Veränderung ist Gefahr

Mal ehrlich: Wie viele Arbeitnehmer sehen Veränderung als Chance, wie viele als Gefahr? Unternehmer, die sich für die Zukunft richtig aufstellen müssen, sind einem ständigen Wandel unterworfen. In Zeiten von Fachkräftemangel wird es daher immer wicht...

Das Team von KeHa-Consulting (v.I.) Hanna Seifert, Nadia Kobeissi und Kerstin Hawraneck. Foto: ags - Alexander Grosse-Strangmann

Mal ehrlich: Wie viele Arbeitnehmer sehen Veränderung als Chance, wie viele als Gefahr? Unternehmer, die sich für die Zukunft richtig aufstellen müssen, sind einem ständigen Wandel unterworfen. In Zeiten von Fachkräftemangel wird es daher immer wichtiger die Mitarbeiter mitzunehmen auf den Weg in die Digitalisierung, Robotik oder was auch immer ansteht. Kündigung oder auch innere Kündigung können wir da nicht gebrauchen. Was hilft?

Die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung am Arbeitsplatz habe auch ich als sperriges Instrument gesehen. Schon wieder eine Vorschrift und Kosten! Dabei handelt es sich bei der GpB um eine Chance gesunde Arbeitsstrukturen zu schaffen, für zufriedene und gesunde Mitarbeiter, die dem Unternehmen lange erhalten bleiben. Die psychische Gefährdungsbeurteilung ist Teil des BGM (Betrieblichen Gesundheitsmanagements) und damit ein nachhaltiger Mehrwert für Unternehmen.

Ich wurde eines besseren belehrt, durch mein Neumitglied Kerstin Hawraneck, die dieses Instrument einsetzt zum Arbeitsschutz, als Analysetool, um Unbehagen in der Belegschaft aufzuspüren und geeignete Maßnahmen abzuleiten. Erhalten Sie einen persönlichen Eindruck im Video, mehr Informationen im Interview und melden Sie sich an für unsere Veranstaltung im September zum Thema. Mehr demnächst unter  www.hameln.bvmw.de

Interview mit Kerstin Hawraneck - Geschäftsführerin KeHa-Consulting

ES: Kerstin, wir haben auf dem Arbeitgeberforum viel gehört zum Arbeitsschutz und der Fachkräftemangel ist allgegenwärtig. Erklär mir, wie dein Angebot an den Mittelstand da helfen kann?

K.H.: Mein Angebot um Fachkräftemängel, den Krankenstand und Fluktuation zu reduzieren, umfasst als Steckenpferd die psychische Gefährdungsbeurteilung. Dabei wird nicht die psychische Verfassung einzelner Mitarbeiter beurteilt, sondern die Arbeitssituation auf mögliche Faktoren, die zu negativen Beanspruchungsfolgen bei den Beschäftigten führen können, untersucht. Kurz und knapp kann man sagen, dass ich helfe, gesunde Arbeitsstrukturen zu schaffen, um Mitarbeiter und Unternehmen gesund zu halten.

E.S.: Arbeitsschutz goes digital – was ist damit gemeint? Um die junge Zielgruppe zu erreichen und zu binden?

K.H.: Die Arbeitswelt wird mit ständigen Veränderungsprozessen konfrontiert, allen voran die Digitalisierung. Wir arbeiten heute vernetzter, flexibler, internationaler und automatisierter. Gerade junge Menschen lege viel Wert auf die Vereinbarung von Familie und Beruf und eine ausgewogene Work-Life Balance. Die Digitalisierung der Arbeit ist daher besonders attraktiv für diese Zielgruppe.

E.S.: Inwiefern hängt Arbeitsschutz goes digital mit der GpB zusammen?

K.H.: Die Anforderungen an Mitarbeiter durch die Digitalisierung können zum Beispiel durch den Druck rund um die Uhr über Handy und E-Mail erreichbar zu sein steigen. Diese „Dauer-Verfügbarkeit“ kann Stress erhöhen und Erholungsphasen verkürzen. Die Digitalisierung bietet ganz klar Chancen, kann aber auch gesundheitliche Risiken und negative Beanspruchungsfolgen mit sich bringen. Zum Beispiel können Ängste vor Arbeitsplatzverlust durch den Einsatz von Robotik aufkommen. Deshalb ist es besonders wichtig, die Mitarbeiter mitzunehmen und ihnen die Vorteile der Automatisierung für sie selbst näherzubringen. Denn die Robotik soll die menschliche Arbeitskraft nicht ersetzen, sondern mit ihr kollaborieren. D.h. dem Menschen werden u.a. monotone Arbeitsschritte abgenommen, den Rest macht er weiterhin selbst. Dadurch werden die Arbeitsbedingungen verbessert, die Gefahr möglicher negativer Beanspruchungsfolgen reduziert und somit die Gesundheit der Mitarbeiter gefördert.

