Lorna Neuber

Lorna Neuber

Themen

Unternehmertum
18.08.2026

Lorna Neuber

Die Gründerin von ParvatiYoga im Interview für die Initiative „Starke Frauen – Starker Mittelstand“.

Autor: BVMW Bundeszentrale

Wie sind Sie dazu gekommen, Unternehmerin zu werden?

Ich kenne ausschließlich Kollegen, die nach Umwegen und Krisen zum Beruf Yoga gekommen sind. Bevor ich mich als ParvatiYoga selbstständig gemacht habe, habe ich 20 Jahre lang als Journalistin und PR-Managerin in unterschiedlichsten Unternehmen gearbeitet: bei multinationalen Finanzdienstleistern, bei privaten deutschen Medienunternehmen und der BBC, und bei kleinen eigentümergeführten Beraterfirmen. Mit dem Yoga-Üben hatte ich schon 1995 in London angefangen. Während meiner ersten Babypause 2005 habe ich dann eine Ausbildung zur Yogalehrerin gemacht, damit mir beim nur Stillen nicht die Decke auf den Kopf fällt. 

Ich habe seither immer wieder Leute getroffen, denen zu Yoga vor allem einfiel: „Dafür bin ich zu unbeweglich“ oder „das ist was für Frauen“. Yoga hatte mich damals schon von meinen Rheumamedikamenten befreit und mir viel mentale Stärke für den Alltag mit unseren zwei Töchtern gegeben, die im Abstand von 20 Monaten auf die Welt kamen. Ich wusste, Yoga hat eine Menge mehr zu bieten als indisches Stretching für bewegliche Frauen. Und so habe ich in der zweiten Babypause entschieden, mich ganz auf Yoga zu konzentrieren, um meine Erfahrungen in der Kommunikation auf ein Thema zu übertragen, an dem mir wirklich viel liegt.

Wenn Sie in der Zeit zurückgehen könnten, würden Sie denselben Weg nochmal gehen? Oder würden Sie etwas anders machen?

Ich habe sehr gern als Journalistin und im Marketing gearbeitet, schon weil ich dank meiner Positionen reisen und lange in London leben konnte. Auch auf die Arbeitserfahrung in Unternehmen mit unterschiedlicher Größe und Kultur schaue ich gern zurück. All das gibt mir einen offenen Blick auf meine Klienten.

Wenn ich etwas anders machen könnte, würde ich wahrscheinlich gleich beim Umschwung eine fundiertere Ausbildung machen. Meine erste Ausbildung umfasste nur 200 Stunden, umgerechnet auf eine 40-Stunden-Woche also nur fünf Wochen. Damit würde man wahrscheinlich kaum einen Azubi auf den Kunden loslassen. Aber in der Branche ist diese Länge oft der Standard. Im Rückblick hätte ich gleich eine tiefer gehende Ausbildung wählen können statt erst zwei Jahre später. 

Welche Entscheidung würden Sie für sich als wegweisendste bezeichnen oder auch die, aus der Sie am meisten gelernt haben?

Unternehmerinnen brauchen ein unerschütterliches Vertrauen, auf dem richtigen Weg zu sein. Mir wurde irgendwann klar, dass ich meine Ideen nur selbstverantwortlich verwirklichen kann. Aber für sowas brauchst du einen langen Atem. Wer den nicht mobilisieren kann, ist als Angestellte besser aufgehoben.

Was war die größte Herausforderung, die Ihnen begegnet ist?

Eigene Räume zu eröffnen. Nach zwanzig Jahren, in denen ich Studios stundenweise gemietet habe, habe ich 2025 endlich eigene Räume eröffnet, weil ich nur unter eigener Leitung tatsächlich das Angebot machen kann, das mir wichtig ist. Der Umbau, die Organisation, alles hat dreimal so lange gedauert wie gedacht. Das ist ein Marathon, kein Sprint. Aber als ich die Türen zum ersten Mal öffnete, fühlte sich das schon wie ein kleines Wunder an.

Womit beschäftigen Sie sich derzeit besonders intensiv?

Ich arbeite an Programmen für Menschen ab Mitte 40. Spätestens in diesem Alter schleicht sich Muskelabbau ein. Yoga zielt traditionell auf Beweglichkeit. Die ist wichtig, aber entscheidend ist Kraft. Ich habe schon immer viel Wert auf Kraft beim Unterrichten gelegt und habe begonnen, Gewichte ins Programm zu bringen. 

