„Abziehbilder“ für Porzellan- und Glasindustrie

37. BVMW-Technoclub bei unserem Mitglied CERADRUCK GmbH am 12.10.2020 in Kahla

Farbnachschub für den Siebdruckprozess

Kunstwerke, von einfarbig bis bunt, mit und ohne Echtgold oder anderen Edelmetallen, entstehen im Gebäude gleich neben dem Porzellanwerk in Kahla. Genauer gesagt sind es die Schiebebilder, die dann in aller Welt die Produkte der Porzellan- und Glashersteller veredeln. Seit Gründung 1996 entwirft, gestaltet und produziert hier die heute 16-köpfige Mannschaft der CERADRUCK GmbH im automatisierten Siebdruckverfahren Schiebebilder für die verarbeitende keramische, technisch-graphische Industrie. Der Ausblick auf den für BVMW-Netzwerkveranstaltungen typischen „Einblick hinter die Kulissen“ ließ fast 20 Unternehmerinnen und Unternehmer die Einladung von Gastgeber Mathias Rahtjen und Dietmar Winter, Geschäftsführer des BVMW-Kreisverbundes Jena/Saale-Holzland-Kreis annehmen.
Heute kann die CERADRUCK Leistungen vom Lay-out der Motive über die Herstellung der Siebe und das Mischen der Farben für den auf drei modernen Siebdruckvollautomaten ablaufenden Druckprozess. Hier durchläuft jede Farbe einen eigenen Druckvorgang in den 13 Metern des Automaten, nacheinander, bis das vollständige Motiv entstanden ist. Die Farben werden aus 20 Grundtönen der aus natürlichen Rohstoffen gewonnen Farbpulver zu einer streichfähigen Paste gemischt. Erfahrung ist gefragt, denn erst in der Hitze der Brennkammern bei Temperaturen von etwa 600 bis zu 1.300 Grad Celsius entfalten die Motive ihre wahren Farben. Wir finden sie dann auf edlem Tafelporzellan, auf Werbeprodukten von Officegeschirr, Teller, Tasse, Bierkrug und Trinkglas bis zum Emailschild, dem wohl langlebigsten Werbeposter, wieder. Wie filigran Strukturen abbildbar sind, lässt sich bei der Betrachtung eines Feinsiebes durch die Lupe einschätzen. „Fein“ heißt hier, auf einem Quadratzentimeter des Drucksiebes sind jeweils 150 Fäden in Längs- und in Querrichtung verwebt.
Die Grundlagen, Erfahrungen und Praxis, gesammelt von Mathias Rahtjen, Gründer und geschäftsführender Gesellschafter, reichen zurück bis 1977, vom Beginn von Lehre, über das spätere Studium zum Druckingenieur und das in Saalfeld und später im eigenen, mit Ehefrau Kerstin Rahtjen geführte Familienunternehmen gesammelte Wissen. Neben dem Erstkunden Kahlaporzellan suchte Mathias Rahtjen sofort und mit Erfolg auch nach weiteren Anwendungen und Kunden. So entstand das internationale Renommee der Kahlaer CERADRUCK als Spezialist, Künstler und „Glücksgriff“, wenn anspruchsvolle Schiebebilder für Aufglasur, Inglasur sowie Hohl- und Flachgläser benötigt werden. Weitere Spezialitäten sind Niedertemperatur Nass-Schiebeschilder (X-Pression Farben), Induktionsschiebeschilder und keramischer Digitaldruck.
Nach dieser aufschlussreichen Netzwerkveranstaltung werden derartige Dekore und Werbemotive garantiert mit anderen Augen betrachtet. Nicht zuletzt auch wegen der kurzweiligen und verständlichen Erläuterungen von Kerstin und Mathias Rahtjen während des Rundgangs. Dafür und natürlich auch für Gastfreundschaft und Bewirtung ein herzliches Dankeschön!

Text und Fotos: Karsten Seifert, FAKT KOMMUNIKATION

www.shk.bvmw.de 
www.ceradruck.de