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Hagen, 13.07.2026 Lesezeit: 2 Minuten

Fünf Jahre nach dem Hochwasser: Klimaresilienz ist Standortpolitik

Was das Hochwasser von 2021 für den Wirtschaftsstandort Hagen bedeutet – und wie Unternehmen, Stadt und Infrastruktur gemeinsam widerstandsfähiger werden.

Autor: Markus Krüger

Das Hochwasser im Juli 2021 hat Hagen innerhalb weniger Stunden verändert. Fünf Jahre später stellt sich für unsere regionale Wirtschaft die Frage: Wie gut sind Unternehmen und Infrastruktur auf das nächste Extremereignis vorbereitet?

In der Nacht zum 14. Juli 2021 traf ein außergewöhnliches Hochwasser unsere Stadt. Nach lang anhaltendem Starkregen wurden Straßen und Brücken beschädigt, technische Anlagen zerstört sowie Schulen, Kindertagesstätten, Verwaltungsgebäude und Teile des Kanalnetzes schwer getroffen. Auch zahlreiche Unternehmen mussten erhebliche Schäden und Betriebsunterbrechungen verkraften.

Fünf Jahre später geht es nicht allein darum, an die damaligen Ereignisse zu erinnern. Wir müssen uns vielmehr fragen:

Wie widerstandsfähig ist der Wirtschaftsstandort Hagen heute, wenn sich ein vergleichbares Ereignis wiederholt?

Diese Frage betrifft nicht nur Politik, Verwaltung oder Katastrophenschutz. Sie betrifft jedes Unternehmen, das auf funktionierende Verkehrswege, Energieversorgung, Telekommunikation, Wasser, leistungsfähige Lieferketten und erreichbare Betriebsstandorte angewiesen ist.

Klimarisiken sind wirtschaftliche Risiken

Klimaanpassung wird häufig als Umwelt- oder Infrastrukturthema betrachtet. Für den Mittelstand ist sie jedoch eine sehr konkrete wirtschaftliche Aufgabe.

Ein Unternehmen kann innerhalb weniger Stunden seine Produktions- und Lieferfähigkeit verlieren, wenn Maschinen, Lagerbestände oder Serverräume beschädigt werden. Selbst ein unversehrter Betrieb kann stillstehen, wenn Zufahrtswege gesperrt sind, Energie- oder Kommunikationsnetze ausfallen oder wichtige Zulieferer nicht mehr liefern können.

Klimaresilienz bedeutet deshalb nicht, jedes Risiko vollständig ausschließen zu können. Es bedeutet, Gefahren frühzeitig zu erkennen, Schäden möglichst zu begrenzen und nach einer Störung schnell wieder handlungsfähig zu sein.

Auch die Stadt Hagen sieht nach den Erfahrungen des Hochwassers die Notwendigkeit, stärker in Krisenvorsorge und Resilienz zu investieren. In der Smart-City-Strategie wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass insbesondere Starkregen, Waldbrandgefahren und die Widerstandsfähigkeit kritischer Infrastruktur stärker berücksichtigt werden müssen.

Was Unternehmen jetzt überprüfen sollten

Aus meiner Sicht als Repräsentant des BVMW in Hagen gehören fünf Themen auf die Agenda unserer mittelständischen Unternehmen.

1. Die Risiken des eigenen Standorts kennen

Nicht nur unmittelbar an Flüssen gelegene Betriebe können betroffen sein. Starkregen, überlastete Kanalisation, Hangwasser oder versiegelte Nachbarflächen können ebenfalls zu Überflutungen führen.

Unternehmen sollten deshalb prüfen, welche Gebäude, Zufahrten, Lagerflächen und technischen Einrichtungen gefährdet sind. Auch die Abhängigkeit von Straßen, Brücken und Versorgungsleitungen im Umfeld des Standorts muss berücksichtigt werden.

2. Kritische Prozesse absichern

Welche Anlagen und Systeme müssen zwingend funktionieren? Wie lange kann der Betrieb ohne Strom, Wasser, Internet oder Druckluft aufrechterhalten werden? Wo befinden sich Server, Steuerungen, Gefahrstoffe und wichtige Unterlagen?

