Expertentalk „Qualifizierungsoffensive“

Kathrin Schumann, Motivationscoach & Speakerin und Buchautorin
Nora Tefrati, WBS AKADEMIE
Ulrike Hullmann, WBS AKADEMIE
Benno Kmietsch, WBS AKADEMIE

Der BVMW Hamburg hatte am 10.06.2020 drei Experten von der WBS AKADEMIE zu Gast.

Für den BVMW stellen sich Nora Tefrati, Ulrike Hullmann und Benno Kmietsch den Fragen von Kathrin Schumann, Motivationscoach & Speakerin und Buchautorin – und ermöglichten es so den Teilnehmenden in einem abwechslungsreichen und austauschstarken Expertentalk mehr über die „Qualifizierungsoffensive“ und deren Vorteile für Arbeitnehmende und Arbeitgeber zu erfahren…
Hier ein zusammenfassendes Interview im Nachgang – für alle die, die leider nicht dabei sein konnten:

Kathrin: Hallo Ihr Drei, Ihr seid Experten zu dem Thema Weiterbildung und Fördermittel. Im Moment sprechen alle von diesem QualifizierungsChancenGesetz und dem Arbeit-von-Morgen Gesetz. Was kann man darunter verstehen?

Benno: Das Qualifizierungschancengesetz gibt es seit Januar 2019 und soll Unternehmen für den Strukturwandel rüsten. Unternehmen erhalten finanzielle Stärkung für die Weiterbildung ihrer Angestellten. Es soll somit nicht erst bis zur Arbeitslosigkeit gewartet, sondern nachhaltig in die Mitarbeiter/ innen investiert werden.

Ulrike: Ja, die Arbeitswelt ändert sich rasant. Viele Jobs werden durch die digitale Transformation künftig wegfallen, andere entstehen neu, viele Berufsbilder verändern sich. Und genau darauf zielt das QualifizierungsChancenGesetz – kurz: QCG – ab. Vorbeugen statt das Nachsehen haben….

Kathrin: Laut einer Studie der Bitkom haben sieben von zehn Mitarbeitern im Job keine Zeit für Weiterbildung und geben an, dass sie sich nicht für die digitale Arbeitswelt gerüstet fühlen.

Nora: Hier ist durch das Gesetz der Anreiz geschaffen worden, dass das Arbeitgeber in der Zeit der Weiterbildung eben nicht nur Förderung für die Weiterbildungskosten erhält, sondern auch im Arbeitsentgelt. So verringern sich die Lohnleistungen während der Zeit der Weiterbildung. Und das je nach Qualifizierung auch um bis zu 100%. Durch die aktuelle Krise werden sogar noch die Sozialversicherungsbeträge übernommen. 

Kathrin: Was ist der Unterschied zwischen dem „QCG“ und „Arbeit-von-Morgen Gesetz“?

Ulrike: Ich erkläre es immer so, dass man sich zwei Töpfe mit Fördergeldern vorstellen soll. Es bestehen verschiedene Voraussetzungen, um an dieses Fördergeld zu gelangen. Es wird dabei in die von der Unternehmensgröße unabhängigen ‚Abschlussorientierten Qualifizierungen‘ und den ‚Anpassungsqualifizierungen‘ unterschieden. Das Arbeit von Morgen Gesetz ist wie eine Ergänzung zum QCG zu verstehen.

Nora: Die ‚Anpassungsqualifizierungen‘ sollen Kenntnisse vermitteln, die über die arbeitsplatzbezogene kurzfristige Anpassung hinausgehen soll und nicht im überwiegenden Interesse des Unternehmens liegt. Wie der Name schon sagt in es eine Anpassung, also eine Weiterentwicklung des bereits vorhandenen Fachwissens.

Kathrin: Kannst Du mir das an einem konkreten Beispiel erklären?

