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Bildquellen: Stuttgart Marketing GmbH, Fraunhofer IPA, Landtag von Baden-Württemberg, BVMW Stuttgart-Nord.

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Grundl Leadership Akademie - 78647 Trossingen

Die angenehme Atmosphäre von menschlicher Nähe und Harmonie ist ein Zustand, den jeder Mensch bewusst oder unbewusst anstrebt. Doch Vorsicht! Wenn Harmoniestreben zur Harmoniesucht mutiert, wird es gefährlich.

In manchen Unternehmen ist alles darauf ausgelegt, dass Menschen möglichst lange verweilen und sich wohl fühlen. Es ist wie zu Hause oder zumindest wie in einem Wellness-Hotel. Am Empfang wird man freudestrahlend begrüßt. Diese Mitarbeiterinnen im Erdgeschoss scheinen ihr eigenes Reich zu haben. Was der Besucher in ihrem Umfeld sieht, trägt ausnahmslos ihre persönliche Note. Fast könnte man meinen, in ihre Wohnküche geraten zu sein. Yuka Palmen, Kaffeemaschine, Milchaufschäumer, Kühlschrank und eine Familienfotogalerie. Deshalb bekommt jeder Mitarbeiter und Besucher auch gleich einen Kaffee angeboten. Überhaupt wird sehr viel Kaffee getrunken in diesen Unternehmen. Natürlich trinkt keiner seinen Kaffee alleine am Schreibtisch während der Arbeit. Nein, das Kaffeetrinken ist ein wichtiges Gemeinschaftserlebnis, zu dem man einmal pro Stunde zusammenkommt. Es sei denn, man sitzt in einer Besprechung. Dort steht der Kaffee schon auf dem Tisch. Dazu gibt’s Kekse. Entsprechend lange dauern die Meetings, und entsprechend oft laden diese netten Menschen dazu ein. Weil es so gemütlich ist, möchte keiner so schnell wieder zurück an seinen Schreibtisch. Da wäre er ja ganz allein. So sitzt man zusammen. Und: Es sitzen alle zusammen! Jeder muss ins Boot, niemand darf ausgeschlossen werden. Und niemand darf sich selbst davon ausnehmen. Das ist ein Grundgesetz in den netten Unternehmen. Deshalb werden auch bei E-Mails immer möglichst viele auf Cc gesetzt. Natürlich darf jeder mitreden. Nur unangenehme Dinge sollte keiner zur Sprache bringen. Das muss nun wirklich nicht sein. Vor allem nicht vor all den anderen! Aber zum Glück weiß man ja, was der andere hören will. Man kennt sich lange genug. Deshalb wird gelobt, was das Zeug hält. Bis alle freudentrunken den Konferenzraum verlassen. Es geht darum, dass sich alle wohlfühlen nicht darum, dass notwendige Dinge voran gebracht werden.

Harmoniesucht verhindert wahre Menschenentwicklung

Hin und wieder höre ich von Führungskräften Sätze wie: „Ich hätte gerne, dass meine Mitarbeiter mehr Verantwortung übernehmen.“ Der „Unternehmer im Unternehmen“ lautet der Standardsatz. Die Wahrheit ist: Wenn sie wirklich solche Mitarbeiter haben wollten, dann hätten sie sie längst. Das ist keineswegs ein Vorwurf, sondern nur eine Feststellung, die auf viel Erfahrung beruht. Mit Signalen auf der unterbewussten Ebene machen Chefs ihren Mitarbeitern deutlich, was sie eigentlich erwarten. Nicht was sie sagen wirkt, sondern was sie wirklich wollen. Demgegenüber ist das gesprochene Wort nahezu bedeutungslos. Es gibt sogar Sätze, die einem zuverlässig signalisieren, dass eine Führungskraft eigentlich genau das Gegenteil seiner Lippenbekenntnisse herbeiwünscht. Es scheint fast so, dass, je häufiger die Sätze benutzt werden, umso sicherer werden sie nicht gelebt. Wenn Sie den Charakter einer Führungskraft kennenlernen wollen, dann hören Sie nicht auf seine Worte, sondern sehen Sie sich die Menschen an, mit denen er sich umgibt. Sind sie schwach und abhängig und versuchen sie, es ihm recht zu machen? Dann ist ihr Harmoniebedürfnis auch das ihres Chefs. Oder sind sie selbstbewusst und kommunizieren mit ihrem Vorgesetzten auf Augenhöhe? Dann ist ihre Konfliktfähigkeit auch die ihres Chefs. Die gute Nachricht ist: Wer es in die eine Richtung geführt hat, kann es jederzeit in eine andere Richtung führen. Das einzige, was es dazu braucht, ist der Mut zur Selbsterkenntnis.

Der Entwicklungsprozess der Mitarbeiter beginnt mit der Veränderung der Führungskraft

Jetzt ist auch der Satz »Der Fisch stinkt vom Kopf her« besser zu verstehen. Wer ihn als Führungskraft begriffen hat und an sich selbst überprüft, sieht im nächsten Moment, wie die Dinge positiv zu verändern sind. Nämlich indem er sich selbst ändert. Dieser Prozess bedeutet bedingungslose Ehrlichkeit sich selbst gegenüber – aber er lohnt sich. Emotional und finanziell. Wenn der Chef sich klarmacht, was bisher seine eigentlichen Motive waren, hat er die Chance zur Veränderung. Und damit zu einer positiven Entwicklung seiner selbst und seiner Mitarbeiter und zu besseren Ergebnissen im gesamten Unternehmen. Natürlich ist es für das Selbstbild einer typischen Führungskraft ein Schlag ins Gesicht, wenn sie sich eingestehen muss: Ich bin ein harmoniesüchtiger Gutmensch! Ich will hier vor allem bewundert werden, vor anderen gut dastehen und der Mittelpunkt des Geschehens sein; Ergebnisse und Wirkung sind für mich nur Mittel zu diesem Zweck. Aber genau diese Einsicht wäre der Anfang einer Besserung. Die Umstände, in denen wir leben oder arbeiten, führen uns immer vor Augen, was wir bis jetzt wirklich wollten. Unsere bisherige Wirkung spricht eine klarere Sprache als unsere Absichtserklärungen. Doch wir können jederzeit anfangen, etwas anderes zu wollen. Menschliche Größe zeigt sich dort, wo das jemand freiwillig tut, wo sich jemand entscheidet, in kleinen Schritten fähiger zur konstruktiven Auseinandersetzung zu werden und jeden Tag ein bisschen weniger Harmonie um jeden Preis anzustreben.

Harmoniesüchtige Chefs ordnen ihrem Wunsch nach Beliebtheit und ihrem Hunger nach Anerkennung alles andere unter. Der Harmoniewall, den sie errichten, umschließt jeden einzelnen Mitarbeiter. Offenheit, Kreativität und konstruktive Auseinandersetzung bleiben so auf der Strecke. Konflikte werden verdrängt und verschleppt. Unter dem Deckel der Harmonie gärt es dabei mindestens so sehr wie bei Loriots Familie Hoppenstedt unter dem Weihnachtsbaum. Und genau wie dort endet die ganze Harmoniesucht bei vielen Familien und Unternehmen oft genug in Chaos und Streit.