Außerdem baue ich Einzelstunden aus. Yoga muss keine Gruppenaktivität sein. Menschen mit Bewegungseinschränkungen oder nach Krankheiten profitieren enorm von Yoga, brauchen aber personalisierte Betreuung. Es gibt inzwischen zahlreiche große Studien, die zeigen, wie Yoga die Nebenwirkungen von Krebsbehandlungen lindern kann. Viele Onkologen wissen das noch nicht oder sind skeptisch wegen esoterischer Behauptungen. Ich mache klare, seriöse Angebote, die wissenschaftlich belegt sind und Ärztinnen und Ärzte überzeugen können. In einem Markt voller Versprechen setze ich auf Substanz. 

Wodurch erfahren Sie besondere Wertschätzung für Ihre Arbeit?

Am liebsten mag ich das direkte Feedback nach einer Stunde. Meine Teilnehmerinnen und Teilnehmer müssen gar nichts sagen. Ich schaue in ihre Gesichter und sehe Entspannung. Das ist unbezahlbar. Wenn jemand berichtet, dass Schmerzen verschwinden, dass er oder sie endlich gut schläft und mehr Energie hat, dann weiß ich, wofür ich das mache.

Welche Botschaft möchten Sie frisch gebackenen Unternehmerinnen oder Gründerinnen mitgeben?

Fangt an. Ihr müsst nicht alles perfekt durchgeplant haben, ehe ihr losgeht. Augen auf und durch! Und holt euch Hilfe für Dinge, die nicht zu euren Kernkompetenzen gehören. Als Solopreneurin kannst du nicht alles gleich gut. Investiert in Profis zur Unterstützung, sobald ihr es euch leisten könnt. Das spart Frust und Zeit. Konzentriert euch auf euer Produkt und auf eure Kunden. Aufgaben wie Webdesign, Buchung, Buchhaltung können oft andere (oder Software) besser erledigen. 

Von der Politik erwarte ich hinsichtlich einer stärkeren Unterstützung von Unternehmerinnen und der Entwicklung von Frauen in Unternehmen im Allgemeinen...

… bessere Bedingungen für Selbstständige aller Geschlechter. Selbstständige werden viel zu oft von Gesetzgebung und Verwaltung übersehen. Der Staat behandelt die Angestellten als Normalfall. Das macht die Entscheidung für die Selbstständigkeit unnötig schwer und behindert volkswirtschaftlich neue Entwicklungen und Geschäftsideen.  

Womit schaffen Sie in Ihrer Freizeit einen Ausgleich zu Ihrem Arbeitsalltag?

Ich gärtnere auf meinem Balkon und in meinem Wintergarten und mache mit meinem Mann Radtouren und lange Spaziergänge.

Ein guter Tag beginnt für mich… 

... mit einem gemütlichen Frühstück mit meinem Mann. 

Wie bereiten Sie sich auf einen wichtigen Termin vor?

Tief atmen. Rechtzeitig aufbrechen. Alle Unterlagen bereithalten. Zwei Kugelschreiber und viel Notizpapier einstecken. Und beim Termin: zuhören. Es ist immer erstaunlich, wie viel weiter man kommt, wenn man mehr zuhört als zutextet. 

Wer war Ihre wichtigste Begleitung auf dem Weg in die Selbstständigkeit?

Mein (hier schon mehrfach erwähnter) Mann, der trotz diverser eigener Abendtermine unsere Töchter betreut hat, während ich unterrichtet habe.

Warum ist ein starkes Netzwerk für Unternehmerinnen besonders wichtig?

Vor allem für Solopreneure ist ein Netzwerk unverzichtbar für all die Fragen, die man allein nicht lösen kann. Im Netzwerk triffst du unabhängige Sparringspartner, die selbst Unternehmer sind. Das bringt viel mehr, als sich mit gleichgesinnten Freunden auszutauschen. 

Wie stehen Sie zum Thema Gendern? 

Ich finde, wir verlieren uns in Überverwaltung und verstellen uns so den Blick darauf, wie wir den Anschluss ans 21. Jahrhundert schaffen. Mir wäre es lieber, wir würden zuerst unsere drängenden wirtschaftlichen Probleme lösen. Dafür brauchen wir Freiwillige jeden Geschlechts. Danach können wir die Sprache ordnen. Hoffentlich so, dass sich jeder mitgenommen fühlt, es aber auch aussprechbar bleibt.

Infos zur Person

Lorna Neuber

Infos zum Unternehmen

ParvatiYoga

https://parvatiyoga.de/ 

  • Gründungsjahr: 2005
  • Branche: Yogastudio
  • Firmensitz: Berlin 
  • Mitarbeitende: Einzelunternehmerin

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