Nora: Klar, ich nehme sehr gerne einen Firmenkunden. Dort benötigte eine Mitarbeiterin eine CAD-Qualifizierung um ihren Arbeitsplatz behalten zu können, denn sie erfüllte nicht mehr die formalen Kriterien für die Stelle. Wenn Sie keine Qualifizierung gefunden hätte, wäre ihr Arbeitsvertrag nicht verlängert worden.
Kathrin (schmunzelt): Doch zum Glück hat die Chefin des Unternehmens an die WBS gedacht, da sie Euch bereits kannte…?!

Nora: Lustigerweise war es tatsächlich genau so! Und dank der Fördermittel bekam das Unternehmen nicht nur einen 25% Anteil der Weiterbildungskosten erstattet, sondern auch für 3 Monate den anteiligen Mitarbeiterlohn zzgl. pauschalisierter SV Beiträge. Somit hat das Unternehmen insgesamt ca. 5.700 Euro gespart und eine erfahrene Mitarbeiterin behalten können.

Benno: Durch das Arbeit-von-Morgen Gesetz sind diese Förderungen bei Anpassungsqualifizierungen sogar um bis zu 15% erweiterbar, wenn z.B. eine Betriebsvereinbarung oder ein Tarifvertrag vorliegt, in dem die berufliche Weiterbildung vorgeschrieben ist. Wenn man weiß wie und wo, steckt da also doch einiges an Ersparnis drin!

Kathrin: Super, somit doppelt gewonnen. Könnt Ihr mir die abschlussorientierten Qualifizierungen auch an solch einem Beispiel erläutern?

Ulrike: Sehr gern. Wir haben z.B. ein Unternehmen aus der Veranstaltungsbranche mit einem großen Lager. All die Dekoration, die Stühle und Hussen, Tische, Geschirr, usw., das muss ja auch alles irgendwo entsprechend gelagert werden, wenn keine Hochzeiten oder andere Veranstaltungen stattfinden.

Kathrin: Stimmt, daran denkt man im ersten Schritt gar nicht, wenn man an Events denkt.

Ulrike: Genau – und oft arbeiten im Lager ungelernte Lagerhelfer. Und dieser Topf richtet sich an Geringqualifizierte und (Wieder-) Ungelernte. Geringqualifizierte sind per Definition der Bundesagentur für Arbeit dabei Personen, die über keinen Abschluss in einem Beruf mit mindestens zweijähriger Ausbildungsdauer verfügen oder als wieder ungelernt gelten. Wieder ungelernt ist eine Person, die zwar einen Berufsabschluss hat, jedoch aufgrund einer mehr als vier Jahre ausgeübten anderen Tätigkeit ihren erlernten Beruf voraussichtlich nicht mehr ausüben kann.

Benno (lacht): Somit wären wir drei ja auch alle schon wieder ungelernt. ☺

Ulrike: Stimmt, so kann man es sehen! Selbst wenn gar kein Berufsschulabschluss beim Arbeitnehmer vorliegen sollte, besteht die Möglichkeit diesen gefördert nachzuholen. Und dafür gibt es 100% Kostenübernahme und bis zu 100% Zuschüsse zum Lohn.

Kathrin: Okay! Bis zu 100%?! Wie ist das zu verstehen, hast Du da ein Beispiel?

Ulrike: Stimmt, Du merkst, wir sind vom QCG begeistert. Also das besagte Unternehmen aus der Veranstaltungsbranche hatte Kurzarbeit angemeldet und gleich mehreren seiner Lagerhelfer eine Teilqualifizierung (TQ) anstatt der Kurzarbeit ermöglicht. Mit der „TQ1 Wareneingang“, das ist eine von fünf TQ`s im Lagerbereich, sind die Mitarbeiter 60 Tage für die Theorie freigestellt und für 60 Tage machen sie ein Praktikum im eigenen Unternehmen. Also eine Dauer von 4 Monaten und arbeiten so schon der einzelnen TQ’s wegen, aber auch nach allen fünf TQs auf einen anerkannten Berufsabschluss hin, um auch einen Nachweis für Ihre Kenntnisse und Fähigkeiten zu haben.

