Treiber der Transformation

Der Pfad Richtung Klimaneutralität und die digitale Transformation sind zwei gleichzeitig verlaufende, tiefgreifende Veränderungsprozesse, die alle wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bereiche durchdringen.

Hätten wir nur ein Wort, mit dem wir Gegenwart und absehbare Zukunft beschreiben, dann wäre das sicher „Transformation“.

Der notwendige Optimismus, den es zur erfolgreichen Umsetzung dieser teils disruptiv wirkenden Prozesse benötigt, kann aus dem Gestaltungsaspekt, der dem Transformationsbegriff zugrunde liegt, gewonnen werden: Die Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft im digitalen Zeitalter und Richtung Klimaneutralität wird stark technologiegetrieben sein. Technologischer Wandel aber ist kein Schicksal, sondern wird von Menschen, von Unternehmen, aktiv gestaltet. Nordrhein-Westfalen hat mit seiner starken wirtschaftlichen Basis und seinen zahlreichen innovations­freudigen Unternehmen beste Voraussetzungen, um die Chancen, die in der Transformation für die Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft liegen, zu heben.

Hohe Investitionen notwendig

Der entscheidende Treiber der Transformation ist der Einsatz von Technologie. Ein weiteres Antriebsmittel muss aber hinzukommen und deutlich benannt werden: der Einsatz finanzieller Mittel. Dies verantwortlich zu beschreiben und entsprechend zu unterstützen, ist auch ein ökonomisches Anliegen: Der Verzicht auf transformative Anstrengungen würde Umsatz und Arbeitsplätze riskieren und unternehmerische Chancen, gerade bei mittelständischen Unternehmen, zunichtemachen. Innovationen, Investitionen und ihre Finanzierung sind der Schlüssel zur Bewältigung der Herausforderungen, die in den nächsten Jahren jedem Unternehmen gestellt werden.

Die Dimensionen sind groß. Die Transformation erfordert Investitionen und Finanzierungen in Milliardenhöhe. Eine aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft beziffert den Investitionsbedarf in Nordrhein-Westfalen bis 2030 auf jährlich rund zehn Prozent der Wirtschaftsleistung – das entspricht 70 Milliarden Euro in jedem Jahr für Ersatz- und zusätzliche Investitionen. Beispielhafte Investitionsfelder sind Schlüsseltechnologien wie der 3D-Druck, Künstliche Intelligenz und Blockchain, aber auch Elektromobilität, Erneuerbare Energien und energieeffiziente Gebäude.

Innovationen, Investitionen und ihre Finanzierung sind der Schlüssel zur Bewältigung der Herausforderungen, die in nächsten Jahren jedem Unternehmen gestellt werden.

Neue Wege in der Finanzierung

Um den Unternehmen bei der Finanzierung zur Seite zu stehen, brauchen wir eine bessere Vernetzung von Kreditfinanzierung, Absicherung und Garantien, eine bessere Venture Capital-Ausstattung und neue Instrumente der Innovationsfinanzierung. Es gilt, Rahmenbedingungen konsequent auf Innovation, kluge Anreize und Gestaltungsmöglichkeiten im Wettbewerb sowie auf schlanke Regulierung auszurichten. Zur Finanzierung nachhaltiger Projekte können die Instrumente des Kapitalmarktes eingesetzt und so die Marktkräfte genutzt werden. Für andere Projekte wird es schwieriger. In einigen Branchen müssen Betriebe mit erheblichem Tempo ihren kompletten Kapitalstock umbauen.

Zugleich muss das Bewusstsein für die neuen Herausforderungen wachsen. Einer besseren Vernetzung, dem Informationsaustausch und Wissenstransfer kommt eine hohe Bedeutung zu. Die neue EU-Taxonomie etwa stellt höhere Anforderungen an die ökologische, soziale und unternehmerische Verantwortung (ESG-Kriterien). Sustainable Finance wird zum „Game Changer“ und entfaltet große Auswirkungen auf Finanzwirtschaft und Unternehmen. Gerade Mittelständler haben hier noch Informations- und Beratungsbedarf, der dringend gestillt werden muss.

Eine starke Realwirtschaft braucht einen starken Finanzplatz. Für Finanzwirtschaft und Unternehmen eröffnen sich in wachsenden Märkten der Digitalisierung und Nachhaltigkeit neue Perspektiven. Kluge Ideen, zukunftsträchtige Geschäftsmodelle und nachhaltig wirkende Investitionen sind das beste Mittel, um in herausfordernden Zeiten neue Chancen für Unternehmen, Investoren und Finanziers gleichermaßen nutzbar zu machen. Neben Banken, Sparkassen und Kreditgenossenschaften kommt auch der NRW.BANK eine wichtige Rolle bei der Transformationsfinanzierung zu, die wir weiter stärken wollen.

Gerade mit Blick auf die enormen Finanzierungsbedarfe gilt: Innovation und Kooperation sind unverzichtbar. Mit der Initiative Fin.Connect. NRW unterstützen wir als Landesregierung die Vernetzung von Wissenschaft, Finanzwirtschaft und mittelständischen Betrieben. Informationsveranstaltungen fördern den Austausch und die Kooperation.

Politik schafft die richtigen Rahmenbedingungen

Zusammenarbeit ist neben Technologie und Finanzierung ein drittes Antriebsmittel der Transformation. Dies erfordert ein entsprechendes Mindset, das politisch wie unternehmerisch zur Geltung kommen muss. Retardierende Impulse, die Veränderungen hemmen, können wir uns schlichtweg nicht mehr leisten. Der Switch im politischen Mindset wird sich vor allem im Bereich der Regulierung und der Genehmigungsverfahren zeigen müssen – die notwendige staatliche Enabler-Rolle erfordert drastische Veränderungen der Verfahren und Prozesse, die schlanker, schneller und digitaler werden müssen. Nordrhein-Westfalen hat das neue Mindset zur Grundlage der Entfesselungspolitik der Landesregierung gemacht und mit mittlerweile acht Entfesselungspaketen zahlreiche Hemmnisse für die heimische Wirtschaft aus dem Weg geräumt.

Für die Unternehmen heißt es, die transformativen Herausforderungen zu (er)kennen und ganz im Sinne des eingangs erwähnten Optimismus die Chancen eines zu gestaltenden Prozesses in den Blick zu nehmen. Gerade der Mittelstand ist zu ermutigen, sich mit Technik und Finanzierung der Transformation zu beschäftigen und selbst zum Träger und Treiber des Wandels zu werden.
 

 

 

 

Gut zu wissen

Mit Fin.Connect.NRW wurde eine Plattform geschaffen, die sich vor allem mit den Themen Neustart nach Corona und der Finanzierung der wirtschaftlichen Transformation befasst, Lösungsvorschläge erarbeiten und Projekte anstoßen soll.

Weitere Infos unter:
www.wirtschaft.nrw/finconnectnrw

 

 

Prof. Dr. Andreas Pinkwart
Minister für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen

www.land.nrw/landeskabinett/prof-dr-andreas-pinkwart