Christina Bauer

Christina Bauer

Themen

Unternehmertum
15.07.2026

Christina Bauer

Die Geschäftsführerin der Green Tiger GmbH im Interview für die Initiative „Starke Frauen – Starker Mittelstand“.

Autor: BVMW Bundeszentrale

Wie sind Sie dazu gekommen, Unternehmerin/Führungskraft zu werden?

Schon als Kind war mir klar, dass ich „etwas mit Reisen“ machen möchte. Wenn ich mit meiner Familie verreist bin, habe ich mit meiner Schwester „Reisebüro“ gespielt – ich habe damals schon Routen geplant, Prospekte sortiert und mir vorgestellt, wie es wäre, anderen Menschen die Welt zu zeigen.

Diese Leidenschaft hat mich nie losgelassen und hat auch meine beruflichen Entscheidungen geprägt: Ich habe Fremdenverkehrsgeografie studiert und war anschließend einige Zeit im Ausland (Neuseeland). Dort habe ich gemerkt, wie sehr mich nicht nur das Reisen an sich, sondern vor allem das Gestalten von Reiseerlebnissen begeistert, möglichst authentisch, dicht an den Menschen vor Ort und fernab vom reinen Massentourismus.

Als ich zurück nach Deutschland kam, war die Idee schnell klar: Ich möchte nicht nur „irgendwo im Tourismus arbeiten“, sondern selbst einen Reiseveranstalter gründen, der genau so arbeitet, wie ich mir verantwortungsvolles Reisen vorstelle. So ist Green Tiger entstanden – aus einer frühen Kindheitsleidenschaft, einem fachlichen Hintergrund im Tourismus und dem Wunsch, meine eigenen Werte von nachhaltigem, fairen Reisen unternehmerisch umzusetzen.

Wenn Sie in der Zeit zurückgehen könnten, würden Sie denselben Weg nochmal gehen? Oder würden Sie etwas anders machen.

Ich würde denselben Weg wieder gehen.

Natürlich gab es Phasen, in denen es sehr schwierig war, gerade in einer Branche, die so krisenanfällig (und gleichzeitig resilient) ist wie der Tourismus. Aber genau diese Herausforderungen haben mich und das Unternehmen geprägt. An Krisen und Aufgaben wächst man: Man wird klarer in seinen Entscheidungen, widerstandsfähiger und lernt, was wirklich wichtig ist.

Rückblickend gehört alles dazu: die mutigen Schritte, die Unsicherheiten, die kleinen und großen Erfolge – ohne sie wäre Green Tiger heute nicht das, was es ist, und ich wäre nicht die Unternehmerin, die ich heute bin. Deshalb würde ich meinen Weg genauso noch einmal gehen.

Welche Entscheidung würden Sie für sich als Wegweisendste bezeichnen oder auch die, aus der Sie am meisten gelernt haben?

Die wegweisendste Entscheidung war für mich, Green Tiger konsequent nach meinen Werten auszurichten, also auf nachhaltiges, verantwortungsvolles Reisen zu setzen und bewusst nicht in den „billigen“ Massentourismus einzusteigen. Das hat bedeutet, langsameres Wachstum in Kauf zu nehmen, dafür aber wirklich hinter jedem Produkt stehen zu können. Diese Klarheit war und ist für mich unternehmerisch und persönlich entscheidend.

Die zweite große Weichenstellung war die Erkenntnis, dass ich nicht alles allein tragen muss und auch nicht sollte. Der Aufbau eines Teams, das diese Werte teilt, und das bewusste Abgeben von Verantwortung haben Green Tiger auf ein ganz anderes Level gebracht.

Ein Schlüsselmoment in diesem Zusammenhang war 2017, als mein Mann zur Geburt unseres Sohnes ins Unternehmen eingestiegen ist. Das war für mich ein echter Wendepunkt: nicht mehr alles allein schultern zu müssen, sondern Verantwortung, Ideen und Last gemeinsam zu tragen. Seitdem hat sich vieles verändert – wir sind als Familie und als Unternehmen stabiler, mutiger und langfristiger denkend geworden. Aus dieser Entscheidung, „allein“ in „gemeinsam“ zu verwandeln, habe ich wahrscheinlich am meisten gelernt.

Was war die größte Herausforderung, die Ihnen begegnet ist?

Die größte Herausforderung war für mich ganz klar die Coronapandemie.

Als Reiseveranstalter war uns von einem Tag auf den anderen praktisch die Geschäftsgrundlage entzogen: Weltweite Reisewarnungen, geschlossene Grenzen, Kunden, die plötzlich im Ausland festsitzen oder gar nicht mehr reisen konnten, Umsätze, die von heute auf morgen wegbrechen. Für ein Unternehmen, das vom Reisen lebt, war das eine existenzielle Krise – fachlich, wirtschaftlich und emotional.