Kathrin: Du weißt, welche Frage nun kommt… Hast Du auch Zahlen für uns?

Ulrike (schmunzelt): Zahlen, Daten, Fakten – Aber verständlich und gerne. Die Kosten der Teilqualifizierung 1, das Arbeitsentgelt in voller Höhe inkl. der Pauschalbeiträge werden zu 100% erstattet. Das heißt, dass das Unternehmen pro Mitarbeiter ca. 14.500 Euro spart, was eine stolze Summe ist, doch allen Seiten in diesen herausfordernden Zeiten kurz-, mittel- und auch langfristig geholfen ist!

Kathrin: Danke für die Veranschaulichung, das hört sich doch mal gut an! So kann sich jeder Einzelne sein eigenes Bild machen und die Thematik besser greifen. Doch was hat die WBS nach den beiden sehr anschaulichen Beispielen noch im Themenangebot – neben Lager und Automatisierungstechnik?

Nora: Wir verfügen über ein sehr breites Portfolio. Das sind zum Beispiel Themen wie Digitalisierung, Medien, Personal und Management, SAP, IT sowie Energie und Umwelt. Dank eigenem Produktmanagement können wir jedoch auch Kurse individuell gestalten. Also jeder der Bedarf oder Rückfragen hat, darf uns gerne direkt ansprechen. Wir freuen uns auf den Kontakt!

Kathrin: Das ist mal eine große Produktpalette, auf der sicherlich viele das richtige finden werden… Aber gerade jetzt sind aktuell auch viel Unternehmen in Kurzarbeit. Letzte Zahlen besagten wohl 1/3 der Hamburger Unternehmen und 40% der Lübecker Unternehmen. Wie sieht es mit dem QCG in Bezug auf Kurzarbeit aus? Ist das kombinierbar? Schließt sich das aus? Habt ihr da eine Antwort?

Nora: Es gibt bereits viele Unternehmen, die die Kurzarbeit in diesen Zeiten von Corona als Überbrückung nutzen bzw. nutzen müssen. Was vielleicht viele noch nicht wissen, ist, dass das QCG mit dem Kurzarbeitergeld kombinierbar ist! Die Förderung der Weiterbildungskosten bleibt wie gehabt und die Förderung des Arbeitsentgelts wird durch das Kurzarbeitergeld ersetzt. Natürlich stehen auch hier die entsprechenden und richtigen Anträge und Voraussetzungen im Vordergrund, damit es mit einer Förderung klappen kann…

Kathrin: Kurz zusammengefasst und auf den Punkt gebracht, was sind nochmal konkret die Vorteile des QualifizierungsChancenGesetzes für Unternehmen?

Ulrike: Ganz kurz zusammengefasst neben der finanziellen Förderung, ist die Mitarbeiterbindung durch eine Qualifizierung gerade in Zeiten von Kurzarbeit echt unbezahlbar. Das verbessert nicht nur das Image des Unternehmens, denn durch qualifizierte Arbeitskräfte bekommt eine Firma auch eine höhere Innovationskraft.

Kathrin: Das sind ja super Neuigkeiten für Unternehmen! Nora, Du sprachst gerade schon die Beantragung an – wie kann ein Arbeitgeber Unterstützung aus dem QCG nun beantragen?

Nora: Unternehmen können sich bei uns melden und kostenlos beraten lassen. Gemeinsam ermitteln wir den Qualifizierungsbedarf und entwickeln passgenaue Strategien. Wir beraten zu den Fördermöglichkeiten, die Ihnen theoretisch zustehen. Die letztendlich Förderhohe kann natürlich nur der Arbeitgeberservice bestimmen.  

Benno: Wir verfügen über sehr gute Kontakte, doch der Arbeitgeber ist seitens der Agentur für Arbeit angehalten, sich selbst beim regionalen AGS zu melden. Denn der für den Arbeitgeber in der Region zuständige AGS prüft den Anspruch auf Förderung und legt die Förderungshöhe fest. 

