Jutta Janda, SPD (Video Interview)

Jutta Janda stand uns am 12.1.2021 für ein Video Interview zur Verfügung.

Wir danken für ihre Zeit und ihren Dialog mit dem Mittelstand.

Weitere Infos auf der Website Jutta Janda und SPD Friedrichsdorf.

 

Das ist der LINK zum Video auf YouTube.

 

(Hinweis: Die Internetverbindung hakte zwischendurch etwas. Darum mussten wir etwas schneiden. Wir bitten um Verständnis.)

 

Frage 1: Warum sind sie in die Politik gegangen? Warum kandidieren Sie?


Ich bin die ersten Jahre bei meinen Großeltern aufgewachsen. Mein Großvater war überzeugter Sozialdemokrat, er war im Krieg krank geworden und hatte sich nie mehr davon erholt. Die Wohnung war winzig, Toilette auf dem Flur und eine Dachkammer. Mit den Jahren habe ich erkannt, wie viel eigentlich meine Großeltern unter diesen Umständen für mich getan haben. Soziale Verhältnisse bzw. Missverhältnisse, Einkommensschere, damit verbundene oder auch nicht verbundene politische Bewegungen, das politische System, in dem wir leben, Soziale Marktwirtschaft und Solidargemeinschaft, das hat mich schon als Jugendliche sehr interessiert und bewegt. Mit 24 bin ich das erste Mal in die SPD, dann bin ich ins Ausland gegangen. Nach meinem Umzug nach Friedrichsdorf bin ich wieder in die SPD eingetreten. 
Ich kandidiere als Bürgermeisterin für Friedrichsdorf, weil es an der Zeit für einen Wechsel ist. 
•    Ich bin überzeugt, dass ich mit meinen beruflichen und persönlichen Erfahrungen und meinem Wissen eine sehr gute Bürgermeisterin wäre. 
•    Ich bin im richtigen Alter. 
•    Und Frauen führen anders… empathischer, freundlicher, lösungsorientierter; da geht es nicht darum, die richtigen Ecken zu markieren. 

 

Frage 2: Was haben Sie vorher gemacht? Was machen Sie beruflich?


Ich habe in Bonn nach dem Realschul-Besuch eine Ausbildung zur Anwaltsgehilfin gemacht, dann als kaufm. Angestellte und Direktionssekretärin in einer Bank gearbeitet. Dann lernte ich meinen ersten Mann kennen, einen Dänen, und ging mit ihm für mehrere Jahre ins Ausland (Skandinavien, USA). Mein Mann war Architekt und hat Bauprojekte betreut. Nach dem Scheitern der Ehe ging ich zurück nach Deutschland und habe noch einmal angefangen, in dem ich das Abendgymnasium besucht habe. Dort dürfte ich auch mich für die Studierenden als Studierenden-sprecherin einsetzen. Direkt im Anschluss habe ich Wirtschaft mit Schwerpunkt Controlling und Unternehmenskommunikation studiert. Nach einer Leitungsfunktion im Berufsförderungswerk Frankfurt führe ich seit 12 Jahren eine Art ProfitCenter, das über wirtschaftlichen Erfolg gesteuert wird. In diesem Bereich mache ich alles vom Marketing, über Kursleitung bei Themen wie Personal-management oder Kosten- und Leistungsrechnung, Kundenakquise, Verwaltung, Vorbereitung von Zertifizierungen, Qualitätsmanagement bis hin zur Umsetzung von Lehrplänen. 

 

Frage 3: Welche drei Punkte sind Ihnen mit Ihrer Kandidatur besonders wichtig?

