Junger Mittelstand: Unsere Interviewreihe zeigt die inspirierenden Geschichten hinter den jungen erfolgreichen Unternehmerinnen und Unternehmern aus dem Netzwerk des BVMW.
Aleksandra Nykiel
Die Gründerin von BauLinkerPro im Interview für die Initiative „Der Junge Mittelstand“.
Wie sind Sie dazu gekommen, Unternehmer zu werden?
Das Unternehmertum hat sich bei mir ganz natürlich aus meiner beruflichen Entwicklung ergeben. Als Juristin habe ich über Jahre hinweg mit Unternehmerinnen und Unternehmern gearbeitet und dabei nicht nur ihre rechtlichen Herausforderungen erlebt, sondern auch gesehen, wie Unternehmen aufgebaut werden, wie Entscheidungen getroffen werden und wie neue Märkte erschlossen werden.
Irgendwann kam für mich der Punkt, an dem ich nicht mehr nur beraten, sondern selbst etwas aufbauen wollte. Heute führe ich eine Kanzlei in Berlin und entwickle parallel BauLinkerPro – eine B2B-Plattform, die deutsche Auftraggeber direkt mit polnischen Unternehmen und Nachunternehmern verbindet.
Wenn Sie in der Zeit zurückgehen könnten, würden Sie denselben Weg nochmal gehen? Oder würden Sie etwas anders machen?
Ja, auf jeden Fall. Einige Entscheidungen würde ich heute allerdings früher treffen. Mit der Zeit habe ich gelernt, dass im Unternehmertum nicht alles von Anfang an perfekt sein muss. Oft ist es wichtiger, zu starten, den Markt zu beobachten und das eigene Produkt konsequent weiterzuentwickeln.
Haben Sie im Gründungs- oder Übernahmeprozess in irgendeiner Form Unterstützung erhalten? Falls ja, welche Form der Unterstützung war besonders zentral?
Am wichtigsten waren für mich Menschen – Unternehmerinnen und Unternehmer, Geschäftspartner und Personen, mit denen ich Erfahrungen austauschen konnte.
Je länger ich selbst unternehmerisch tätig bin, desto deutlicher sehe ich, wie wertvoll ein gutes Netzwerk ist. Oft bringt ein persönlicher Austausch schneller weiter als das nächste Seminar oder Fachbuch.
Welche Entscheidung würden Sie für sich als Wegweisendste bezeichnen oder auch die, aus der Sie am meisten gelernt haben?
Eine der wichtigsten Entscheidungen war, über das klassische Kanzleimodell hinauszugehen und BauLinkerPro aufzubauen.
Über Jahre hinweg habe ich immer wieder dasselbe Problem gesehen: Deutsche Unternehmen suchen zuverlässige polnische Auftragnehmer und Nachunternehmer, während polnische Firmen Projekte und Auftraggeber in Deutschland suchen. Gleichzeitig wissen beide Seiten oft nicht, wo sie sich finden können.
Deshalb wollte ich nicht länger nur einzelne Fälle lösen, sondern eine Plattform schaffen, auf der Unternehmen direkt miteinander in Kontakt treten können.
Was war die größte Herausforderung, die Ihnen begegnet ist?
Eine der größten Herausforderungen ist für mich, Wachstum zu ermöglichen, ohne dabei Qualität zu verlieren.
In der Kanzlei hängt ein großer Teil der Arbeit unmittelbar von mir selbst ab. Bei einer digitalen Plattform muss ich dagegen ganz anders denken – in Prozessen, Nutzerbedürfnissen, Technologie, Marketing und Skalierbarkeit.
Das ist eine andere Form des Unternehmertums und gleichzeitig eine sehr wertvolle Erfahrung.
Wie gelingt Ihnen der Spagat zwischen Beruf, Familie und Freizeit? Welche Unterstützung wünschen Sie sich für eine bessere Vereinbarkeit?
