Symposium: CDU-Urgestein Bosbach im Dialog

Nach lähmenden Jahren programmatischer Dürre scheint die CDU mit dem Rückzug der Bundes-kanzlerin von der Parteispitze die Handbremse zu lösen. Der ehemalige Bundestagsabgeordnete Wolfgang Bosbach half am vergangenen Donnerstag bei seinem Besuch des ...

Nach lähmenden Jahren programmatischer Dürre scheint die CDU mit dem Rückzug der Bundeskanzlerin von der Parteispitze die Handbremse zu lösen. Der ehemalige Bundestagsabgeordnete Wolfgang Bosbach half am vergangenen Donnerstag bei seinem Besuch des Landeswirtschaftssenats die aktuellen Entwicklungen einzuordnen.  

Ein bewegtes und bewegendes Jahr neigt sich langsam seinem Ende und auch der BVMW-Wirtschaftssenat beschloss am Donnerstag seine diesjährige Symposiumsreihe. Zu Gast in den Räumen der Securitas AG auf der Wahlerstraße in Düsseldorf war CDU-Urgestein Wolfgang Bosbach, der gemeinsam mit den Senatorinnen und Senatoren zunächst einen Blick auf das personalpolitische Aufwärmprogramm seiner Partei warf. Die befindet sich bis zu ihrem Bundesparteitag im Dezember in Hamburg im Diskursmodus um die Nachfolge der scheidenden Vorsitzenden Angela Merkel. Eine ungewohnte Situation und ein belebendes Element für die Partei, die zuletzt wie der alter Kanzlerwahlverein unter Helmut Kohls Zeiten vegetierte.

Bosbach, profilierter Konservativer und Merkel-Kritiker, nahm kein Blatt vor den Mund und legte den Finger in die klaffende Wunde, die das Jahr 2015, das Jahr der großen Migrationskrise, in unserer Gesellschaft hinterlassen hat. Keine Frage, Merkel hat sich um das Land, vielleicht auch um ganz Europa verdient gemacht, als sie auf dem Höhepunkt der Finanzkrise die Kernschmelze der Banken verhinderte und im Nachgang mit dem Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) ein Vehikel schuf, das möglicherweise in der Zukunft zu einem effektiven europäischen Investitionsfonds umgebaut werden kann. Das wird nötig sein, denn die Brandherde wie die Euro- oder die Bankenkrise Südeuropas konnten in Merkels Amtszeit nicht gelöscht werden.

Der Diskurs mit Bosbach legte die merkwürdige Spaltung dar, die das Land seit der Massenmigration in absolute Befürworter auf der einen und in radikale Gegner auf der anderen Seite teilt. Es fehlen rationale und gemäßigte Diskurselemente, um zu gesteuerter Migration zu finden und Europa gerade auf diesem so fundamentalen Feld zu einen. Eines zeigte der Themenabend sehr deutlich: Mit Wolfgang Bosbach schied im vergangenen Jahr ein hochkompetenter Innenpolitiker aus der Bundespolitik aus, der dem oder der Nachfolgerin Merkels im Kompetenzteam Innere Sicherheit fehlen dürfte.

Text: Thomas Kolbe