Für uns war es doppelt schwierig, weil mein Mann und ich beide im Unternehmen sind und damit als Familie komplett „mit drinsteckten“. Wir mussten gleichzeitig um unsere Firma kämpfen, Verantwortung für unser Team und unsere Partner in den Zielländern übernehmen und unsere eigene familiäre Situation im Blick behalten.

Gleichzeitig haben wir versucht, die Krise auch als Chance zu nutzen. Als Fernreisen praktisch unmöglich waren, haben wir zunächst Reisen mit besonderen Erlebnissen im Schwarzwald entwickelt – nah, nachhaltig und trotzdem individuell. Und wir haben die Zeit genutzt, um unser Angebot strategisch weiterzuentwickeln: So ist Green Lion als Marke für individuelle Afrikareisen entstanden und ein weiterer Kontinent zu unserem Portfolio hinzugekommen.

Rückblickend war diese Phase extrem fordernd, aber sie hat uns auch stärker gemacht. Wir haben gelernt, noch flexibler zu denken, kreative Lösungen zu finden, unser Geschäftsmodell krisenfester aufzustellen. Das alles, ohne unsere Werte als nachhaltiger Reiseveranstalter aufzugeben.

Womit beschäftigen Sie sich derzeit besonders intensiv?

Aktuell beschäftige ich mich besonders intensiv mit zwei Themenbereichen:

Zum einen geht es um Netzwerke. Nachdem ich in den letzten Jahren stark branchenintern unterwegs war (unter anderem im Vorstand des AER e.V. und im Aufsichtsrat der AER Kooperation AG) möchte ich meinen Fokus jetzt stärker auf das lokale Umfeld legen. Mir ist wichtig, unser regionales Netzwerk auszubauen, Kooperationsmöglichkeiten vor Ort zu prüfen und Green Tiger/ Green Lion in der Region noch sichtbarer zu machen. Ich glaube fest daran, dass man gemeinsam mehr erreichen kann, auch im Mittelstand, direkt „vor der Haustür“.

Zum anderen arbeite ich mit dem Team daran, die Besonderheiten unserer Reisen noch klarer herauszuarbeiten und zu kommunizieren, insbesondere unseren Fokus auf individuelle, maßgeschneiderte Erlebnisse und auf Nachhaltigkeit. Wir gestalten Reisen, die unseren Kunden und den Menschen in den Reiseländern gleichermaßen guttun sollen. Diese Verbindung aus Qualität, Individualität und verantwortungsvollem Reisen noch deutlicher sichtbar zu machen, ist gerade ein zentraler Schwerpunkt meiner Arbeit.

Wodurch erfahren Sie besondere Wertschätzung für Ihre Arbeit?

Besondere Wertschätzung erfahre ich vor allem durch die Rückmeldungen unserer Reisenden.

Wenn jemand nach der Rückkehr nicht nur eine kurze Mail schreibt, dass „alles gut war“, sondern sich wirklich Zeit nimmt, ausführlich zu berichten, dann spüre ich, was unsere Arbeit bewirkt. Besonders berührt mich, wenn deutlich wird, dass es eben nicht „nur“ eine schöne Reise war, sondern, dass sie geprägt war von Begegnungen, tiefen Einblicken in andere Kulturen und einem gewachsenen Verständnis füreinander in der Welt. Wenn Reisen dazu beitragen, Blickwinkel zu verändern, Vorurteile abzubauen und echte Verbundenheit entstehen zu lassen, dann fühlt sich unsere Arbeit sehr sinnstiftend an.

Die zweite große Form der Wertschätzung erlebe ich im Team. Es bedeutet mir viel, wenn ich sehe, dass unsere Mitarbeitenden gerne bei Green Tiger arbeiten, sich mit unseren Werten identifizieren und stolz auf das sind, was wir gemeinsam auf die Beine stellen. Zu wissen, dass wir ein Umfeld geschaffen haben, in dem Menschen sich wohlfühlen, wachsen und ihre Leidenschaft für Reisen einbringen können, ist für mich genauso wertvoll wie das Feedback unserer Kunden.

Welche Botschaft möchten Sie frisch gebackenen Unternehmerinnen oder Gründerinnen/Führungskräften mitgeben?