Kathrin: Und wenn das Unternehmen eine Förderzusage erhalten hat, wie geht es dann weiter?

Nora: Die Teilnahme an der Qualifizierung erfolgt an einem unserer über 220 WBS Standorte, am Arbeitsplatz in dem jeweiligen Unternehmen oder von zu Hause aus.

Kathrin: Ihr macht ja schon seit über 40 Jahren Bildung und seit 10 Jahren nun zusätzlich zum klassisch bekannten Präsenzunterricht auch online Schulungen. Ich habe gehört, dafür habt Ihr eine eigene 3D Welt entwickelt. Was kann ich mir darunter vorstellen?

Ulrike: Als Lernform nutzen wir unter anderem unsere innovative und mehrfach ausgezeichnete dreidimensionale Lern- und Arbeitswelt, unseren WBS LearnSpace 3D®. Die Teilnehmenden erstellen sich einen Avatar und können sich mit diesem in einem vielseitigen, virtuellen Gebäude frei bewegen, sowie in Echtzeit und verortbar mit anderen Teilnehmern interagieren.

Kathrin (lacht): Entschuldigt, dass ich schmunzeln muss, doch bei Avataren muss ich eher an den Film aus dem Kino denken…

Ulrike: Keine Sorge, es rennen keine blauen Figuren durch den Dschungel. Doch unser WBS LearnSpace 3D® erinnert den ein oder anderen manchmal etwas an das Computerspiel „The Sims®“von früher…

Benno: Jedoch muss hier kein Haushalt gegründet, eingerichtet, Babys gefüttert, oder so werden oder gar der Avatar sich schlafen legen!

Ulrike: Ganz im Gegenteil. Der virtuelle Raum schafft durch die Gamifizierung der Realität eine ganz besondere Lernatmosphäre, die zu einer hohen Konzentration und Aufmerksamkeit des Lernenden führt.
Kathrin: Ihr führt sogar Eure internen Vorstandssitzungen im WBS LearnSpace 3D® durch, richtig?
Benno: Genau, wir ermöglichen nicht nur kollaboratives Arbeiten sondern auch Meetings relativ ortsunabhängig unter realen Bedingungen. Und das praktizieren wir eben auch bei uns intern in ausgiebigster Art und Weise! 

Kathrin: Klingt überaus spannend, kann ich Eure 3D Welt denn auch mal selbst kennenlernen?

Ulrike: Ja klar, gerne! Das kann ich auch nur jedem empfehlen. Für den ein oder anderen kann es anfangs etwas ungewohnt sein. Doch man muss es einfach selbst erleben, also bist Du gerne eingeladen!

Benno: Natürlich ist auch jeder andere gerne eingeladen… Denn sehr gerne machen wir kostenlose Führungen, einfach uns kontaktieren! In der Regel dauern die Führungen ca. 30 bis 45 min. Und ja, wenn man erstmal festgestellt hat, wie spannend und bereichernd das Ganze sein kann und was sich im LearnSpace alles umsetzen lässt, ergeben sich meist im Anschluss angeregte Gedankenkinos, wie und wo sich der LearnSpace überall integrieren lässt…

Kathrin: Ich danke Euch für Eure Zeit und den Einblick. Ihr habt die Vorteile der Qualifizierungsoffensive verständlich erklärt. Nun ist der Mittelstand gefordert, sich stark für seine Angestellten zu machen…!

Zum Nachlesen und für weitere Informationen zum Thema QualifizierungsChancenGesetz bzw. Kurzarbeit und WBS AKADEMIE finden Sie unter den eingebetteten Links oder direkt durch Kontaktaufnahme zu Nora Tefrati (nora.tefrati(at)wbsakademie.de), Ulrike Hullmann (ulrike.hullmann(at)wbsakademie.de) bzw. Benno Kmietsch (benno.kmietsch(at)wbsakademie.de).