2020: Das ändert sich für Ihr Unternehmen

Ein höherer Mindestlohn, Entlastungen bei der Arbeitslosenversicherung und die Rückkehr zur Meisterpflicht – 2020 bringt zahlreiche Änderungen für mittelständische Betriebe mit sich. Hier finden Sie die wichtigsten Neuerungen im Überblick.

Höherer Mindestlohn

2020 steigt der gesetzliche Mindestlohn: Seit dem 01. Januar müssen Arbeitgeber mindestens 9,35 Euro brutto pro Stunde bezahlen – statt wie bisher 9,19 Euro. Auch viele Branchenmindestlöhne steigen, zum Beispiel im Elektrohandwerk, im Dachdeckerhandwerk oder in der Pflegebranche. Die Änderung betrifft auch studentische Beschäftigte. Der Mindestlohn für Zeitarbeiter war bereits im Oktober 2019 gestiegen – auf 9,96 Euro (West) und 9,66 Euro (Ost).

Neue Kleinunternehmergrenze

Bislang galt als Kleinunternehmer, wer im Vorjahr nicht mehr als 17.500 Umsatz gemacht hat. Diese Grenze wurde laut Bürokratieentlastungsgesetz III zum 01. Januar 2020 auf 22.000 Euro erhöht.

Geringerer Beitrag zur Arbeitslosenversicherung

Der Beitrag zur Arbeitslosenversicherung sank zum 01. Januar um 0,1 Punkte auf 2,4 Prozent. Arbeitgeber und Arbeitnehmer leisten diese Abgabe zu gleichen Teilen. Die Beitragssenkung ist bis 31. Dezember 2022 befristet.

Höherer Zusatzbeitrag zur Krankenversicherung

Der durchschnittliche Zusatzbeitrag, den die gesetzlichen Krankenkassen zum allgemeinen Beitragssatz von 14,6 Prozent erheben, stieg zum 01. Januar 2020 von 0,9 auf 1,1 Prozent. Die Kosten dieses Zusatzbeitrages teilen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer.

Höherer Freibetrag bei betrieblicher Gesundheitsförderung 

Bieten Unternehmer ihren Angestellten besondere Gesundheitsleistungen an oder bezuschussen diese, erhalten sie dafür einen steuerlichen Freibetrag. Dieser steigt 2020 von 500 auf 600 Euro pro Arbeitnehmer und Jahr.

Verkürzte Aufbewahrungsfrist für Computer

Unternehmer müssen Altcomputer mit steuerlich relevanten Unternehmensdaten nach einem IT-Systemwechsel nur noch fünf statt wie bisher zehn Jahre lang aufbewahren. Danach sind sie lediglich dazu verpflichtet, die alten Dateien auf einem Datenträger zu speichern. Falls jedoch eine Betriebsprüfung begonnen hat, dürfen die Rechner samt Software bis zu deren Abschluss nicht entsorgt werden – selbst dann nicht, wenn die Fünfjahresfrist zwischenzeitlich abläuft.

Hotelgewerbe: Digitaler Meldeschein möglich

Jeder, der Gäste beherbergt, darf künftig anstelle der papiernen Meldescheine elektronische Meldeverfahren nutzen. Für die Identifikation der Gäste können Meldepflichtige nun etwa auf die Verfahren der „starken Kundenauthentifizierung“ zurückgreifen, die seit 2019 durch die Zahlungsdienstrichtlinie vorgeschrieben sind, oder Funktionen des elektronischen Personalausweises nutzen.

Kurzfristig Beschäftigte: Höhere Grenze für Pauschalbesteuerung

Bislang durften Arbeitgeber bei kurzfristig Beschäftigten immer dann eine pauschale Lohnsteuer von 25 Prozent ansetzen, wenn der durchschnittliche Arbeitslohn pro Arbeitstag 72 Euro nicht überstieg. Dieser Grenzbetrag erhöht sich auf 120 Euro.

