Kühlender Sommerregen 2019 nach Sonnenbrand 2018

50. BVMW-Businessclub "Wirtschaftsprognose 2019", gemeinsam von Volksbank und BVMW J/SHK am 27.3.2019 im Best Western Hotel Jena

Dr. Michael Holstein, Leiter der Abteilung Volkswirtschaft der DZ BANK, bei seinem Vortrag

Was wird 2019 aus Deutschlands Wirtschaft? Sind wir ausreichend robust aufgestellt, um negativen Ereignissen zu widerstehen? Antworten auf diese Fragen und fachkundige Erläuterungen zu Zusammenhängen mit aktuell besorgniserregenden Ereignissen wie Trump und BREXIT oder auch den schwächelnden Wirtschaften von EU-Partnern erwarteten knapp 90 Gäste des nach 2018 zweiten gemeinsamen Informationsabends von Volksbank eG Gera Jena Rudolstadt und BVMW-Kreisverbund Jena/Saale-Holzland-Kreis. Als Referent trat am 27. März 2019 im Jenaer Best Western Hotel wiederum Dr. Michael Holstein, Leiter der Abteilung Volkswirtschaft der DZ BANK, auf. Zudem beleuchtete der Wirtschaftsexperte mit Kryptowährung und Target-2-Saldo Themenanregungen aus der Rückkopplung mit Kunden und Gästen der Premierenveranstaltung 2018.
Trotz abgeschwächter Weltkonjunktur gäbe es noch keine Krise, würden nach seinen Worten die ständig beobachteten Frühindikatoren belegen. Diese, beispielsweise der Eurokurs, deuteten sogar bereits wieder auf Stabilisierung. Und letztlich brächte die Abkühlung auch etwas Beruhigung für die Unternehmen. In seiner Bildsprache passe daher das Bild des kühlenden Sommerregens. Der stabile Arbeitsmarkt allerdings zeige, dass Unternehmen weiter zukunftsorientiert Fachkräfte suchen und binden. Kritik gäbe es gegenüber den für den Wohnungsmarkt Verantwortlichen zu äußern. Mangel durch zu wenig neu geschaffenen Wohnraum verteuere gefährlich die Marktpreise.
International würde auch Chinas Wirtschaft nur noch abgeschwächt wachsen. Auf den Finanzmärkten sei der Euro wegen des US-Zinsniveaus unter Druck gewesen. Eine weitere Abwertung sei jedoch wegen der wirtschaftlichen Turbulenzen in den USA eher nicht zu erwarten.
Trumps Handelsstreitereien erwiesen sich immer mehr als Bumerang für die USA. So sei das Handelsdefizit mit China und ebenso das mit Europa eher gewachsen, als dass es wie beabsichtigt hätte verringert werden können. Die Handelsstreitigkeiten mit China würden verhaltener geführt. Käme nun die stärkere Fokussierung auf Europa als neuer Streitpartner, wäre dies eine Gefahr für Deutschland als Exportwirtschaft mit den Schwerpunkten Automobil, Maschinebau und Pharma im wichtigen Exportmarkt USA.
Der bessere Brexit wäre natürlich der „deal-Brexit“. Doch selbst der „no-deal-Brexit“ brächte für Deutschland und die EU vermutlich einen eher geringen Abschwung von einem Viertel- bis einem Halb-Prozentpunkt. Großbritannien allerdings brächte der „no-deal“ eine Rezession, so seine Einschätzung.
Kryptowährung hätte sich nach dem Hype im 2. Halbjahr 2017 wieder auf das Vorniveau abgekühlt. Ihr Anteil am Gesamtmarktvolumen sei eher vernachlässigbar, jedoch würde sie schon beobachtet. Zudem gäbe es Überlegungen von Bankhäusern, eigene Kryptowährungen aufzulegen.
Die hohen positiven Target-2-Salden der Bundesbank gegenüber der EZB belaufen sich aktuell auf 900 Milliarden Euro. Sie resultierten aus dem innereuropäischen Handel sowie aus den Anleihekäufen der EZB. Die Welt der Finanzexperten ist geteilt, ob hieraus Gefahren für EU-Volkswirtschaften erwüchsen. Der Grad der Gefährdung ließe ich am Vertrauen in die Stabilität des Euro binden.
Den DAX sieht der Volkswirtschaftsexperte zum Jahresende 2019 übrigens bei etwa 12.000.
Wie zu vernehmen war: „Fortsetzung des Informationsabends für 2020 ist sicher prognostiziert…“

Text und Fotos: Karsten Seifert, FAKT KOMMUNIKATION