Berufsausbildung via Internet und Betreuung durch sachkundige Senioren

Erstes hybrides Unternehmertreffen des BVMW-Kreisverbundes Jena/Saale-Holzland-Kreis

Die online zugeschalteten Teilnehmer

Für den Mittelstand war und ist die berufliche Ausbildung ein Erfolgsmodell. Weit über Deutschland hinaus ist das System der dualen Ausbildung (praktische Ausbildung in den Ausbildungsbetrieben und theoretischer Unterricht in den Berufsschulen) anerkannt und gilt als positives Vorbild in vielen Ländern. Das Berufsausbildungs-System sichert den Unternehmen Fachkräfte, die sie dringend benötigen. Umso wichtiger ist es, dass die Betriebe am Ball bleiben und auch unter den aktuellen schwierigen Bedingungen in der Corona-Pandemie junge Menschen ausbilden und ihnen damit eine gute berufliche Perspektive geben. Mit Ausbildung schaffen Unternehmen gemeinsam mit ihren Auszubildenden ihren Erfolg für die Zukunft.
Damit Ausbildung unter den heutigen Anforderungen gelingt, gehört ein umfassendes Netzwerk an Betreuung rund um die Belange der Auszubildenden dazu. Die Berufsschulen bauen das theoretische Fundament, die Ausbildungsbetriebe binden die Lehrlinge von Beginn an in die Praxis ein und für die sozialen Sorgen und Nöte kümmern sich beispielsweise die „Senioren Experten“ von VerA. Sie geben ehrenamtlich ihre Berufs- und Lebenserfahrung an die jungen Leute weiter. Damit wird ein Flechtwerk rund um die Auszubildenden gewoben, das sie bestens auf ihr berufliches Leben vorbereitet und fit für ihre persönliche Zukunft macht.
Zu so einem Netzwerk hat Dietmar Winter, Leiter des Kreisverbandes Jena – Saale Holzland des Bundesverbandes der Mittelständischen Wirtschaft zu einer hybriden On- und Offline Veranstaltung bei der Firma Pelzer Maschinenbau- und CNC-Zerspanungstechnik GmbH eingeladen.
Ausbildung hat bei der 1828 gegründeten Firma Pelzer von jeher Tradition. So erläutert Geschäftsführer Bertram Pelzer das „Magische Dreieck“ der dualen Ausbildung und macht hier ein gewisses Spannungsverhältnis zwischen der Praxis im Betrieb und den theoretischen Vorgaben der Berufsschulen, die an das übergeordnete Bildungsministerium gebunden sind, aus. Bei den Ausbildungsbetrieben entstehe oft der Eindruck, dass sich hier die Theorie immer weiter von der Praxis entfernt und die Lehrmaterialien nicht mehr ganz zeitgemäß daherkommen, führt Bertram Pelzer aus. Beispielhaft führt er hier eine Aufgabenliste, die die Auszubildenden abzuarbeiten haben, an. In seinem Betrieb wird da längst mit Barcodes für das Ein- und Auschecken der jeweiligen Teilaufgaben gearbeitet. Die Liste von der Berufsschule lässt noch keine Digitalisierung erkennen und ähnelt eher einer Ausbildungsliste des VEB Carl Zeiss aus den siebziger Jahren. Eine kleine Kritik, die eher zum Ausdruck bringen soll, dass der Firma Pelzer ihre Auszubildenden sehr am Herzen liegen. Im Schulungsraum der Firma finden die Azubis alles, was sie brauchen. Gemeinschaftlich wird hier zusammen mit dem Chef der Stoff durchgegangen und die Aufgaben geübt. Dafür sind auch alle Schulbücher und Lehrcomputer vor Ort vorhanden.