Entscheidungen über Teilzeit auch per E-Mail

Wenn Mitarbeiter Anträge gemäß Teilzeit- und Befristungsgesetz stellen und dem Arbeitgeber diesen entsprechenden Mitteilungen zukommen lassen, genügt künftig eine Nachricht per Mail. Ein unterzeichnetes Schriftstück ist nicht mehr erforderlich.

Steuerentlastungen bei der Weiterbildung

Gewährt ein Arbeitgeber seinen Angestellten Weiterbildungen, blieben die Leistungen bislang nur dann steuerfrei, wenn sie arbeitsplatzbezogen waren. Künftig sind Weiterbildungen auch dann von der Lohnsteuer befreit, wenn sie lediglich „die Beschäftigungsfähigkeit des Arbeitnehmers verbessern“ – wie etwa bei Sprach- oder Computerkursen.

Job-Ticket: Pauschalbesteuerung immer möglich

Arbeitgeber dürfen ab diesem Jahr die Kosten für ein Jobticket ihrer Angestellten immer pauschal mit 25 Prozent versteuern. Diese Regelung gilt für Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln im Linienverkehr zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte sowie für private Fahrten im öffentlichen Personennahverkehr.

Verschärfte Meldepflichten im Transparenzregister

Seit 01. Januar 2020 müssen Unternehmen nicht mehr nur die wirtschaftlichen Berechtigten im Transparenzregister benennen sowie die Art und den Umfang des wirtschaftlichen Interesses,  sondern beispielsweise auch die Staatsangehörigkeit. Zudem erhält nicht mehr nur ein kleiner Kreis interessierter Dritter Einsicht in das Register – es ist seit Jahresbeginn öffentlich einsehbar.

Mindestgehalt für Azubis

Auszubildende erhalten seit 01. Januar 2020 eine Mindestvergütung. Arbeitgeber müssen ihnen im ersten Ausbildungsjahr mindestens 515 Euro pro Monat zahlen, 2021 steigt dieser Betrag auf 550 Euro, 2022 auf 585 Euro und 2023 auf 620 Euro. Zudem erhöht sich die Mindestvergütung im zweiten Ausbildungsjahr um 18 Prozent, im dritten um 35 Prozent und im vierten um 40 Prozent. Eine Ausnahme gilt, wenn Arbeitgeber und Gewerkschaften für einzelne Branchen eigene Vereinbarungen treffen.

Rückkehr zur Meisterpflicht

Seit dem 01. Januar 2020 gilt für insgesamt zwölf Gewerke wieder die Meisterpflicht. Durch eine Änderung der Handwerksordnung dürfen beispielsweise Fliesenleger oder Raumausstatter nur mit einem Meistertitel ihr Handwerk selbstständig ausüben. Bestehende Betriebe, die derzeit nicht der Meisterpflicht unterliegen, dürfen auch weiterhin ihr Handwerk selbstständig ausüben und sollen einen Bestandsschutz erhalten.

Vereinheitlichte Titel für berufliche Fortbildung

Aktuell gibt es in der beruflichen Fortbildung unzählige Abschlüsse mit Bezeichnungen wie „Servicetechniker/in“, „Fachwirt/in“ oder „Fachkauffrau/-mann“. Um die internationale Vergleichbarkeit zu verbessern, werden diese nun vereinfacht. Künftig gibt es die Stufen „Geprüfte Berufsspezialistin“ bzw. „geprüfter Berufsspezialist“, „Bachelor Professional“ und „Master Professional“. Alle anderen Bezeichnungen entfallen. Ein Meister im Handwerk kann sich künftig auch „Bachelor Professional“ nennen.

Neue Kassenpflichten

Unternehmer, die eine technisch nachrüstbare Registrierkasse besitzen, sind verpflichtet, diese bis 30. September 2020 nachzurüsten. Nicht nachrüstbare Kassen müssen bis Ende 2022 ersetzt werden. Registrierkassen müssen dann fälschungssichere Speicher und Sicherheitsmodule aufweisen, die vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zertifiziert sind. Offene Ladenkassen, die ohne technische Unterstützung auskommen, dürfen Unternehmer auch über das Jahr 2022 hinaus benutzen.

