Hans Nauber

Mittelständler fragen - PolitikerInnen antworten: Hans Nauber, SPD

1. Wie bewerten Sie die Perspektive und Zukunft des deutschen Mittelstandes?

Der deutsche Mittelstand steht vor schwierigen Herausforderungen, auch im Hinblick auf die aktuellen „Corona-Beschlüsse“ der Bundesregierung bzw. des Landes Hamburg. Die Prognosen müssen allerdings branchenspezifisch differenziert werden. Es gibt auch hier viele „Verlierer“, aber auch „Gewinner“ (Gesundheitsbereich, technologische Branchen, beratende Berufe dürften eher profitieren, während schwierig einzuschätzen ist der Transformationsprozess z.B. in der Autoindustrie, Zuliefererbetriebe, etc.) Nicht einzuschätzen sind die globalen Auswirkungen (neuer US-Präsident; transatlantisches Verhältnis und Verhältnis zu China, etc.).

In jedem Fall „mehr Markt“ und weniger „oligopolistische“ Konzernstrukturen.In Bezug auf Hamburg (Beispiele):

Welche Bedeutung hat der Hafen mittel –und langfristig?
Es sollte hier viel stärker als in der Vergangenheit die Hamburger Wirtschaftsstruktur „diversifiziert“ werden und stärker der Austausch zwischen Forschung und Praxis erfolgen.

Wie kann die Stadt neu und anders unter Aspekten ökologischer, mobiler, kultureller Aspekte umgestaltet werden?
Es sollten stärker die lokalen, nachbarschaftlichen Kontakte und Strukturen (mehr klass. Einzelhandel in die Stadtteile, etc.) unterstützt werden, bzw. Priorität haben.

2. Wie stellen Sie sich den Abbau der gemachten Schulden im Haushalt vor?

  • Erhöhung der Mwst.
  • Angleichung von Steuersätzen (z.B.Körperschaftssteuer) in der EU, etc.


3. Wie schätzen Sie die Zukunft des EURO ein?

  • Kritisch durch die globale Finanzkrise.


4. Erwarten Sie eine Inflation?

  • Nicht kurzfristig.


5. Da wir von einer Industrie - in eine Digitalgesellschaft gehen die Frage, erwarten Sie eine „neue“ Bildungspolitik ?

Das Thema Digitalisierung muss grundlegend und dringend in den unterschiedlichen Bildungsbereichen (von der KITA über allgemeinbildende Schulen, berufliche Schulen, Hochschulen) forciert werden, ohne allerdings den Präsenzunterricht vollständig zu ersetzen. Dabei muss sowohl das Lehrpersonal gut und grundlegend vorbereitet als auch die technische Ausstattung und die sonstigen Voraussetzungen (WLAN, etc.) gewährleistet werden. Ein besonderer Aspekt muss dabei auf den Aspekt der „Chancen- und Bildungsgleichheit“ gelegt werden.

6. Wie sehen Sie die Zukunft unserer Arbeitsgesellschaft?

  • Der Arbeitsmarkt steht vor gravierenden Herausforderunge. Einige Stichworte dazu:
  • demographischer Wandel
  • technologische/digitale Herausforderungen
  • Transformationsprozess der Wirtschaft (sozial-ökologische und klimapolitische Umorientierung/Umbau mit allen Konsequenzen für unternehmerische und arbeitstechnische Herausforderungen)
  • „Ersatzarbeitsplätze“ für die Gruppe der Un- und Angelernten und für Arbeitsplätze, die durch ein Substituierbarkeitspotenzial in den unterschiedlichen Branchen verschwinden werden.
  • Rechtsanspruch für alle auf einen beruflichen Abschluss sowie Verankerung des „lebenslangen Lernens“
  • Migrationsfrage


7. Wie bewerten Sie die mir immer wieder gestellte Frage, warum Politiker in diesen „sorgenvollen“ Zeiten keine – oder geringe - Solidarität zeigen?

Eine pauschale „Verurteilung“ von „den“ Politikern halte ich nicht für opportun. Vielmehr muss auch hier differenziert werden zwischen Parteien und handelnden Politikern. Ich halte es für elementar wichtig, dass der Rechtsstaat gewährleistet wird und eine „solidarische“ Politik gesellschaftliche Ungleichheiten, etc. berücksichtigt.

8. Wie beurteilen Sie die Entwicklung der Medien?

Zum Teil kritisch, insbesondere im Hinblick auf die sog. „Sozialen Medien“. Umgekehrt halte ich es für geboten, die öffentlich-rechtlichen Anstalten zu stärken.

9. Wie ist Ihr Zukunftsbild unserer Gesellschaft?

Kritisch, sowohl im Hinblick auf notwendige, existentielle Herausforderungen und Veränderungen. Beispiele:

  • Der „deutsche Sozialstaat“ muss im Hinblick auf die Veränderungen (Alterung der Gesellschaft; weniger Arbeitsplätze, ökologischer Umbau, etc.) auf neue finanzielle Grundlagen gestellt werden. Ansonsten werden sich die sozialen Sicherungssysteme auf Dauer nicht finanzieren lassen (Besteuerung nicht nur auf den Faktor „Arbeit“, sondern auch auf das „Kapital“ z.B.).
  • Die Migrationsfrage auch im Kontext klimatischer Veränderungen (Zunahme von Wanderungsbewegungen) muss stärker im europäischen Kontext und Gleichklang erfolgen.
  • Erhalt und Stärkung der „Demokratie“. Sorge bereitet der zunehmende Populismus, der Egoismus von Individuen und gesellschaftlichen Gruppen, der Abbau von Demokratie und Rechtsstaat auch innerhalb der EU.

Hans Nauber, SPD
ist mittlerweile im Ruhestand, war aber früher in der HH Sozialpolitik (SPD) tätig. Ehemaliger Leiter der "Hamburger Arbeitsbeschäftigungsgesellschaft" (HAB)

KONTAKT

Hans Nauber
Brennerstrasse 45
20099 Hamburg
hansnauber(at)t-online.de
Mobil 0170 – 321 52 66

DKERTZ_20190215__6867-Bearbeitet__1___1_.jpg
Hans Nauber, SPD