Führen bedeutet, die Wirkung jedes Mitarbeiters zu erhöhen

Alle finden sich toll im Unternehmen der harmoniesüchtigen Gutmenschen. Doch wo die Chefs den Versuchungen einer Führungskraft erlegen sind, da gibt ihr Egoismus den Ton an. Da verhindert ihr Narzissmus das, was eigentlich einzige Aufgabe einer Führungskraft ist: durch Menschenentwicklung die Selbständigkeit und Wirkung jedes Einzelnen ständig zu erhöhen, damit sich auch Wirkung und Wertschöpfung des Unternehmens ständig steigern können. Natürlich würden die einzelnen Mitarbeiter dadurch auch unabhängiger werden. Gut für den Unternehmenswert. Schlecht für den Egotrip des Chefs. Eine der Hauptversuchungen für Führungskräfte besteht darin, den natürlichen Wunsch des Menschen nach Harmonie höher zu gewichten als die Notwendigkeit der Entwicklung. Harmoniesucht führt jedoch zu Duckmäusertum und produziert Bewunderungsgartenzwerge. Nur konstruktive Auseinandersetzungen sorgen für Weiterentwicklungen. Harmonie ist das Ziel, ja. Aber die Harmonie, die auf die notwendige Auseinandersetzung folgt. Keine Frage, wir alle streben nach Harmonie. Niemand will Streit. Doch das Kuschelunternehmen ist auf schwankendem Grund gebaut. Hinter jeder verschleppten Insolvenz steckt Harmoniesucht: der Wunsch, der Realität nicht ins Auge zu sehen. Hinter jeder! 

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Was ist besser? Eine Organisation, die die Individualität und Einzigartigkeit des Menschen fördert? Oder eine Kultur, in der Teamgeist und Kollektivität im Mittelpunkt stehen?
Oder besteht die Kunst darin, beides miteinander zu verbinden?

Aus meinem neuen Buch möchte ich Ihnen heute ein weiteres Beispiel von Gutmenschen und Weltverbesserern geben. Dabei geht es um die Gerechtigkeitsfanatiker, die unerbittlich sozial sind. Lesen Sie ein Plädoyer für Eliten und Spitzenleistung in unserer Gesellschaft:
Auf der einen Seite sind die Berliner Philharmoniker ein waschechtes Kollektiv. Das Orchester verwaltet sich selbst. Neue Mitglieder müssen nach einer Probezeit einstimmig gewählt werden. Selbst der Chefdirigent wird jeweils vom Kollektiv bestimmt. Die Musiker treten außerdem in einheitlicher Kleidung auf und werden im Wesentlichen vom Staat bezahlt.

Auf der anderen Seite hat nur derjenige eine Chance auf Aufnahme bei den Berliner Philharmonikern, der als Musiker sein Instrument perfekt beherrscht und dafür jahrelang täglich viele Stunden geübt hat. Er muss im Umgang mit seinem Instrument zur Elite gehören. Wer im Kollektiv herausragende Leistungen bringt, dem gestattet das Orchester nebenher eine Solokarriere. Diesen Erfolg braucht er dann nicht mit dem Orchester zu teilen, das ihm die Plattform dazu geboten hat.

Vieles spricht dafür, dass es gerade diese einzigartige Verbindung aus höchstem Gemeinschaftssinn und ausgeprägter Individualität ist, die die Berliner Philharmoniker zum vielleicht besten Orchester der Welt macht. Dennoch stören sich Kritiker an den Alleingängen einzelner Musiker. Diese Gerechtigkeitsfanatiker unter den Gutmenschen stören sich an dem Erfolg Einzelner. Es stört sie, dass sich die Musiker durch ihren Erfolg von der Masse absetzen. Wen sie als „elitär“ abstempeln, der bekommt ein Imageproblem und kann seinen Erfolg nicht mehr recht auskosten. Eine Gesellschaft, die Spitzenleistungen hervorbringt, wollen die Gerechtigkeitsapostel gar nicht. Denn dann fiele ja ihre eigene Entwicklungsverweigerung auf. Doch wo sich keiner weiterentwickeln, keiner experimentieren, keiner auffallen soll, da ist der Stillstand vorprogrammiert.

Um ihren Gerechtigkeitswahn moralisch zu rechtfertigen, nutzen sie einen unserer fatalsten Denkfehler aus: Wir glauben, wenn wir die Starken schwächen, wäre mehr Stärke für die Schwachen da. Dabei ist es genau umgekehrt. Wenn die Starken noch stärker werden, ist mehr Stärke für alle da. Der erste Ansatz geht von einem bestehenden Kuchen aus, der möglichst gerecht verteilt werden muss, der zweite Ansatz von einem immer größer werdenden Kuchen. Wird der Kuchen größer, ist genug für alle da.

Der Sozialismus will uns glauben machen, wir müssten unsere Individualität weitgehend aufgeben, um in intakten Gemeinschaften zu leben. Der Liberalismus will uns weismachen, die Gemeinschaft sei dem Einzelnen ständig im Weg. Solche „Ismen“ sind geistige Extreme, die uns daran hindern, gründlich genug nachzudenken. Denn wer nachdenkt, wird feststellen, dass sich Gemeinschaft und Individualität überhaupt nicht widersprechen. Mehr noch: dass Spitzenleistungen gerade in der perfekten Balance von Kollektiv und Individuum entstehen.
Menschen, die mit ihren Spitzenleistungen dem Mittelmaß entrinnen wollen, sollten sich gegen die Gutmenschen wehren, die eben dieses Mittelmaß als „soziale Gerechtigkeit“ verbrämen. Die Gutmenschen wollen den Status quo erhalten, um von ihrem eigenen Stillstand abzulenken. Sie stellen sich als Beschützer vor andere. Aber es geht ihnen gar nicht um deren Schutz, sondern darum, dass möglichst viele es ihnen in ihrer Untätigkeit und ihrem mangelnden Ehrgeiz gleichtun. Wer bei uns erfolgreich sein will, der wird oft gemobbt. Erst wenn sich Spitzenleute durchgesetzt haben, werden sie anerkannt. Fragen sie einfach mal bei Oliver Kahn nach diesem Prinzip.
Weil die Gutmenschen sich selbst nicht weiterentwickeln wollen und die Lösung aller Probleme von anderen erwarten, richtet sich ihr Blick hauptsächlich auf die Gerechtigkeit. Indem sie die Gesellschaft und nicht den Einzelnen in der Pflicht sehen, lenken sie von sich selbst ab. Dadurch verpassen sie aber jene Balance zwischen Individualität und Gemeinsinn, bei der sich das Potenzial der Menschen erst richtig entfaltet.

Solche Gutmenschen kommen in einer sozialen, menschenfreundlichen Verkleidung daher und durchziehen unsere Gesellschaft wie ein klebriger, süßer Honig. Im Grunde ihres Herzens befriedigen sie ihre eigenen, egoistischen Motive. Sie wollen gebraucht und geliebt werden. Sie wollen vor anderen gut dastehen. Sie wollen am Ende die Stärkeren bleiben. Und so halten sie die Schwachen schwach und dressieren sie zur Abhängigkeit. Sie werden zu Diktatoren, die unter dem Mantel des Gutmenschentums unsere Gesellschaft vergiften.
Sie würden am liebsten für jedes Orchestermitglied das gleiche Instrument kaufen. Sie würden dafür sorgen, dass diejenigen Musiker, die nicht aus der Oberschicht stammen, in den vorderen Reihen sitzen dürfen. Im Ergebnis würde zwar kaum hörenswerte Musik erklingen, aber sie hätten das Gefühl, sich für Gerechtigkeit eingesetzt zu haben. Hauptsache gerecht, auch wenn dabei die Welt zu Grunde geht.  

