Jacqueline Althaller

Jacqueline Althaller

Themen

Unternehmertum
14.08.2026

Jacqueline Althaller

Die Gründerin von ALTHALLER communication im Interview für die Initiative „Starke Frauen – Starker Mittelstand“.

Autor: BVMW Bundeszentrale

Wie sind Sie dazu gekommen, Unternehmerin zu werden? 

Das war ehrlicherweise keine eigene, bewusste Entscheidung. Ich habe damals für ein internationales IT-Unternehmen gearbeitet, wir mussten Personal abbauen – und ich war selbst betroffen. Spannend war: Mein damaliger Arbeitgeber hat mir zwar gekündigt, gleichzeitig aber deutlich gemacht, dass ich meine Aufgaben weiterführen solle – und mir also nahegelegt, mich selbstständig zu machen. Dazu hat mich das Unternehmen sogar bei der Bürogründung unterstützt. Also habe ich meine Leistungen mit dem Rückenwind meines Arbeitgebers auch anderen Unternehmen angeboten und konnte anderen Unternehmen in der Bewerbungsphase schon sagen: „Ich habe mich in der Zwischenzeit selbstständig gemacht.“ So sind meine ersten Kundinnen und Kunden vergleichsweise schnell und stabil zustande gekommen.

Wenn ich daraus ein Take-away ziehen soll: Es lohnt sich, offen für das zu bleiben, was das Leben einem anbietet – auch wenn es zunächst nach Verlust aussieht. Der Satz „Wo eine Tür zugeht, geht eine andere auf“ stimmt in meinem Fall zu 100 Prozent.

Welche Entscheidung würden Sie für sich als Wegweisendste bezeichnen oder auch die, aus der Sie am meisten gelernt haben? 

Ich glaube nicht an die eine, große, alles verändernde Entscheidung. Wegweisend war für mich vielmehr die Haltung dahinter: offen zu bleiben, ständig zu lernen und mir Vorbilder zu suchen, von denen ich wirklich etwas mitnehmen kann.

Das würde ich eher als einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess beschreiben, denn als einen einzigen Wendepunkt. Aus vielen kleinen Entscheidungen entsteht dann über die Jahre das, was einen später prägt – persönlich wie beruflich.

 Was war die größte Herausforderung, die Ihnen begegnet ist? 

Eine der größten Herausforderungen war die Zusammenarbeit mit einem Industrieunternehmen, das sich klar gegen Umweltauflagen positioniert hat und von uns erwartete, dies kommunikativ zu überdecken, also im Grunde Greenwashing zu betreiben.

Das ist immer auch eine finanzielle Frage: Sagt man so einen Auftrag ab, verzichtet man auf erhebliches Honorar. Aber für mich war sehr schnell klar, dass ich das nicht mit meiner Grundhaltung vereinbaren kann. Wir haben uns also dagegen entschieden.

Im Nachhinein zeigt sich: Wenn man solche Aufträge bewusst ablehnt, werden Kapazitäten frei – und diese werden erstaunlich schnell von Kunden gefüllt, die besser zu den eigenen Werten passen.

Womit beschäftigen Sie sich aktuell besonders intensiv?

Zum einen damit, den kontinuierlichen Verbesserungsprozess, den ich für mich persönlich lebe, auch in der Agentur konsequent abzubilden. Die Arbeitswelt ist komplexer geworden, die Anforderungen sind gestiegen – das lässt sich nur mit intelligenter technischer Unterstützung gut bewältigen.

Wir waren schon immer sehr technikaffin und haben Software genutzt, um unsere Arbeit zu unterstützen. Mit dem Einzug von KI ist das noch einmal intensiver geworden: Es geht darum, diese Tools sinnvoll in den Alltag zu integrieren. Ein Meilenstein ist dabei die Entwicklung von Althaller Assist, unserer eigenen KI-App, die wir auf den Markt gebracht haben. Die App unterstützt unseren Arbeitsalltag in allen Disziplinen der crossmedialen Kommunikation. Jetzt beobachten wir sehr genau, wie sie unsere Arbeit erleichtert, uns Zeit erspart und damit Freiräume für weitere Entwicklungen verschafft.

Wodurch erfahren Sie besondere Wertschätzung für Ihre Arbeit? 

Zum einen ganz klassisch durch unsere Kundinnen und Kunden, die ihre Anerkennung unserer Agenturleistung auch regelmäßig aussprechen. Zum anderen durch Fachmedien, die unsere Beiträge in der Regel genauso veröffentlichen, wie wir sie einreichen – ohne große Änderungen. Das ist eine besondere Form der Anerkennung für unsere inhaltliche und textliche Qualität.

Und sehr wichtig ist mir die Wertschätzung durch mein Team: Die hohe Motivation meiner Mitarbeitenden, ihre Loyalität und ihr Engagement empfinde ich persönlich als große Auszeichnung.

Welche Botschaft möchten Sie frisch gebackenen Unternehmerinnen oder Gründerinnen mitgeben? 

Wir erleben aktuell eher eine restriktive, reaktionäre Phase. So nehme ich es zumindest wahr. Es ist wieder schwieriger geworden, sich als Frau zu behaupten – die Gehaltsunterschiede sind beispielsweise nach wie vor signifikant.

Deshalb ist es umso wichtiger, Netzwerke zu nutzen und im Zweifel selbst welche zu gründen. Suchen Sie sich gute Mentorinnen und Mentoren, die bereit sind, Wissen zu teilen. Allein wird es unnötig schwer. Gute Sparringspartnerinnen und -partner machen einen enormen Unterschied.