Aus diesen Fragen sollte ein belastbarer Notfall- und Wiederanlaufplan entstehen. Entscheidend ist, dass Verantwortlichkeiten geklärt und die notwendigen Schritte nicht nur dokumentiert, sondern regelmäßig erprobt werden.

3. Lieferketten widerstandsfähiger gestalten

Klimaresilienz endet nicht am Werkstor. Unternehmen sind von Lieferanten, Logistikpartnern und Verkehrswegen abhängig.

Für kritische Materialien und Bauteile sollten alternative Lieferanten, mögliche Ersatzprodukte und Ausweichrouten bekannt sein. Dabei geht es nicht um möglichst große Lagerbestände, sondern um Transparenz, vorbereitete Alternativen und schnelle Entscheidungsfähigkeit.

4. Beschäftigte und Arbeitsbedingungen berücksichtigen

Neben Hochwasser und Starkregen gewinnt auch die Belastung durch Hitze an Bedeutung. Hohe Temperaturen wirken sich auf Gesundheit, Konzentration, Produktivität, Maschinen und Produktqualität aus.

Die Stadt Hagen hat 2026 einen Hitzeaktionsplan veröffentlicht, der den Schutz besonders betroffener Menschen und die Zusammenarbeit unterschiedlicher lokaler Akteure stärken soll. Auch Unternehmen sollten Hitzevorsorge zunehmend als Bestandteil ihrer betrieblichen Organisation verstehen.

5. Regionale Zusammenarbeit stärken

Kein Unternehmen kann allein resilient sein. Die wirtschaftliche Handlungsfähigkeit unserer Stadt hängt vom Zusammenspiel vieler Beteiligter ab: Unternehmen, Stadtverwaltung, Versorger, Wirtschaftsbetrieb, Feuerwehren, Hilfsorganisationen, Telekommunikationsanbieter und Versicherungen.

Wir benötigen deshalb einen stärkeren Austausch über kritische Infrastrukturen, Warn- und Kommunikationswege sowie über Möglichkeiten gegenseitiger Unterstützung.

Vorsorge muss für den Mittelstand umsetzbar bleiben

Klimaanpassung darf nicht zu einer weiteren bürokratischen Berichtspflicht werden. Mittelständische Unternehmen benötigen verständliche Risikoinformationen, konkrete Ansprechpartner, praktikable Fördermöglichkeiten und schnelle Genehmigungsverfahren.

Der BVMW hat sich dafür ausgesprochen, kritische Infrastruktur besonders zu schützen, Kommunen bei Investitionen in Klimaresilienz zu unterstützen und gleichzeitig zusätzliche Belastungen für kleine und mittlere Unternehmen zu vermeiden.

Die zentrale Frage lautet daher nicht, wie wir neue Formulare und Nachweise schaffen. Die Frage lautet:

Wie helfen wir Unternehmen dabei, ihre Standorte, Prozesse und Beschäftigten wirksam zu schützen?

Aus Erinnerung muss gemeinsames Handeln entstehen

Das Hochwasser von 2021 hat uns gezeigt, wie verletzlich eine Stadt und ihre Wirtschaft innerhalb weniger Stunden werden können. Es hat gleichzeitig gezeigt, wie groß Hilfsbereitschaft, Zusammenhalt und Improvisationsfähigkeit in Hagen sind.

Fünf Jahre später sollten wir uns jedoch nicht allein auf diese Stärke verlassen. Vorsorge, klare Strukturen und abgestimmte Zusammenarbeit sind ebenso notwendig.

Als Repräsentant des BVMW in Hagen möchte ich den Jahrestag deshalb zum Anlass nehmen, das Thema Klimaresilienz stärker in den Austausch mit den Unternehmen unserer Stadt zu bringen.

Nicht als abstrakte Klimadebatte und nicht als zusätzliche Belastung für den Mittelstand, sondern als gemeinsame Aufgabe für einen widerstandsfähigen Wirtschaftsstandort Hagen.

Denn Klimaresilienz ist am Ende vor allem eines: die Fähigkeit, auch unter schwierigen Bedingungen handlungsfähig zu bleiben.

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Markus Krüger

Repräsentant
Stadt: Hagen
Landkreis: Märkischer Kreis, Ennepe-Ruhr-Kreis

Im Dünningsbruch 18

58095 Hagen

Germany

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