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Was glauben Sie? Woran arbeiten die meisten Menschen unbewusst mehr? Andere in deren Stärke und Unabhängigkeit zu führen? Oder sie in eine Abhängigkeit zu führen, um selber gebraucht zu werden? Um mächtiger zu sein und sich überlegen zu fühlen?

Wer noch nicht intensiver über diese Frage nachgedacht hat, antwortet spontan - wie aus der Pistole - geschossen: „Natürlich mache ich primär andere stark!“ Das Reptiliengehirn lässt grüßen. Die Chancen stehen gut, dass dies bei unseren tatsächlichen Motiven weit seltener der Fall ist als wir selbst annehmen. Warum das oft so ist? Ganz einfach: Weil es gut ankommt!

Dieses "gut dastehen vor anderen" bekommt im Laufe der Zeit so viel Nahrung, dass es als Antriebsgrund irgendwann komplett das Ruder übernimmt. Jetzt werden wir von dieser Eitelkeit geführt, anstatt sie - die Eitelkeit - zu führen. Wir glauben, dass wir eigentlich das Beste für andere wollen. In Wahrheit sind wir jedoch nur mit uns beschäftigt und kreisen um uns selbst. Es mangelt uns an Selbsterkenntnis und wir leiden unter Selbstverblendung. Francois de La Rochefoucauld bemerkte hierzu treffend: „Wir würden uns unserer schönsten Taten schämen, wenn die Welt alle Beweggründe sähe, aus denen sie hervorgehen.“ Folgende Auszüge aus dem Buch „Diktatur der Gutmenschen" werden Ihnen beim Erkennen dieser Motive helfen:

Nehmen wir Kapitel 5 aus dem Buch, überschrieben mit „Helfersüchtige: Opfer für die guten Täter“. Hier heißt es: Katzen faszinieren mich. Wir haben selber Katzen, und besonders spannend finde ich ihr Sozialverhalten. Sie sind die fürsorglichsten Mütter, die man sich denken kann. Sie hegen, pflegen und umsorgen ihre Jungen, dass es einem beim Zuschauen ganz warm ums Herz wird. Eines Tages aber sind die Jungen groß genug, um für sich selbst sorgen zu können. Dann ist Schluss mit der Fürsorge. Das Muttertier schmeißt sie gnadenlos raus. Da wird gebissen und geprügelt, bis die Jungen verschwinden.

Katzen wissen, dass der Absprung in die Selbstständigkeit irgendwann erfolgen muss. Und dass er weh tut. Das ist nicht nur bei Katzen so. Es gibt in allen sozialen Systemen einen Punkt, an dem Hilfe zur Belastung wird. Vor diesem Punkt bringt aufopfernde Fürsorge die Gemeinschaft weiter: Sie hilft, alle Mitglieder des Systems beieinander zu halten. Nach diesem Punkt zerstört Fürsorge die Gemeinschaft: Sie hilft den Helfenden, mächtig zu bleiben, und verhindert, dass die Empfänger der Hilfe wieder zu ihnen aufschließen. Vor dem Punkt sind Helfer Helden. Nach dem Punkt sind Helfer Blutsauger.

Dieses Phänomen ist überall zu besichtigen. Ich habe es selbst erlebt. Denn ich war einmal Sozialhilfeempfänger. Jeder einigermaßen selbstbewusste Mensch fühlt sich schlecht, wenn er völlig auf die Hilfe anderer angewiesen ist. Das war bei mir damals nicht anders. Heute kann ich tiefe Dankbarkeit darüber empfinden, dass es in Deutschland einen Sozialstaat gibt, der mich damals aufgefangen hat. Was mir aber gefehlt hat damals? Die Katzenmutter beim Sozialamt, die mich aus der Fürsorge führt. Das musste ich selber machen. Ich wollte mein Studium der Sportwissenschaft beenden und das Diplom schaffen. Ich erntete mitleidige Blicke und völliges Unverständnis. »Das geht nicht. Seien Sie doch realistisch, Herr Grundl. Sie sitzen im Rollstuhl!«. Das machte man mir unmissverständlich klar. Interessant, oder? Wer war hier eigentlich der Realist? Der staatlich bestellte Wohltäter mit der Einstellung: einmal Sozialfall, immer Sozialfall. Oder der Stütze-Empfänger, der sich sagte: Okay, ich bin jetzt in dieser beschissenen Situation – aber ich habe nun einmal im Moment keine andere Situation zur Auswahl. Und im Rahmen der Möglichkeiten bin ich immer noch frei, mein Leben zu gestalten.

Warum wollen die anderen wissen, was gut für mich ist? Warum werde ich permanent aufgefordert, kleinere Brötchen zu backen und mich von meinen Zukunftsvorstellungen zu verabschieden? Heute verstehe ich die Zusammenhänge besser. Den Gutmenschen geht es nämlich mehr ums Helfen als um Hilfe. Und damit sind sie eine Gefahr für jeden, der in Not gerät.

Der Gegenpol zum Gutmenschen ist der Menschenentwickler. Sein wichtigstes Anliegen ist es, Menschen stark zu machen. Er schafft es immer mehr, sich selbst zurückzunehmen. Er weiß: Andere entwickeln bedeutet nicht, diese so zu behandeln, wie sie es gerne hätten oder wie es dem „Entwickler“ angenehm wäre. Es bedeutet, andere so zu behandeln, dass sie sich entwickeln. Meistens ist der Menschenentwickler gar nicht beliebt. Er ist schließlich reichlich unbequem. Anerkennung bekommt er selten sofort. Aber darum geht es ihm auch gar nicht. Er stellt sich und seine egoistischen Motive in den Hintergrund. Er erfreut sich am Wachstum anderer. Er nimmt sich selbst nicht so ernst. Er weiß um seine Eitelkeiten. Er weiß um seine Motive wie „gebraucht werden“, „geliebt werden“, „vor anderen gut dastehen“ oder seine „Sucht nach Harmonie“ zu stillen. Dennoch nimmt er sich – im Dienst der Sache – zurück…

Ein Beispiel mit aktuellem Anlass: Der Milliardär und Gründer der dm-Drogeriemärkte Götz Werner weiß um diese Krankheit der Gutmenschen und hat seine eigene Art damit umzugehen: Er bringt seine Unternehmensanteile in eine gemeinnützige Stiftung ein. Seine sieben Kinder werden nicht automatisch bedacht, wie bei uns sonst in der Erbfolge üblich. Nach seinen Motiven befragt, antwortet der Menschenentwickler Werner weise: „Meine Kinder leiden deswegen nicht, im Gegenteil, sie werden gefördert, indem sie sich selbst beweisen müssen. Kinder haben einen Anspruch auf einen guten Start ins Leben, aber nicht darauf, dass Eltern für den lebenslangen Wohlstand ihrer Nachkommen sorgen.“ Das sitzt! Würden Sie das tun, wenn Sie Milliardär wären? Es ist eben ein großer Unterschied ob Eltern für oder durch ihre Kinder leben.

Ich glaube nicht an den schwachen, schutzbedürftigen Menschen. Natürlich sind Menschen bisweilen schwach und schutzbedürftig. Vor allem Kinder oder Erwachsene in schicksalsbeladenen Lebensphasen. Dort ist echte Hilfe notwendig. So lange wie nötig, aber so kurz wie möglich! Ich glaube vielmehr, dass Menschen starke, selbstbestimmte Wesen sein können. Menschen können eine eigene Meinung und einen eigenständigen Charakter entwickeln. Jeder nach seinen Möglichkeiten. Trotzdem wissen sie, dass sie nicht unfehlbar sind. Sie stellen ihre Stärke in den Dienst der Gemeinschaft und fordern andere dazu auf, der Beste zu werden, der man sein kann. So sind Menschen, wenn man sie fordert und fördert. Wenn man sie nicht mit den perfiden Mitteln der Gutmenschen und Weltverbesserer klein hält. Die Voraussetzung dafür ist, dass auf die „Diktatur der Gutmenschen“ die „Demokratie der Menschentwickler“ folgt.

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"Das Gegenteil von gut ist gut gemeint. Es sind „Gutmenschen“, die „gut gemeint“ über Fortschritt reden und Stillstand produzieren. Sie kommen in einer sozialen, menschenfreundlichen Verkleidung daher und durchziehen unsere Gesellschaft wie ein klebriger, süßer Honig. Grund genug darüber ein Buch zu schreiben: Diktatur der Gutmenschen – Was Sie sich nicht gefallen lassen dürfen, wenn Sie etwas bewegen wollen"

Unsere Gesellschaft braucht starke Menschen, um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern. Doch wir versinken zunehmend im Mittelmaß. Der Grund: Eine Gruppe von Personen, ich nenne sie die Gutmenschen, profiliert sich auf Kosten der Schwachen. Diese heimlichen Diktatoren kommen in einer sozialen Verkleidung daher. Ihr gutgemeintes Verhalten verdeckt, was sie wirklich wollen: selbst stark auszusehen, während die anderen schwach bleiben.

Da ist zum Beispiel die ehrgeizige Führungskraft, die durch harte Arbeit in diese verantwortliche Position gekommen ist. Sie hat alles an sich gezogen und glänzt mit Spitzenleistung. Jetzt würde es eigentlich darum gehen, dafür zu sorgen, dass sich andere entwickeln. Doch da steht der eigene Ehrgeiz im Wege. Natürlich will die Führungskraft auch in Zukunft im Mittelpunkt stehen. Es geht ja gerade beim „Ehrgeiz“ um den „Geiz an Ehre“. Doch was ist die Wirkung? Die Mitarbeiter werden schwach und klein gehalten, damit die Führungskraft selbst größer erscheint. So züchtet man Bewunderungsgartenzwerge.

Dann gibt es die fürsorglichen Eltern, die alles für ihr Kind tun und es in Watte packen. Alles wird dem Kind erleichtert, weil das Leben später noch hart genug sein wird. Gut gemeint! Die Wirkung? Es entsteht ein unselbstständiger Mensch, der zuerst seine Eltern und später die Kollegen, den Chef, die Firma, die Gesellschaft, den Staat, die Globalisierung und Gott und die Welt für sein Glück und Unglück verantwortlich macht. Was haben die Eltern davon? Wer schwache Kinder hat ist nie allein.

Natürlich muss immer unterschieden werden zwischen Menschen, die dies absichtlich und bewusst machen und jenen, die nicht mitbekommen, dass sie von unbewussten Motiven geführt werden. Diesen Menschen fehlt es an Selbsterkenntnis. Denn die wahren Motive werden leicht entlarvt. Sie zeigen sich nicht in den Absichtserklärungen, sondern in der Wirkung. Wichtig ist nicht, wie etwas gemeint ist, sondern zu was es führt.

Da sind außerdem die überforderten Lehrer und Erzieher. Von ihnen wird verlangt, dass sie die Erziehungsmängel der modernen Familie auffangen und die Kinder und Jugendlichen auf die Berufswelt vorbereiten. Diesem Druck kaum gewachsen, wählen sie die Rolle des Kumpels. Sie wollen ihre Schutzbefohlenen über Nähe entwickeln. Dabei behandeln sie ihre Anvertrauten nicht so, wie diese es brauchen, sondern so, wie es ihnen angenehm ist. Da sie selbst gemocht und gebraucht werden wollen, laufen sie in die Gefühlsfalle von zu viel Nähe und bluten so emotional aus.

Und da ist der machtbewusste Politiker. Er braucht Stimmen und gute Stimmung, um in ein Amt gewählt zu werden. Darum signalisiert er: „Wähl’ mich! Du brauchst dich nicht zu entwickeln, dich nicht anzustrengen, dich nicht zu verändern. Du musst nur mich wählen. Ich bringe alles für dich in Ordnung.“ Er redet den Wählern nach dem Mund und punktet mit Absichtserklärungen. So bleibt alles beim Alten, aber um Veränderung geht es ja ohnehin nicht. Es geht um die Stimmen.

Das Prinzip des Gutmenschentums wiederholt sich in allen gesellschaftlichen Ebenen. Die Gutmenschen verkaufen sich als Altruisten und selbstaufopfernde Humanisten. Sie verpacken das so geschickt, dass sie es irgendwann selbst glauben.

Dabei müssen wir aus vielerlei Gründen tatsächlich die Entwicklung von Menschen in den Mittelpunkt stellen. Und nicht nur als gut gemeinte Absichtserklärung in Firmen-Leitbildern. Denn die Zukunft unseres Landes liegt auf den Feldern der Innovation, der Kreativität, des Ideenreichtums und der Hochtechnologie. Dazu braucht es starke, selbstbewusste Menschen. Von der Erziehung über Schule, Berufsausbildung und Studium bis zum Arbeitsplatz. Hier geht es nicht um ein „Kann“, sondern um ein „Muss“. Deswegen müssen sich eine verantwortliche Politik, ein verantwortungsvoller Chef, eine verantwortungsvolle Lehrerin oder verantwortungsbewusste Eltern diesem Ziel verpflichten.

Es geht um gelebte Führungsverantwortung. Daran mangelt es und darum geht es.

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„Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“, lautet ein viel zitierter Satz von Lenin. Vertrauen ist der Anfang von allem“, war einmal Werbespruch der Deutschen Bank. Je öfter das Wort „Vertrauen“ bemüht wird, desto fragwürdiger ist seine Wirkung. Ist Vertrauen ein ernst zu nehmender Wirtschaftsfaktor?

„Das Vertrauen in den Euro lässt nach", lesen und hören wir überall. „Das Vertrauen in die Finanzmärkte ist erschüttert“. „Das Zutrauen in die griechische Rückzahlungsfähigkeit fehlt.“ Das Wort Vertrauen wird oft bemüht: Vertrauenskrise, Anvertrauen, Zutrauen, Selbstvertrauen, Misstrauen. Geht es bei diesem Wort darum, die Vertreter der Kuschelfraktion zufrieden zu stellen, oder ist Vertrauen ein ernst zu nehmender, harter Wirtschaftsfaktor?