Ich bin Mutter von zwei kleinen Kindern, führe eine Kanzlei und entwickle gleichzeitig ein weiteres Unternehmen. Deshalb würde ich nicht behaupten, dass es einen perfekten Zustand von Work-Life-Balance gibt.
Für mich sind Organisation und klare Prioritäten entscheidend. Ich versuche sehr bewusst zu entscheiden, welcher Bereich in welchem Moment meine volle Aufmerksamkeit braucht.
Ich habe außerdem gelernt, dass nicht alles sofort erledigt werden muss.
Welche Unterstützung wünschen Sie sich für eine bessere Vereinbarkeit?
Vor allem mehr Flexibilität und eine verlässlich verfügbare Kinderbetreuung.
Unternehmertum passt nur selten in klassische Arbeitszeiten. Wenn wir möchten, dass mehr Eltern – insbesondere Frauen – eigene Unternehmen aufbauen und weiterentwickeln, brauchen wir Rahmenbedingungen, die dies tatsächlich ermöglichen.
Wie stehen Sie zum Thema Jobsharing oder Tandem als Lösung für eine bessere Vereinbarkeit?
Ich halte flexible Arbeitsmodelle für sehr wichtig und glaube, dass sie in Zukunft noch stärker an Bedeutung gewinnen werden. Nicht jede Position eignet sich für Jobsharing.
Unternehmen, die jedoch echte Flexibilität ermöglichen, werden langfristig einen Vorteil bei der Gewinnung und Bindung qualifizierter Fachkräfte haben.
Womit beschäftigen Sie sich derzeit besonders intensiv?
Mit der Weiterentwicklung von BauLinkerPro.
Ich möchte eine Plattform aufbauen, auf der deutsche Auftraggeber polnische Unternehmen und Nachunternehmer finden und polnische Firmen ihre Leistungen präsentieren sowie Projekte und Geschäftspartner in Deutschland finden können.
Ohne klassische Vermittlung – die Unternehmen nehmen direkt miteinander Kontakt auf.
Wodurch erfahren Sie besondere Wertschätzung für Ihre Arbeit?
Durch konkrete Ergebnisse. In der Kanzlei ist es der Moment, in dem ein schwieriges Problem für einen Mandanten gelöst ist. Bei BauLinkerPro ist es für mich der Moment, in dem zwei Unternehmen sich über die Plattform finden, miteinander ins Gespräch kommen und daraus eine reale Zusammenarbeit entsteht. Genau dafür lohnt sich unternehmerische Arbeit.
Welche Botschaft möchten Sie frisch gebackenen jungen Unternehmerinnen und Unternehmern mitgeben?
Warten Sie nicht darauf, dass alles perfekt ist. Den perfekten Zeitpunkt für eine Gründung gibt es wahrscheinlich nicht. Es ist besser, mit einer ersten Version zu starten, mit Kunden zu sprechen und das eigene Angebot auf Grundlage echter Erfahrungen weiterzuentwickeln, als ein Jahr lang an einem vermeintlich perfekten Produkt zu arbeiten, ohne zu wissen, ob der Markt es überhaupt braucht.
Mit welchen wesentlichen Maßnahmen fördern Sie in Ihrem Unternehmen gezielt junges Unternehmertum oder geben Young Professionals Rückenwind?
Ein großer Teil meiner beruflichen Tätigkeit besteht darin, Unternehmerinnen und Unternehmer zu begleiten, die in Deutschland aktiv werden oder ihre Geschäftstätigkeit hier ausbauen möchten.
Dabei versuche ich nicht nur die Frage zu beantworten, was rechtlich möglich ist, sondern auch aufzuzeigen, welche wirtschaftlichen Folgen bestimmte Entscheidungen haben können.
BauLinkerPro soll zusätzlich kleineren und mittelständischen Unternehmen den Zugang zum deutschen Markt erleichtern – gerade dann, wenn sie über gute Fachkenntnisse und Erfahrung verfügen, aber noch kein eigenes Netzwerk in Deutschland aufgebaut haben.
