Jutta Janda, Bürgermeister-Kandidatin der SPD Friedrichsdorf

Ihre Antworten (s.u.) hat sie uns am 23.11.2020 zur Verfügung gestellt.
Wir danken für ihren Input und ihren Dialog mit dem Mittelstand.
Weitere Infos auf der Website
Jutta Janda und SPD Friedrichsdorf.

 

1. „Was muss aus Ihrer Sicht getan werden, um die wirtschaftliche Entwicklung in Friedrichsdorf dauerhaft zu sichern?“

Eine positive wirtschaftliche Entwicklung ist auch für eine Stadt wie Friedrichsdorf von existenzieller Bedeutung.

 

  • Wir haben in Friedrichsdorf bereits einiges in den vergangenen Jahren auf den Weg gebracht. Dazu gehört auch das Gewerbegebiet in Köppern und neu der Gewerbepark gegenüber dem Gewerbegebiet Max-Planck-Str. mit rund 105.000 m² Gewerbegebietsfläche. Rund 50 % der Flächen werden von der Stadt Friedrichsdorf vermarktet.  Die ersten Unternehmen beginnen bereits mit ihren Bauvorhaben. Aber auch um die Gewerbegebiete im Bestand müssen wir uns kümmern und bei der Vermietung von leerstehenden Flächen unterstützen.
  • Digitale Innovation gehört heute zu vielen Geschäftsmodellen. Diese Unternehmen sind heute mehr denn je auf eine gut ausgebaute digitale Infrastruktur angewiesen. Besonders wichtig ist dabei die Mobilfunk-abdeckung und flächendeckende Breitbandanschlüsse als zukunftssichere Wirtschaftsbasis.
  • Das Schaffen von digitalen Schnittstellen und die Möglichkeit der digitalen Antragstellung für Verwaltungsdienstleistungen vereinfacht die Bearbeitung deutlich und sorgt für schnellere Abläufe sorgen. Ich werde die gesetzlichen Vorgaben zur digitalen Dienstleistung schnellstmöglich in Friedrichsdorf umsetzen.
  • Mein besonderes Anliegen, die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum, ist auch für Unternehmen wichtig. Personal ist auf finanzierbare Wohnungen angewiesen. Leben und arbeiten können in Friedrichsdorf entlastet die private Kasse und die Unternehmen.
  • Als Bürgermeister-Kandidatin wünsche ich mir den Ausbau des Tourismuszweiges. Im vergangenen Jahr gab es ein Rekordergebnis bei den Übernachtungen im Hochtaunuskreis. Bad Homburg und Schmitten waren dabei an der Spitze dieser Ranking-Liste. Mit einer verbesserten Anbindung durch öffentliche Verkehrsmittel an die Messestadt Frankfurt wird auch Friedrichsdorf als Übernachtungsort noch attraktiver. Ich möchte gerne Friedrichsdorf auch als interessanten Urlaubsort noch mehr bewerben und die Verweildauer der Gäste zu erhöhen. Friedrichsdorf hat mit seiner unmittelbaren Lage am Taunus einen sehr hohen Freizeitwert und kann Ziel für Wanderurlauber:innen und Radurlauber:innen werden. Das ist aus meiner Sicht für alle Gewerbetreibenden lohnenswert.

 

 

2. „Was ist ein wesentliches Anliegen des Mittelstands, dem Sie sich als Bürgermeister widmen wollen?“

 

  • Bezahlbare Wohnungen und eine familienfreundliche Infrastruktur tragen dazu bei, Fachkräfte für die heimische Wirtschaft zu finden. Hier sind wir mit unseren – teilweise bereits umgesetzten - Vorhaben zum bezahlbaren Wohnungsbau auf gutem Weg.
  • Das Zusammenwachsen der Innenstadt im Bereich Landgrafenplatz, Taunuscarre und insbesondere Houiller Platz, um die dort ansässigen Geschäftsbetriebe zu fördern und den Bürger*innen ein angenehmes Einkaufserlebnis zu bieten, ist eine besondere Herausforderung, der ich mich gerne stelle. Dies will ich unter anderem durch die Einrichtung einer Mobilitätszentrale auf dem Goers-Gelände erreichen. Dieses Mobilitätszentrum mit Anbindung an die öffentlichen Verkehrsmittel, Parkplätzen, Abstellplätzen und Ladestationen für E-Bike und Autos, benutzerfreundlichen Gehwegen, besseren Zufahrts- und Abfahrtswegen wäre eine Bereicherung für den Innenstadt-Handel.
  • Einkaufswegweiser als Leitsysteme, die auf die unterschiedlichen Einkaufsmöglichkeiten hinweisen, als Flyer, Hinweisschilder – ähnlich wie Schilder für Parkmöglichkeiten – wirken geschäftsfördernd und sind eines der vielen Themen für eine vertiefte Zusammenarbeit mit dem Gewerbeverein „Aktives Friedrichsdorf“.
  • Mit der Förderung und dem Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs und der Mobilitätszentrale „Goersgelände“ sollten wir durch die bessere Erreichbarkeit der Geschäfte vor Ort einen Gegenpol zur Tendenz „Online-Einkauf“ schaffen. Ich möchte in Friedrichsdorf verstärkt klimafreundliche Mobilität fördern und das Bewusstsein der Bürgerinnen und Bürger für eine klimafreundliche Verkehrs-Infrastruktur stärken.