Vertrauen ist eine Energiequelle, mit der wir jeden Tag beginnen und dann arbeiten. Es kann Antrieb, Auftrieb, Schweben oder Abtrieb bedeuten. Kaum ein „Softskill“ wird so über- und fehlinterpretiert wie das Vertrauen. Grund genug, etwas Ordnung in das Interpretationschaos zu bringen. In diesem und dem nächsten Newsletter betrachten wir zwei unterschiedliche Formen des Vertrauens. Stellvertretend für das Marktvertrauen geht es heute um das Kundenvertrauen. Der nächste Newsletter behandelt Vertrauen als gelebten Wert - persönlich und in einer Firmenkultur. 

Bei den „harten“ Typen gilt Vertrauen als Erkennungsmerkmal von Weicheiern. Sie interessieren sich für Zahlen, Daten, Fakten und Ergebnisse. Sie sehen Menschen als austauschbare Maschinenteile und nehmen Softskills nicht so ernst. Sie sehen Personalentwicklung als „nice to have“ und weniger als „need to have“. Deswegen wird bei Liquiditätsenge als erstes an der Fortbildung gespart. Bei den „weichen“ Typen gilt Vertrauen als Grundlage von allem und als Lebenselixier. Am liebsten würden sie alles immer mit jedem besprechen und teilen, damit sich keiner ausgegrenzt fühlt. Jeder muss mit ins Boot, mit dabei sein. Alle sollen an einem Strang ziehen. Meetings werden zu Sitzungsmarathons und in E-Mails werden Hunderte auf CC gesetzt. Jetzt die Gretchenfrage: Was stimmt denn nun? 

Wie immer liegt die Wahrheit in der goldenen Mitte zwischen den beiden Polen. So einfach es ist, einem der Pol-Extreme zu verfallen, so schwierig ist die Integration und damit die Auflösung der Gegensätze. Zwei Beispiele: Hartnäckigkeit auf der einen und Entspannung auf der anderen Seite. Entspannte Hartnäckigkeit ist eine Kunst. Oder: Kuschelige Nähe auf der einen und kühle Distanz auf der anderen Seite. Distanzierte Nähe heißt das Meisterwerk. Die goldene Mitte wird nie auf der gleichen Erkenntnisstufe erlangt, auf der sich die Pole befinden. Erst mit einer tieferen „Einsicht“ (Einsicht = Die Sicht des Einen) lösen sich die Pole auf und verschmelzen ineinander. Albert Einstein drückte es so aus: „Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.“

Also, wie sieht es mit dem Kundenvertrauen aus? Wird ein Produkt das erste Mal durch Werbeeinfluss gekauft, ist es ein Marketingerfolg. Ein Vertrauen in das Werbeversprechen. Der erneute Kauf ist ein Qualitätserfolg. Das Werbeversprechen wurde eingehalten. Alle weiteren Käufe sind Serviceerfolge. Das Vertrauensniveau wird regelmäßig gefestigt. Wird ein Produkt durch Weiterempfehlung gekauft, sind dies ein Qualitätserfolg beim Empfehler und ein Erfolg durch das Beziehungsvertrauen zum Empfehler. Bevor es zu kompliziert wird, stoppen wir hier die „Aufgliederungswut“ und stellen fest: Es gibt ein Anfangsvertrauen (Vertrauensvorschuss). Durch das Einhalten oder Übertreffen der Erwartung wird das Vertrauen gefestigt. Doch das entstandene Vertrauen muss immer wieder bestätigt und erneuert werden. 

Vertrauen ist keine einmalige Sache. Also eine ganz schön schwierige und komplexe Angelegenheit? Für diejenigen, die noch nicht in eine innere Haltung des Vertrauens hineingewachsen sind, ist das Erlernen von Vertrauen ein holpriger, jedoch lohnender Weg. Wie beim Führerschein. Die Fahrstunden sind am Anfang anspruchsvoll. Jahre später fahren wir sicher, ohne darüber nachzudenken.

Kundenvertrauen entsteht also durch Glaubwürdigkeit eines Produktes oder eines Menschen, der ein Produkt bewegt, und muss immer wieder bestätigt werden. Diese Glaubwürdigkeit hat beim Menschen zwei Säulen: den Charakter und die Kompetenz. Der Charakter setzt sich aus Integrität und Absicht zusammen. Integrität bedeutet, seinem Wort zu folgen und Versprechen einzuhalten. Wer sich zu viel oder zu wenig vornimmt, wird genauso Schwierigkeiten mit der Glaubwürdigkeit bekommen, wie jemand, der zu viel oder zu wenig verspricht. Mit Absicht sind die wahren Motive eines Menschen gemeint, nicht die vorgegebenen! Kurzfristig können wir Motive vortäuschen, die nicht der Wahrheit entsprechen. Wenn jemand zum Beispiel Menschen benutzt, um ausschließlich seine Karriere zu beschleunigen, so kann man das voraussichtlich eine Weile rhetorisch verschleiern. Nach einer bestimmten Zeit merkt jedoch das Umfeld was die wahren Motive sind und wird sich dementsprechend verhalten. Deswegen: Erkennen Sie, was Sie wirklich an- und umtreibt. Arbeiten Sie daran, dass Sie mehr als nur Ihre eigenen Bedürfnisse befriedigen. Nämlich auch die Bedürfnisse anderer. Nicht alle Bedürfnisse, aber die entscheidenden. Das heißt nicht, dass Sie andere - wegen deren Bedürfnisse - auf Ihrer Nase herumtanzen lassen müssen! Wie Sie das hinkriegen? Ganz einfach: Indem Sie sich für Menschen interessieren. Nah, aber nicht zu nah. Distanzierte Nähe. ☺

Neben dem Charakter bestimmt die Kompetenz maßgeblich Ihre Glaubwürdigkeit. Ihre erworbenen Fähigkeiten und die damit erwirkten Ergebnisse sprechen ebenfalls eine klare Sprache. Was nützt der integre Charakter, wenn keine Wirkung da ist? Oder anders herum: Was nützen die besten Ergebnisse, wenn dahinter ein rein ich-zentriertes Ekelpaket steckt?

Dieser kleine Einblick in das Kundenvertrauen führt zu folgendem Schluss: Entgegen vielfältiger Annahmen ist Vertrauen ein harter und damit auch messbarer Wirtschaftsfaktor. Kunden kaufen aus Vertrauen. Beziehungen beruhen auf Vertrauen. Informationen fließen durch Vertrauen. Firmen gewinnen durch ein hohes Vertrauensniveau. Vertrauen muss aufgebaut, bestätigt und ständig neu justiert werden. Vertrauen ist ein sehr ernstes Thema. Im nächsten Newsletter geht es um Vertrauen als persönlich gelebter Wert. Wie lerne und lebe ich Vertrauen? Welche Wirkung hat Vertrauen auf mich, auf andere und auf die Firmenkultur?

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Die Angst negativer Beeinflussung ist in unserem Land sehr ausgeprägt. Das ist historisch gesehen völlig verständlich. Im 20. Jahrhundert haben sich die Nazis in Deutschland an der destruktiven Gehirnwäsche einer ganzen Nation versucht. Sie waren darin leider erfolgreich. Sechs Millionen ermordete Menschen sprechen für sich. Die Angst, dass sich das wiederholen könnte, hat sich in unserem Bewusstsein tief eingebrannt. Doch was für jede Menschenseele gilt, gilt auch für eine Volksseele. Wichtig ist, was wir durch unsere Vergangenheit gelernt haben. Wir sollten jene Ängste überwinden, die uns lähmen. Es ist an der Zeit, die Schatten der Vergangenheit hinter uns zu lassen. Das zeigt sich daran, dass zum Thema Manipulation und Beeinflussung so wenig klar Stellung bezogen wird. Dieser Newsletter nimmt eine Abgrenzung von Beeinflussung und Manipulation vor.

