Nicht allein Strategie oder Effizienz zählen, sondern die Fähigkeit von Unternehmen, mit Unsicherheit und Wandel souverän umzugehen.
brillianata, AdobeStock
Die Studie der R+V Versicherung „Fokus Mittelstand: R+V-Resilienz-Report 2026“ liefert Ansatzpunkte, wie Firmen ihre Widerstandskraft ausbauen können.
Abwarten war gestern, heute muss gehandelt werden: Die mittelständischen Unternehmen reagieren verstärkt auf die multiplen Krisen, aber es gibt noch viel zu tun – vor allem bei Mitarbeiterbindung, Digitalisierung und Cybersicherheit.
Fast ein Drittel (29 Prozent) der Führungskräfte im Mittelstand schaut mit Bangen in die Zukunft der eigenen Firma. Das sind deutlich mehr als vor zwei Jahren (17 Prozent).
Der Stimmungswandel zeigt Wirkung. Mittlerweile sagt jede dritte Führungskraft, dass ihr Unternehmen bereits vorbeugende Maßnahmen ergriffen hat. Doch wie können sie die Widerstandskraft konkret stärken? Aus der R+V-Resilienzstudie lassen sich vier wichtige Handlungsempfehlungen ableiten.
Viele Firmen müssten noch mehr tun, um ihre Widerstandskraft zu steigern. Denn es besteht eine ausgeprägte Lücke zwischen der wahrgenommenen Gefährdung und den bereits ergriffenen Maßnahmen. Dieses Umsetzungsdefizit ist ausgerechnet bei dem Thema am größten, das Führungskräfte (und auch die Beschäftigten) für besonders resilienzstärkend halten: der Mitarbeiterbindung.
Die Studie liefert klare Ansatzpunkte, welche Maßnahmen dazu beitragen können: Mehr als 80 Prozent der Beschäftigten wünschen sich höhere Arbeitgeberzuschüsse zur Absicherung im Alter, mehr betriebliche Gesundheitsvorsorge und flexible Lebensarbeitszeitkonten. Unter dem Strich können solche Angebote ein vergleichsweise günstiger Weg sein, um die Arbeitgeberattraktivität zu stärken – und damit die Widerstandskraft des gesamten Unternehmens.
Der Innovations- und Effizienzdruck steigt, das Themenfeld Digitalisierung ist weit oben auf der Agenda. Eine große Mehrheit der Führungskräfte hält die IT-Sicherheit für eines der wichtigsten Handlungsfelder für die künftige Resilienz (82 Prozent). Die Beschäftigten sehen sogar einen noch größeren Handlungsbedarf bei ihrem Arbeitgeber.
Dennoch hält sich offenbar nur eine Minderheit der Firmen durchgängig an wichtige grundlegende Standards, wie die Studie zeigt. Das gilt beispielsweise beim Umgang mit Administratorenrechten, dem Ausmustern veralteter Hardware und der Analyse möglicher Einfallstore. Dabei können auch kleinere und mittlere Firmen auf einfachen Wegen für mehr Sicherheit sorgen:
Die Zahlen des Branchenverbands Bitkom sind dramatisch: Der deutschen Wirtschaft entstehen durch Cyberkriminalität jährlich Schäden in dreistelliger Milliardenhöhe. Die immer stärker digitalisierten Arbeitsabläufe schaffen zusätzliche Angriffsflächen. Logische Folge: Drei Viertel der Führungskräfte im Mittelstand fürchten sich vor Haftungsrisiken. Besonders mögliche Verletzungen von IT-Sicherheitsvorschriften und Standards bei der Cybersicherheit geben Anlass zur Sorge.
Massive finanzielle Schäden, hohe gefühlte Bedrohung – Absicherung also längst abgehakt? Der Studie zufolge offenbar nicht. Nur ein knappes Drittel der Führungskräfte sagt, dass ihr Unternehmen sich gegen die möglichen finanziellen Folgen einer Cyberattacke versichert hat. Dabei gibt es längst passende Cyberrisk- und D&O-Policen, die auf Firmen jeder Größe zugeschnitten sind: Ein einfacher Weg, um sich gegen ein existenzbedrohendes Risiko abzusichern.
KI spielt auf den Chefetagen (noch) eine überraschend kleine Rolle. Das Thema rangiert auf dem vorletzten Platz der zwölf in die Studie einbezogenen Handlungsfelder – weit nach den Spitzenreitern Mitarbeiterbindung und -gewinnung, IT-Sicherheit sowie Cyberkriminalität. Interessant ist, dass die Beschäftigten eine stärkere KI-Nutzung für noch weniger wichtig halten als die Führungskräfte. In allen anderen Handlungsfeldern ist es umgekehrt.
Wer hier aktiv wird, kann sich also einen Vorsprung im Wettbewerb um die Kunden von morgen sichern. Cloudbasierte KI-Lösungen eröffnen auch kleineren Betrieben einen einfachen Einstieg, ohne hohe Investitionen in eigene IT-Infrastruktur. Die Offenheit für externe Unterstützung ist gewachsen. Mehr als zwei Drittel der Führungskräfte sagen, dass ihr Unternehmen nicht ohne fremde Hilfe auskommt – 2024 war der Anteil deutlich niedriger. Bei digitalen Themen ist der Wunsch nach Unterstützung besonders ausgeprägt.
Die Studie „Fokus Mittelstand: R+V-Resilienz-Report 2026“ untersucht zum zweiten Mal nach 2024 die Stimmung in den mittelständischen Unternehmen. Befragt wurden zur Jahreswende 2025/26 parallel mehr als 220 Führungskräfte in Firmen mit mehr als zehn Mitarbeitenden und über 1.000 Beschäftigte.
Dieser Artikel stammt aus unserer Verbandszeitschrift Mittelstand.
Lesen Sie jetzt mehr: