Jan Hawliczek

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Themen

Unternehmertum
18.09.2026

Jan Hawliczek

Der Co-Founder und Geschäftsführer von Die Grüne 3 GmbH im Interview für die Initiative „Der Junge Mittelstand“.

Autor: BVMW Bundeszentrale

Wie sind Sie dazu gekommen, Unternehmerin oder Unternehmer zu werden?

Als Kind einer klassischen Arbeiterfamilie war der Weg nicht vorgezeichnet. Mein Papa war auch noch 35 Jahre Betriebsrat, da war das noch weiter weg.

Ich habe aber nach dem Studium in einer Firma Fuß gefasst, die schon sehr stark darin war, Unternehmer:innenpersönlichkeiten zu formen. Man wurde sehr stark individuell gefordert und gefördert. So bin ich nebenberuflich über das „Mehr tun/wissen wollen“ in die Selbstständigkeit gerutscht. Erstmal 3 Jahre nebenberuflich und dann mit dem Sprung ins lauwarme Wasser der vollen Selbstständigkeit/Unternehmertätigkeit.

Wenn Sie in der Zeit zurückgehen könnten, würden Sie denselben Weg nochmal gehen? Oder würden Sie etwas anders machen?

Schwer zu sagen, da man ja dadurch auch wichtige Erfahrungen gemacht hat. Manchmal sind Fehler da, um gemacht zu werden. Und hätte mir vorher jemand gesagt, welche Hürden kommen, ich hätte es wahrscheinlich nicht nochmal gemacht. Alles ist schlussendlich so gekommen, wie es kommen musste.

Haben Sie im Gründungs- oder Übernahmeprozess in irgendeiner Form Unterstützung erhalten? Falls ja, welche Form der Unterstützung war besonders zentral?

Ich habe hier in Ingolstadt im Digitalen Gründerzentrum der Region Ingolstadt (brigk) gegründet und habe von den Angeboten und der Förderung (vergünstigte Fläche) profitiert. Hier waren die IHK, BayStartUp als auch die Wirtschaftsförderer der Stadt Ingolstadt und die THI wichtige Ansprechpartner:innen für mich.

Welche Entscheidung würden Sie für sich als Wegweisendste bezeichnen oder auch die, aus der Sie am meisten gelernt haben?

Die Entscheidung, damals viel Freizeit zu opfern und Zeit in Netzwerkaufbau, Akquise, Produkte etc. zu stecken, war wegweisend. Davon zehre ich auch heute noch.

Was war die größte Herausforderung, die Ihnen begegnet ist?

Das waren schon ein paar. Von internen Themen wie dem Wegfall wichtiger Kolleg:innen bis hin zu externen Einflüssen wie der momentanen wirtschaftlichen Lage. Eine ganz besondere Herausforderung kann ich da gar nicht hervorheben. Die nächste ist irgendwie immer die nächstgrößte.

Wie gelingt Ihnen der Spagat zwischen Beruf, Familie und Freizeit?

Der gelingt leider nicht immer. Manchmal muss ein Thema nach hinten gestellt werden. Meistens ist es die persönliche Freizeit, der Ausgleich, Sport oder Freunde. Ich kann mich momentan gut damit zufriedengeben, dass es so ist. Da mein Fokus auf der Familie und der Firma liegt. Ich weiß jedoch auch, dass das nicht die Dauerlösung ist.

Welche Unterstützung wünschen Sie sich für eine bessere Vereinbarkeit?

Manchmal sind es Kleinigkeiten in den Rahmenbedingungen. Wir haben zwei kleine Kinder (1 Jahr und 5 Jahre). Meine Frau und ich bilden das Gründer-Duo und sind deshalb beide für das Unternehmen als auch die Kinder da. Da muss alles passen, damit das „System“ funktioniert. Wenn ein Baustein mal wackelt, müssen wir schon umplanen. Beispielsweise . durch Kita-Schließtage, Krankheit, externe Termine und Co. Hier wäre mehr Unterstützung sicher hilfreich.

Wie stehen Sie zum Thema Jobsharing oder Tandem als Lösung für eine bessere Vereinbarkeit?

Genau darin leben wir seit 2020. Meine Frau und ich haben das Unternehmen (derzeit 11 Kolleg:innen) gemeinsam gegründet. Wir teilen uns zudem die Care-Arbeit unserer beiden Kinder (1 Jahr und 5 Jahre).

Womit beschäftigen Sie sich derzeit besonders intensiv?

Mit der Erschließung neuer Märkte und Branchen für unsere Dienstleistung. Das Thema KI und wie wir es  qualitativ hochwertig und auch nachhaltig in unsere Positionierung und Firmenkultur, in unser Team (durch Transparenz und Know-how), aber auch in unsere Dienstleistung bekommen.

Wodurch erfahren Sie besondere Wertschätzung für Ihre Arbeit?

Mich erfüllt es, wenn wir einen guten Job beim Kunden gemacht haben und dadurch auch meine Kolleg:innen glücklich und motiviert sind. Wenn ein Kunde sagt: „Wir hatten schon 5–6 Dienstleister im Einsatz, aber das war eine andere Liga“ und der/die Kolleg:in dann auch noch sagt: „Das Projekt hat richtig Bock gemacht und hat mich wieder weitergebracht“, das ist ein Traum.

Zudem freut es mich einfach jeden Tag, das gestalten zu können, was in meinem/unserem Kopf ist. Zu sehen, wie etwas umgesetzt wird und Realität wird, was man sich vorher gedacht hat, ist einfach extrem geil!

Welche Botschaft möchten Sie frisch gebackenen jungen Unternehmerinnen und Unternehmern mitgeben?

Machen ist wie wollen, nur krasser! Habt Mut, stellt euch vor, was möglich sein kann, und verfolgt dieses Zielbild. Und was ich über meine Frau gelernt habe: Habt eure Zahlen im Kopf und im Griff!

Mit welchen wesentlichen Maßnahmen fördern Sie in Ihrem Unternehmen gezielt junges Unternehmertum oder geben Young Professionals Rückenwind?

Durch Begleitung und Verantwortung. Wir versuchen, unseren jungen Kolleg:innen früh Verantwortung zu übergeben, diese aber auch gut zu begleiten. Durch gemeinsame Termine, Buddy-Systeme, digitalen Austausch und aber auch durch die eigene Zeit, die man in die Personen steckt. Gemeinsam an den Projekten zu arbeiten, Feedback zu geben und an die Hand zu nehmen.

Von der Politik erwarte ich hinsichtlich einer stärkeren Unterstützung von jungen Unternehmerinnen, Unternehmern und Young Professionals im Allgemeinen…

… Rahmenbedingungen für Wachstum für den Mittelstand zu schaffen. Nicht nur auf große Konzerne zu bauen, sondern bewusst auch kleine Unternehmen zu fördern. Das Ganze auf den Grundpfeilern unseres demokratischen Sozialsystems. Das hat uns doch schon immer stark gemacht.

Wer hat Sie am meisten inspiriert und warum?

Einerseits mein Papa, der als Betriebsrat 35 Jahre für die Interessen von Arbeitnehmer: innen als auch die Zukunft eines Unternehmens gekämpft hat. Das geht nämlich nur im Einklang.

Andererseits viele meiner ehemaligen Vorgesetzten und privaten Wegbegleiter (z. B. Jugendtrainer im Sport), die mich immer wieder gefördert und gefordert haben, die mich früh einfach „machen ließen“.

Nutzen Sie KI in Ihrem Unternehmen? Wenn ja, in welcher Form?

Ja, tatsächlich auch sehr intensiv. Wir haben in 2024/2025 noch sehr viel freigelassen und einfach ausprobiert, um dann in 2026 auch in die operative Umsetzung zu kommen. Wir haben nun mit Langdock auch ein gutes Produkt gefunden, das uns hilft, Teilprozesse zu automatisieren. Wichtig ist aber, der Mensch ist immer der, der den Gesamtprozess im Griff hat.

Wir automatisieren derzeit Teilprozesse, die vorher Zeitfresser waren, welche gut beschreibbar sind und gewissen Regeln und Standards folgen. Dazu haben wir zu diesen Prozessen meist eine sehr gute Datengrundlage und -struktur.

Warum ist ein starkes Netzwerk für Unternehmerinnen und Unternehmer besonders wichtig?

Netzwerk kann in so vielen Richtungen hilfreich sein: als Hilfe zur Selbsthilfe, indem man mit Gleichgesinnten spricht, als Innovationsförderer, wenn man Ideen mal laut ausspricht, als Vertriebsinstrument, wenn man empfohlen wird. Für mich persönlich ist Netzwerk der wichtigste Aspekt.

Was haben Sie von Ihrem Team gelernt?

Dass ich auch gern mal unangenehme Entscheidungen treffen muss und diese auch klar kommunizieren darf und kann. Darin bin ich auch immer noch nicht wirklich gut, aber es ist eben auch meine Rolle, dies zu tun.

Welchen Berufswunsch hatten Sie als Kind?

Klassiker: Fußballprofi

Aber ganz früh wollte ich auch Spengler und Polizist werden – alles drei ist es nicht geworden. Zumindest bin ich bei Berufswahl irgendwie geblieben und Recruiter und Unternehmer geworden.

Infos zur Person

Jan Hawliczek

Infos zum Unternehmen

Die Grüne 3 GmbH
https://diegruene3.com/

  • Gründungsjahr: 2018
  • Branche: Personalberatung/-dienstleistung, Erwachsenenbildung im HR
  • Firmensitz:  Ingolstadt, Bayern
  • Mitarbeitende:  11

 

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