Heike Leise

Thomas Wieland

Themen

Unternehmertum
28.09.2026

Heike Leise

Die Geschäftsführerin von ennit GmbH im Interview für die Initiative „Starke Frauen – Starker Mittelstand“.

Autor: BVMW Bundeszentrale

Wie sind Sie dazu gekommen, Unternehmerin/Führungskraft zu werden?

Zum einen gestalte ich gerne, zum anderen begeistert es mich, Menschen dabei zu unterstützen, ihr volles Potenzial auszuschöpfen. Das sind für mich die zentralen Aufgaben einer Führungskraft. Die Gestaltungsmöglichkeiten der vor 25 Jahren ganz jungen Telekommunikationsbranche haben mich begeistert und begeistern mich nach wie vor, denn es geht um die Gestaltung der Zukunft der Menschen, sowohl im Privaten als auch im Beruflichen, und die Entwicklungen sind rasant.

Wenn Sie in der Zeit zurückgehen könnten, würden Sie denselben Weg nochmal gehen? Oder würden Sie etwas anders machen.

Meine Entscheidungen und Erfahrungen haben mich zu der Person gemacht, die ich bin. Und ich bin glücklich und auch stolz, genau dieser Mensch und an diesem Punkt zu sein.

Welche Entscheidung würden Sie für sich als Wegweisendste bezeichnen oder auch die, aus der Sie am meisten gelernt haben?

Als 16-Jährige habe ich mich erstmals für ein Stipendium beworben und durfte dank der Zusage die Jahrgangsstufe 11 an einer Private High School in den USA verbringen. Das war zu einer Zeit ohne Internet und Smartphone. Interkontinentales Telefonieren kostete 2 DM pro Minute. Ich konnte also nicht kurz mal zuhause nachfragen, wie ich mit einer Situation tausende von Kilometern weit weg umgehen solle, sondern musste allein in einem fremden Land mit einer Fremdsprache klarkommen. Zum einen habe ich dadurch Neugierde, Offenheit und kritisches Hinterfragen geschärft, zum anderen auch mein selbständiges Denken und Handeln gestärkt. Und die Erkenntnis gewonnen, dass meist mehr möglich ist, als man meint.

Was war die größte Herausforderung, die Ihnen begegnet ist?

Mein Start in der Telekommunikationsbranche im Jahr 2021. Als Frau, Nicht-Technikerin und dann auch noch in Führung – da habe ich an einigen Stellen kämpfen müssen. Als ich dann die Ingenieure gebeten habe, mir das OSI-Schichtenmodell zu erklären, war das Eis gebrochen. Denn darum geht es ja immer in der gelungenen Zusammenarbeit: Interesse am Gegenüber und Perspektivwechsel, um Verständnis füreinander aufzubauen.

Womit beschäftigen Sie sich derzeit besonders intensiv?

Aktueller denn je sind die rasanten Weiterentwicklungen in der IT, die unser tagtägliches Leben dominieren. Denn genauso wie das Smartphone mit permanenter Internetnutzung zu unserem Alltag gehört, wird die Entwicklung bei KI sein. Inklusive der unternehmenskritischen Sicherheitsaspekte, denn die Cyberkriminalität richtet sich seit über einem Jahr fokussiert auf den eher weniger gut vorbereiteten deutschen Mittelstand. Das hat leider schon zu einigen Insolvenzen und Betriebsaufgaben aufgrund der hohen Lösegeldsummen und Haftung der Geschäftsführung geführt.

Wodurch erfahren Sie besondere Wertschätzung für Ihre Arbeit?

Mich stärkt immer ein positives Feedback durch Mitarbeitende und Kunden.

Welche Botschaft möchten Sie frisch gebackenen Unternehmerinnen oder Gründerinnen/Führungskräften mitgeben?

Netzwerken, netzwerken, netzwerken! Das ist das A und O gerade zu Beginn einer neuen Aufgabe.

Mit welchen wesentlichen Maßnahmen fördern Sie in Ihrem Unternehmen gezielt Female Empowerment und geben Ihren Mitarbeiterinnen Rückenwind?

Frauen in meiner Branche sind eher selten. Umso mehr freue ich mich, dass wir inzwischen ein Technikteam mit 40 % Frauen und mehrere weibliche Auszubildende zur Fachinformatikerin haben.

Sicherlich spielt auch eine Rolle, dass ich mich ehrenamtlich bei FidAR – Frauen in die Aufsichtsräte e.V. branchenübergreifend für mehr Frauen in Führung einsetze und damit auch öffentlich ein Zeichen für Vielfalt setze.

