Praxisforum "KMU & Kapitalmarkt"

Welche Chance bietet der Kapitalmarkt als Alternative zu herkömmlichen Finanzierungen? Wie können Unternehmer von den Erfahrungen anderer profitieren? Diese und weitere Fragen wurden beim ersten “Praxisforum KMU & Kapitalmarkt” am Mittwoch, den 16. Dezember 2020, beantwortet. Die Experten des Themengebiets waren Hans-Jürgen Friedrich, Vorstand der KFM Deutsche Mittelstand AG, und Ingo Wegerich, Partner der Luther Rechtsanwaltsgesellschaft mbH. Mit wertvollen Tipps und Hinweisen konnte Dr. Hubertus Bartsch, Geschäftsführer der Neue ZWL Zahnradwerk Leipzig GmbH, in seinem Praxisbericht überzeugen. Moderiert wurde das Event von Josef Stumpf, Leiter der Wirtschaftsregion Nordbaden-Rhein-Neckar.

Gertrud Hilser, Leiterin der Wirtschaftsregion Nordbaden-Rhein-Neckar, begrüßte die Teilnehmer und stellte das Thema des Praxisforums, den Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF), genauer vor. Dieser soll der Stabilisierung der Wirtschaft, die in Folge der Corona-Pandemie gelitten hat, dienen. Das Gesamtvolumen beträgt 600 Milliarden Euro. Unternehmen der Realwirtschaft, deren Bestandsgefährdung erhebliche Konsequenzen für den deutschen Wirtschaftsstandort oder Arbeitsmarkt hätte, können diese Hilfe beantragen. Weitere Informationen zum WSF finden Sie hier

Die KFM Deutsche Mittelstand AG ist Initiator des Deutschen Mittelstandsanleihen FONDS und auf die Analyse von Investments in festverzinsliche Wertpapiere mittelständischer Unternehmen spezialisiert. Der Vorstand der KFM Deutsche Mittelstand AG, Hans-Jürgen Friedrich, berichtete, dass die Eigenkapitalquote von Mittelständlern von 2008 bis 2019 kontinuierlich gestiegen ist. Zudem sei die Insolvenzquote auf das niedrigste Niveau seit 20 Jahren gefallen. Das Emissionsvolumen der Unternehmensanleihen liege mehrheitlich zwischen 25 und 50 Millionen Euro. Nichtsdestotrotz hat der Investor bereits Erfahrungen mit kleineren Anleihen gemacht und gab den wertvollen Tipp, dass man die Kosten der Emission berücksichtigen müsse. “Immer mehr Mittelständler gehen an den Kapitalmarkt”, berichtete der Anleihen-Experte. Als Grund hierfür nannte er die veränderte Situation der Banken, die das Kreditgeschäft nicht mehr so machen dürfen wie früher. Außerdem erklärte Friedrich, dass die Annahme, dass Mittelständler als letzten Ausweg an den Kapitalmarkt gehen und somit keine gute Bonität haben, falsch sei. Am Ende seines Impulses empfahl der Experte, sich mit Unternehmensanleihen auseinanderzusetzen, um von der Bankenfinanzierung unabhängiger zu sein.  

Seinen Praxisbericht startete Dr. Hubertus Bartsch, der seit 1999 Geschäftsführer der Neue ZWL Zahnradwerk Leipzig GmbH ist, mit grundlegenden Informationen zum Unternehmen. Zunächst erfolgte die Finanzierung des Unternehmens über die Banken. Trotz anfänglicher Bedenken, dass der gesamte Prozess am Anleihenmarkt zu kompliziert und schwierig sei und eine hohe Transparenz erfordere, konnte die Neue ZWL Zahnradwerk Leipzig GmbH 25 Millionen Euro durch die erste Anleihe bekommen. Im Jahr 2015/2016 baute das Unternehmen ein Werk in China aus und begab nochmals eine Anleihe von 25 Millionen Euro. Nach der Dieselkrise war die Situation für das Unternehmen am Kapitalmarkt  schwieriger, berichtete Dr. Bartsch. Jedoch hat sich die Neue ZWL Zahnradwerk Leipzig GmbH weiter nach außen präsentiert und sich nicht versteckt. Der Kernphysiker machte den Teilnehmern deutlich, dass man vor einem so großen Schritt keine Angst haben soll, sondern dass man mit ein bisschen Mut und der Hilfe von Partnern und Spezialisten einiges erreichen kann am Kapitalmarkt. 

Das Thema der “Garantien für Anleihen” des Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) wurde von Ingo Wegerich, Partner der Luther Rechtsanwaltsgesellschaft mbH, behandelt. Auch wenn es den WSF bereits seit März 2020 gibt, ist das Standardprodukt “Garantien für Anleihen” noch relativ neu. Wegerich erklärte, dass andere WSF- & KfW-Hilfen im Gegensatz zum Standardprodukt eine Hausbank als Kreditgeber voraussetzen. Ziel der “Garantien für Anleihen” ist es, Corona-geschädigten Unternehmen zu helfen und deren Finanzierung am Kapitalmarkt zu unterstützen. Nichtsdestotrotz gibt es für die Antragsteller gewisse Voraussetzungen, die sie erfüllen müssen, um diese Hilfe in Anspruch nehmen zu können.
 
Kooperationspartner des Events war der 2017 gegründete Interessenverband kapitalmarktorientierter KMU e.V., dessen Präsident und Vizepräsident die beiden Experten der Runde waren. Der Interessenverband unterstützt den kapitalmarktorientierten Mittelstand durch die Förderung und Vertretung seiner Interessen mit dem Ziel, verbesserte Rahmenbedingungen für die Finanzierung am Kapitalmarkt für kleinere und mittlere Unternehmen zu schaffen.

Nach den informativen Impulsen bedankte sich Josef Stumpf bei den drei Impulsgebern und verabschiedete die Teilnehmer mit einem besinnlichen Weihnachtsgruß. 

Im Folgenden finden Sie einige Impressionen des Events.
Die Veranstaltung wurde aufgezeichnet. Zur Aufzeichnung gelangen Sie hier.

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