E.S.: Welche Anforderungen werden an moderne Arbeitsbedingungen gestellt?

K.H.: Das Schlagwort „New Work“ verdeutlicht, dass wir bei der Industrie 4.0 auf neuartige Belastungsbereiche in der Arbeitswelt treffen. Digitalisierung und Mensch-Roboter-Interaktion sind die einen Punkte, aber auch die Überwachung der Arbeitsleistung kann Mitarbeiter in eine besondere Stresssituation bringen, die einen Burn-Out fördern kann. Die Betonung liegt hier immer auf dem Wort KANN. D.h. wir müssen neben den negativen Beanspruchungsfolgen auch besonders die Ressourcen der Mitarbeiter und der zunehmenden Technisierung identifizieren. Die GpB bietet hier die Chance durch die Analyse der Arbeitsplätze individuelle, betriebsspezifische Maßnahmen abzuleiten, die allen gerecht werden: Den Unternehmern und ihren Mitarbeitern.

E.S.: Das Stichwort „New Work“ ist gerade gefallen. Wie sieht das mit „Old Work“ aus. Werden die älteren Mitarbeiter auch noch mitgenommen? Besonders im Hinblick auf den demographischen Wandel.

K.H.: Selbstverständlich müssen auch die älteren Mitarbeiter mitgenommen werden. Der demografische Wandel wirkt sich auf die Altersstruktur der Beschäftigten aus, d.h. es wird immer mehr ältere Mitarbeiter und weniger junge Nachwuchskräfte geben. Deshalb ist es besonders wichtig, die Älteren im Betrieb möglichst lange gesund und leistungsfähig zu halten. Oft ist diese Generation mit Vorurteilen konfrontiert, weniger offen gegenüber neuen Arbeitsprozessen und stressanfälliger zu sein. Die psychische Gefährdungsbeurteilung ist ein entscheidender Faktor, für eine konfliktarme und gesundheitsfördernde Arbeitssituation für alle Altersklassen der Beschäftigten.

Für den Erfolg eines Unternehmens ist es eine gute Strategie, die Erfahrungen der älteren Mitarbeiter mit dem Wissen der jüngeren Generation zu kombinieren.

E.S.: Welche Vorteile bietet es Unternehmen, neben der Erfüllung der gesetzlichen Pflicht, die GpB im Hinblick auf die Digitalisierung durchzuführen?

K.H.: Die GpB bietet die Möglichkeit, den aktuellen Grad der psychischen Belastungsfaktoren zu überprüfen und damit festzustellen, inwieweit und in welcher Geschwindigkeit Neuerungen am Arbeitsplatz zum aktuellen Zeitpunkt eingeführt werden sollten, um die Mitarbeiter keiner Fehlbeanspruchung auszusetzen. Damit kann sichergestellt werden, dass sie positive Lernerfahrungen machen können.

Die Erfassung von Belastungen, gemäß der von der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie (GDA) definierten Merkmalsbereiche“ kann also dabei helfen, New Work schrittweise in das Unternehmen zu integrieren. Die daraus abgeleiteten Maßnahmen können Beispielsweise Diskussionsworkshops sein, in denen die Mitarbeiter u.a. für Neuerungen sensibilisiert werden.

E.S.: Thema Datenschutz – sind die Mitarbeiter da abgesichert?

K.H.: Ja, selbstverständlich. Die Befragungen finden anonym statt und es werden keine persönlichen Daten der Mitarbeiter dokumentiert. Es braucht also kein Mitarbeiter die Befürchtung zuhaben, dass die Teilnahme an der GpB negative Auswirkungen für ihn oder sie haben könnte.

E.S.: Wie können Firmen euch kontaktieren und ist der erste Kontakt unverbindlich?

K.H.: Der Erstkontakt ist selbstverständlich kostenlos. Auf unserer Webseite www.keha-consulting.de kann man sich über uns informieren und Kontakt zu uns aufnehmen. Natürlich sind wir auch in den sozialen Netzwerken vertreten, auf Facebook findet man uns auch.

E.S.: Danke Kerstin, ich freue mich dich als neues Mitglied im BVMW willkommen zu heißen.

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