Das Gründerklima in Deutschland: Besser oder schlechter als sein Ruf?

Wie ist es um das Gründungsklima hierzulande und besonders in Bayern bestellt? Dr. Heiner Pollert, langjähriges Mitglied des Wirtschaftssenats des BVMW Bayern, gibt darüber in einem Fernsehbeitrag bei TV Bayern LIVE Auskunft.

Dr. Heiner Pollert, Patentpool Innovationsmanagement


Wie ist es um das Gründungsklima in Bayern bestellt? Dr. Heiner Pollert, Gründer von Patentpool Innovationsmanagement und langjähriges Mitglied des Wirtschaftssenats des BVMW Bayern, gibt darüber in einem Fernsehbeitrag bei TV Bayern LIVE Auskunft. Das Magazin wurde am Samstag bayernweit von 17:45 bis 18:45 auf der Frequenz von RTL ausgestrahlt. Zunächst hebt Pollert dort hervor, dass der Begriff Start-Up zwar erst in den letzten 20 Jahren in Mode gekommen ist, aber technologische Innovationen durch frisch gegründete Unternehmen kein neues Phänomen seien. Er sieht daher keinen plötzlich aufgekommenen Boom von Start-Ups, auch wenn dieser wünschenswert wäre.

Die Perspektive, für seine eigene Idee zu arbeiten, anstatt als ein Angestellter für ein Unternehmen, motiviere Jungunternehmer aber natürlich nach wie vor, so BVMW-Senator. Die Hoffnung, seine eigenen Ideen umsetzen zu können und dadurch zu Erfolg und Wohlstand zu kommen, bliebt also für junge Gründer der wichtigste Antrieb. Da durch die Unternehmensgründungen Arbeitsplätze geschaffen werden und somit über die Innovationen hinaus ein wichtiger Beitrag zur Wirtschaftsleistung gebracht wird, sind Start-Ups für den Wirtschaftsstandort Bayern unabdinglich. Förderinstitutionen und das Internet haben es für Start-Ups mittlerweile etwas leichter gemacht, am Markt zu bestehen, auch wenn nur etwa eins von zehn Start-Ups längerfristig erfolgreich ist, stellt Pollert fest.

Venture Capital gleich Vulture Capital?

Weil eine Neugründung nicht immer mit Eigenkapital gestemmt werden kann, ist die Finanzierung durch Risikokapitalgeber, also durch sogenanntes Venture Capital, für Start-Ups häufig zwingend notwendig. Gerade auch in der anschließenden Wachstumsphase müssen Gründer also oft Unternehmensanteile an Investoren abgeben. Befürchtungen, dass dies zu einer Machtübernahme der Investoren führen kann, hat Pollert vor allem dann, wenn das Unternehmen zu wenig erfolgreich oder sehr erfolgreich laufe. Dennoch sei es bei weitem nicht immer der Fall, dass Risikokapitalgeber als „Vulture Capital“ nur den eigenen Gewinn im Auge haben, so Pollert.

Für den Umstand, dass der Anteil der Gründerinnen mit etwa 15 Prozent immer noch deutlich geringer als der Anteil der männlichen Gründer ist, spielen die niedrigen Zahlen weiblicher Studierende in Technikfächern eine zentrale Rolle. Auch in Unternehmensvorständen sehen die Zahlen noch ähnlich aus, betont Pollert.    

Berlin oder München?

Der Unternehmer hebt hervor, dass München als Standort für Start-Ups im Vergleich mit anderen Großstädten sehr gut dastehe. Doch zumindest Berlin droht mittlerweile davonzuziehen, auch weil die Hauptstadt mit besseren sozialen Bedingungen und günstigeren Mieten für die jungen Gründer aufwarten kann. Bayern müsste hier neben den bereits guten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bessere soziale Bedingungen für junge Unternehmer herstellen, um mitzuhalten. So hat Pollert Verständnis, wenn sich Gründer auf den Weg in die lockere und hippe Hauptstadt machen. Berlin sei zwar arm aber eben sexy, so sein abschließendes Fazit.