Akaba: Hotel- und Strandzone sowie Burg Mamluk

Rolfcosar, CC BY-SA 4.0, Wikipedia

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03.08.2026

Jordanien als neuer Logistikknoten

Kapital und Energierouten – Aqaba wird zum Brückenkopf, das Königreich zum Hinterland von NEOM und zur Hormus-Alternative. Was das für deutsche Mittelständler bedeutet.

Autor: Oliver Gebert, Auslandsrepräsentant Jordanien & Michael Lennertz, ehem. Industrial Partnership Coordinator, German Jordanian University

Im Februar 2026 unterzeichneten die Abu Dhabi Ports Group und die Aqaba Development Corporation eine 30-Jahres-Konzession für den Mehrzweckhafen Aqaba – Jordaniens einzigen General- Cargo-Hafen, über den 80 Prozent der Exporte und 65 Prozent der Importe laufen. Das Joint Venture, an dem die emiratische Seite 70 Prozent hält, übernimmt im August 2026 den Betrieb. Bereits 2021 hatte AD Ports das Kreuzfahrtterminal und das digitale Hafenmanagement übernommen, im Februar 2025 das Zollzentrum Al Madouneh in Amman. Der Containerumschlag in Aqaba überschritt 2025 erstmals die Marke von einer Million TEU-Containern.

Der Deal ist kein Einzelfall. Er ist Teil eines Musters, das die deutsche Wirtschaftspresse bisher kaum erfasst hat.

Die Golfstaaten verlagern nach Norden

Im März 2026 nahm Saudi Arabia Railways einen 1.700 Kilometer langen Frachtkorridor in Betrieb, der die Häfen am Persischen Golf – Dammam, King Abdulaziz Port, Jubail – mit dem jordanischen Grenzübergang Al-Haditha verbindet. Die offizielle Begründung war ungewöhnlich direkt: eine Alternative zur Straße von Hormus, durch die rund ein Fünftel des weltweiten LNG-Handels läuft und die im Frühjahr 2026 durch iranische Drohungen monatelang nicht verlässlich passierbar war.

Im April 2026 gründeten die VAE und Jordanien die UAE-Jordan Railway Company. Das Vorhaben mit 2,3 Milliarden Dollar Volumen sieht eine 360 Kilometer lange Bahnstrecke vom Hafen Aqaba zu den Phosphat- und Pottascheminen vor, mit Anschluss Richtung Madouna südöstlich von Amman und perspektivisch über Syrien an die Mittelmeerhäfen. Parallel verhandeln Saudi-Arabien und Jordanien eine Bahnverbindung Riad–Amman–Türkei; die Machbarkeitsstudie soll Ende 2026 vorliegen.

Auch energieseitig wandert die Geografie. Die Arab Gas Pipeline läuft seit 2003 durch Aqaba und versorgt Jordanien, Syrien und Libanon mit ägyptischem und israelischem Erdgas. Die lange diskutierte Basra-Aqaba-Pipeline für irakisches Rohöl ist seit den Hormus- Krisen 2026 wieder politisch aktiv; Bagdad hat im April 1,5 Milliarden Dollar dafür freigegeben.

NEOM macht Aqaba zum Nachbarn

Hinzu kommt die geografische Nähe zu NEOM, dem 500-Milliarden- Dollar-Megaprojekt Saudi-Arabiens in der Provinz Tabuk. Die jordanische Investitionsbehörde bezeichnet Aqaba und das angrenzende Areal Marsa Zayed – seit Januar 2025 mit 3,2 Millionen Quadratmetern unter Führung der emiratischen MAG Group entwickelt – ausdrücklich als „jordanische Seite von NEOM". Wer entlang der Golf-Aqaba-Küste plant, plant heute grenzüberschreitend.

Was das für deutsche Mittelständler bedeutet

Die strategische Konsequenz: Wer aus Deutschland in die Region exportiert, kann sich nicht mehr nur an Häfen am Persischen Golf orientieren. Für Maschinen-, Anlagen-, Wasser-, Energietechnik und Spezialchemie verschieben sich Lieferwege, Zollpunkte und Projektpipelines spürbar Richtung Rotes Meer und Levante. Aqaba ist von Süddeutschland aus über Triest oder Piräus schneller erreichbar als Dubai oder Dammam. Hinzu kommt politische Berechenbarkeit: stabile Monarchie, EU-Assoziierungsabkommen seit 2002, ein geplantes IWF-Programm, Inflation unter Kontrolle.

Politisch wird der Rahmen 2026 aufgewertet. Die EU-Jordanien- Partnerschaft umfasst ein Finanzpaket von drei Milliarden Euro, davon 1,4 Milliarden zur Investitionsmobilisierung. Die Jordan–EU Investment Conference unter Schirmherrschaft von König Abdullah II. und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ist für den 19. November 2026 geplant. Die thematischen Prioritäten – Wasser, erneuerbare Energien, Digitalisierung, Transport, Logistik, hochwertige Industrie – decken sich mit Kernkompetenzen des deutschen Mittelstands. Beim rund sechs Milliarden Dollar schweren Aqaba- Amman-Wasserprojekt etwa führt ein französisch-emiratisches Konsortium – deutsche Pumpen- und Membrantechnik findet sich überwiegend in zweiter Reihe.

Wo der deutsche Mittelstand jetzt gefragt ist

Die jordanische Seite ist auf Kapital aus dem Golf und auf EU-Programme gut vorbereitet. Ein strukturierter Zugang für den deutschen Mittelstand zu Projektpipelines, Ministerien und lokalen Partnern fehlt bislang. Wer 2026 in der Region Marktanteile gewinnen möchte, sollte frühzeitig eigene Delegationen und Sektordialoge ins Leben rufen.

Gut zu wissen

  • Aqaba wickelt 80 Prozent der jordanischen Exporte ab und ist seit Februar 2026 unter Konzession der Abu Dhabi Ports Group mit einer Laufzeit von 30 Jahren.
  • Saudi Arabia Railways betreibt seit März 2026 einen 1.700 Kilometer langen Frachtkorridor zur jordanischen Grenze, der ausdrücklich als Alternative zum Hormus-Handel dient.
  • Die EU-Jordanien-Partnerschaft (3 Milliarden Euro) sowie die für den 19. November 2026 geplante Investmentkonferenz adressieren Sektoren, in denen der deutsche Mittelstand traditionell stark vertreten ist.

Dieser Artikel stammt aus unserer Verbandszeitschrift Mittelstand.
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