Elke Barth, SPD

Dr. Thomas Kreuder ist Spitzenkandidat der SPD Bad Homburg. Wir haben ihn bereits als Oberbürgermeisterkandidat für Bad Homburg befragt: Seine Antworten finden Sie ebenfalls hier. Vielen Dank dafür. 

 

Elke Barth ist die Kandidatin auf Listenplatz 2 der SPD Bad Homburg und hat sich bereit erklärt drei Fragen des Mittelstands zu beantworten. Ihre Antworten (s.u.) hat sie uns am 16.1.2021 zur Verfügung gestellt. Wir danken für ihren Input und ihren Dialog mit dem Mittelstand. Weitere Infos auf der Website SPD Bad Homburg.

 

 

1. Wie beurteilen Sie die Situation der mittelständischen Wirtschaft in Bad Homburg?

Die mittelständische Wirtschaft in Bad Homburg profitiert von der zentralen Lage im Rheinmaingebiet mit seiner hervorragenden Verkehrsinfrakstruktur (Guter Anbindung an den ÖPNV, direkter Anschluss an die A5, Nähe zum Flughafen und zu Frankfurt. Die niedrige Arbeitslosigkeit und das gute Arbeitsplatzangebot sichern eine hohe Kaufkraft in der Bevölkerung. Hier als positiv aufgeführte Aspekte haben aber gleichzeitig auch negative Auswirkungen: Die niedrige Arbeitslosigkeit bedeutet z.T. auch Fachkräftemangel und Mangel an Ausbildungsplatzbewerbern. In Konkurrenz zu hier ebenfalls zahlreich vorhandenen Großkonzernen haben gerade mittelständische Unternehmen in diesem Wettbewerb dann oft ein Nachsehen.

Die attraktive Lage Bad Homburgs in direkter Nachbarschaft zu Frankfurt und am Fuße des Taunus bedeutet auch einen hohen Zuzugsdruck und damit einhergehend den Mangel an Wohnraum, insbesondere an bezahlbaren Wohnungen. So ist es gerade für Auszubildende, beispielsweise auch im mittelständischen Handwerk und Berufsanfänger, extrem schwierig eine bezahlbare Wohnung zu finden. Eine weitere Folge der attraktiven Lage sind knappe Flächen für Gewerbe, für Neuansiedlungen wie auch für Betriebserweiterungen.

 

2. Welches sind die Herausforderungen durch Corona?

Die größten Schwierigkeiten wird mit Sicherheit der innerstädtische Einzelhandel haben, um wieder auf die Füße zu kommen. Auch wenn einzelne Bereiche wie der Lebensmitteleinzelhandel profitiert haben sind es doch gerade Bekleidungsgeschäfte und mittelständische Einzelhändler wie auch die Gastronomie, die die letzten Wochen und Monate die schwerste Zeit ihres Lebens durchmachen. Fraglich ist auch, ob viele Kunden die jetzt aus der Not heraus im Internet bestellt haben, nach Corona  wieder in die Innenstädte zurückkehren. Viele Einzelhändler haben ihr Bestes gegeben der Krise die Stirn zu bieten, haben in Windeseile ihre Homepages aufgerüstet und haben hervorragende Konzepte entwickelt als Mischkonzept zwischen „Online und vor Ort kaufen.“ Diese gilt es weiterzuentwickeln und fortzuführen. Denn die Bedrohung der Innenstädte durch den Internethandel kam nicht erst mit Corona, sie wurde dadurch lediglich verstärkt! Corona hat bei vielen zuvor vorhandenen Defiziten wie ein Brennglas gewirkt: Das Fehlen von WLAN und Digitalisierung in den Innenstädten zum Beispiel.

Für das mittelständische Handwerk ist Corona durch die Kontaktbeschränkungen und Schließungen natürlich auch eine schwere Herausforderung, ich kenne aber auch einige Bereiche wo es jetzt gerade  „brummt.“ Das kommt ganz auf den Bereich an.

Auch Industrieproduktionen leiden unter Corona. Nun sieht man erstmals die Auswirkungen globaler Lieferketten und Teilefertigungen, die durch Corona unterbrochen sind. Auch hier weiß ich von mittelständischen Unternehmen in unserer Stadt, für die das große Schwierigkeiten bedeutet, wenn auf einmal Teile aus China oder anderen Kontinenten fehlen. Und für manche kam es doppelt: Brexit und Corona.

 

3. Wie kann Stadt / Kommunalpolitik hier helfen?

In erster Linie muß Stadt/Kommunalpolitik einen ganz kurzen und direkten Draht als Ansprechpartner für die mittelständischen Unternehmen haben, ob es um Erweiterungsvorhaben geht, Bauanträge, Verkehrsthemen, Hilfe bei Schwierigkeiten jeder Art.

Was den innerstädtischen Einzelhandel anbelangt braucht es nach Corona wohl einen Aktionsplan für die Innenstadt. Wobei sich viele Veränderungsprozesse schon vor Corona abgezeichnet haben. Wie sieht unsere Stadt in einem Jahr aus, wenn alles wieder „normal“ ist? Hier wird es nach dem Shutdown maximale Unterstützung brauchen, da sind City-Marketing, die Aktionsgemeinschaft, IHK und Verbände, Politik und Verwaltung alle gemeinsam gefragt. Ich hoffe auch auf den ein oder anderen Vermieter, der bei Mietschulden einen Kompromiss mit seinem Mieter schließt, das ist doch besser als wenn anschließend monatelang Läden leer stehen. Auch hier sollte die Stadt moderierend zur Seite stehen – und dort wo sie selbst Vermieter ist, mit gutem Vorbild vorangehen.

Es sollte dann auch eine Corona-Bilanz gezogen werden: Was haben wir in der Krise gelernt, was lief gut, was müssen wir ändern?