BIM - Zukünftig PC-Maus statt Presslufthammer

2. BVMW-Forum „Innovatives Bauen in Ostthüringen“ am 27.02.2018 in Jena

Das Auditorium.

„Ich hätte mir vor sechs Jahren für Gebäudeautomation und Gebäudemanagement in unserem Firmenneubau in Jena auch mehr Datenerfassungs-, -auswerte und Steuersysteme von Vollack gewünscht. Doch mussten wir uns nach Wegfall der Unterstützung seitens des Freistaates auf das Notwendige und insbesondere auf Energieeffizienz beschränken“, bezog sich Matthias Wetzel, Gastgeber des nunmehr 2. IBO-Forums am 27. Februar 2018, auf das Fachthema Digitalisierung in der Baubranche. Den Themenwünschen aus dem Premieren-Forum folgend, konnten die BVMW-Initiatoren Kathrin Horn und Dietmar Winter für diesen Fachvortrag „BIM Building Information Modeling - Was ist es? Was kann es leisten? Welche Veränderungen wird es forcieren?“ als Referenten Kai Kowalske, VOLLACK Thüringen, gewinnen. Fast 30 Gäste aus den verschiedensten Bau-Bereichen von Architekten-, Planungs- und Sachverständigenbüro, Bank als Baufinanzierer, Fachanwaltskanzlei, Fensterwartung bis Bauelementehersteller, Bauunternehmen und Gebäudereinigungsunternehmen ließen sich für eine Teilnahme in den Räumen der Matthias Wetzel INDUSTRIEBESCHRIFTUNGEN (MWIB) begeistern.
Die Vollack-Gruppe als Spezialist für die methodische Planung, den Bau sowie für die Revitalisierung nachhaltiger, energieeffizienter Gebäude im Bereich Büro, Industrie und Gesundheit übernimmt je nach Kundenwunsch die Generalplanung und Projektsteuerung bis zur komplett schlüsselfertigen Ausführung. Die grundsätzliche Herangehensweise und Umsetzung eines Vollack-Projektes erfolgt nach der 4-Phasen-Methode, im engen Zusammenwirken mit den Bauherren, wie auch erfolgreich für den Neubau der MWIB praktiziert.
Das BIM (dt. übersetzt mit Bauwerkdaten-Modellierung) stellt nach den Erläuterungen von Kai Kowalske hierbei ein Werkzeug beziehungsweise eine ganzheitliche Planungs- und Betreiber-Technologie für alle Partner dar, die während des gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes von Planung und Bau bis Revitalisierung und zuletzt Abriss, einbezogen werden. In einer Datenbank werden Informationen sämtlicher Bauteile einmal erfasst. Daraus fügen sich 3D-Modelle und zunehmend das Gebäude als virtuelle Realität. Offene Schnittstellen gewähren den Beteiligten den Zugriff. Simulationen für Detailplanungen beispielsweise von Klima und Beleuchtung werden möglich. Spätere Überwachung beispielsweise der Haustechnik (TGA) lässt sich per Mausklick erledigen, Wartungsbedarf so rechtzeitig erkennen und Havarien vorbeugen, sodass der Presslufthammer gar nicht erst zum Einsatz kommen muss.
Aktueller Stand, so der Vollack-Standortleiter Thüringen, sei bei Vollack das 4D-Modell, für das neben den technischen Parametern die Kosten mit hinterlegt und darstellbar sind. In der Diskussion stellten sich die Praktiker die Frage nach Aufwand und Umsetzung der Digitalisierung sämtlicher Daten, die dem Planer und später Bauherren/Betreiber zur Verfügung gestellt werden müssen.
Im sich anschließenden Firmenrundgang standen natürlich bauliche Besonderheiten beispielhaft im Mittelpunkt. Ergänzend eröffneten sich 3D-Einblicke in die Firmenbereiche, die Matthias Wetzel als Gründer und Geschäftsführender Gesellschafter der Matthias Wetzel INDUSTRIEBESCHRIFTUNGEN, zuvor in der Firmenpräsentation in zweidimensional erläutert hatte: Sein Unternehmen (gegründet 1999) mit dem bezeichnenden Grundsatz „Oberflächen mit System“ ist Spezialist für die Behandlung, Beschichtung, Veredlung und Beschriftung verschiedenster Oberflächen. Die Palette umfasst Laserbeschriftungen, mechanisches Gravieren und Teilen, Sieb- und Tampondruck, Pulverbeschichten und Lackieren. Insbesondere das Präzisionsgleitschleifen - ein anspruchsvolles und hochpräzises Verfahren, bei dem Bearbeitungskanten kleinster Präzisionsteile definiert und mit reproduzierbarer Genauigkeit verrundet werden - sowie das Schleppfinish sichern höchste Oberflächengüte bei geringeren Fertigungskosten und ermöglichen neue Funktionalitäten. Im 2014 bezogenen Firmenneubau betreibt der Mittelständler das erste Anwendungszentrum für Gleitschleifanlagen des Global Players OTEC Präzisionsfinish GmbH außerhalb von dessen Stammsitz in Straubenhardt-Feldrennach. Mit der Kennzeichnung und Lackierung hochwertiger Industrieprodukte aus dem Gerätebau, dem optischen Präzisionsgerätebau, dem Anlagen- und Maschinenbau sowie der Elektronik- und Feingeräteindustrie hat sich das heute 57-Mann-Unternehmen zu einem anerkannten Oberflächenbearbeitungszentrum entwickelt. Als Systempartner verantwortet die Jenaer Firma kompetent das Projektmanagement vom Materialeinkauf bis zur Lieferung der montagefertigen Gehäuse.
Seitens der Initiatoren Kathrin Horn, BVMW-Kreisgeschäftsführerin Greiz/SOK und Dietmar Winter, BVMW-Geschäftsführer des Kreisverbundes Jena/Saale-Holzland-Kreis, wurde quasi festgesetzt, den Status Quo dieser, für das Bauwesen revolutionären, Umgestaltung turnusmäßig neu zu einem Foren-Thema zu machen.

Text und Fotos: Karsten Seifert, FAKT KOMMUNIKATION