Einfluss auf andere auszuüben ist ein starker Impuls eines jeden Menschen. Jedes kleine Kind versucht, an der Kasse im Supermarkt die Harmoniesucht der Eltern für seine Vorteile auszunutzen. Leider zu oft mit Erfolg. Kleidung, Mimik, Gestik, Parfüm und Statussymbole werden so ausgewählt, dass eine bestimmte Wirkung erzielt wird. Bewusst oder unbewusst. Jede Werbung buhlt um unsere Aufmerksamkeit genauso wie Medien aller Art. Eltern glauben, nur ihr Weltbild sei das beste für ihre Kinder. Nicht selten scheitern Beziehungen daran, dass der eine dem anderen ständig beweisen muss, wie recht er mit seinem Denken hat. Überall erleben wir den Kampf der Weltbilder. Oder anders: Wer ein bisschen wach ist, kann das Streben nach Einfluss überall und andauernd feststellen. Dennoch drucksen wir um diese Wahrheit herum. Viele haben Angst, dass ihnen ihr Einflussstreben negativ ausgelegt wird.
Menschen wollen Einfluss. Sie wollen ihn, ich will ihn und andere wollen ihn auch. Die Frage ist: Mit welchen Motiven handeln wir und welche Wirkung erzielt unser Handeln?
Einfluss und Manipulation unterscheiden sich eindeutig. Manipulation heißt, jemanden dazu zu bringen, etwas Bestimmtes zu tun oder als gegeben vorauszusetzen, ohne dass er es selbst bewusst nachvollzieht, den Sinn versteht und überprüft hat, ob es seinen Interessen entspricht. Eine solche Vorgehensweise ist verwerflich. Denn ihre Ziele heißen Abhängigkeit und Fremdsteuerung. Hier liegt ein Menschenbild zu Grunde, dass dem eines modernen Sklavenhalters entspricht. Es geht um die rücksichtslose Befriedigung eigener Bedürfnisse. Informationen werden bewusst zurückgehalten oder der Absicht entsprechend verändert. Täuschung und Hinterlist sind an der Tagesordnung. Merke: Wer sich seines Einflusses auf die Außenwelt freut, ist noch lange kein Berufener! Was viele Manipulatoren nicht bedenken: Irgendwann kommt dieses Wirken auf einen selbst zurück und man muss den Preis dafür zahlen. Früher oder später.
Beeinflussung im Sinne der Menschenentwicklung ist dagegen keine Manipulation. Beeinflussung beruht auf der Überzeugung von Menschen. Das heißt, das Vorgehen ist offen und nachvollziehbar. Wenn möglich, geschieht es nach einem System, das vorher erklärt wurde. Es ist dann klar, warum etwas zu tun ist, und im Voraus wurde das Einverständnis der Person eingeholt. Der Schlusspunkt der Beeinflussung ist die Selbststeuerung des Beeinflussten. Das setzt Selbsterkenntnis voraus. Ihr liegt das Menschenbild "Potenziale in anderen freisetzen" zu Grunde. Es basiert auf Ehrlichkeit und soll zur geistigen Unabhängigkeit führen. Diese Art der Beeinflussung dient der Größe, die in jedem Menschen wohnt. Der Beeinflusser handelt nach bestem Gewissen für sich und andere und lässt sich auch gerne von anderen bewusst beeinflussen. Wenn es der Sache dient, hat er damit kein Problem. Er muss auch nicht immer „recht haben“.

Zugegeben, da wir alle keine Heiligen sind, werden sich diese beiden Motivansätze immer mal vermischen. Bevor wir uns zu sehr damit beschäftigen, welche Motive bei den anderen vorherrschen, sollten wir uns selbst immer wieder auf den Prüfstand stellen. Nur Sie wissen, was Sie wirklich antreibt. Je  nach dem, wie tief Sie sich bis jetzt erkannt haben.
Die Frage ist, wann wir aus welchem Antrieb handeln. Wann sind wir im Manipulations-Zustand und wann sind wir im Beeinflussungs-Zustand? Der Manipulator in uns kommt immer dann zum Zuge, wenn wir Angst haben. Angst, zu kurz zu kommen, Angst, übergangen zu werden, Angst, von einem anderen überholt zu werden oder Angst, Kontrolle zu verlieren. Die Art der Ängste ist vielfältig. Die Handlungen, die daraus entstehen, sind sehr ähnlich. Die Grundlage dafür ist immer ein Mangel an Vertrauen. Vertrauen zu sich, zu anderen oder in die Welt. Das geht meistens mit einer inneren Enge einher (ein ressourcenarmer Zustand) oder negative Erfahrungen (unverarbeitete Verletzungen) aus der Vergangenheit übernehmen das Ruder.
Manipulatoren tun so, als wären sie ein netter, lieber Mensch. Das haben sie gelernt. Doch wenn Manipulatoren wirken, heißt es bei den Mitarbeitern: Bei uns wirst du so über den Tisch gezogen, dass die dabei entstehende Reibungswärme als Liebe verkauft wird. Der Manipulator sagt: "Ich entwickle ein Geschäft und benutze dafür Menschen." Der Beeinflusser sagt: "Ich entwickle Menschen und benutze dafür ein Geschäft." Als Beeinflusser sind wir mit uns im Reinen. Wir sind bei uns. Nicht außer uns. Wir vertrauen uns und den anderen und denken, die Welt meint es gut mit uns. Auch wenn wir ab und zu enttäuscht und verletzt werden.

So gerne wir wohl immer im Zustand des Beeinflussers wären, so müssen wir uns doch eingestehen, dass wir öfters im Zustand des Manipulators sind, als uns lieb ist. Das ist nicht so schlimm, solange wir daran arbeiten, dass in uns der Zustand des Beeinflussers immer mehr Raum einnimmt. Wir sind Menschen und sollten akzeptieren, dass wir doch öfters in der inneren Enge sind als wir zugeben mögen. Wie heißt es so schön: Selbsterkenntnis ist der erste Weg zur Besserung. Wenn Sie die höchste Kunst der Beeinflussung kennen und anwenden lernen wollen, dann sei Ihnen das Intensiv-Seminar „Kraft der Sprache“ ans Herz gelegt. Der nächste Termin ist am 15./16. Oktober. Bitte melden Sie sich am besten gleich an. In diesem Jahr sind unsere offenen Seminare sehr früh ausgebucht.☺                                                                                      Ihr Boris Grundl

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Es wird viel über extrinsische und intrinsische Motivation diskutiert und geschrieben. Was ist denn besser?
Ein äußerer oder ein innerer Antrieb? Hilfreicher ist die Frage: Bin ich mir meiner tatsächlichen  Motive und der Motive anderer wirklich bewusst?

Die intrinsische Motivation (IM) ist in Mode. Alles soll aus uns selbst heraus entstehen. Nur keine Beeinflussung von außen zulassen! Nach dem Motto: „Ich weiß Bescheid.“ Extrinsische Motivation (EM) gilt als Zeichen von Schwäche und Unselbständigkeit. Nur nach der tiefen Wahrheit, die in uns liegt, sollen wir handeln. Das hört sich erst einmal verlockend an. Aber ist diese Betrachtung wirklich hilfreich oder nur populär?

