine elf Mitarbeiter, die bei ihm größtenteils auf Minijob-Basis arbeiten, nach Hause schicken. In den ersten Tagen ging es vor allem darum, die laufenden Kosten auf ein Minimum zu reduzieren, erinnert sich der Kino-Chef. Und natürlich habe auch er Soforthilfe beantragt, um nicht in Liquiditätsprobleme zu kommen. Auf das Ostergeschäft konnte Kern da schon nicht mehr hoffen. Etwas, das ihn besonders schmerzt, denn die Tage um Ostern zählen neben Weihnachten normal zu den umsatzstärksten in einem „Gloria“-Geschäftsjahr.  

 

Kern muss aber nicht nur schauen, mit einem geschlossenen Kino über die Runden zu kommen, er musste auch das Geislinger Sommernachtskino absagen, das Ende Juli/Anfang August zum fünften Mal in der Geislinger Altstadt über die Leinwand flimmern und unterhaltsame Live-Acts bieten sollte. Mit bis zu 900 erwarteten Besuchern pro Tag gehört dieses Event zu den Großveranstaltungen, die auf jeden Fall bis 31. August untersagt sind. Zudem, so Kern, sei es auch aktuell sehr schwierig Sponsoren zu generieren. „Wenn die Zeiten härter werden, dann wird eben an Sponsorengeldern mit als erstes gespart“, zeigt der Kinobetreiber Verständnis für die betroffenen Firmen.

 

Es habe auch ein künstlerisches Argument für die Absage des Sommernachtskinos gesprochen, berichtet Kern. Bedeutende Filmstarts für das Frühjahr und den Sommer seien der Krise wegen um Monate nach hinten verschoben worden, wirft der „Gloria“-Chef ein Bild auf die durch Corona durcheinandergewirbelte Filmwirtschaft. „Alles hat damit begonnen, dass der Start des neuen James-Bond-Films aufgrund der Entwicklungen in Asien vom Frühjahr auf November verschoben wurde.“ Alle Filme, die in diesen Wochen Premiere feiern sollten, haben aktuell keinen neuen Starttermin oder sind um Monate verschoben. Es gibt auch einzelne Filme, die ihren Start auf Streaming-Portalen haben. „Dann ist eine Auswertung im Kino wirtschaftlich nicht mehr interessant“.

 

Sollte das „Gloria“ Mitte Juni wieder öffnen dürfen, so werde der Betrieb sicherlich sehr ruhig anlaufen, da keine neuen Blockbuster angeboten werden können, ist sich Kern sicher. „Da die großen Hollywood-Studios ihre Filmproduktionen global starten, sind die aktuellen Entwicklungen in Asien positiv zu sehen, da dort Kinos sogar wieder geöffnet haben. „Wenn man dagegen in die USA schaut kann es einem angst und bange werden.“

Aller Probleme zum Trotz: Kern will den Kopf nicht in den Sand stecken und bastelt derzeit an einer Alternative zu seinem „Gloria“. Wenn alles so klappt, wie er sich das vorstellt, soll es schon in zwei, drei Wochen in Geislingen ein Autokino geben.

 

„Da haben wir natürlich auch erst wieder Kosten, doch wir können zum einen Filmfreunden wieder großes Kino bieten, zum anderen bekommen unsere Mitarbeiter wieder eine Verdienstmöglichkeit.“ Es habe etwas Zeit gebraucht, um in Geislingen ein geeignetes Gelände zu finden  - „wir brauchen eine sehr große freie Fläche, es darf zum Beispiel kein Baum im Blickfeld stehen“ , verrät Kern und freut sich auf die Kooperation mit einer Firma, auf deren Areal die Vorstellungen stattfinden sollen. „Ich hoffe, dass wir das in den nächsten Tagen in trockene Tücher bekommen“, so der Kino-Enthusiast. „Mit einem Autokino können wir sicherstellen, dass es keinen direkten Kontakt mit 

den Zuschauern gibt.“ Deshalb sei ein Autokino auch in der jetzigen Krisenzeit genehmigungsfähig.

 

Die Geschichte des Autokinos reicht übrigens zurück ins Jahr 1933, als in Amerika das erste Mal ein Film auf großer Leinwand unter freiem Himmel gezeigt wurde und die Zuschauer in Autos saßen. In den 1950er und 1960er Jahren erreichte das Autokino auch in Deutschland Kultstaus. Allerdings habe es in Geislingen so etwas noch nie gegeben, weiß Kern aus seinen Recherchen. Das nächstgelegene stationäre Autokino gebe es in Kornwestheim. Doch dorthin würden wohl die wenigsten Filmfreunde aus Geislingen schon einmal gefahren sein, glaubt der „Gloria“-Chef und hofft, mit seinem Plan die aktuelle Kinolücke im Landkreis zu schließen.

 

 

 

 

Rückfragen

Lothar Lehner

Selbständiger Repräsentant des BVMW e. V.

Büroadresse:

Dorfstr. 12

73312 Geislingen

Tel. 07331 / 210 599

E-Mail: lothar.lehner@bvmw.de

 

 

Geislingen, 25.04.2020

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