Natürlich habe ich ein Wahlprogramm. Allerdings ist die Position des Bürgermeisters nicht unbedingt abhängig von einem Wahlprogramm. Wichtig ist für mich zum Beispiel, dass wir einen soliden Haushalt haben, Das schaffen wir auch, in dem wir die ansässige Wirtschaft, das Gewerbe fördern und noch mehr Interessierte Branchen sich bei uns ansiedeln. Aktuell sehe ich eine Tendenz zum Thema Medizintechnologie/Pharma. Ich könnte mir gut vorstellen, weitere Unternehmen aus dieser Branche für den Standort Friedrichsdorf zu begeistern. 
Für mich persönlich ist besonders wichtig, dass wir gemeinsam mit den Mitarbeiter:innen der Stadtverwaltung unsere Verwaltung modernisieren, Das beginnt bei der Digitalisierung von Abläufen, damit wir serviceorientierter werden, Kundenorientierter. Optimiertierte Verwaltungsabläufe und Personalförderung, um nur einen Teil zu nennen. 
Der Wohnungsbau ist ein großes Thema. In Hessen brauchen wir bis 2040 367.000 Wohnungen in den Ballungsräumen und hier vor allem Kassel und Ff. Wir gehören zu diesem Speckgürtel. 
Zukünftige Bauvorhaben sollten wir in eigener Hand managen, damit wir nicht mehr von Investoren abhängig sind. Den Stadtwerke-Bereich ausbauen, um selbst bauen zu können. 
Und ich würde gerne die Erstellung eines ökologischen Kriterienkatalogs für Bau und Renovierung in Friedichsdorf in diesem Zusammenhang initiieren. Klimaschutz ist nicht nur der ganz große Wurf, sondern der beginnt direkt vor unserer Haustür. Genauso wie der Klimaschaden. Meine Vision für Friedrichsdorf ist Klimaneutralität. Aber wir müssen die Bürgerinnen und Bürger dabei mitnehmen. 
Und im Zusammenhang mit dem Wohnungsbau sehe ich auch das Generationenthema. Aktive Teilhabe an unserer Gemeinschaft muss unbedingt gefördert werden.
Aus persönlicher Erfahrung weiß ich, wie viele neue Themen auf einen Menschen zukommen, wenn er älter wird, pflegebedürftig oder nicht mehr ganz so fit ist oder welche neuen Themen als Angehöriger möglicherweise auf mich zukommen. Ich habe immer wieder von Friedrichsdorfern gehört, dass sie ein Haus besitzen, aber unbedingt eine barrierefreie Wohnung haben müssen. Ich möchte nicht nur eine Sozialraum-Quote in Frddorf für Neubauten, sondern auch eine Quote für barrierefreien Wohnungsbau. 
Wir sind gerade bei der Vorbereitung eines Projekts für teilambulante Versorgung für demenzkranke Menschen. 

 

4. Worin unterscheiden Sie sich von ihren anderen politischen Alternativen?


Das eine oder andere Thema gibt es auch in anderen Wahlprogrammen, aber ich habe eine andere Herangehensweise. Ich bin ausgesprochen lösungsorientiert und mache mich auf den Weg, wenn andere noch darüber nachdenken. Zum Beispiel haben wir schon ein Projekt für die teilambulante Versorgung angedacht und sind hier bereits im Gespräch mit einem möglichen Träger. 
Ich habe Kontakt mit der IG Metall und Hernn Homberg aufgenommen bezüglich Valeo und dem möglichen Verlust von Arbeitsplätzen in diesem Unternehmen. 

 

5. Was wird es mit Ihnen nicht geben?


Da ist die Bandbreite unter Umständen doch recht gross….Faschistische Propaganda, um ganz unten anzufangen. Es wird sicherlich keine verschlossenen Türen geben! Beteiligung in jeglicher Form ist wichtig. Kommunikation mit und für die Bürgerinnen und Bürger. 

 

6. Woran werden die Menschen nach ihrer Amtszeit spüren, dass sie mit Ihnen die richtige Wahl getroffen haben?


•    Ausbau der Mobilitätsmöglichkeiten – Ausbau von öffentlichen Verkehrsmitteln, alternative Mobilität wie Leihstationen für E-Bike-Lastenräder (kein Zweitwagen mehr notwendig); Pendlerwege vereinfachen (Buslinie 56 beispielsweise)
•    Kita-Gebühren mit einer Staffelung.
•    Immobilienpreise explodieren, mit mir nicht in Friedrichsdorf!
•    Optimierte und serviceorientierte Stadtverwaltung, Digitalisierung muss bis 2022 umgesetzt werden, Änderungen sind Türöffner, dann können wir die Verwaltung auch insgesamt modernisieren; Personalförderung und Qualitätsstandards
•    Schutz und Förderung von Menschen, die nicht für sich sprechen können (Umgang mit sozialen Medien nicht gewohnt). Kinder, ältere Menschen, 
•    Ansiedlung von Industrie mit Arbeitsplatzangebot
Letztlich bedeuten viele dieser Anpassungen mehr Geld in der privaten Haushaltskasse.