Ich würde drei Punkte mitgeben:

  1. Seid klar in euren Werten – und bleibt dabei.
    Gerade am Anfang ist die Versuchung groß, „alles“ zu machen, nur um Aufträge zu bekommen. Es lohnt sich, früh zu definieren, wofür ihr stehen wollt (fachlich und menschlich) und eure Entscheidungen daran auszurichten. Langfristig zieht ihr damit die richtigen Kunden, Mitarbeitenden und Partner an.
  2. Ihr müsst es nicht allein schaffen.
    Sucht euch früh ein Netzwerk: andere Unternehmerinnen, Mentoren, Sparringspartner. Und habt keine Angst davor, Verantwortung abzugeben und ein Team aufzubauen. Allein kann man starten, aber wirklich wachsen – persönlich wie unternehmerisch – kann man nur gemeinsam.
  3. Herausforderungen gehören dazu – und sie machen euch besser.
    Unternehmertum ist nie ein gerader Weg. Krisen, Zweifel und Rückschläge sind Teil des Pakets. Wichtig ist, sie nicht als persönliches Scheitern zu sehen, sondern als Lernfelder: Was kann ich anpassen, anders aufstellen, besser machen? Mit dieser Haltung werdet ihr aus jeder Krise gestärkt hervorgehen und über euch hinauswachsen.

Mit welchen wesentlichen Maßnahmen fördern Sie in Ihrem Unternehmen gezielt Female Empowerment und geben Ihren Mitarbeiterinnen Rückenwind?

Im Tourismus arbeiten traditionell sehr viele Frauen, das spiegelt sich auch in unserem Unternehmen wider. Bei Green Tiger ist der Frauenanteil hoch. Female Empowerment ist bei uns deshalb kein „Sonderprogramm“, sondern der Normalfall: Frauen gestalten bei uns Reisen, Prozesse und strategische Entscheidungen ganz selbstverständlich mit.

Gleichzeitig ist mir bewusst, dass das in vielen unserer Reiseländer noch anders aussieht. Deshalb unterstützen wir gezielt Initiativen und Partnerinnen vor Ort, die Frauen stärken, etwa Projekte und Betriebe, in denen Frauen als Unternehmerinnen, Guides oder Gastgeberinnen sichtbar werden und Einkommen erzielen. Wir integrieren solche Angebote in unsere Reisen, damit nicht nur wirtschaftliche Chancen entstehen, sondern auch festgefahrene Rollenbilder vor Ort langsam aufbrechen können.

Kurz gesagt: In unserem Unternehmen leben wir Gleichberechtigung ganz selbstverständlich und in unseren Zielgebieten nutzen wir unsere Verantwortung als Reiseveranstalter, um Fraueninitiativen zu unterstützen und ihnen mehr Sichtbarkeit und Wertschätzung zu geben.

Von der Politik erwarte ich hinsichtlich einer stärkeren Unterstützung von Unternehmerinnen und der Entwicklung von Frauen in Unternehmen im Allgemeinen...

… dass wir den Blick weniger auf „Sonderförderprogramme für Frauen“ und stärker auf gute, faire Rahmenbedingungen insgesamt richten.

Ich erlebe viele Frauen als sehr entschlossene, kreative und erfolgreiche Unternehmerinnen. Sie haben starke Ideen und setzen sie durch, oft ganz ohne besondere Unterstützung. Mir ist wichtig, zu betonen: Wir brauchen nicht in erster Linie mehr „Sonderwege“, sondern ein Umfeld, in dem Leistung, Qualität und Haltung zählen, unabhängig vom Geschlecht.

Von der Politik wünsche ich mir daher vor allem:

  • verlässliche und bürokratiearme Rahmenbedingungen für Gründer und Mittelstand,
  • Strukturen, die Vereinbarkeit von Familie und Unternehmertum erleichtern (z. B. bei Betreuung, Flexibilität, sozialer Absicherung),
  • und eine Sichtbarkeit von Vorbildern, die zeigt: Frauen können und sollen selbstverständlich führen, gründen und Unternehmen prägen.

Wenn diese Basis stimmt, bin ich überzeugt, dass Frauen sich ihren Platz nehmen und auch bekommen.

Womit schaffen Sie in Ihrer Freizeit einen Ausgleich zu Ihrem Arbeitsalltag?

In meiner Freizeit tanke ich vor allem im Familienalltag auf. Ich verbringe sehr bewusst viel Zeit mit meinem Mann und unserem Sohn in unserem kleinen Häuschen, im Garten, beim Kochen oder einfach im ganz normalen Familienleben.

Ein weiterer wichtiger Ausgleich sind unsere gemeinsamen Reisen als Familie in verschiedene Länder. Auch privat neue Orte, Menschen und Kulturen zu entdecken, ist für mich nicht nur Inspiration für den Beruf, sondern vor allem eine sehr wertvolle gemeinsame Zeit.

Zudem ist Bewegung für mich zentral: Ich bin viel draußen und treibe gezielt Sport. Die körperliche Anstrengung hilft mir, Abstand vom Arbeitsalltag zu gewinnen, wenn der Puls hochgeht und der Körper gefordert ist, wird der Kopf automatisch frei. Diese Kombination aus Familienzeit, Reisen, Natur und sportlicher Aktivität gibt mir die Energie und Klarheit, die ich für meinen Beruf brauche.

