Ein Rückblick
PatrickPoendl | Canva
Breites Bündnis mittelständischer Verbände fordert stärkere Einbindung des Mittelstands in wirtschaftspolitische Spitzengespräche
Mit deutlicher Kritik reagieren elf mittelständisch geprägte Wirtschafts- und Branchenverbände auf den für den 10. Juni 2026 geplanten Sozialpartnerdialog der Bundesregierung im Bundeskanzleramt. In einer gemeinsamen Stellungnahme warnen die Verbände davor, zentrale Teile der deutschen Wirtschaft bei wichtigen wirtschafts- und arbeitsmarktpolitischen Debatten erneut außen vor zu lassen.
„Deutschland braucht gerade jetzt einen offenen und realitätsnahen Wirtschaftsdialog“, heißt es in dem Papier. Angesichts anhaltender wirtschaftlicher Stagnation, schwacher Investitionstätigkeit und wachsender Verunsicherung vieler Betriebe sei es nicht nachvollziehbar, wirtschaftspolitische Spitzengespräche zu führen, ohne Vertreter der mittelständischen Wirtschaft angemessen einzubinden.
Die Verbände betonen ausdrücklich die Bedeutung der Sozialpartnerschaft zwischen Gewerkschaften und tarifgebundenen Arbeitgeberverbänden. Gleichzeitig verweisen sie darauf, dass diese Formate die wirtschaftliche Realität Deutschlands längst nicht mehr vollständig abbilden. Familienunternehmen, Dienstleister, Digitalunternehmen, Selbstständige sowie zahlreiche innovative Wachstumsunternehmen fänden in klassischen sozialpartnerschaftlichen Dialogstrukturen bislang kaum Berücksichtigung.
Nach Auffassung der Verbände ist dies insbesondere deshalb problematisch, weil mittelständische Unternehmen den Kern der deutschen Wirtschaft bilden. Während 99 Prozent aller Unternehmen in Deutschland dem Mittelstand zuzurechnen sind, arbeitet rund drei Viertel der Erwerbstätigen in mittelständischen Betrieben. Wer über die Zukunft des Wirtschaftsstandorts Deutschland spreche, dürfe die größte und beschäftigungsstärkste Unternehmensgruppe des Landes nicht an den Rand stellen.
Zugleich erinnern die Verbände daran, dass zahlreiche zentrale Reformvorhaben für den Mittelstand bislang nicht konsequent umgesetzt wurden. Dazu zählen unter anderem eine Entlastung bei der Einkommensteuer, ein spürbarer Bürokratieabbau, wettbewerbsfähige Energiepreise, mehr Flexibilität im Arbeitszeitrecht, die Modernisierung des Statusfeststellungsverfahrens, schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren, Reformen der Sozialversicherungssysteme sowie eine mittelstandsfreundliche Digital- und Verwaltungspolitik.
„Die wirtschaftliche Realität vieler Betriebe ist geprägt von steigenden Arbeitskosten, höheren Sozialabgaben, überbordender Regulierung, Fachkräftemangel und einer zunehmenden Investitionszurückhaltung. Umso wichtiger wäre ein breiter angelegter Mittelstands- und Wirtschaftsdialog, der die Vielfalt der modernen Wirtschaftsstruktur Deutschlands tatsächlich abbildet“, erklären die Verbände.
Die gemeinsame Stellungnahme wird getragen von Mitgliedsverbänden der Mittelstandsallianz, darunter der Bundesverband IT-Mittelstand (BITMi), der Bundesverband Breitbandkommunikation (BREKO), der Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer (BDÜ), der Bundesverband Feuerverzinken sowie weitere mittelständische Branchenorganisationen.