Wenn Frau Elster sagt "du musst" und Herr Fuchs abwartet...

FrühsrücksIMPULSE des BVMW GRZ/SOK zum Thema: Bürokratiemonster neue GRUNDSTEUER. Dazu tauschten sich die Unternehmer*Innen mit dem Sachverständigen für Immobilienbewertung Peter Benjak und Steuerberater Norbert Fritsche aus...

"Mit der Verabschiedung des Gesetzespakets zur Reform der Grundsteuer innerhalb der vom Bundesverfassungsgericht bis Ende 2019 gesetzten Frist ist der Bundesgesetzgeber seiner Verantwortung gerecht geworden, die Grundsteuer als bedeutende Einnahmequelle für die Städte und Gemeinden über das Jahr 2019 hinaus zu erhalten..." so beschreibt es das Bundesministerium für Finanzen und gibt dem Steuerzahler einige FAQ´s an die Hand. Ab 01.01.2025 ist die neue Grundsteuer dann fällig.

Bevor ich Ihnen ein paar reale Fakten unserer Experten an die Hand gebe, möchte ich hier eine kleine Finanzgeschichte erzählen:

Wenn Frau Elster sagt "du musst" und Herr Fuchs abwartet

"Frau Elster" steht in unserem Fall für das Online-Portal des Finanzamtes und "Herr Fuchs" übernimmt die Rolle des Grundstückseigentümers in Deutschland. Frau Elster kommuniziert aus Berlin und Herr Fuchs lebt in Thüringen, welches das Bundesmodell übernommen und auf den Gebrauch der Öffnungsklausel verzichtet hat. 

Vom 01.07.2022  bis 31.10.2022 sind alle Grundstückseigentümer per Post dazu aufgerufen, eine "Steuererklärung" zur eigenen Wertermittlung ihrer Immobilie (außschließlich online) an "Frau Elster" zu übertragen. Formulare gibt es dazu aktuell noch nicht. "Herr Fuchs" soll also mit der Eintragung seiner Daten zum digitalen Mitarbeiter der Finanzbehörde werden, bei der die Akten eigentlich ja längst vorliegen, nur eben nicht digital. Ok, "Herr Fuchs" nimmt sich nun seinen Zollstock und vermisst seine Immobilie. Achtung, jetzt nur keinen Fehler machen, denn einmal eingereicht, sind die Daten im System gespeichert. Wie sich die neue Grundsteuer berechnet (3 Schritte), entnimmt "Herr Fuchs" aus den FAQs des Finanzministeriums, merkt aber schnell, dass er mit den Begrifflichkeiten als Laie schwer zurecht kommt. Außerdem lässt "Frau Elster" keine Abweichungen bei der Bewertung zu. Er befürchtet nun, Fehler zu machen. Um nicht zuviel Lehrgeld an den Fiskus zu zahlen, fragt "Herr Fuchs" seinen Steuerberater und einen Sachverständigen. Beide könnten helfen, müssen aber durch Fachkräftemangel und andere wirtschaftliche Umstände die Zuarbeit absagen. Kosten für die reine Datenerfassung durch Dritte würden außerdem die eigenen Grundstückskosten von "Herrn Fuchs" zusätzlich erhöhen. Also bleibt "Herrn Fuchs" nichts anderes übrig, als seine selbst errechneten Daten (Pi *Daumen*Fensterkreuz) an "Frau Elster" zu senden. Doch oje !!! "Herr Fuchs" ist schon Rentner und hat gar keinen Computer! ...

Ich könnte diese Geschichte jetzt noch viel länger ausschmücken. Aber sie soll lediglich zeigen, wie undurchdacht oder schlecht realisierbar dieses ganze Bürokratiemonster der neuen Grundsteuer sich darstellt. Beim heutigen FrühstücksIMPULS im Shell Autohof Rüdersdorf/Pörsdorf haben wir alles ausführlich diskutiert. Lösungsansätze sind aktuell nicht ersichtlich, von der Umsetzbarkeit ganz zu schweigen.

"Herr Fuchs" entschließt sich heute abzuwarten, mindestens bis Oktober 2022, um zu sehen, wie sich die Zusammenarbeit mit "Frau Elster" bis dahin entwickelt. Außerdem wird er wahrscheinlich erst einmal Einspruch gegen den Einheitswertbescheid von "Frau Elster"einlegen.

 

Natürlich sollten Sie, liebe Leser, sich zuerst mit Ihrem Steuerberater dazu absprechen. Gerne können Sie sich auch mit unseren heutigen Experten und BVMW-Mitgliedern aus der Frühstücksrunde austauschen:

Dipl. Ing. Peter Benjak ist Öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Immobilienbewertung. www.benjak-gutachter.de

Steuerberater Norbert Fritsche berät mittelständische Unternehmen unter anderem bei Umfirmierungen. www.itax-stb.de

Hier teile ich gerne noch einen kleinen Faktencheck.

 

Herzlichst

Ihre Kathrin Horn