 

7. Was muss aus Ihrer Sicht getan werden, um die wirtschaftliche Entwicklung in Friedrichsdorf dauerhaft zu sichern?


Als erstes müssen wir die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie für das ansässige Gewerbe auffangen und gemeinsam Vorsorge treffen für ähnliche Situationen.  
Wir müssen ein verlässlicher Partner für den Mittelstand sein und bleiben. Bestehendes Gewerbegebiet sollte nicht auf einmal in der Diskussion sein. Der Bürgermeister muss Ansprechpartner sein und ein offenes Ohr für Anliegen der Wirtschaft haben. Der Dialog mit dem Gesprächspartner „Aktives Friedrichsdorf“ ist wichtig und sollte auch nach dem Wahlkampf weiter bestehen. Gemeinsam mit ansässiger Industrie und Gewerbe sollten wir innovativ und nachhaltig unsere Wirtschaft gestalten. 
Wir können neue Geschäftsbereiche für Friedrichsdorf eröffnen wie z. Beispiel den Tourismus, in dem wir enger mit der Taunus Info in Oberursel zusammenarbeiten, gemeinsam Ideen dazu entwickeln. 
Mit dem Tourismus kommen auch neue Branchen im Bereich Sport und Freizeit und neue Kunden nach Friedrichsdorf. 

 

8. Was ist ein wesentliches Anliegen des Mittelstandes, dem Sie sich als Bürgermeisterin widmen wollen?


Die Bereitstellung einer guten Infrastruktur wie bezahlbare Wohnungen und Kita-Plätze für Arbeitnehmer und ausgebaute Verkehrswege für die Logistik, Parkplätze, 
•    Stabile Hebesätze zur besseren finanziellen Planung, 
•    Expansionswillen so weit wie möglich unterstützen, 
•    Gesprächsbereit sein. 
•    Enge Zusammenarbeit mit den Wirtschaftsbeirat.

 

9. Bei welcher Herzensangelegenheit wünschen Sie sich die Unterstützung der Wirtschaft vor Ort?


Qualifizierung ist ein großes Thema für mich. Arbeitsplätze von niederschwellig bis hochqualifiziert hier direkt in Friedrichsdorf ist mein Wunsch. Wer hier lebt, sollte hier auch arbeiten können. Das entlastet die Umwelt und den Geldbeutel. Qualifizierung auf dem zweiten Weg, finanziert durch Förderprogramme. Ein offenes Ohr bei den Arbeitgebern für diese Themen. Bereitstellung von Ausbildungsplätzen. Eine gemeinsame Linie verfolgen. 
Und Unternehmen, die hier in Friedrichsdorf ansässig sind, könnten sich an Stadtaktionen selbst beteiligen wie Hugenottenmarkt, Weinfest oder andere Aktionen. Damit würden sie selbst Teil des Stadtmarketings werden, Akzeptanz und Loyalität bei Bürger:innen und Mitarbeiter:innen fördern und Werbung für sich selbst machen. 

 

10. Nehmen wir mal an, dass Sie gewählt werden, dann lassen Sie uns mal einen Blick in Ihren zukünftigen Alltag nehmen: Was werden Sie in den ersten 100 Tagen machen?


Die ersten 100 Tage sind klassisch ankommen, die Verwaltung, jede Abteilung jeden Mitarbeiter, jede Mitarbeiterin kennenlernen, sich einarbeiten und dann ist auch schon der neue Haushalt 2022 auf der Tagesordnung. Von innen nach außen arbeiten und jederzeit eine offene Tür haben, aufnehmen und dann verarbeiten und Ideen, die ich habe, gemeinsam mit den Gremien auf den Prüfstand stellen und ggf.  weiter entwickeln. Die Position des ersten Stadtrats war vom jetzigen Bürgermeister nicht mehr besetzt worden bzw. ehrenamtlich besetzt. Das möchte ich ändern. Hier sollte es wieder einen hauptberuflichen ersten Stadtrat geben, damit ich selbst mehr Zeit für die eigentlichen Aufgaben der Bürgermeisterin habe mit einem Blick für die Anforderungen der Stadt, um sie zukunftssicher zu machen. 

 

11. Worauf freuen Sie sich am meisten in Ihrem zukünftigen Amt?


Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen in der Verwaltung, mit den MItgliedern der politischen Organe (Stadtverord.versammlung, Magistrat, Seniorenbeirat, Jugendvertretung, Ausländerbeirat) und natürlich mit den Menschen in unserer Stadt. 
Auf Diskussionen, Arbeitsgruppen, auf die Ideen der Menschen, auf die Gespräche, auf neue neue Projekte und die Weiterführung der bestehenden Projekte.