Wie bereiten Sie sich auf einen wichtigen Termin vor?

Zum einen arbeite ich mich inhaltlich sehr gründlich ein: Ich strukturiere die Themen, kläre offene Fragen, bereite Unterlagen vor und überlege mir, welche Punkte mir besonders wichtig sind und welche Fragen vermutlich kommen könnten.

Zum anderen ist mir Ruhe vor dem Termin wichtig. Ich plane bewusst Puffer ein, um nicht „von einem To-do in den Termin zu stolpern“, sondern mich vorher noch einmal zu sammeln. Diese Mischung aus guter inhaltlicher Vorbereitung und einem ruhigen, fokussierten Ankommen hilft mir, präsent und klar in den Termin zu gehen.

Warum ist ein starkes Netzwerk für Unternehmerinnen/Führungskräfte besonders wichtig?

Ein starkes Netzwerk ist für Unternehmerinnen und Führungskräfte in mehrfacher Hinsicht entscheidend:

  • Schneller Zugang zu Wissen und Erfahrung
    Man muss nicht jede Fehlerkurve allein durchlaufen. Im Austausch mit anderen Unternehmern kann man von Erfahrungen, Lösungen (aber auch von gescheiterten Ansätzen) lernen und dadurch bessere Entscheidungen treffen.
  • Unterstützung in Krisen und Unsicherheiten
    Gerade wenn es schwierig wird, ist ein Netzwerk Gold wert: Man bekommt ehrliches Feedback, praktische Hilfe und manchmal einfach das Gefühl, mit den eigenen Herausforderungen nicht alleine zu sein.
  • Neue Chancen und Kooperationen
    Viele Projekte, Kooperationen oder Kunden entstehen über persönliche Kontakte. Ein Netzwerk öffnet Türen zu Menschen und Möglichkeiten, von denen man vorher gar nichts wusste.
  • Sichtbarkeit und Weiterentwicklung
    Leistung allein reicht oft nicht, es braucht auch Sichtbarkeit. Menschen im Netzwerk, die wissen, wofür man steht, können einen empfehlen, ins Gespräch bringen oder als Sparringspartner begleiten.

Für mich bedeutet ein starkes Netzwerk deshalb nicht „reine Visitenkartensammlung“, sondern gegenseitige Unterstützung, Inspiration und Rückenwind, fachlich wie menschlich.

Am meisten begeistert mich an meinem Beruf…

… die große Bandbreite.

Zum einen liebe ich die Arbeit mit meinem Team in unserem schönen Büro, gemeinsam Ideen entwickeln, Reisen gestalten und zu sehen, wie aus Konzepten ganz konkrete Erlebnisse für unsere Kunden werden.

Zum anderen begeistert mich die internationale Zusammenarbeit mit unseren Partnern in den verschiedenen Ländern: der Austausch über Kulturen, Lebensrealitäten und gemeinsame Projekte, gerade auch dort, wo wir gemeinsam an nachhaltigeren Reiseformen arbeiten und lokale Initiativen unterstützen.

Und natürlich sind es die Reisen selbst, die mich immer wieder neu inspirieren: die Vielfalt der Länder, Landschaften und Kulturen, die Begegnungen vor Ort und die Möglichkeit, all das so aufzubereiten, dass es nicht nur für unsere Reisenden besonders ist, sondern auch den Menschen und der Umwelt in den Zielgebieten guttut.

Was haben Sie von Ihrem Team gelernt? 

Von meinem Team habe ich vor allem gelernt, dass ich nicht alles selbst machen muss und auch nicht sollte.

Früher hatte ich den Anspruch, möglichst vieles im Blick zu behalten und selbst zu entscheiden. Heute erlebe ich täglich, wie viel besser es ist, Aufgaben wirklich abzugeben, Verantwortung zu teilen und darauf zu vertrauen, dass andere Dinge sogar besser machen als ich. Dieses Loslassen hat nicht nur mich entlastet, sondern das ganze Unternehmen stärker gemacht.

Außerdem zeigt mir mein Team immer wieder, wie wertvoll unterschiedliche Perspektiven sind und wie viel Motivation entsteht, wenn Menschen wirklich Gestaltungsspielraum bekommen. Und nicht zuletzt lerne ich von ihnen, wie wichtig Humor und Menschlichkeit im Arbeitsalltag sind – gerade in stressigen Phasen.

Infos zur Person

Christina Bauer

Infos zum Unternehmen

Green Tiger GmbH
https://www.green-tiger.de
https://www.green-lion.de

  • Gründungsjahr: 2011
  • Branche: Tourismus – Reiseveranstalter
  • Firmensitz: Freiburg im Breisgau, Baden-Württemberg
  • Mitarbeitende: 12

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