mit Schlafperformer Markus Kamps
BVMW NetworkEvening in Neustadt-Gimmeldingen
Wie verändert Künstliche Intelligenz nicht nur unsere Arbeitswelt, sondern auch unser Verständnis von Führung, Verantwortung und menschlicher Zusammenarbeit? Dieser Frage widmete sich der BVMW NetworkEvening „Menschsein im Zeitalter der KI“ am 3. September 2026 im Seminarzentrum Mandelblütenhof in Neustadt-Gimmeldingen. Unternehmerinnen, Unternehmer und Führungskräfte aus der Region kamen zusammen, um den technologischen Wandel einmal bewusst aus einer anderen Perspektive zu betrachten: nicht allein mit Blick auf Effizienz und neue Möglichkeiten, sondern auf die Frage, was den Menschen in einer zunehmend von KI geprägten Welt auszeichnet.
Nach dem Empfang eröffnete Lothar Schmidt, Repräsentant des BVMW Rheinland-Pfalz / Saarland, den Abend. Neben aktuellen Entwicklungen aus dem BVMW gab er einen Ausblick auf kommende Veranstaltungen und begrüßte neue Mitglieder im Netzwerk. Anschließend hieß der Gastgeber Michael Löhlein die Teilnehmenden im Mandelblütenhof willkommen. Daraufhin stellte Gertrud Hilser, Repräsentantin des BVMW Baden-Württemberg im Gebiet Nordbaden-Rhein-Neckar den Referenten des Abends vor.
Im Mittelpunkt des Abends stand der Vortrag „Die Rückkehr zum Wesentlichen – Menschsein im Zeitalter der KI“ von Bert Overlack, Sparringspartner, Coach, Beirat, Autor und Redner der bert.overlack GmbH. Overlack nahm die Teilnehmenden mit auf eine Auseinandersetzung mit der Frage, was KI im Menschen auslöst und wie sie bestehende Vorstellungen von Arbeit, Entwicklung und persönlicher Verantwortung verändert. Dabei stellte er zunächst die Spannbreite zwischen Bereicherung und möglichem Verlust eigener Fähigkeiten heraus: KI kann menschliche Fähigkeiten erweitern und von Routinetätigkeiten entlasten, zugleich aber die Frage aufwerfen, welche Fähigkeiten Menschen selbst erhalten und entwickeln müssen.
Als Struktur für diese Betrachtung unterschied Overlack drei Ebenen menschlicher Entwicklung: „Doing“, „Knowing“ und „Being“. Auf der Ebene des Handelns kann KI Aufgaben übernehmen, Informationen verarbeiten, Muster erkennen und Entscheidungen vorbereiten. Der Vortrag zog dabei eine Parallele zur Industrialisierung: So wie Maschinen körperliche Arbeit veränderten, ohne den Menschen überflüssig zu machen, verschiebt auch KI den Schwerpunkt menschlicher Arbeit. Gleichzeitig warnte der Vortrag davor, Optimierung zum alleinigen Maßstab im Umgang mit KI werden zu lassen.
Auf der zweiten Ebene, dem „Knowing“, rückten Erkenntnis, Beteiligung und Selbstwirksamkeit in den Mittelpunkt. Der Vortrag unterschied zwischen der immer leichter verfügbaren Information und der Fähigkeit, daraus Erkenntnis und schließlich Orientierung abzuleiten. Gerade bei Veränderungsprozessen, wie sie die Einführung neuer Technologien in mittelständischen Unternehmen mit sich bringt, wurde die Bedeutung aktiver Beteiligung betont: Entwicklung gelingt demnach dort, wo Menschen sich selbst als wirksam erleben und Veränderung mitgestalten können.
Auch mögliche Folgen eines zunehmend algorithmisch geprägten Entscheidens wurden thematisiert. Overlack sprach von einer „algorithmischen Monokultur“ und stellte die Frage, wie Vielfalt, eigene Perspektiven und individuelle Entwicklung erhalten bleiben können. Ebenso ging es um die Gefahr, dass Technologie menschliche Nähe zunehmend ersetzt. Damit führte der Vortrag zu einer für Führungskräfte besonders relevanten Frage: Welche Bedeutung haben künftig Sinn, Kreativität, Empathie und Werte, wenn Rationalität und Problemlösefähigkeit nicht länger ausschließlich menschliche Domänen sind?
Die dritte Ebene, „Being“, richtete den Blick schließlich auf jene Bereiche, die sich nach der im Vortrag vertretenen Perspektive nicht technologisch übernehmen lassen: Selbstverwirklichung, Authentizität und das bewusste In-Beziehung-Treten mit anderen Menschen und der eigenen Umwelt. KI könne als Spiegel und Denkpartner neue Perspektiven eröffnen, echte menschliche Verbindung jedoch nicht ersetzen. Als menschlichen Vorsprung rückte Overlack dabei insbesondere Mitgefühl und Verbindung in den Mittelpunkt. Die zentrale Linie des Vortrags mündete damit in den Gedanken, dass die Antwort auf die Veränderungen durch KI nicht allein in weiterer Technologie liegt, sondern ebenso in der bewussten Auseinandersetzung des Menschen mit sich selbst.
Im Anschluss an den Impuls führte Gertrud Hilser durch die moderierte Diskussionsrunde. In dieser Runde noch zusätzlich dabei war Melanie Brill, Geschäftsführerin der TWL KOM aus Ludwigshafen. Sie zeigte in der Runde passende Beispiele aus der Praxis auf. Ebenfalls bei der Talkrunde dabei war Oberbürgermeister Marc Weigel von Neustadt an der Weinstraße, er brachte sein Wissen und seine Erfahrungen auf der kommunalen Ebene mit ein in die Diskussion.
Zudem hatten die Teilnehmenden Gelegenheit, Fragen aufzugreifen, eigene Perspektiven einzubringen und die im Vortrag aufgeworfenen Gedanken gemeinsam weiterzuführen. Gerade dieser Austausch schlug die Brücke von den grundlegenden Fragen des Vortrags zur unternehmerischen Praxis und gab Raum für unterschiedliche Erfahrungen mit Veränderung, Führung und dem zunehmenden Einsatz Künstlicher Intelligenz.
Nach der Übergabe des Referentengeschenks und der offiziellen Verabschiedung ging der Abend in das persönliche Networking über. Bei einem Imbiss konnten die Gespräche bis zum Veranstaltungsende fortgesetzt und neue Kontakte geknüpft werden. Begleitet wurde der Abend durch eine Auswahl an Weinen und Traubensäften des Bio-Weinguts Thomas Steigelmann aus Gimmeldingen, dessen Weinbautradition bis in das Jahr 1602 zurückreicht.
Der BVMW Nordbaden-Rhein-Neckar und der BVMW Rheinland-Pfalz / Saarland danken Bert Overlack für seinen Impuls und die Denkanstöße sowie dem Gastgeber für die Mitgestaltung des Abends und allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern für ihre Beiträge zur Diskussion und zum persönlichen Austausch. Der NetworkEvening machte deutlich, wie wichtig neben der Beschäftigung mit den technologischen Möglichkeiten der KI auch der gemeinsame Dialog darüber ist, wie Unternehmerinnen, Unternehmer und Führungskräfte Veränderung verantwortungsvoll gestalten und dabei menschliche Verbindung, Beteiligung und persönliche Haltung bewahren können.