Was für Auswirkungen hat es denn, wenn eine Ansicht zu Modeerscheinung wird? Die Antwort: Unser äußerer Bezugsrahmen bringt uns dazu, der momentanen Meinung zu entsprechen. Dahinter steckt Konformitätsstreben. Wir wollen in den Augen anderer gut dastehen. Also doch extrinsische Motivation! (EM) Wir streben danach, uns möglichst gut zu verkaufen. Darin sind wir sehr kreativ. Also stellen wir unsere Handlungen natürlich als „aus uns selbst kommend“ dar. Ein erklärendes Beispiel: Jemand kauft sich einen Ferrari und sagt, dass er das nur aus inneren Motiven heraus tue. Ja klar! Es ist bequem und ermüdungsfrei, mit dem Ferrari zu fahren. Er würde den Wagen natürlich auch fahren, wenn andere ihn nicht dafür bewundern würden. Es geht ihm nicht darum, dass andere neidisch hinterher schauen … So schnell landen wir in der Selbstverblendung. Sie hilft uns zwar nicht wirklich weiter, aber wir stehen gut da. Wir werden von unbewussten Gruppenzwängen mehr gesteuert als uns lieb sein kann.

Die Frage „Was ist besser?“ führt zu einer Spaltung: Was ist richtig? Was ist falsch? Und hier enden wir in einem Entweder-oder. Ja oder Nein. Schwarz oder Weiß. Jetzt mangelt es an einer differenzierten Wahrnehmung. Hilfreicher ist die Frage: Bin ich mir meiner tatsächlichen Beweggründe bewusst und wie kann ich sie beeinflussen?

Die Trennung von inneren (IM) und äußeren Antrieben (EM) wird bei genauer Betrachtung in der Tiefe immer schwieriger. Ein Beispiel: Jemand will Karriere machen. So weit, so gut. Warum denn eigentlich? Ansehen (EM) und Geld werden genannt. Warum Geld? Damit die Familie versorgt ist und damit man dieser Verantwortung gerecht geworden ist. (IM) Aber auch, damit die anderen nicht denken: „Der kriegt das nicht hin.“ (EM) Andere Gründe können sein: Karriere machen, um die vorhandenen Talente in entfaltete Stärken zu verwandeln. Sich als erschaffendes Wesen zu spüren. (IM) Dieses innere Wachstum gibt Bestätigung und Selbstvertrauen. (IM) Und auch, damit die andern sehen können, was ich alles drauf habe. Da geht es um Anerkennung und Respekt. (EM)

Eine andere Gedankenkette. Nehmen wir an, Ihre Mitarbeiter wären alle nur intrinsisch motiviert. Sie würden nur aus sich selbst heraus handeln und bewerten. Hätten kein Interesse an der Bestätigung durch ihren Chef oder Kollegen oder Kunden. Wäre das ein hilfreicher Zustand? Wie kann man 1000 rein intrinsisch motivierte Mitarbeiter in eine Richtung führen? Ein unmögliches Unterfangen. Hinzu kommt noch: Je mehr ein Mensch nur aus sich heraus handelt, desto mehr ist er an der Erfüllung seiner eigenen Bedürfnisse interessiert. Eine starke intrinsische Motivation, gepaart mit einem echten Interesse an den Bedürfnissen anderer Menschen, ist eine Königsklasse, die die wenigsten erreichen.

Aus diesen Überlegungen lassen sich zwei Erkenntnisse ableiten:
1. Da die intrinsische Motivation so in Mode ist, sind wir in unserer Selbstwahrnehmung verblendet. Warum? Weil wir gut dastehen wollen. (EM) Wichtig sind eine ehrliche Selbst-Beobachtung und ein wahrheitsgemäßes Erkennen unserer tieferen Antriebe. Was wir da erkennen, ist sicher nicht immer besonders „toll“ und „sexy“ in den Augen anderer. Es hilft uns aber in unserer Selbsterkenntnis weiter. Weil wir jetzt wissen, wo der Ursprung liegt. Hier erreichen wir den größten Hebel, um unsere Wirkung zu erhöhen. Beantworten Sie die folgende Frage und richten Sie sich danach, dann bekommen Sie das Thema in den Griff: Was kann ich tun, damit Motive wie „gut dastehen“ und „vermeiden schlecht dazustehen“, nicht unnötig Raum bekommen und ich mich auf das konzentrieren kann, was hilfreich ist?

2. Äußere und innere Antriebe sind beide wichtig. Die Befriedigung innerer Antriebe lässt uns unser „Ich“ stärken und unser Selbstvertrauen ausbauen. Wir werden uns unserer inneren Stärke immer bewusster, trauen uns immer mehr zu. Die Befriedigung äußerer Antriebe bringt uns in den Austausch mit anderen Menschen. Die Bestätigung durch andere steht dabei im Zentrum. Ob Ehepartner, Chef oder Skatkumpel: Anerkennung und Respekt durch andere ist ein wichtiges Motiv. Es macht uns zu einem sozialeren Wesen. Wer für sich noch nicht erkannt hat, wie wichtig die Bestätigung durch andere ist, dessen Persönlichkeit und Wirkungskraft ist noch nicht so weit entwickelt. Wäre es uns jedoch vollkommen egal, was andere von uns halten, würde unsere Rücksichtslosigkeit ins Unermessliche steigen. Innere Unabhängigkeit zeigt sich nicht dadurch, dass es Ihnen völlig egal ist, was andere sagen. Sie zeigt sich dadurch, dass sie abwägen, was sie von anderen annehmen und was nicht. Werden wir andererseits von den Aussagen anderer abhängig, bluten wir emotional aus und werden zum Spielball manipulativer Kräfte. Mal wieder geht es um das passende Gleichgewicht.

Wie sieht also die Lösung aus? Für Ihre Selbstführung: Werden Sie sich über Ihre wirklichen Antriebe immer bewusster. Seien Sie ehrlich zu sich selbst. Schauen Sie sich – vor allem – das an, was Sie bisher nicht sehen wollten. Dafür gibt es einen Grund. Lernen Sie, zu sich und Ihren Motiven zu stehen. Bringen Sie Ihre inneren und äußeren Antriebe in Balance. Stärken Sie Ihre inneren Bedürfnisse genauso wie das Bedürfnis nach zwischenmenschlichem Austausch. Oder anders: Werden Sie ein großer starker Baum inmitten eines Waldes voller großer starker Bäume. Und: Den kleineren Bäumen helfen Sie, so stark zu werden, wie diese werden können. Für die Führung anderer bedeutet das: Es ist von großem Vorteil, wenn Mitarbeiter eine hohe Identifikation mit ihrem Aufgabenbereich haben. Der Mitarbeiter fühlt sich dann zu 100 Prozent zuständig. (IM) Genauso wichtig ist es, dass sich ein Mitarbeiter für das ganze Unternehmen und seine Ergebnisse verantwortlich fühlt. (EM) Er sieht seinen Platz (IM) im großen Ganzen. (EM) Das sicherzustellen ist Ihre Aufgabe als Führungskraft. Wie Sie das erreichen? Ein starkes Werkzeug hierfür ist die Ergebnisorientierte Aufgabenbeschreibung (EOA) aus unserem Führungs-System „Leading Simple“. Übrigens: Warum – denken Sie – lautet eigentlich der Werbespruch eines Schweizer Luxusuhren-Herstellers: „Männer tragen ihr Geweih am Handgelenk“? Hier geht es natürlich rein um innere Antriebe und nicht um äußere Bestätigung. ☺                                                                                      Ihr Boris Grundl

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Grundl Leadership Akademie - 78647 Trossingen -

Jedes Jahr, jeder Monat, jeder Tag, ja jede Stunde liegt vor uns wie ein unbeschriebenes Blatt und wartet darauf, von uns beschrieben zu werden. Die Frage ist nur: Lassen Ihre Gewohnheiten das zu?

