Politik ist gefragt - Unternehmen brauchen Versorgungssicherheit

BVMW Jena/Saale-Holzland im Gespräch mit Stadtwerke-Chefin Claudia Budich

Frau Budich nannte Gründe für die stark steigenden Energiepreise.

Die Besorgnis der mehr als 30 Unternehmer und Unternehmerinnen sowie Gäste im Web-Talk des BVMW-Kreisverbundes Jena/Saale-Holzland-Kreis konnte Gesprächspartnerin Claudia Budich, Geschäftsführerin der Stadtwerke Jena GmbH und der Energie-Tochter Stadtwerke Energie Jena-Pößneck GmbH, nicht zerstreuen. Doch erläuterte sie umfassend Ursachen und Zusammenhänge der dramatischen Preisentwicklungen an den Strom- und insbesondere auch Gasmärkten.

Zudem erging eine Forderung in Richtung Politik, schnellstmöglich ideologiefrei und handwerklich ausgereift für Versorgungssicherheit und -stabilität zu sorgen und neben der durch Umlagen verhinderten Pleite der zentralen Gasversorger wie uniper nun auch die möglichen Pleiten der von ihnen abhängenden regionalen Energieversorger zu verhindern. Sämtliche technisch möglichen Energiequellen, von Kernkraft bis Kohle müssten zur Gewinnung von Strom und Wärme eingesetzt werden. Schutzschirme auch für regionale Energieversorger wären ein denkbares Szenario, ebenso die das Gewähren von Landesbürgschaften und das Aussetzen der Insolvenzantragspflicht für sie. Mit dem Ausrufen der letzten Stufe des Notfallplanes Energie bestehe Abschaltgefahr für nicht geschützte Industriekunden. Die liberalisierten und damit freien Märkte für Gas und Strom müssten beruhigt und die dort von Panik getriebenen Preisexplosionen müssen eingedämmt werden. Sollte das Merit-order-Prinzip beibehalten werden, müssten Umverteilungen der Mehrgewinne der Erzeuger von Atom-, Kohle und Energie aus Erneuerbaren erfolgen.

Bisher mussten Preise für Privatkunden nur moderat angehoben werden, da auf Basis von Einkaufspreisen von vor 2 Jahren bezogen wird. Für den Jahreswechsel erwarte die Branche jedoch erneute Teuerung. Bei Industriekunden werde nach Bedarf und damit kurzfristiger eingekauft und somit wirkten sich hier die Börsenpreise bereits drastisch aus. Dietmar Winter untermauerte die Dramatik für die Wirtschaft mit Zahlen einer aktuellen Befragung des BVMW von 850 Unternehmen: fast die Hälfte (42 Prozent) sehen sich in ihrer Existenz bedroht, 48 Prozent sehen kaum Chancen, die Preissteigerungen durch Einsparungen auszugleichen.

Denn, es dürfe nicht zu plötzlichen Zusammenbrüchen der Gasnetze und insbesondere auch der Niederspannungsnetze kommen. Eine Wiedereinschaltung sei technisch dann nur schrittweise möglich und sehr zeitaufwändig. Darauf zielen bereits jetzt Vorbereitungen auf verschiedene Szenarien bis hin zu diesem worst case. Daher seien die Stadtwerke im Gespräch mit allen ihren Unternehmenskunden, die als nicht geschützte Kunden von Zwangsabschaltungen betroffen wären. Unternehmer seien aufgefordert, auch selbst das Gespräch mit den Stadtwerken beziehungsweise ihren Versorgern zu suchen, sofern noch nicht geschehen. Wie lassen Gas-Alternativen zum Beispiel Öl jetzt bereits vorbereiten, wie könne die Abkoppelung stufenweise und damit kontrolliert ausgeführt werden? Auch würden bereits Kontokorrentlinien verhandelt und damit Liquidität gesichert. Denn neben den erhöhten Einkaufspreisen müssten Forderungsausfälle durch Zahlungsunfähigkeit von Industrie- und Privatabnehmern mit kalkuliert werden.

Mehr, als sich bestmöglich auf verschiedene Szenarien vorzubereiten und sofern möglich, Alternativen installieren, lasse sich jetzt nicht unternehmen, so der realistische Tenor der Gesprächsrunde.

Ein herzliches Dankeschön an Frau Budich für die konkreten und realistischen Aussagen und für einen rundum gelungenen Vortrag!

Text.: Karsten Seifert, FAKT KOMMUNIKATION
Bildschirmkopien: Karsten Seifert, Dietmar Winter