Dr. Birgit Brigl, SPD

Dr. Birgit Brigl ist Spitzenkandidatin der SPD Friedrichsdorf. Ihre Antworten (s.u.) hat sie uns am 11.1.2021 zur Verfügung gestellt. Wir danken für ihren Input und ihren Dialog mit dem Mittelstand. Weitere Infos auf der Website SPD Friedrichsdorf.

 

Frage 1: „Was muss aus Ihrer Sicht getan werden, um die wirtschaftliche Entwicklung in Friedrichsdorf dauerhaft zu sichern?“

Wir müssen sorgfältig mit unseren Gewerbeflächen umgehen, da es in Friedrichdorf nicht mehr viele Expansionsmöglichkeiten gibt. Gerade ältere Gewerbegebiete brauchen einen Refresh. Lange Leerstände können wir uns nicht erlauben. Denn lange Leerstände sind ein schlechtes Signal für das bestehende Gewerbe und bedeuten auch weniger Gewerbesteuereinnahmen für Friedrichsdorf, und damit weniger Gestaltungsmöglichkeiten. Gerade das Gewerbegebiet in der Industriestraße ist davon besonders betroffen. Die Stadt darf hier nicht locker lassen, und muss die Eigentümer:innen dieser Gewerbeimmobilien dazu motivieren zu verkaufen, auch wenn hier viel Durchhaltevermögen gefragt ist. Bei der Suche nach potentiellen Käufern kann die Stadt intensiv unterstützen. Dabei sollte Wert auf einen gesunden Branchenmix, auf sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze, Nachhaltigkeit und Innovation gelegt werden. Wenn beispielsweise das Taunus Lab kommt wird die gesamte Stadt davon profitieren, da bin ich mir sicher. Friedrichsdorf ist keine Schlafstadt, so wie es häufig suggeriert wird; wer haben ein relativ ausgeglichenes Pendlersaldo und das soll auch so bleiben. Oder sogar noch besser: wir hier arbeitet soll auch hier wohnen können, egal wie hoch das Einkommen ist. Und wer hier arbeitet soll auch bei uns einkaufen und unser Dienstleistungsangebot in Anspruch nehmen. Deshalb müssen wir ein besonders Auge auf die weichen Standortfaktoren haben.

 

Frage 2: „Was ist ein wesentliches Anliegen des Mittelstands, dem Sie sich als Spitzenkandidatin widmen wollen?“

Der Mittelstand ist angewiesen auf qualifiziertes Personal. Und der Arbeitsmarkt ist in der gesamten Rhein-Main-Region gerade bei Fachkräften sehr eng. Wenn jemand die Wahl hat wird die Entscheidung an der Attraktivität des Unternehmens als Arbeitgeber aber auch der des Standorts festgemacht. Friedrichsdorf hat insbesondere im Freizeit- und Kulturbereich eine Menge zu bieten, wir haben ein lebendiges Vereinsleben, ein vergleichsweises gutes Angebot an Kinderbetreuung. Die Menschen, die hier arbeiten, wollen aber womöglich auch hier wohnen, ihre Kinder in die Kitas und Schulen schicken, und unsere Verkehrsräume nutzen. Und diejenigen, die aus persönlichen Gründen einpendeln brauchen einen attraktiven öffentlicher Nahverkehr über Kreisgrenzen hinweg und auch Stärkung des Radverkehrs. Mit dem Radschnellweg ist man beispielsweise von Oberursel in 20 Minuten im neuen Gewerbegebiet. Bezahlbarer Wohnraum, eine gute Kinderbetreuung und eine gute Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist - kurz gesagt - besonders wichtig. Die Stadt Friedrichsdorf muss aber auch eine verlässliche Ansprechpartnerin für den Mittelstand sein, und jederzeit ein offenes Ohr haben, sei es bei Expansionswünschen, oder auch dem Wunsch nach Verlagerung. Natürlich wünsche ich mir im Gegenzug, dass die Unternehmen geeignete Ausbildungsplätze zur Verfügung stellen, und möglichst viele sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze schaffen.

 

Frage 3: „Bei welcher Herzensangelegenheit wünschen Sie sich die Unterstützung der mittelständischen Wirtschaft vor Ort?“

Ich habe gleich zwei Herzensangelegenheiten mitgebracht: Viele Friedrichsdorfer Unternehmen engagieren sich heute schon im sozialen Bereich und fördern Vereine, Sport, und Kultur. Das zeigt die Verbundenheit unserer Unternehmen mit ihrer Stadt. Dieses Engagement wünsche ich mir auch bei der Umsetzung des Friedrichsdorfer Klimaschutzkonzeptes. Klimaneutralität erreichen wir nur wenn alle an einem Strang ziehen, auch unsere Unternehmen vor Ort. Corporate Social Responsibility ist ja häufig heute schon Teil der Unternehmenskultur. Es kann verschiedene Beteiligungsformen geben, sei es als Partner für die Gestaltung und Umsetzung gemeinsamer Projekte, als Sponsor für bestimmte Maßnahmen und natürlich sind auch unsere Unternehmen zu nachhaltigem Wirtschaften aufgefordert. Arbeitgeber sind der Schlüssel zur faktischen Gleichstellung von Frauen und Männern und können vieles dazu beitragen.  Dazu zählen familienfreundliche Arbeitzeitmodelle, Telearbeits- und Teilzeitangebote, die Beteiligung am Girls Day um bereits Schülerinnen für bisher eher männlich besetzte Berufe zu begeistern, die Besetzung von Ausbildungsplätzen mit Frauen, der verstärkte Einwerbung von Frauen bei offenen Stellen, und die gezielte Karriereförderung im Unternehmen.