Von der Politik erwarte ich hinsichtlich einer stärkeren Unterstützung von Unternehmerinnen und der Entwicklung von Frauen in Unternehmen im Allgemeinen...

…, dass die nicht mehr zeitgemäßen Rahmenbedingungen dauerhaft verändert werden. Das fängt mit der Bildung an, z. B. welche Geschlechterstereotypen und Rollenklischees zeigen wir in den frühkindlichen bis hin zu unseren universitären Institutionen, Büchern und Filmen sowie medialer Berichterstattung, und führt zum Berufsleben mit der nach wie vor vorhandenen gläsernen Decke sowie Nicht-Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Ganz konkret wünsche ich mir eine Überarbeitung des Arbeitszeitschutzgesetzes hin zu einer flexiblen Zeiteinteilung, die flächendeckende Durchsetzung von echter Ganztagsbetreuung inkl. der Schulferien und eine stärkere finanzielle Förderung von Female Founders. Andere Länder zeigen uns schließlich seit Jahrzehnten, dass Frauen in relevanten Positionen selbstverständlich sind!

Welches Buch empfehlen Sie angehenden Unternehmerinnen/Führungskräften?

Angehenden Führungskräften empfehle ich zum einen „Das Amundsen-Prinzip“ von Markus Gressmann und Stefan Jehn sowie „Lean In“ von Sheryl Sandberg.

Wer hat Sie am meisten inspiriert und warum?

Das sind drei Frauen, die alle auszeichnet, dass sie eine gegebene Situation nicht hingenommen, sondern aktiv zur Veränderung beigetragen haben:

  • Dame Stephanie Shirley, erfolgreiche deutschstämmige Tech-Unternehmerin, die in den 1930ern ihre Heimat verlassen musste, in den 1960ern in Großbritannien aufgrund der gläsernen Decke ein eigenes Softwareunternehmen gegründet hat und aufgrund ihrer unternehmerischen und philanthropischen Verdienste von Königin Elizabeth II. in den Adelsstand erhoben wurde.
  • Fei-Fei Li, Professorin am Institut für Informatik der Stanford University Co-Direktorin des Human-Centered AI Institute in Stanford sowie Mitbegründerin und Vorsitzende der gemeinnützigen Organisation AI4ALL für Vielfalt und Inklusion durch menschenzentrierte KI-Prinzipien.
  • Monika Schulz-Strelow, die Gründungspräsidentin und Ehrenpräsidentin von Frauen in die Aufsichtsräte e.V., die sich seit mehreren Jahrzehnten für mehr Frauen in Führung einsetzt.

Womit schaffen Sie in Ihrer Freizeit einen Ausgleich zu Ihrem Arbeitsalltag?

Den Kopf frei bekomme ich beim Sport (Laufen, Schwimmen und Tennis) und durch Kultur, ich spiele Klavier, liebe die Oper, Konzerte und Ballett. Ich bin fasziniert von innovativen Ausstellungen in Museen und tauche gerne in eine andere Welt ein mit einem guten Buch.

Wer war Ihre wichtigste Begleitung auf dem Weg in die Selbstständigkeit/zur Führungskraft?

Empfehlen würde ich immer, mit einer professionellen Begleitung eine Zeit lang zusammenzuarbeiten. Zum einen hilft das bei der Selbstreflexion über die eigenen Treiber der Karriere und möglichen künftigen Optionen, zum anderen ist es gerade in Umbruchsituationen (neues Unternehmen, neue Rolle, mehr Verantwortung etc.) eine große Unterstützung, jemanden mit Erfahrung zum Sparring an der Seite zu haben. Mit meiner Coachin habe ich mehrere Jahre lang zusammengearbeitet und profitiere heute noch davon.

Was wird Ihr nächstes Projekt?

Wir arbeiten gerade an einer ziemlich einzigartigen, innovativen Lösung, die wir im Quartal 4 2026 launchen werden. Insofern: Bleiben Sie gespannt!

Infos zur Person

Heike Leise

  • Jahrgang: 1969
  • Berufsabschluss: M.A. und MBA
  • Position: Geschäftsführerin ennit GmbH
  • Führungskraft seit über 15 Jahren, in der aktuellen Rolle als Geschäftsführerin der ennit GmbH seit 2023
  • Auf LinkedIn vernetzen: https://www.linkedin.com/in/heikeleise/

Infos zum Unternehmen

ennit GmbH
https://ennit.de/

  • Gründungsjahr: 1997
  • Branche: IT
  • Firmensitz: Kiel, Schleswig-Holstein
  • Mitarbeitende: 70

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