Mittelstand warnt nach Infratest-Zahlen vor schwerer Rezession

Die NRW-Wirtschaft steht an der Klippe einer schweren Rezession. Nach Zahlen von Infratest-Dimap bewerten 65 Prozent der Nordrhein-Westfalen die wirtschaftliche Lage in ihrem Heimatbundesland als „nicht gut“.

Nach Ansicht des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft (BVMW) sei dies das letzte Alarmsignal vor einer beschleunigten Abwärtsspirale. Gerade energieintensive Betrieb kämpften um Liquidität und gegen das Aus im Zuge explodierender Energiekosten, so BVMW-Landesgeschäftsführer Herbert Schulte:

„Der Mittelstand begegnet der gegenwärtigen Krise mit einem starken Bekenntnis zum Wirtschaftsstandort Nordrhein-Westfalen. Nach einer Erhebung des KfW-Mittelstandsbarometers arbeiten mehr als 70 Prozent aller Beschäftigten in mittelständischen Betrieben. Um dieses Fundament unserer Gesellschaft zu erhalten, ist es nötig, dass die politischen Maßnahmen zur Energiekostendämpfung schnell und nachhaltig greifen. Es ist richtig, die steigenden Netzentgelte zu stabilisieren, Energiereserven zu reaktivieren und private Haushalte vor dem Energiepreisschock mit einem Hilfspaket zu schützen. Allerdings benötigen unsere energieintensiven Betriebe zügig Liquiditätspuffer. Wir empfehlen, Steuerzahlungen zu stunden und weitere Fonds für Notfallkredite bereitzustellen, da wir nicht wissen, wie sich die Situation an den Energiemärkten während der Wintermonate entwickelt.“

Die gegenwärtige Lage um den Ukraine-Krieg überdecke zudem ein gravierendes Problem der Geldpolitik, so Schulte, der vor erheblichen Gefahren einer beschleunigten Staatsschuldenfinanzierung mit der Druckerpresse warnt:

„Unternehmen und Haushalte benötigen Preisstabilität, um ordentlich wirtschaften zu können. Die steigende Inflation vernichtet nicht nur Kaufkraft von Einkommen und Erspartem, sie beschädigt auch das Investitionsklima im Mittelstand. Die Infratest-Zahlen belegen, dass Inflation zu einem politischen Thema von höchster Priorität aufgestiegen ist. Wir fordern daher die Staaten im Euroraum auf, jetzt Schritte zur fiskalischen Konsolidierung einzuleiten und den Euro vor weiterer Abwertung zu schützen. Die klammheimliche Aufweichung der Maastricht-Regeln durch höhere Schuldengrenzen wirkt wie ein Turbo zur Beschleunigung der Inflationsraten. Der Maastricht-Vertrag sollte uns vor eben diesem Szenario schützen: Einer langanhaltenden Stagflation, die immer einhergeht mit einer gefährlichen Kredit- und Bankenkrise. Diese wird unter dem gegenwärtigen geldpolitischen Regime allerdings immer wahrscheinlicher.“

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Hier finden Sie eine Auswertung der Infratest Dimap – Daten auf „Tagesschau.de“: bit.ly/3gB0uxp