Mit welchen wesentlichen Maßnahmen fördern Sie in Ihrem Unternehmen gezielt Female Empowerment und geben Ihren Mitarbeiterinnen Rückenwind? 

Zum einen, indem ich versuche, selbst Vorbild zu sein. Zum anderen durch eine sehr offene Kommunikation darüber, wo es schwierig wird, wo Unterschiede gemacht werden und wie man damit umgehen kann.

Wir sprechen im Team ausdrücklich über solche Situationen – nicht, um uns daran abzuarbeiten, sondern um Handlungsoptionen zu entwickeln. Rückenwind entsteht, wenn man Dinge beim Namen nennt und gemeinsam Strategien findet.

Von der Politik erwarte ich hinsichtlich einer stärkeren Unterstützung von Unternehmerinnen und der Entwicklung von Frauen in Unternehmen im Allgemeinen...

Natürlich kann eine Quote ein Baustein sein. Sie setzt zunächst einmal einen Rahmen, an den man sich gewöhnen muss und der viel diskutiert wird, aber sie ist zumindest ein Anfang.

Gleichzeitig erwarte ich persönlich weniger von der Politik als von der Selbstorganisation der Frauen. Männer sind nach wie vor deutlich besser organisiert – sei es in gesellschaftlichen Clubs wie Rotary oder Lions oder in Alumni-Netzwerken nach Schule und Studium.

Frauen sollten sich diese Strukturen viel stärker zu eigen machen, eigene Netzwerke aufbauen und konsequent pflegen. Da liegt ein großes, noch nicht gehobenes Potenzial.

Wie schaffen Sie einen Ausgleich zu Ihrem Arbeitsalltag?

Bei einer Tätigkeit, die überwiegend im Sitzen stattfindet, ist es extrem wichtig, einen Sport zu finden, der wirklich Spaß macht – und der ohne großen Aufwand erreichbar ist.

Nur dann gibt es keine Ausrede, es nicht zu tun. Mein Anspruch ist, mindestens zwei- bis dreimal pro Woche aktiv zu sein. Das ist nicht nur körperlich, sondern auch mental ein wichtiger Ausgleich.

Ein guter Tag beginnt für mich mit…

… meinem liebevollen Ehemann, der mir den Kaffee ans Bett bringt. Ich freue mich jeden Morgen darauf, ihn zu sehen. Das klingt vielleicht banal, ist aber für mich ein großer Glücksmoment und ein Stabilitätsanker im Alltag.

Wie bereiten Sie sich auf einen wichtigen Termin vor?

Am besten: rechtzeitig. Ich nehme mir bewusst Zeit, mir zu überlegen, welche Botschaft mein Gegenüber von mir erwartet und wie ich Interesse wecken kann.

Idealerweise bekommt die andere Seite in diesem Gespräch etwas, mit dem sie nicht gerechnet hat: eine Perspektive, eine Idee oder ein Impuls, der überrascht und inspiriert, mehr von mir und meinem Thema hören zu wollen.

Wer waren Ihre wichtigsten Begleiterinnen und Begleiter auf dem Weg in die Selbstständigkeit?

Für mich waren das vor allem Aufsichtsräte, Vorstandsvorsitzende und Geschäftsführer, die über viele Jahre hinweg eine Art Mentoring für mich übernommen haben.

Diese Menschen haben mir Einblicke ermöglicht, Türen geöffnet und mir ehrliches Feedback gegeben. Ohne diese persönlichen Förderer wäre mein Weg sicherlich anders und deutlich schwerer verlaufen.

Was begeistert Sie am meisten an Ihrem Beruf?

Ganz klar: die enorme Abwechslung und Bandbreite. Wir arbeiten fast ausschließlich an Themen, die in die Zukunft gerichtet sind. Das bedeutet eine regelmäßige Übersetzungsarbeit: von dem, was heute Standard ist, hin zu dem, was morgen möglich wird – und das branchenübergreifend.

Sehr reizvoll finde ich auch die crossmediale Perspektive: Wie baue ich eine Kommunikationsstrategie auf, die vielleicht mit klassischer Pressearbeit beginnt, gleichzeitig aber Thought Leadership für die C-Level-Ebene entwickelt? Wie binde ich unterschiedliche Stakeholder so ein, dass sie dranbleiben und die Unternehmensbotschaften kontinuierlich verfolgen – etwa über Social Media?

Diese Mischung aus strategischem Denken, inhaltlicher Tiefe und sichtbarer Wirkung macht meinen Beruf für mich nach all den Jahren immer noch ausgesprochen spannend.

Infos zur Person

Jacqueline Althaller

  • Jahrgang: 1964
  • Berufsabschluss: Magister Artium Kommunikationswissenschaft und Master of Philosophy, Magister Philosophie, Schwerpunkt: Ethik
  • Position: Geschäftsführerin
  • Selbstständig/Führungskraft seit 1992
  • Auf LinkedIn vernetzen: https://www.linkedin.com/in/jacqueline-althaller/

Infos zum Unternehmen

Althaller Communication Gesellschaft für Marktkommunikation mbH
https://althallercommunication.de/

  • Gründungsjahr: 1992
  • Branche: PR- und Kommunikationsagentur für B2B-Unternehmen
  • Firmensitz: München, Bayern
  • Anzahl der Mitarbeitenden: 0–10 Mitarbeitende

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