Das neue Jahr hat Tempo aufgenommen und ist schon voll im Gange. Was ist eigentlich aus Ihren Vorsätzen geworden? Gewinnen diese an Raum oder haben Sie sich schon von ihnen verabschiedet? Hat der Alltag Sie wieder fest im Griff? Leben Sie oder werden Sie gelebt? Führen Sie oder werden Sie geführt?

Es ist schon verblüffend: Zum Jahreswechsel kommen fast alle Veränderungs-wünsche auf einmal auf den Tisch. Das schlechte Gewissen lässt grüßen. Wovor wir uns seit längerem gedrückt haben, jetzt soll es geschehen. Was nach hehrem Wunsch und guter Absicht aussieht, sind reine Selbstüberschätzung und mangelnde Selbsterkenntnis. Denn jede Veränderung braucht eine gewisse Menge an Energie. Der Mensch ist im Grunde ein sensibles Wesen. Gewohnheiten, eingeprägte Denkmuster und Rituale halten uns in Balance. Deswegen sind mehrere Veränderungen auf einmal zum Scheitern verurteilt.

Es ist eine Kunst, sich auf eine entscheidende Veränderung so lange zu konzentrieren, bis sie zur Gewohnheit geworden ist. Warum? Unsere sensible innere Balance kommt aus dem Gleichgewicht, wenn wir versuchen eine Gewohnheit einfach sein zu lassen. Für jede weggelassene Gewohnheit entsteht ein Raum, der gefüllt werden will. Stellen Sie sich Ihre innere Balance wie eine Waage vor. Lassen Sie eine unnütze Gewohnheit einfach nur weg, entsteht ein Ungleichgewicht. Genauso ist es beim Dazupacken. Kommt etwas dazu, muss etwas anderes weg. Es geht also darum, eine unnütze durch eine nützliche Gewohnheit auszutauschen. Deswegen scheitern so viele „gut gemeinte“ Vorsätze. Ein erklärendes Beispiel: Nehmen wir an, Sie trinken jeden Tag zehn Tassen Kaffee und Sie wollen 50 Prozent weniger trinken. Dann trinken Sie in Zukunft fünf Tassen und als Ausgleich der fehlenden fünf Tassen einen Liter Wasser. Das passt! Nur den Kaffee wegzulassen oder nur den Liter Wasser dazu zu nehmen bringt sie in ein körperliches Ungleichgewicht. Zuerst körperlich dann mental. Haben Sie eine nutzlose Gewohnheit erfolgreich ausgetauscht, dann ist die nächste dran. Das funktioniert und stärkt Schritt für Schritt Ihren Veränderungsmuskel.

Machen Sie es doch einmal ganz anders als bisher: Anstatt sich zu viel auf einmal vorzunehmen, werden Sie Schritt für Schritt zum Veränderungskünstler. Die Schritte sind: Gewohnheiten analysieren, unnütze Gewohnheiten herausfiltern, Austauschgewohnheit durchdenken und festlegen. Den Umsetzungsplan fixieren Sie schriftlich. Es geht nicht darum, in der Umsetzung keine Rückschläge zu erleiden, sondern die Summe der Rückschläge immer weiter zu verkleinern. Bis es keine mehr gibt. Oder anders ausgedrückt: den Raum des Gelingens immer etwas größer werden zu lassen. Wer bestimmt denn eigentlich, wann der passende Zeitpunkt für einen erfrischenden Gewohnheitswechsel ist? Ein Jahreswechsel oder Sie? Der richtige Zeitpunkt ist immer dann gekommen, wenn Sie mit Ihren bisherigen Gewohnheiten nicht mehr weiterkommen. Es geht darum, in gleicher Zeit Ihre Wirkung zu erhöhen. Oder weniger Zeit für die gleiche Wirkung zu benötigen. Wirkung hoch, Zeitverbrauch runter.

Es dauert mehrere Monate bis eine Veränderung zur Routine geworden ist. Je nachdem, wie tiefgreifend die Umstellung für Sie persönlich ist. Sollten Sie das Empfinden haben, bei der Umsetzung gescheitert zu sein, fangen Sie doch einfach noch einmal von vorne an. Nehmen Sie Ihr Scheitern an und lachen Sie darüber. Sagen Sie zu sich selbst: Der, der ich früher war, hat das nicht hingekriegt. Der, der ich jetzt bin, bekommt das hin. Ziehen Sie eine geistige Nullpunktlinie auf dem Boden, schreiten sie darüber und gewähren sie der Vergangenheit keinen Einlass.

Bitte bedenken Sie: Wenn Sie etwas ändern, hat das meistens Auswirkungen auf die Menschen in Ihrem Umfeld. Privat oder beruflich. Geben Sie Ihrem Umfeld die Möglichkeit, sich auf Ihre Veränderungen einzustellen. Das geht nicht auf Knopfdruck. Seien Sie geduldig. Es ist normal, dass die anderen Sie von Ihren Veränderungen abbringen wollen. Ihre Veränderungen sind vielleicht nicht zum Vorteil für alle anderen. Machiavelli drückte dies so aus: „Wer etwas Neues schaffen will, hat alle zu Feinden, die aus dem Alten Nutzen ziehen.“

So gesehen können Sie immer wieder anfangen und Anfänger im Geiste bleiben. Seien Sie sich bewusst: Dem Geist des Anfängers sind viele Wege offen, dem des Experten nur wenige. Das ermöglicht Ihnen ebenfalls, Ihr Leben immer wieder mit Anfänger-Augen zu sehen. Wenn Sie nachhause kommen und Ihren Partner und Ihre Kinder sehen, sehen Sie sie dann mit frischen, wachen Augen oder mit einem fest geprägten Bild aus der Vergangenheit? Und wie sieht es mit Ihrem Arbeitsplatz aus? Ist es ein Ort der Klarheit oder der Vergangenheit? Welches Bild haben Sie von Ihren Mitarbeitern? So wichtig es ist andere Menschen in unsere geistigen Schubladen einzuordnen, so wichtig ist es auch, die Schubladen offen zu lassen. Die Schubladen entsprechen einem beschriebenen Blatt. Doch Vorsicht! Geben Sie Ihren Mitmenschen immer wieder die Chance, aus den Schubladen zu klettern und damit ihr Wachstum zu signalisieren. Wenn Sie Ihre Mitarbeiter in der Schublade einschließen, werden Sie deren Wachstum nicht mitbekommen. Oder anders gesagt: So sehr sich ein Mitarbeiter auch bemüht, sein Blatt bleibt mit der Tinte seiner Vergangenheit beschrieben. Sie entscheiden, wie Sie Ihre Mitarbeiter oder sich selbst sehen. Viel Vergnügen beim Beschreiben „leerer Blätter“. ☺                                                                                     

Ihr Boris Grundl

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