Von der Politik erwarte ich hinsichtlich einer stärkeren Unterstützung von jungen Unternehmerinnen, Unternehmern und Young Professionals im Allgemeinen…
…vor allem weniger Bürokratie. Besonders deutlich sehe ich das bei grenzüberschreitender unternehmerischer Tätigkeit. Wir sprechen von einem europäischen Binnenmarkt, gleichzeitig sehen sich Unternehmen in der Praxis weiterhin mit sehr vielen administrativen Pflichten konfrontiert. Jede Stunde, die ein Unternehmer mit unnötiger Bürokratie verbringt, ist eine Stunde, die nicht für Kunden, Mitarbeiter oder die Weiterentwicklung des Unternehmens zur Verfügung steht.
Was hat sie als Unternehmerin am meisten überrascht?
Am meisten überrascht hat mich, wie viele unterschiedliche Rollen man als Unternehmerin gleichzeitig übernimmt.
Man ist nicht nur Expertin im eigenen Fachgebiet, sondern beschäftigt sich plötzlich auch mit Strategie, Vertrieb, Marketing, Personal, Finanzen und Organisation.
Gerade diese Vielfalt macht Unternehmertum für mich aber auch besonders spannend.
Nutzen Sie KI in Ihrem Unternehmen? Wenn ja, in welcher Form?
Ja, sehr intensiv. Ich nutze KI insbesondere zur Unterstützung bei Recherche und Analyse, zur Strukturierung von Informationen, zur Optimierung von Arbeitsprozessen und zur Entwicklung neuer Ideen. Dabei ist für mich wichtig, KI als Werkzeug zu verstehen.
Gerade in fachlich anspruchsvollen Bereichen wie dem Recht kann sie menschliche Erfahrung, Verantwortung und fachliche Bewertung nicht ersetzen. Sie kann uns aber dabei unterstützen, effizienter zu arbeiten und Informationen schneller zu verarbeiten.
Warum ist ein starkes Netzwerk für Unternehmerinnen und Unternehmer besonders wichtig?
Weil Geschäft letztlich auf Vertrauen basiert. Ein gutes Netzwerk bedeutet für mich nicht, möglichst viele Kontakte zu sammeln. Entscheidend sind Beziehungen zu Menschen, mit denen man Wissen austauschen, Ideen entwickeln und im richtigen Moment gemeinsam etwas bewegen kann.
Gerade im grenzüberschreitenden Geschäft zwischen Deutschland und Polen sehe ich täglich, wie wichtig die richtigen Kontakte sind. Oft fehlt nicht die Kompetenz oder die Nachfrage, sondern schlicht die Verbindung zwischen den richtigen Unternehmen.
Was wird Ihr nächstes Projekt?
Mein wichtigstes Projekt ist derzeit der weitere Aufbau von BauLinkerPro.
Ich möchte eine Plattform etablieren, auf der deutsche Auftraggeber passende polnische Unternehmen und Nachunternehmer finden und polnische Firmen Zugang zu Projekten und Geschäftspartnern in Deutschland erhalten.
Mein langfristiges Ziel ist, dass ein deutsches Unternehmen, das einen polnischen Partner sucht, ganz selbstverständlich sagt: „Ich schaue bei BauLinkerPro.“
Und dass es auf polnischer Seite genauso funktioniert.
Womit schaffen Sie in Ihrer Freizeit einen Ausgleich zu Ihrem Arbeitsalltag?
Der wichtigste Ausgleich ist für mich die Zeit mit meinen Kindern. Wenn man selbstständig ist, ist der Kopf häufig auch nach Feierabend noch bei Projekten, Mandaten oder neuen Ideen. Meine Kinder holen mich sehr schnell zurück ins Hier und Jetzt.
Daneben versuche ich bewusst, Zeit für Reisen, Bewegung und Begegnungen mit Freunden einzuplanen. Für mich bedeutet Ausgleich nicht unbedingt, gar nichts zu tun, sondern bewusst etwas zu machen, das mit dem beruflichen Alltag nichts zu tun hat.
Aleksandra Nykiel
BauLinkerPro
https://baulinkerpro.de/