Tourismus Positionspapier des BVMW

10 Tourismuspolitische Forderungen des Mittelstands zur Bundestagswahl 2021 an die Politik. Es muss was geschehen - man kann und darf die Tourismus- und Veranstaltungsbranche nicht alleine lassen!

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10 TOURISMUSPOLITISCHE FORDERUNGEN DES MITTELSTANDS ZUR BUNDESTAGWAHL 2021

Nachfolgend im Kurzüberblick und nur auszugsweise die BVMW Forderungen für eine langfristige politische Strategie für die Tourismusbranche. Das gesamte Positionspapier inkl. unserer Forderungen aber auch konstruktiven Vorschläge können Sie nachlesen unter: 

https://www.bvmw.de/fileadmin/03-Themen/Tourismus/Dateien/10_tourismuspolitische_Forderungen-1.pdf 

Auszüge: 

Die Corona-Pandemie zeigt ein weiteres Mal die Diskrepanz zwischen der wirtschaftlichen Bedeutung der Tourismusbranche und der vergleichsweisen geringen Beachtung seitens der Bundespolitik.

Obwohl der touristische Gesamtkonsum in Deutschland sich im Jahr 2015 auf 287,2 Milliarden Euro belief (der Konsum von deutschen Touristen im Ausland ist hier noch nicht miteinberechnet) und die Tourismuswirtschaft über vier Prozent zur gesamten Bruttowertschöpfung beiträgt, fand der Tourismussektor gerade in der Bundespolitik auch in dieser Legislaturperiode wenig Aufmerksamkeit.

Im Zeichen der Corona-Pandemie und im Blick auf die zukünftigen Herausforderungen der Branche im Zuge der Digitalisierung, des Fachkräftemangels sowie auch des Klimawandels, braucht es in der nächsten Legislaturperiode konkrete Maßnahmen, die die Wettbewerbsfähigkeit des Tourismusstandorts Deutschland stärken.

1. Steuerliche Fairness einführen:

Aufgrund der zweithöchsten steuerlichen Belastung im Vergleich zu allen OECD-Staaten2 haben deutsche KMU international einen Wettbewerbsnachteil. Neue oder höhere Abgaben sollten prinzipiell nur eingeführt werden, wenn transparent ist, wofür die Mehreinnahmen verwendet werden. Ungeachtet der ohnehin sehr hohen Steuersätze sind Teile der deutschen Tourismuswirtschaft durch die nicht nachvollziehbare Differenzierung innerhalb der Umsatzsteuer benachteiligt.

2. Fachkräftemangel bekämpfen:

Der seit Jahren bestehende Fachkräftemangel in der Tourismuswirtschaft hat sich durch die Corona-Pandemie nochmals deutlich verschärft. Mit der Wiederöffnung von Gastronomie- und Veranstaltungsbranche aufgrund niedriger Inzidenzwerte hat sich gezeigt, dass viele Unternehmen nicht mehr über das nötige Personal hierfür verfügen.

3. Tourismusförderung aufstocken:

Zur Überwindung der negativen Auswirkungen der Corona-Pandemie fordern wir einen Aufbaufond für die Tourismusbranche bis 2023. Um den Tourismus in Deutschland jedoch langfristig zu stärken, benötigt es zusätzliche Maßnahmen, wie vermehrte Direktinvestitionen und staatliche Förderung.

4. Jahresarbeitszeitkonten einführen:

Das Wohl der Gäste muss höchste Priorität haben, stets unter Berücksichtigung von adäquaten Arbeitsbedingungen. Die gesamte Touristik benötigt deshalb Flexibilität und somit Jahresarbeitszeitkonten. Es sollte Alltag bleiben, dass ein Restaurant eine Stunde länger geöffnet bleibt, um Gäste zu bewirten oder ein touristisches Callcenter jederzeit besetzt ist. Touristische Systeme müssen 24 Stunden an 365 Tagen im Jahr verfügbar sein.