Mehr Fachkräfte dürfen einwandern

Bislang durften Fachkräfte ohne Hochschulabschluss, die aus Drittstaaten stammen, nur in Deutschland arbeiten, wenn sie in einem Engpassberuf tätig werden – etwa in der Altenpflege. Ab März 2020 dürfen das alle Fachkräfte – egal, welchen Beruf sie ausüben. Vorausgesetzt, sie haben eine Jobzusage, einen dafür anerkannten Berufsabschluss und Sprachkenntnisse. Weitere Änderung laut Fachkräfteeinwanderungsgesetz: Nicht mehr nur Akademiker dürfen ohne Jobzusage nach Deutschland einreisen, sondern auch Fachkräfte mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung.

44 Euro-Freigrenze

Die 44 Euro-Freigrenze beim Sachbezug bleibt auch im Jahr 2020 erhalten. Von diesem in erster Linie durch den BVMW erreichten Erfolg profitiert der Mittelstand ganz eindeutig. Denn Gutscheine und Geldkarten, die ausschließlich zum Bezug von Waren und Dienstleistungen berechtigen, bleiben begünstigt. Arbeitgebern ist es so weiterhin möglich, Mitarbeitern bis zu einer Grenze von 44 Euro monatlich Sachleistungen steuerfrei zukommen zu lassen. Diese Regelung gilt jedoch nicht für Geldkarten, die als Geldersatz im Rahmen unabhängiger Systeme des unbaren Zahlungsverkehrs eingesetzt werden können.

Änderungen bei den Familienleistungen

Zum 01. Juli 2019 ist der Kinderzuschlag pro Kind und Monat von maximal 170 Euro auf maximal 185 Euro angestiegen. In einem zweiten Schritt entfallen ab dem 01. Januar 2020 die oberen Einkommensgrenzen. Außerdem wird ab diesem Zeitpunkt das Einkommen der Eltern, das über ihren eigenen Bedarf hinausgeht, nur noch zu 45 Prozent, statt aktuell 50 Prozent, auf den Kinderzuschlag angerechnet. Bereits zum 01. Januar 2019 sind die Freibeträge pro Kind um 192 Euro auf 4.980 Euro gestiegen. Zum 01. Januar 2020 erfolgt eine weitere Erhöhung um 192 Euro pro Kind.

Anstieg der EEG-Umlage

Stromkunden in Deutschland müssen sich auf höhere Energiekosten einstellen. Die Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) soll 2020 um 5,5 Prozent auf 6,756 Cent je Kilowattstunde steigen. Für einen durchschnittlichen Haushalt mit vier Personen und 3.500 Kilowattstunden Jahresverbrauch dürften die Stromkosten damit um knapp 13 Euro im Jahr steigen.

Neue Rechengrößen der Sozialversicherung

Seit 01. Januar 2020 gilt für die Beitragsberechnung in der gesetzlichen Rentenversicherung eine neue Einkommensgrenze. Der Beitrag bemisst sich dann bis zu einem Höchstbetrag von 6.900 Euro im Monat in den alten und 6.450 Euro in den neuen Bundesländern. In der gesetzlichen Krankenversicherung steigt die Beitragsbemessungsgrenze ab 2020 auf jährlich 56.250 Euro (4.687,50 Euro im Monat). Die Versicherungspflichtgrenze steigt auf jährlich 62.550 Euro (5.212,50 Euro im Monat). 

Freibetrag bei Betriebsrenten

Seit 01. Januar 2020 gilt ein Freibetrag von 159,25 Euro für die Krankenkassenbeiträge. Erst ab dieser Höhe werden dann überhaupt Beiträge auf die Betriebsrente fällig, wie es in Regierungskreisen hieß. Da bei 60 Prozent der Betriebsrentner die Bezüge unter 318 Euro liegen, sollen diese  künftig faktisch nur noch maximal den halben Beitragssatz zahlen müssen. Die weiteren 40 Prozent sollen durch den Freibetrag spürbar entlastet werden.