Frank Weingart, Schulleiter des Staatlichen Berufsbildenden Schulzentrums Jena-Göschwitz konnte die Kritik nicht ganz so stehenlassen. Ihn treibt vielmehr in der aktuellen Situation um, wie er ein Maximum an Präsenzunterricht an der Schule sicherstellen kann. Denn das ist sehr wichtig für die Auszubildenden. Das Schulzentrum fährt ein Wechselmodell. Das fordert die Lehrer, die vor dem einen Teil der Klasse im Präsenzunterricht stehen und zusätzlich Aufgaben für die andere Hälfte zu Hause bereitstellen müssen. Zusätzlich müssen sie sich auf unterschiedliche Azubi-Typen einstellen. Die einen kommen bestens mit dem Distanzunterricht zurecht, andere kommen damit weniger klar. Prekär wird es, wenn es zum Unterrichtsausfall kommt, weil die Schulklasse inklusive Lehrer für zwei Wochen in Quarantäne müssen. Dann müssen wieder alle Unterlagen den Schülerinnen und Schülern zugeschickt werden.
Aber da stellt der Datenschutz eine Schikane in den Weg. Er verbietet es, dass der Lehrer E-Mails an die Schüler verschickt, da er die ja gar nicht offiziell besitzen darf. Nun verschickt der Klassensprecher die Aufgaben in die Whats-App Gruppe. Und die Lösungen gleich hinterher. Stellt sich doch hier die Frage, warum nicht jeder Berufsschüler des SBSZ Jena eine persönliche E-Mail-Adresse mit der Kennung @sbsz-jena.de besitzt?

VerA unterstützt Auszubildende
„Wir haben es gemeinsam geschafft. Der Ausbildungsabschluss macht auch mich stolz“, so ein Originalton eines Senioren-Experten von VerA, der bundesweiten Initiative zur Verhinderung von Ausbildungsabbrüchen. Jährlich begleiten die Expertinnen und Experten des Senior Experten Services etwa 5.000 junge Menschen. Die Erfolgsquote liegt bei über 70 Prozent. Der Senior Experten Service ist die führende deutsche Ehrenamtsorganisation für Fach- und Führungskräfte im Ruhestand oder in einer beruflichen Auszeit. Die gemeinnützige Gesellschaft gibt weltweit Hilfe zur Selbsthilfe. In Deutschland setzt sie sich insbesondere für junge Menschen in Schule und Ausbildung ein.
VerA bringt die Senioren-Experten mit jungen Menschen zusammen, denen die Ausbildung schwerfällt. Das Besondere an VerA ist das Tandem-Modell. Hilfe nach dem Eins-zu-eins-Prinzip bei fachlichen und privaten Problemen.
Ein solches „Tandem“ war als echtes Best-Practise-Beispiel bei der Veranstaltung dabei. Dieter Bickel, Diplom-Mathematiker im Ruhestand, hat seinen Schützling, die Indonesierin Rosita Sonani mitgebracht. Frau Sonani ist in einer Ausbildung im dritten Lehrjahr zur Lebensmitteltechnikerin bei der Apoldaer Firma Ospelt. Per Fernunterricht an der Fernschule sgd in Darmstadt macht sie nebenher ihr Abitur nach und möchte nach ihrer Ausbildung studieren. „Herr Bickel ist sehr hilfreich und auch beim Abitur ganz ok“, sagt sie lächelnd und man spürt, dass dieses Tandem erfolgreich funktioniert.
Insbesondere hilft VerA bei Behördengängen, die manchmal – gerade für die ausländischen Auszubildenden – nicht ganz einfach sind, aber auch bei spezifischen Fächern wie Wirtschaftsrecht und Sozialkunde.
Herr Winter versprach weitere Unterstützung für diese Initiative zu, natürlich auch im Interesse der BVMW-Mitgliedsbetriebe, denen dieser Service oftmals nicht bekannt ist.
Bertram Pelzer führt die kleine Präsenz-Gruppe unter Achtung der Corona-Schutzmaßnahmen abschließend noch durch die Produktion und zeigt die Ausbildungs-Maschinen. Das Konzept von VerA hat auch ihn überzeugt, noch mehr Unterstützung für seine Auszubildenden anzubieten. Enge Zusammenarbeit mit akademischen Bildungseinrichtungen, Instituten und Vereinen rund um seine Auszubildenen, ist seit jeher das Credo der Firma, wie in einem Prospekt zu lesen ist.

Ein herzliches Dankeschön

 

 

Annett Hänel
CommUnikate
www.communikate-online.de 

Fotos: Annett Hänel und Dietmar Winter