5. Attraktivität der Branche stärken:

Es ist unabdingbar, dass das Image und die Attraktivität der Branche für Arbeitnehmer schnellstmöglich verbessert werden müssen. Gemeinsames Ziel von Wirtschaft und Politik muss es sein, einer grundsätzlich negativen Haltung gegenüber einer beruflichen Laufbahn im Tourismus entgegenzuwirken.

6. Klimaneutrales Reisen fördern:

Der Klimawandel ist ebenso wie Tourismus ein globales Produkt. Um ökologische und ökonomische Ziele auch in Zukunft vereinbaren zu können, muss sich die (globale) Gesellschaft verpflichten, Klimaziele einzuhalten. Dazu zählt auch, dass bei neuen Auflagen und Gesetzen im Sinne des Klimaschutzes gedacht werden muss. Außerdem müssen finanzielle Mittel, welche durch Maßnahmen im Sinne des Klimaschutzes eingenommen werden (zum Beispiel die Luftverkehrssteuer), auch der Forschung und Förderung von Klimaschutzmaßnahmen zugutekommen. Für kleine und mittelständische Unternehmen müssen zudem Anreize geschaffen werden, die eigenen Geschäftsmodelle umweltfreundlicher auszurichten. Wir fordern finanzielle Unterstützung und Fördermittel für Umweltschutzmaßnahmen für KMU in der Tourismuswirtschaft.

7. Infrastruktur nachhaltig verbessern:

Eine Lösung, den Herausforderungen des Klimawandels tourismuspolitisch zu begegnen, ist eine verbesserte nachhaltige Infrastruktur. Reisende könnten den bundesweiten CO2 -Ausstoß reduzieren, wenn nachhaltige Mobilitätskonzepte, also insbesondere Schienenverkehr und öffentlicher Nahverkehr, finanziell und zeitlich begünstigt werden. In diesem Zusammenhang muss bei der Verkehrswende der öffentliche Nahverkehr optimiert und vor allem das Schienennetz ausgebaut und modernisiert werden.

8. Vorausschauende, langfristige und einheitliche Planung:

Auslandsreisen sind weiterhin von Unsicherheiten geprägt, deshalb müssen einheitliche Planungen für den Auslandstourismus vorgelegt werden. Das gemeinsame Vorgehen vieler europäischer Länder ist ein wichtiger erster Schritt. Doch trotz eines gemeinsamen Nenners handhaben viele europäische Länder die Einreise weiterhin unterschiedlich. Die zusätzlichen unterschiedlichen Vorschriften zur Einreise sind kontraproduktiv. Um den Auslandstourismus nachhaltig zu stärken, sollte der verantwortungsbewusste Umgang der Unternehmen und Reisenden mit der pandemischen Lage anerkannt werden.

9. Nachhaltigen Tourismus ins Zentrum stellen:

Die Tourismuswirtschaft braucht langfristige Perspektiven, um den Tourismusstandort Deutschland zu stärken und zu sichern. Der Begriff beschränkt sich ausdrücklich nicht nur auf ökologische Nachhaltigkeit, sondern beschreibt die Kombination aus sozialen, kulturellen, ökologischen und wirtschaftlichen Verträglichkeitskriterien. Ziel ist, dass ein nachhaltiger Tourismus langfristig, d.h. in Bezug auf heutige wie auf zukünftige Generationen, ethisch und sozial gerecht und kulturell angepasst, ökologisch tragfähig sowie wirtschaftlich sinnvoll und ergiebig sein sollte.

10. Weitere Hilfen für die Branche sicherstellen:

Trotz der schrittweisen Öffnung der Tourismuswirtschaft können die mittelständischen Unternehmen nicht mit ausreichender Sicherheit planen. Es müssen weitere Hilfen für die Branche sichergestellt werden. Nur so kann bei einem nochmaligen Einbruch Personal gehalten werden, das zum Neustart der Branche benötigt wird. Angestellte, Auszubildende und duale Studenten brauchen jetzt sichere und langfristig stabile Arbeitsplätze.

Quelle der Auszüge:

Positionspapier BVMW "10 TOURISMUSPOLITISCHE FORDERUNGEN DES MITTELSTANDS ZUR BUNDESTAGWAHL 2021"