Wie sich die Unternehmensnachfolge erfolgreich gestalten lässt

Über diese Frage konnten Unternehmer bei einer Veranstaltung des BVMW Bayern letzte Woche diskutieren.

Achim von Michel vom BVMW Bayern gab in seiner Begrüßung die Richtung des Abends vor, der die Teilnehmer auf eine Reise mitnahm und ihnen zeigte, wie positive Energien bei der Unternehmensübergabe genutzt werden können. Um sein Unternehmen in die richtigen Hände zu geben und die Übergabe erfolgreich zu gestalten, sei es zunächst meist sinnvoll, externe Beratung einzuholen, so von Michel.

Beratung wird noch zu wenig genutzt

Doch in seiner Einführungsrede beklagte der leitende Ministerialrat Georg Schmidt vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft und Energie, dass die bestehenden Beratungsangebote zum Thema Unternehmensnachfolge noch zu wenig genutzt würden.

Manche Unternehmer würden sogar erst im sehr weit fortgeschrittenen Alter an die Übergabe des Unternehmens denken. Damit die Beratung zukünftig häufiger in Anspruch genommen werde, sollen die staatlichen Beratungsangebote besser vernetzt werden, so Schmidt.

Denn gerade eine individuell angepasste Beratung über die gesamte Dauer des Nachfolgeprozesses sei wichtig für den gelungenen Ablauf der Übergabe, hob Roland Greppmair, Partner bei K.E.R.N - Die Nachfolgespezialisten, anschließend hervor. Beatrice Rodenstock von der Rodenstock Gesellschaft für Familienunternehmen sowie Roland Greppmair und Holger Habermann von K.E.R.N - Die Nachfolgespezialisten stellten einen beispielhaften Nachfolgeprozess zur Verdeutlichung interaktiv vor.

Übergabe auch als Chance

Durch den fiktiven Dialog zwischen Übergeber, Übernehmer und einem Experten wurde schnell klar, wie unterschiedlich die Sichtweisen der verschiedenen Generationen in Familienunternehmen sein können. Gerade an komplexe Sachverhalte wie die Digitalisierung des Unternehmens gehen die Generationen in der Regel sehr unterschiedlich heran. Doch hier kann eine anstehende Unternehmensübergabe auch eine Chance sein, um diese Fragen zu klären und das Unternehmen sanft zu transformieren, hob Rodenstock hervor.

Vier Phasen der Übergabe

Allgemein gliedere sich der Nachfolgeprozess in vier Phasen, die man sich wie eine Bergtour vorstellen könnte, so die Nachfolgespezialisten. Auf die erste Phase der Orientierung folge dabei die Planung der Übergabe und schließlich der anstrengende Teil der eigentlichen Übergabe in der Praxis, bis man schließlich den Gipfel erreicht habe und auf eine erfolgreiche Transition zurückblicken könne, erklärten Greppmair und Habermann.

In der Phase der Orientierung müssen die Übergeber entscheiden, wie sie den Übernehmer gerecht auswählen – was gerade bei mehreren Kindern schwierig sein könne, so Rodenstock. Hier sollte laut den Experten Greppmair und Habermann die übernehmende Genration miteingebunden werden, um zu klären, ob diese überhaupt an der Spitze des Unternehmens stehen will.

Gemeinsam an einem Strang ziehen hilft

Nachdem die Entscheidung über den Nachfolger getroffen ist, sollte nun genau geplant werden, wie die Übernahme der Kompetenzen durch die Nachfolgegeneration innerhalb des Unternehmens schrittweise ablaufen soll. In der dritten Phase werde es dann wichtig, dass der Übergeber sich zurücknehmen kann und neue Aufgaben und Beschäftigungen findet, so die Nachfolgespezialisten. Die gegenseitige Wertschätzung für das geleistete bzw. für die neuen Ideen mache diesen Prozess deutlich einfacher, als wenn man sich gegenseitig vor allem kritisiert, fassten Greppmair und Rodenstock zusammen.

Zwei von Drei Übergaben scheitern

Wertschätzung, Motivation und Emotion waren auch im nächsten Vortrag von großer Bedeutung. Der Bestsellerautor, Profisportler und preisgekrönte Unternehmer Matthias Krieger, Geschäftsführer der Krieger+Schramm Unternehmensgruppe, motivierte die Gäste in seinem Vortrag, die eigenen Charaktereigenschaften auch im Unternehmen zu nutzen.

Das Thema Unternehmensnachfolge sei angesichts von 30 Nachfolgen pro Tag in Bayern und der Tatsache, dass zwei von drei Übergaben scheitern, hoch aktuell, so Krieger. Doch mit klar gesteckten Zielen und Visionen fielen einem die Anstrengungen bei einer Übergabe leichter. Außerdem zentral ist laut Krieger die Führung des Betriebes durch die Motivation der Mitarbeiter und das Hervorrufen einer emotionalen Bindung ans Unternehmen. Als Chef sollte man daher zu 80 Prozent „Coach“ und nur zu 20 Prozent „Boss“ sein, so Krieger. Als Fazit der Veranstaltung zeigte sich somit, dass der Unternehmenserfolg durch die Charaktereigenschaften des Unternehmers – egal aus welcher Generation –  entscheidend beeinflusst wird.

Die etwa 30 anwesenden Gäste konnten abschließend bei einem Imbiss noch offen geblieben Fragen zum Thema Unternehmensnachfolge mit den Vortragenden diskutieren.