 

Dazu tragen die Unternehmen mit ihrem vorhandenen Lieferdienst „Friedrichsdorf bringts“ bereits bei. Weitere Möglichkeiten wären

 

    • die Anschaffung und/oder den Betrieb von „Dienst-Fahrrädern“ oder „Lasten-Fahrrädern“ fördern bzw. unterstützen.
    • Fahrradabstellplätze schaffen und
    • für Geschäftszwecke die seit 2017 vorhandenen Elektro-Fahrzeuge des eCarSharing nutzen.

 

Bislang sind 6 Car Sharing Standorte vorhanden. Ich kann mir gut vorstellen, das Angebot auszubauen und mit Elektro-Rädern wie beispielsweise Lasten-Fahrrädern zu ergänzen.

 

  • Eine gut durchdachte und innovative kommunale Haushaltspolitik kann für stabile Steuerhebesätze sorgen. Als Diplom-Kauffrau ist es mir ein besonderes Anliegen, eine zukunftsorientierte Stadt zu schaffen, ohne die wirtschaftliche Stabilität aus den Augen zu verlieren.

 

Ich begrüße auch außerordentlich die Bestrebungen des Gewerbevereins, mit der Stadtpolitik und insbesondere auch mit mir ins Gespräch zu kommen, um die Bedarfe vor Ort zu diskutieren und sich auszutauschen. Wir müssen hier unbedingt in einen dauerhaften und regelmäßigen Dialog zur Unterstützung und Weiterentwicklung der Wirtschaft vor Ort kommen.

 

 

3. „Bei welcher Herzensangelegenheit wünschen Sie sich die Unterstützung der mittelständischen Wirtschaft vor Ort?“

 

Die Zahl der Ausbildungsplatz-Angebote ist in diesem Jahr ist in diesem Jahr im Hochtaunuskreis bis zu 25 % weniger ausgefallen. Dazu kommt die steigende Zahl an Bewerbern.

Dies trifft nicht auf alle Berufsbilder zu (z. B. nicht in der Pflege) aber viele junge Menschen werden nicht in ihrem gewünschten Beruf eine Ausbildungsstelle finden. Einer der Gründe ist sicher die Coronabedingte Planungs-Unsicherheit bei Ausbildungsbetrieben.

 

  • Ich wünsche mir auch in diesen Zeiten genügend Ausbildungsangebote durch das Friedrichsdorfer Gewerbe. Sollte das tatsächlich nicht möglich sein, wären Alternativ-Angebote der Arbeitgeber in Friedrichsdorf wie z. B. Praktikumsplätze, die möglicherweise auf die Ausbildung angerechnet werden können oder ähnliches als Übergangslösung. Eine gute Möglichkeit für die Jugendlichen und die Arbeitgeber sich kennen zu lernen und für die Jugendlichen eine Möglichkeit den Anschluss nicht zu verlieren und in den Beruf „hineinschnuppern“ zu können.

 

Mehr Ausbildungsplätze auch während des bereits laufenden Berufsschuljahres anzubieten wären eine großartige Initiative.

 

  • Fachkräftsmangel ist eine Medaille mit zwei Seiten.

 

Zum einen wird es immer schwieriger, geeignete Bewerberinnen und Bewerber zu finden. Aber es ist auch eine Kompromissbereitschaft bei den Betrieben notwendig, Schülerinnen und Schülern mit nicht ganz so guten Noten eine Chance zu geben oder neue Wege zu gehen.

 

  • Ich finde ich die Idee und Umsetzung des virtuelles Ausbildungstages, der in diesem Jahr durch den Friedrichsdorfer Gewerbeverein „Aktives Friedrichsdorf“ organisiert wird, hervorragend.

 

Als Ergänzung zur Berufsorientierung könnte ich mir den Einsatz von sogenannten Ausbildungs-Botschaftern, jungen Menschen, die bereits in der Ausbildung sind, als Botschafter ihres Berufsbildes in den Schulen gut vorstellen. Diese Botschafter*innen wären auch eine sinnvolle Ergänzung einer Vorbereitung oder eines „Scharnierkonzeptes“ von der Schule in den Beruf in Zusammenarbeit mit den Schulen; auch im Vorfeld zum Ausbildungstag.

 

  • Dazu kommt das Personalpotential bei Menschen, die den ersten Absprung in das Berufsleben noch nicht geschafft haben, aber durchaus jetzt bereit wären für diese Herausforderung. Ich kann mir vorstellen, gemeinsam mit dem Gewerbeverein Ideen zu entwickeln unter Einbindung der dazu zur Verfügung stehenden Landesfördermittel und so eine Win-Win-Situation zu schaffen für Arbeitgeber und Arbeitnehmer.